War das NATO-Großmanöver 2021 ein Anlass für den Ukrainekrieg 2022?

JACHWE – Christliche Gedanken zu Krieg, Verantwortung und Frieden

Von Hans-Georg Peitl | 8. November 2026

Wenn wir heute über den Ukrainekrieg sprechen, beginnt die Geschichte in vielen Berichten am 24. Februar 2022. An jenem Tag begann Russland seinen großflächigen militärischen Angriff auf die Ukraine.

Doch kann man einen Krieg wirklich verstehen, wenn man seine Vorgeschichte außer Acht lässt?

Bereits im Frühjahr 2021 fand in Europa eines der größten westlichen Militärmanöver jener Zeit statt: Defender Europe 21.

Rund 28.000 Soldaten aus 26 Nationen nahmen daran teil. Die Übungen erstreckten sich über zahlreiche europäische Länder, darunter Estland, Rumänien und Bulgarien. Auch die Ukraine gehörte zu den teilnehmenden Nationen.

Die Vereinigten Staaten bezeichneten das Manöver als Verteidigungsübung. Ziel sei es gewesen, die Zusammenarbeit der Streitkräfte und ihre Einsatzbereitschaft zu verbessern.

Doch wie wurde eine solche militärische Machtdemonstration in Moskau wahrgenommen?

Wenn Verteidigung als Bedrohung erscheint

Die NATO betrachtet ihre militärischen Übungen als notwendige Vorbereitung auf mögliche Angriffe.

Russland wiederum hatte bereits lange vor 2021 wiederholt erklärt, dass es die Ausdehnung westlicher Militärstrukturen in Richtung seiner Grenzen als Sicherheitsproblem betrachte.

Damit standen zwei unterschiedliche Sicherheitsvorstellungen einander gegenüber.

Was die eine Seite als Schutzmaßnahme verstand, konnte die andere als Bedrohung interpretieren.

Im Dezember 2021 verlangte Russland schließlich schriftliche Sicherheitsgarantien von den USA und der NATO. Dazu gehörten Forderungen nach einem Ende weiterer NATO-Erweiterungen und nach Einschränkungen westlicher Militäraktivitäten in Osteuropa.

Gleichzeitig hatte Russland selbst erhebliche Truppenverbände nahe der ukrainischen Grenze zusammengezogen.

Beide Seiten warfen einander vor, die europäische Sicherheit zu gefährden.

War Defender Europe 21 der Auslöser?

Hier müssen wir genau unterscheiden.

Das Großmanöver fand im Frühjahr 2021 statt. Der russische Großangriff erfolgte rund neun Monate später.

Ein unmittelbarer ursächlicher Zusammenhang zwischen dieser konkreten Übung und der Entscheidung zum Angriff ist bislang nicht nachgewiesen.

Außerdem begann der russisch-ukrainische Krieg nicht erst 2022. Bereits seit 2014 gab es nach der russischen Annexion der Krim und dem Beginn der Kämpfe im Donbass einen bewaffneten Konflikt.

Dennoch gehört das Manöver zur sicherheitspolitischen Vorgeschichte.

Es zeigt, wie weit die militärische Konfrontation zwischen Russland und dem Westen bereits fortgeschritten war.

Die entscheidende Frage lautet deshalb: Hat die zunehmende militärische Präsenz auf beiden Seiten die gegenseitige Angst verstärkt und damit die Möglichkeiten einer friedlichen Verständigung weiter eingeschränkt?

Diese Frage zu stellen bedeutet nicht, den russischen Angriff zu rechtfertigen.

Denn zwischen dem Gefühl, bedroht zu werden, und der Entscheidung, einen anderen Staat anzugreifen, besteht ein wesentlicher Unterschied.

Was sagt uns die Bibel?

Jesus Christus spricht in Matthäus 5,9:

Selig sind, die Frieden stiften; denn sie werden Gottes Kinder heißen.

Auffällig ist, dass Jesus nicht sagt: Selig sind diejenigen, die militärisch überlegen sind.

Er spricht auch nicht davon, dass Frieden ausschließlich durch die Abschreckung des Gegners entstehen müsse.

Er spricht von Menschen, die Frieden stiften.

Dazu gehört aus christlicher Sicht auch die Bereitschaft, die Sorgen anderer ernst zu nehmen.

Nicht jede Sorge ist berechtigt. Nicht jede Forderung ist gerecht. Und nicht jede behauptete Bedrohung entspricht einer tatsächlichen Gefahr.

Aber wer Frieden schaffen möchte, muss zunächst verstehen, weshalb sich Menschen oder Staaten bedroht fühlen.

In Matthäus 5,10 folgt unmittelbar:

Selig sind, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden; denn ihrer ist das Himmelreich.

Vielleicht hängen diese beiden Aussagen enger zusammen, als wir zunächst vermuten.

Denn wer versucht, zwischen verfeindeten Parteien zu vermitteln, wird möglicherweise von beiden Seiten kritisiert.

Wer auf das Sicherheitsbedürfnis Russlands hinweist, kann als Russlandfreund bezeichnet werden.

Wer gleichzeitig die Unabhängigkeit und das Selbstbestimmungsrecht der Ukraine verteidigt, kann von der Gegenseite angegriffen werden.

Doch Frieden verlangt nicht, sich bedingungslos mit einer Kriegspartei zu identifizieren.

Frieden verlangt Gerechtigkeit.

Hätten wir 2021 mehr für den Frieden tun müssen?

Für mich liegt darin die eigentliche Frage.

Wenn bereits 2021 Zehntausende Soldaten in Europa militärische Großoperationen übten, wenn Russland wiederholt vor westlichen Militäraktivitäten warnte und wenn gleichzeitig russische Truppen an der ukrainischen Grenze aufmarschierten, dann war die Gefahr einer Eskalation offensichtlich.

Warum gelang es nicht, eine gemeinsame diplomatische Lösung zu finden?

Welche Kompromisse wären möglich gewesen?

Und welche Sicherheitsgarantien hätten sowohl die Souveränität der Ukraine als auch die Sicherheitsinteressen anderer europäischer Staaten berücksichtigen können?

Wir wissen nicht, ob andere Entscheidungen den Krieg verhindert hätten.

Aber wir sollten aus christlicher Sicht die Frage stellen dürfen, ob alle Möglichkeiten zur Friedensstiftung ausgeschöpft wurden.

Denn Jesus hat uns nicht aufgetragen, erst nach einem Krieg nach Schuldigen zu suchen.

Er hat uns aufgetragen, Frieden zu stiften.

Vielleicht besteht die wichtigste Lehre aus dem Jahr 2021 deshalb darin, dass Frieden nicht erst dann beginnen darf, wenn die Waffen bereits sprechen.

Er muss vorher beginnen.

Mit Gesprächen, gegenseitigem Verständnis, Diplomatie und der Bereitschaft, auch unbequeme Fragen zu stellen.

Denn selig sind nicht diejenigen, die den nächsten Krieg am besten vorbereiten.

Selig sind, die Frieden stiften.


Quellen

  • US-Verteidigungsministerium, 3. Mai 2021: Defender Europe 21 Exercises Multinational Interoperability, Readiness, Transparency.
  • US Army Europe and Africa: DEFENDER-Europe 21 Fact Sheet, April 2021.
  • Reuters/Euronews, 18. Dezember 2021: Russia demands NATO roll back from East Europe and stay out of Ukraine.
  • Matthäus 5,9–10, Lutherbibel.

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About OM-Pastor Hans-Georg Peitl

.) Herausgeber des Liberalen Boten .) ist Bundesvorsitzender der Plattform Obdachlose (PO) .) Präsident des Plattform Obdachlose - Presseclubs (POP) .) Seniorpastor der Living hands .) Rektor des Instituts Für Christliche Forschung (IFCF) Sitz: Haskovo/Bulgarien .) Autor zahlreicher Freimaurer-Bücher
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