„Ein jegliches hat seine Zeit, und alles Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde.“ – Prediger 3,1
Liebe Freunde,
alles hat wohl seine Zeit.
Eine Zeit, in der wir geboren werden. Eine Zeit, in der wir sterben. Eine Zeit, in der wir lachen, und eine Zeit, in der wir weinen.
So steht es bereits in der Bibel.
Nur: Haben wir das eigentlich verstanden?
Denn manchmal habe ich den Eindruck, dass wir Menschen uns viel zu sehr damit beschäftigen, was einmal sein könnte, anstatt uns darum zu kümmern, was heute ist.
Da werden wir älter. Stellen fest, dass der Körper nicht mehr so funktioniert wie mit zwanzig Jahren. Die ersten Krankheiten stellen sich ein. Und plötzlich beginnen wir, uns Gedanken über unser Lebensende zu machen.
Großartig!
Da schenkt uns unser Herrgott einen weiteren Tag, und wir verbringen ihn damit, darüber nachzudenken, wie viele Tage uns wohl noch bleiben.
Ist das wirklich der Sinn unseres Lebens?
Ich glaube nicht.
Denn wenn alles seine Zeit hat, dann hat auch das Leben seine Zeit. Eine Zeit, die wir nicht damit verschwenden sollten, auf unseren Tod zu warten.
Sehen wir uns doch einmal Jesus Christus an.
Hat er seine Zeit damit verbracht, darüber zu jammern, dass er eines Tages gekreuzigt werden würde?
Nein.
Er zog durch die Städte und Dörfer. Predigte das Evangelium. Heilte Kranke. Half Menschen. Sprach mit Zöllnern, Sündern und all jenen, mit denen die damalige Gesellschaft lieber nichts zu tun haben wollte.
Und das, obwohl er wusste, was ihn erwartete.
Er nutzte seine Zeit.
Nun werden manche sagen: Ja, aber Jesus war schließlich Gottes Sohn.
Richtig.
Nur hat er uns damit nicht auch ein Beispiel gegeben?
Ein Beispiel dafür, dass wir unsere Lebenszeit nicht einfach verstreichen lassen sollten?
Ich denke schon.
Auch ich weiß nicht, wie viele Jahre mir unser Herrgott noch schenken wird. Vielleicht zehn. Vielleicht zwanzig. Vielleicht auch nur einen einzigen Tag.
Aber eines weiß ich:
Solange ich lebe, möchte ich etwas bewegen.
Menschen helfen. Bücher schreiben. Musik komponieren. Das Evangelium verkünden. Und vielleicht auch hin und wieder jemanden mit meinen Gedanken ordentlich auf die Palme bringen.
Denn auch dafür scheint mich unser Herrgott geschaffen zu haben.
Und wenn ich eines Tages vor ihm stehe, möchte ich nicht erklären müssen, dass ich die letzten zwanzig Jahre meines Lebens damit verbracht habe, auf diesen Termin zu warten.
Liebe Freunde,
alles hat seine Zeit.
Das Pflanzen und das Ernten. Das Aufbauen und das Abbrechen. Das Schweigen und das Reden.
Und selbstverständlich auch das Leben und das Sterben.
Nur sollten wir dabei eines nicht vergessen:
Solange wir leben, ist unsere Zeit zum Leben gekommen.
Also nützen wir sie.
Nicht irgendwann.
Nicht erst dann, wenn alle Probleme gelöst sind.
Nicht erst dann, wenn wir wieder vollkommen gesund sind.
Sondern heute.
Denn morgen hat unser Herrgott vielleicht schon wieder ganz andere Aufgaben für uns vorgesehen.
Und der Tod?
Nun, liebe Freunde, auch der hat seine Zeit.
Aber darüber soll sich unser Herrgott Gedanken machen.
Wir haben inzwischen noch etwas zu tun.
Hans-Georg Peitl – Ritter der schrägen Töne




Du muss angemeldet sein, um einen Kommentar zu veröffentlichen.