Manchmal gibt es Entwicklungen, mit denen man selbst nicht gerechnet hätte.
Gestern teilte mir unser Team mit, dass unser neues Musikprojekt Hans-Georg Peitl & ACE Ruseva inzwischen nicht nur in Haskovo mediale Aufmerksamkeit bekommen hat. Die Meldung über unser Lied „Auf dem Weg nach Haskovo“ wurde auch über BGVesti und weitere regionale Ausgaben verbreitet.
Dabei gibt es Hans-Georg Peitl & ACE Ruseva noch gar nicht lange.
Erst vor kurzer Zeit haben wir begonnen, unser bisheriges Projekt Hans-Georg Peitl & Suno Lingens auf eine neue musikalische Zusammenarbeit umzustellen. Wir wussten nicht, wie schnell ein neuer Künstlername angenommen werden würde und ob wir damit praktisch wieder bei null beginnen müssten.
Das Gegenteil scheint der Fall zu sein.
ACE Ruseva findet man inzwischen als eigenständige Künstlerin auf verschiedenen Musikplattformen. Die ersten gemeinsamen Singles sind veröffentlicht, weitere Produktionen sind entstanden – und nun gibt es bereits die ersten Zeitungsartikel über unser österreichisch-bulgarisches Musikprojekt.
Seit gestern kommt sogar die ganz alte Musikwelt hinzu: Unsere Musik soll nicht mehr ausschließlich digital existieren. Mit Langspielplatte, Vinyl-Single und zwei CD-Singles stehen inzwischen auch physische Tonträger zur Verfügung.
Für ein Projekt, das gerade erst aufgebaut wird, ist das ein erstaunlicher Start.
Und trotzdem beschäftigt mich daran etwas ganz anderes.
Warum Bulgarien?
In diesem Zusammenhang musste ich an einen bekannten Ausspruch Jesu denken:
„Ein Prophet gilt nirgends weniger als in seinem Vaterland und in seinem Hause.“
(vgl. Matthäus 13,57)
Natürlich vergleiche ich unser Musikprojekt nicht mit Jesus und schon gar nicht mich selbst mit einem biblischen Propheten.
Mich beschäftigt vielmehr das Prinzip hinter diesem Satz.
Mit Hans-Georg Peitl & Suno Lingens sind im Laufe der Zeit 185 Alben entstanden. Eine enorme Menge an Musik. Trotzdem gelang es uns damit in Wien nicht, eine entsprechende mediale Aufmerksamkeit zu erreichen.
Nun starten wir Hans-Georg Peitl & ACE Ruseva in Bulgarien.
Wir veröffentlichen einen Song über Haskovo – auf Deutsch, Bulgarisch und Englisch. Wir nennen unseren Stil „Ostblock Country“, weil darin Country ebenso seinen Platz findet wie Einflüsse aus Bulgarien und Mitteleuropa.
Und plötzlich berichten Medien darüber. Tatsächlich beschreibt BGVesti unser Projekt ausdrücklich als österreichisch-bulgarisches Duo und stellt sowohl den Haskovo-Song als auch die drei Sprachfassungen und unseren „Ostblock Country“ vor.
Warum?
Vielleicht liegt die Antwort gar nicht darin, dass Bulgarien Musik grundsätzlich mehr schätzt als Österreich.
Vielleicht haben wir hier schlicht etwas geschaffen, das Menschen unmittelbar mit ihrer eigenen Umgebung verbinden können.
Für einen Wiener Journalisten ist ein Wiener, der Musik macht, zunächst einmal einer von vielen.
Für ein Medium in Haskovo ist ein Österreicher, der gemeinsam mit einer Bulgarin ein Lied über Haskovo veröffentlicht, schon eine ungewöhnlichere Geschichte.
Und vielleicht ist genau das der Punkt.
Manchmal erkennt die Fremde zuerst, was man zu Hause übersieht
Menschen, die uns lange kennen, haben häufig bereits ein festes Bild von uns.
Der Mensch von nebenan bleibt der Mensch von nebenan. Der alte Bekannte bleibt der alte Bekannte. Und jemand, der seit Jahren Musik macht, ist eben „der, der Musik macht“.
Für einen Menschen, der uns gerade erst entdeckt, existiert diese Vorgeschichte nicht.
Er sieht nur das, was jetzt vor ihm liegt.
Vielleicht erklärt das ein kleines Stück weit, warum Künstler manchmal zuerst weit weg von ihrer Heimat wahrgenommen werden. Nicht unbedingt, weil die Heimat sie ablehnt – sondern weil das Vertraute weniger Aufmerksamkeit erzeugt als etwas Neues.
Und damit bekommt der alte Satz vom Propheten im eigenen Land für mich plötzlich eine ganz alltägliche Bedeutung.
Wir haben jahrelang nach Wien hineingerufen.
Jetzt haben wir ein Lied über Haskovo geschrieben.
Und Haskovo hat geantwortet.
Vielleicht sollte man manchmal gar nicht so sehr danach fragen, warum eine Tür verschlossen geblieben ist.
Vielleicht sollte man sich einfach darüber freuen, dass sich an einer anderen Stelle plötzlich eine geöffnet hat.
Was meint ihr?
Habt ihr selbst schon erlebt, dass eure Arbeit, eure Ideen oder eure Leistungen außerhalb eures gewohnten Umfeldes stärker wahrgenommen wurden als dort, wo man euch schon lange kennt?




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