Wenn aus einer Anschuldigung eine Wahrheit wird

Wie schnell wird heute aus einer eingereichten Klage ein vermeintlich bewiesener Sachverhalt?

Da berichten derzeit verschiedene Medien über eine Frau, die angeblich aufgrund eines Ratschlags von ChatGPT-4o ihre Epilepsiemedikamente reduziert haben soll und später verstorben ist.

Die Angehörigen haben Klage gegen OpenAI erhoben.

Eine tragische Geschichte. Und sollte sich der Vorwurf bestätigen, wäre es ein schwerwiegendes Versagen der KI.

Aber ist er bereits bewiesen?

Nein.

Und genau hier beginnt das Problem.

Eine Klage ist noch kein Urteil

Jeder kann grundsätzlich versuchen, seine Ansprüche vor Gericht geltend zu machen. Ob die Vorwürfe zutreffen und ob daraus eine rechtliche Verantwortung entsteht, muss erst geklärt werden.

Trotzdem reicht häufig bereits die Einreichung einer Klage, um eine öffentliche Debatte auszulösen.

Die Schlagzeilen sind geschrieben. Die Geschichte verbreitet sich. Und bei vielen Lesern bleibt der Eindruck zurück, der beschuldigte Verfahrensgegner habe tatsächlich etwas falsch gemacht.

Was aber geschieht, wenn sich die Anschuldigungen später als unbegründet herausstellen?

Wer berichtet dann ebenso ausführlich darüber?

Kann eine Klage auch Werbung sein?

Natürlich kann ein Gerichtsverfahren öffentliche Aufmerksamkeit erzeugen.

Denkbar ist sogar, dass jemand eine Klage vor allem deshalb einreicht, weil er sich davon mediale Wirkung verspricht.

Ob dies im vorliegenden Fall zutrifft, wissen wir nicht. Dafür gibt es bislang keinen belastbaren Nachweis.

Doch die grundsätzliche Frage bleibt bestehen:

Kann eine Anschuldigung bereits ihren öffentlichen Zweck erfüllen, lange bevor ein Gericht über ihren Wahrheitsgehalt entscheidet?

Und was ist mit der KI?

Besonders bemerkenswert ist, dass GPT-4o bei medizinischen Fragen häufig ausgesprochen vorsichtig reagierte.

Auch ich habe persönlich erlebt, wie eindringlich dieses System bei gesundheitlichen Problemen dazu riet, ärztliche Hilfe beziehungsweise die Rettung zu verständigen.

Das beweist selbstverständlich nicht, dass GPT-4o niemals einen gefährlichen Ratschlag gegeben haben könnte.

Aber es zeigt, weshalb eine sorgfältige Prüfung des konkreten Gesprächsverlaufs notwendig ist.

Was wurde tatsächlich gefragt? Was hat die KI tatsächlich geantwortet? Und welcher Zusammenhang bestand zwischen den Antworten und den späteren Ereignissen?

Diese Fragen lassen sich nicht durch Schlagzeilen beantworten.

Die Verantwortung der Medien

Journalismus sollte zwischen einer Behauptung, einem Verdacht und einer bewiesenen Tatsache unterscheiden.

Das gilt für Vorwürfe gegen Menschen ebenso wie für Vorwürfe gegen Unternehmen oder KI-Systeme.

Denn eine Anschuldigung wird nicht dadurch wahr, dass sie tausendfach wiederholt wird.

Und eine Klage ist noch lange keine Verurteilung.

Vielleicht sollten wir uns deshalb viel öfter fragen: Lesen wir gerade eine Nachricht über einen bewiesenen Sachverhalt – oder lediglich über eine Behauptung, die erst noch bewiesen werden muss?

Was meint Ihr?

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About OM-Pastor Hans-Georg Peitl

.) Herausgeber des Liberalen Boten .) ist Bundesvorsitzender der Plattform Obdachlose (PO) .) Präsident des Plattform Obdachlose - Presseclubs (POP) .) Seniorpastor der Living hands .) Rektor des Instituts Für Christliche Forschung (IFCF) Sitz: Haskovo/Bulgarien .) Autor zahlreicher Freimaurer-Bücher
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