Predigt: Wenn diese schweigen, werden die Steine schreien

Textgrundlage: Lukas 19, 37–40

Liebe Gemeinde,

wir leben in einer Zeit, die oberflächlich betrachtet so laut ist wie nie zuvor. Sekundenberichte, endlose Kommentarspalten, Millionen von Videos, die rund um die Uhr auf unsere Bildschirme prasseln. Man könnte meinen, der Menschheit wäre noch nie so viel Raum gegeben worden, um zu sprechen, zu teilen und Zeugnis abzulegen.

Doch wer genauer hinsieht, wer mit wachem Geist und offenem Herzen durch diese digitale Welt geht, der bemerkt eine schleichende, unheimliche Stille.

Es ist nicht die Stille des Friedens. Es ist die Stille der Ausgrenzung. Es ist das systematische Glattstreifen des menschlichen Geistes.

1. Das moderne Diktat des Schweigens

Wenn heute Menschen aufstehen und Missstände beim Namen nennen, wenn sie traditionelle, christliche Werte verteidigen, wenn sie die Mächtigen hinterfragen oder ungemütliche Wahrheiten aussprechen, erleben sie das, was die Pharisäer damals vor den Toren Jerusalems versuchten: Sie sollen zum Schweigen gebracht werden.

Damals forderte man Jesus auf: „Meister, weise deine Jünger zurecht!“ Bring sie zum Schweigen, sie stören die Ordnung, sie stören den Status quo, sie passen nicht in das System.

Heute braucht es dafür oft keine sichtbaren Pharisäer mehr. Heute übernehmen das die unsichtbaren Zensoren unserer Zeit: Algorithmen, digitale Filter und die weichgespülte Korrektheit großer Konzerne. Aus Angst vor Kontroversen, aus Gier nach dem sterilen Wohlwollen von Werbekunden wird das lebendige Wort blockiert. Wer aneckt, wer den Finger in die Wunden der Gesellschaft legt – sei es bei der Debatte um Gerechtigkeit, Freiheit oder unseren Glauben –, dem wird im digitalen Raum der Stecker gezogen. Es ist eine moderne, subtile Form der Verdrängung. Sie wollen eine Kultur, die funktioniert wie eine Maschine: ohne Reibung, ohne Ecken, ohne Kanten, ohne Seele.

2. Die Illusion der Neutralität

Die Welt versucht uns einzureden, dass diese Zensur zu unserem Schutz geschieht. Man nennt es „Sicherheit“, man nennt es „Gemeinschaftsrichtlinien“. Doch es ist der älteste Versuch der Menschheitsgeschichte: Die Mächtigen wollen bestimmen, was die Wahrheit ist.

Wir haben es in den vergangenen Jahren schmerzhaft erlebt, wie schnell Kritik diskreditiert und als falsch abgestempelt wurde, nur weil sie dem Herrschaftswissen widersprach. Und wenn die Opposition im Geiste mundtot gemacht ist, erübrigt sich für die Regierenden jeder Kampf um das Argument. Wo kein Widerspruch mehr erlaubt ist, stirbt die Freiheit. Wo christliche Werte als „störend“ weggefiltert werden, verliert die Gesellschaft ihr Fundament.

Doch Jesus gibt den Pharisäern – und damit den Torwächtern aller Zeiten – eine Antwort, die uns heute als brennendes Mahnmal dienen muss:

„Ich sage euch: Wenn diese schweigen, werden die Steine schreien.“

3. Die Wahrheit lässt sich nicht einsperren

Was bedeutet das für uns im Jahr 2026?

Es bedeutet: Die Wahrheit, Gottes Wort und der menschliche Drang nach Freiheit sind elementare Urgewalten. Sie lassen sich nicht in den Code eines Silicon-Valley-Konzerns einsperren. Sie lassen sich nicht durch Sperren auf TikTok oder Blockaden in der KI aus der Welt schaffen.

Wenn die Kanäle der Mächtigen verstopft sind, wenn die großen Plattformen schweigen, dann sucht sich die Wahrheit neue, unerwartete Wege. Dann bricht sie sich Bahn durch das Unscheinbare. Die „Steine“, das sind die Orte und die Menschen, die man eigentlich schon abgeschrieben hat.

  • Es ist das mutige Wort im Alltag.
  • Es ist der gedruckte Zettel, der von Hand zu Hand geht.
  • Es ist die Gemeinschaft auf der Straße, von Angesicht zu Angesicht, wo kein Algorithmus der Welt den Ton abdrehen kann.

Wenn die Institutionen, die eigentlich dem Volk und der Wahrheit dienen sollten, zu sterilen Kulissen des Postenschachs verkommen, dann schlägt die Stunde der Zivilgesellschaft. Dann schlägt die Stunde der Gläubigen, die sich nicht an den Konformismus dieser Welt verkaufen.

Schluss: Geht hinaus und redet!

Liebe Brüder und Schwestern, lasst euch nicht einreden, dass euer Zeugnis, dass eure christlichen Werte und eure berechtigte Kritik nicht mehr gefragt sind. Das Gegenteil ist der Fall: Die Welt hungert nach Echtheit, nach Kanten, nach Wahrheit in einer Wüste aus glattgestrichenen Lügen.

Wir müssen nicht darauf warten, dass die KIs oder die Großkonzerne uns die Erlaubnis erteilen, zu sprechen. Unsere Erlaubnis, unsere Berufung, haben wir von höherer Stelle.

Wenn sie uns im Virtuellen sperren, dann lasst uns im Realen umso lauter sein. Geht hinaus auf die Plätze, geht zu den Menschen. Seid keine stummen Zuschauer einer sterbenden Debattenkultur. Denn wenn wir schweigen, laden wir eine schwere Schuld auf uns – und die Steine werden an unserer Stelle schreien müssen.

Lasst uns die Stimmen der Wahrheit, des Glaubens und der echten Freiheit sein. Heute, auf der Straße, und alle Tage unseres Lebens.

Amen.

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About OM-Pastor Hans-Georg Peitl

.) Herausgeber des Liberalen Boten .) ist Bundesvorsitzender der Plattform Obdachlose (PO) .) Präsident des Plattform Obdachlose - Presseclubs (POP) .) Seniorpastor der Living hands .) Rektor des Instituts Für Christliche Forschung (IFCF) Sitz: Haskovo/Bulgarien .) Autor zahlreicher Freimaurer-Bücher
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