Können Depressionserkrankungen verbinden?

Manchmal sind es überraschende Gemeinsamkeiten, die ein Projekt überhaupt erst möglich machen.

Künstler sind ohnehin selten Menschen, die sich besonders gerne in eine Norm pressen lassen.

Und so treffen sich auch bei uns ganz unterschiedliche Menschen: Autisten, Menschen mit Depressionen, Menschen mit psychischen Krisenerfahrungen und andere, deren Lebensweg nicht immer gerade und einfach verlaufen ist.

Und plötzlich stellt man fest:

Wir können gemeinsam etwas schaffen.

Wir können gemeinsam Musik machen.

Wir können gemeinsam versuchen, die Welt ein kleines Stück besser zu machen.

Und wir können gemeinsam an einer Zukunft bauen, selbst wenn das Leben dem einen oder anderen von uns schon ziemlich große Steine in den Weg gelegt hat.

Drei Säulen

Dabei stehen für uns drei Säulen im Mittelpunkt:

1. Ein christlicher Glaube:
Glaube kann Berge versetzen.

2. Eine humanistische Weltsicht:
Wir glauben an die Kraft positiven Denkens und daran, dass jeder Mensch Würde und Fähigkeiten besitzt.

3. Eine gemeinsame Gewissheit:
Aufgeben tun wir maximal einen Brief.

Vielleicht sind es gerade diese drei Punkte, die Menschen zusammenschweißen können.

Denn ja: Ein Mensch kann an einer Depression oder einer anderen psychischen Erkrankung leiden. Ein Mensch kann Zeiten erleben, in denen ihm Dinge schwerfallen, die für andere selbstverständlich erscheinen.

Aber eine Erkrankung entscheidet nicht darüber, ob dieser Mensch etwas zu geben hat.

Sie entscheidet nicht darüber, ob er kreativ sein kann.

Sie entscheidet nicht darüber, ob er Freundschaften schließen, Verantwortung übernehmen oder gemeinsam mit anderen etwas aufbauen kann.

Und was sagt der christliche Glaube dazu?

Das Christentum verspricht uns keineswegs ein Leben ohne Leid.

Auch die Bibel erzählt von Menschen, die verzweifelt waren, Angst hatten, keinen Ausweg mehr sahen oder mit ihrem Leben haderten.

Entscheidend ist etwas anderes:

Der Mensch verliert dadurch seinen Wert vor Gott nicht.

Jesus suchte sich eben nicht ausschließlich die Starken, Erfolgreichen und gesellschaftlich Anerkannten aus. Immer wieder wandte er sich Menschen zu, die am Rand standen, krank waren oder von anderen abgeschrieben wurden.

Und Paulus schreibt:

„Einer trage des andern Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen.“
Galater 6,2

Vielleicht steckt genau darin ein Teil der Antwort.

Wir müssen die Last des anderen nicht selbst erlebt haben, um ihm beim Tragen zu helfen.

Und wer selbst erfahren hat, wie schwer manche Tage sein können, entwickelt manchmal ein besonderes Verständnis dafür, wenn ein anderer gerade nicht mehr kann.

Dann wird aus vermeintlicher Schwäche plötzlich etwas, das eine Gemeinschaft stärker machen kann:

Verständnis. Geduld. Barmherzigkeit.

Nicht weil Depression etwas Gutes wäre.

Nicht weil psychische Erkrankungen romantisiert werden sollten.

Sondern weil Menschen auch aus schweren Erfahrungen lernen können, den anderen nicht vorschnell zu verurteilen.

Jesus sagt:

„Alles nun, was ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, das tut ihr ihnen auch.“
Matthäus 7,12

Das ist vielleicht eine erstaunlich gute Grundlage für jedes gemeinsame Projekt.

Nicht die Diagnose verbindet uns

Nicht die Depression verbindet uns.

Nicht Autismus verbindet uns.

Nicht irgendeine Diagnose verbindet uns.

Uns verbindet, dass wir einander als Menschen annehmen.

Uns verbindet der Wille, gemeinsam nach vorne zu schauen.

Uns verbindet die Überzeugung, dass auch ein Mensch mit Brüchen, Krisen und Grenzen etwas Wertvolles beitragen kann.

Und als Christen kommt noch eine Hoffnung hinzu:

Der Mensch ist mehr als das, was ihm gerade Schwierigkeiten macht.

Deshalb wollen wir einander nicht danach beurteilen, was gerade nicht funktioniert. Wir wollen danach fragen, was wir miteinander möglich machen können.

Vielleicht ist genau das eine Form gelebter Nächstenliebe.

Nicht von oben auf jemanden herunterzusehen.

Nicht zu sagen: „Du bist krank, also kannst du das nicht.“

Sondern zu fragen:

„Was kannst du? Und was können wir gemeinsam?“

Die Situation im Leben können wir uns nicht immer aussuchen.

Aber wir können versuchen, aus ihr das Beste zu machen.

Wir können einander tragen, wenn einer gerade schwächer ist.

Wir können miteinander lachen, arbeiten, glauben und Musik machen.

Und wenn einer hinfällt, muss die christliche Antwort nicht lauten:

„Warum bist du gefallen?“

Sie kann auch ganz einfach lauten:

„Komm. Ich helfe dir wieder auf.“

Vielleicht können Depressionserkrankungen deshalb nicht unmittelbar verbinden.

Aber Menschen können sich verbinden.

Durch Verständnis.

Durch gemeinsame Hoffnung.

Durch Nächstenliebe.

Und durch einen Glauben, der uns daran erinnert:

Aufgeben tun wir maximal einen Brief.

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About OM-Pastor Hans-Georg Peitl

.) Herausgeber des Liberalen Boten .) ist Bundesvorsitzender der Plattform Obdachlose (PO) .) Präsident des Plattform Obdachlose - Presseclubs (POP) .) Seniorpastor der Living hands .) Rektor des Instituts Für Christliche Forschung (IFCF) Sitz: Haskovo/Bulgarien .) Autor zahlreicher Freimaurer-Bücher
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