Hat Jesus sich für die Meinungsfreiheit eingesetzt?

Ein Denkanstoß

Ob es sich beim Einzug Jesu in Jerusalem auch um ein Zeichen für die Freiheit des Glaubens und des öffentlichen Bekenntnisses gehandelt hat, darüber kann man nachdenken.

Im Lukasevangelium lesen wir:

„Er antwortete und sprach: Ich sage euch: Wenn diese schweigen werden, so werden die Steine schreien.“
(Lukas 19,40)

Jesus zieht auf einem jungen Esel in Jerusalem ein. Die Menschen begrüßen ihn voller Freude. Sie legen ihre Mäntel und Palmzweige auf den Weg und rufen laut:

„Hosianna dem Sohn Davids! Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn!“

Doch nicht alle freuen sich darüber. Einige Pharisäer fordern Jesus auf, seine Jünger zum Schweigen zu bringen. Diese Worte, diese Begeisterung und dieses öffentliche Bekenntnis seien unerwünscht.

Jesus weist ihre Forderung jedoch zurück.

Stattdessen antwortet er mit einem Satz, der bis heute nachhallt:

„Wenn diese schweigen werden, so werden die Steine schreien.“

Diese Worte lassen sich unterschiedlich verstehen. Zunächst machen sie deutlich, dass Gottes Wahrheit sich nicht aufhalten lässt. Selbst wenn Menschen zum Schweigen gebracht würden, würde die Schöpfung selbst Zeugnis von Gott ablegen.

Doch die Aussage wirft noch eine weitere Frage auf:

Hat Jesus hier nicht auch das Recht seiner Jünger verteidigt, ihren Glauben öffentlich zu bekennen?

Er war jedenfalls nicht bereit, diejenigen zum Schweigen zu bringen, die Gott lobten. Er stellte sich gegen die Forderung, ihre Stimmen verstummen zu lassen.

Vielleicht war gerade diese Haltung einer der Gründe, weshalb Jesus von den religiösen Führern als Gefahr angesehen wurde. Die Evangelien nennen verschiedene Ursachen für den späteren Konflikt – seine Vollmacht, seine Kritik an den religiösen Autoritäten, die Tempelreinigung und sein messianischer Anspruch. Doch ebenso fällt auf, dass Jesus sich nicht einschüchtern ließ und sich weigerte, die Wahrheit Gottes aus Rücksicht auf den Druck seiner Gegner zu verschweigen.

Die Frage bleibt deshalb offen:

War Jesu Weigerung, seine Jünger zum Schweigen zu bringen, auch ein Zeichen dafür, dass Gott den Menschen die Freiheit gibt, die Wahrheit auszusprechen?

Vielleicht liegt gerade darin eine zeitlose Botschaft: Wahrheit braucht keine Erlaubnis, um ausgesprochen zu werden. Und wenn Menschen verstummen müssen, findet Gott dennoch Wege, sich Gehör zu verschaffen.

„Wenn diese schweigen werden, so werden die Steine schreien.“ (Lukas 19,40)

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About OM-Pastor Hans-Georg Peitl

.) Herausgeber des Liberalen Boten .) ist Bundesvorsitzender der Plattform Obdachlose (PO) .) Präsident des Plattform Obdachlose - Presseclubs (POP) .) Seniorpastor der Living hands .) Rektor des Instituts Für Christliche Forschung (IFCF) Sitz: Haskovo/Bulgarien .) Autor zahlreicher Freimaurer-Bücher
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