Vor kurzem fragte mich jemand, warum ich nicht langsam in Pension gehe.
Ich hätte doch lange genug gekämpft. Wahlantritte, erfolgreiche Petitionen, Bücher, Radio, Musik und viele andere Projekte – irgendwann müsse doch einmal Schluss sein.
Ich musste über diese Frage nachdenken.
Dann fiel mir das Gleichnis vom reichen Kornbauern ein.
Lukas 12,16–21
„Und er sagte ihnen ein Gleichnis und sprach: Es war ein reicher Mensch, dessen Land hatte gut getragen. … Und er sprach zu seiner Seele: Liebe Seele, du hast einen großen Vorrat für viele Jahre; habe nun Ruhe, iss, trink und habe guten Mut! Aber Gott sprach zu ihm: Du Narr! Diese Nacht wird man deine Seele von dir fordern. Und wem wird dann gehören, was du bereitet hast? So geht es dem, der sich Schätze sammelt und ist nicht reich bei Gott.“
Dieses Gleichnis wird oft auf materiellen Reichtum bezogen.
Ich frage mich aber, ob darin nicht noch ein weiterer Gedanke steckt.
Der reiche Kornbauer beschließt nicht nur, seine Ernte zu verwalten. Er beschließt auch, sich zur Ruhe zu setzen. Er sagt sinngemäß: Jetzt habe ich genug getan. Jetzt kann ich es mir gemütlich machen.
Genau darin sehe ich persönlich die Gefahr.
Nicht im Verwalten dessen, was Gott einem anvertraut hat, sondern in der Haltung, dass der eigene Auftrag nun beendet sei.
Augustinus wird der Satz zugeschrieben:
„Dein Leben sei ein Gebet. Bete ohne Unterlass.“
Das erinnert an die Aufforderung des Apostels Paulus:
„Betet ohne Unterlass.“ (1. Thessalonicher 5,17)
Für mich bedeutet das: Solange Gott mir Kraft schenkt, gibt es auch Aufgaben. Vielleicht verändern sie sich im Laufe des Lebens. Vielleicht werden sie kleiner oder sehen anders aus. Aber der Dienst an Gott endet nicht mit einem bestimmten Alter.
Deshalb fällt mir der Gedanke an eine „geistliche Pension“ schwer.
Wie seht Ihr das?
Hat ein Christ irgendwann seinen Auftrag erfüllt und darf sich vollständig zur Ruhe setzen? Oder begleitet uns der Ruf Gottes, ihm zu dienen, unser ganzes Leben lang?




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