Liebe Hörerinnen und Hörer,
es gibt Situationen, in denen das Evangelium keine einfachen Antworten gibt.
Nicht, weil es versagt – sondern weil es uns herausfordert, wirklich zu leben, was wir predigen.
Ich möchte Euch heute von einem solchen Moment erzählen.
Ich war unterwegs – wie oft – auf der Straße, beim Crowdfunden.
Ein Mensch sprach mich an.
Freundlich. Offen.
Er fragte, ob er bei uns mitwirken dürfe.
Ein bisschen mithelfen. Vielleicht auch ein wenig verdienen.
Und dann sah ich es.
Auf seinem Handy –
ein Hakenkreuz als Hintergrundbild.
Auch wenn ich mir selbst vormachen will, dass er das Handy, er hat es gerade erst gekauft, so seine Aussage, vielleicht das Symbol bereits enthielt. Wer verkauft ein Handy mit Hakenkreuz? Nein, ich habe stundenlang darüber nachdacht. Wie handle ich richtig?
Was tun?
Gehe ich weiter?
Tue ich so, als hätte ich es nicht gesehen?
Oder lehne ich ihn sofort ab – und widerspreche damit der Nächstenliebe, die ich lehren will?
Das ist kein einfacher Moment.
Denn dieser Mensch könnte in Not sein.
Vielleicht ist er selbst verwundet.
Vielleicht wurde er fehlgeleitet.
Vielleicht war dieses Symbol eine dumme Geste, vielleicht Ausdruck von etwas Tieferem.
Aber ich wusste in diesem Augenblick:
Ich muss entscheiden – im Spannungsfeld zwischen Gnade und Verantwortung.
Jesus hat gesagt:
„Was ihr dem Geringsten getan habt, das habt ihr mir getan.“
Aber er hat auch gesagt:
„Ich bin die Wahrheit – und die Wahrheit wird euch frei machen.“
Die Geringsten sind nicht die Lautesten.
Es sind nicht die, die mit Hasszeichen auftreten.
Die Geringsten sind oft die,
die unter genau solchen Zeichen gelitten haben.
Die Vertriebenen. Die Verfolgten.
Die Opfer von Gewalt. Die Menschen, die hoffen, dass jemand den Mund aufmacht.
Und darum gilt:
Ich kann helfen – aber ich kann nicht schweigen.
Ich kann lieben – aber ich kann nicht mitgehen.
Ich kann vergeben – aber ich kann nicht dulden.
Ein Mensch in Not braucht Brot.
Aber er darf nicht mit einem Messer kommen,
das andere bedroht.
Ein Herz kann offen sein –
aber es darf nicht so offen sein,
dass die Wahrheit hinausfällt.
Deshalb habe ich ihm nicht abgesagt.
Aber ich habe mir Zeit genommen.
Und ich sage heute:
Wer mit Hasssymbolen auftritt,
kann nicht für ein Projekt stehen, das von Hoffnung lebt.
Nicht in meinem Namen.
Nicht im Namen dieses Radios.
Und nicht im Namen Christi.
Ich wünsche ihm das Beste.
Ich hoffe, dass er einen Weg findet.
Vielleicht auch zurück zur Wahrheit.
Aber dieser Weg kann nicht durch meine Türen führen –
solange diese Zeichen auf seinem Bildschirm stehen.
Denn:
Das Kreuz Jesu ist kein Hakenkreuz.
Es steht für Vergebung, Gerechtigkeit und neue Wege.
Und dafür stehe ich auch.
Amen.




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