Hatte Jesus einen eigenen Willen?

Eine Frage, die in der christlichen Theologie immer wieder diskutiert wird, lautet: Hatte Jesus einen eigenen Willen, oder war sein Wille vollständig mit dem des Vaters identisch?

Eine bemerkenswerte Bibelstelle finden wir im Garten Gethsemane:

Lukas 22,42:
„Vater, willst du, so nimm diesen Kelch von mir; doch nicht mein, sondern dein Wille geschehe!“

Für mich zeigt dieser Vers deutlich, dass Jesus zwischen seinem eigenen Wunsch und dem Willen des Vaters unterscheidet. Er bittet darum, den Leidensweg nicht gehen zu müssen, entscheidet sich aber bewusst für den Gehorsam gegenüber Gott.

Gerade dieser Gehorsam macht ihn nach meinem Verständnis nicht geringer, sondern offenbart seine Größe.

Jesus bezeichnet sich selbst als den verheißenen Messias:

Johannes 4,25–26:
„Die Frau spricht zu ihm: Ich weiß, dass der Messias kommt, der Christus heißt. Wenn dieser kommt, wird er uns alles verkündigen. Jesus spricht zu ihr: Ich bin’s, der mit dir redet.“

Nach seiner Auferstehung wird er von Gott erhöht:

Apostelgeschichte 5,31:
„Den hat Gott durch seine rechte Hand erhöht zum Fürsten und Heiland, um Israel Buße und Vergebung der Sünden zu geben.“

Dabei fällt auf, dass die Bibel zuvor vom Teufel als dem „Fürsten dieser Welt“ und sogar als dem „Gott dieser Welt“ spricht:

Johannes 14,30:
„Denn es kommt der Fürst dieser Welt. Er hat keine Macht über mich.“

2. Korinther 4,4:
„…den Ungläubigen, denen der Gott dieser Welt den Sinn verblendet hat…“

Gleichzeitig kündigt Jesus an:

Johannes 12,31:
„Jetzt ergeht das Gericht über diese Welt; jetzt wird der Fürst dieser Welt hinausgestoßen werden.“

Nach meinem Verständnis entsteht daraus ein bemerkenswertes Bild: Der bisherige Fürst dieser Welt verliert seine Stellung, und Gott setzt Jesus als neuen Fürsten und Heiland ein. Der entscheidende Unterschied besteht darin, dass Jesus nicht eigenmächtig handelt, sondern vollkommen dem Willen des Vaters gehorsam bleibt.

Paulus beschreibt dies so:

Philipper 2,8:
„Er erniedrigte sich selbst und ward gehorsam bis zum Tode, ja zum Tode am Kreuz.“

Gerade dieser Gehorsam zeigt für mich die Größe Jesu. Nicht darin, dass er keinen eigenen Willen gehabt hätte, sondern darin, dass er seinen Willen freiwillig dem Willen Gottes unterordnete.

Vielleicht liegt gerade darin eine wichtige Botschaft für Christen heute: Nachfolge bedeutet nicht, keinen eigenen Willen zu besitzen. Nachfolge bedeutet vielmehr, den eigenen Willen immer wieder an Gottes Willen auszurichten – so, wie Jesus es selbst vorgelebt hat.

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About OM-Pastor Hans-Georg Peitl

.) Herausgeber des Liberalen Boten .) ist Bundesvorsitzender der Plattform Obdachlose (PO) .) Präsident des Plattform Obdachlose - Presseclubs (POP) .) Seniorpastor der Living hands .) Rektor des Instituts Für Christliche Forschung (IFCF) Sitz: Haskovo/Bulgarien .) Autor zahlreicher Freimaurer-Bücher
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