Immer wieder erleben wir, dass ganze Menschengruppen über einen Kamm geschoren werden. Da heißt es plötzlich: „Die Zuwanderer sind …“, „Die Muslime sind …“, „Die KI-Produzenten sind …“.
Schon wenn ein Satz mit „Alle sind …“ beginnt, sollten bei uns die Alarmglocken läuten. Denn keine Menschengruppe ist in sich vollkommen gleich. Es gibt überall unterschiedliche Menschen, unterschiedliche Überzeugungen und unterschiedliche Lebensweisen.
Die Bibel zeigt uns immer wieder, wohin pauschale Verurteilungen führen können. Nicht der Einzelne wird mehr betrachtet, sondern eine ganze Gruppe wird zum Feindbild erklärt. Genau dadurch entstehen Ausgrenzung, Hass und schließlich Verfolgung.
Auch Jesus blieb davon nicht verschont. Schon als kleines Kind musste er mit Maria und Josef fliehen.
Mt 2,13:
„Als sie aber hinweggezogen waren, siehe, da erschien der Engel des Herrn dem Josef im Traum und sprach: Steh auf, nimm das Kindlein und seine Mutter mit dir und flieh nach Ägypten und bleib dort, bis ich dir’s sage; denn Herodes hat vor, das Kindlein zu suchen, um es umzubringen.“
Die Geschichte zeigt, dass Verfolgung nicht erst mit Gewalt beginnt. Oft beginnt sie viel früher – dort, wo Menschen nicht mehr als einzelne Persönlichkeiten gesehen werden, sondern nur noch als Teil einer Gruppe, über die pauschal geurteilt wird.
Deshalb sollten Christen aufmerksam sein, wenn ganze Bevölkerungsgruppen verurteilt oder ausgegrenzt werden. Das bedeutet nicht, dass man Kritik an einzelnen Menschen oder konkreten Taten unterlassen soll. Kritik ist notwendig und manchmal sogar geboten. Aber sie muss sich auf das Verhalten einzelner oder auf konkrete Sachverhalte beziehen – nicht auf Millionen Menschen zugleich.
Jesus hat uns gelehrt, gerecht zu urteilen. Gerechtigkeit beginnt dort, wo wir den einzelnen Menschen sehen und nicht das Vorurteil.
Darum stellt sich die Frage: Sollen wir schweigen, wenn wir erleben, dass Menschen pauschal verurteilt werden? Oder ist es gerade unsere Aufgabe als Christen, rechtzeitig darauf hinzuweisen, damit aus Vorurteilen keine Ausgrenzung und aus Ausgrenzung keine Verfolgung wird?
Vielleicht ist genau das eine Aufgabe der Christen in unserer Zeit: Nicht Hass zu schüren, sondern Brücken zu bauen. Nicht Menschen in Gruppen einzuteilen, sondern sie als Geschöpfe Gottes zu sehen.




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