Selbstsucht oder Nächstenliebe?

Da gibt es Menschen, liebe Freunde, die mir immer wieder vorhalten, dass ich doch alles nur aus Selbstsucht machen würde. Ich möchte mich in den Mittelpunkt stellen.

von Hans-Georg Peitl

Und irgendwie haben diese Menschen sogar recht.

Ja. Ich will, dass die Menschen sehen, was ich mache. Ich will, dass mich die Menschen kennen. Ich will, dass sie mich fragen, warum ich das mache. Und ich möchte damit auch ein Vorbild sein: eines, das andere vielleicht dazu bringt, selbst etwas zu tun.

Denn Jesus sagt:

Mt 5,15: „Man zündet auch nicht ein Licht an und setzt es unter einen Scheffel, sondern auf einen Leuchter; so leuchtet es allen, die im Hause sind.“

Natürlich kennt die Bibel auch die andere Seite. Jesus warnt ausdrücklich davor, Gutes nur deshalb zu tun, um dafür von anderen Menschen bewundert zu werden.

Darum geht es mir aber nicht.

Es geht um die Frage, ob Nächstenliebe unsichtbar bleiben muss, um echte Nächstenliebe zu sein.

Manche angeblichen Christen vermitteln beinahe den Eindruck, ein Christ müsse möglichst unauffällig bleiben. Tue Gutes – aber rede bloß nicht darüber. Hilf Menschen – aber sorge dafür, dass es niemand bemerkt. Bleibe demütig und halte dich aus der Öffentlichkeit heraus.

Doch so einfach kann es nicht sein.

Jesus selbst wirkte öffentlich. Menschen versammelten sich zu Tausenden, um ihn zu hören. Er zog auf einem Esel in Jerusalem ein. Er trat im Tempel öffentlich gegen Zustände auf, die er für falsch hielt. Sein Wirken war sichtbar und löste Reaktionen aus.

Hätte niemand davon erfahren, hätte seine Botschaft auch niemand weitertragen können.

Damit kommen wir zu einem entscheidenden Unterschied:

Will ich gesehen werden, damit die Menschen mich bewundern? Oder will ich gesehen werden, damit die Menschen sehen, was möglich ist?

Wenn jemand einem Obdachlosen ein Essen gibt und anschließend nur erzählt, was für ein großartiger Mensch er selbst sei, darf man durchaus nach seinen Motiven fragen.

Wenn aber jemand öffentlich zeigt, dass er einem Obdachlosen hilft, und dadurch hundert andere Menschen auf die Idee bringt, ebenfalls zu helfen, dann hat diese Öffentlichkeit plötzlich einen Sinn.

Vielleicht ist das sogar eine der Aufgaben eines Vorbildes.

Ein Licht auf dem Leuchter macht schließlich nicht den Leuchter sichtbar.

Es macht den Raum hell.

Darum lautet die entscheidende Frage für mich nicht: Darf Nächstenliebe sichtbar sein?

Sondern:

Wem dient diese Sichtbarkeit?

Dem eigenen Ego?

Oder den Menschen, für die wir etwas verändern wollen?

Denn wenn wir aus Angst davor, selbstsüchtig zu wirken, unser Licht tatsächlich unter den Scheffel stellen, besteht eine ganz andere Gefahr:

Dass wir am Ende zwar wunderbar bescheiden aussehen – aber niemandem mehr den Weg leuchten.

Avatar von Unbekannt

About OM-Pastor Hans-Georg Peitl

.) Herausgeber des Liberalen Boten .) ist Bundesvorsitzender der Plattform Obdachlose (PO) .) Präsident des Plattform Obdachlose - Presseclubs (POP) .) Seniorpastor der Living hands .) Rektor des Instituts Für Christliche Forschung (IFCF) Sitz: Haskovo/Bulgarien .) Autor zahlreicher Freimaurer-Bücher
Dieser Beitrag wurde unter Begrüssung veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.