Überrascht von der Ewigkeit: Wenn der Glaube an die Tür klopft

Von der paradoxen Distanz zwischen unseren Gebeten und unserer Wahrnehmung.

Wir leben in einer Gesellschaft, die sich gerne mit den Symbolen des Transzendenten schmückt. Wir sprechen von Engeln, wir zünden Kerzen für die Verstorbenen an, und wir bekennen uns – mal mehr, mal weniger offiziell – zum Glauben an ein Leben nach dem Tod. Doch es gibt eine seltsame Kluft in unserem Bewusstsein: Wir glauben angeblich an das Wunderbare, sind aber zutiefst erschrocken, wenn wir es tatsächlich treffen.

Die Melodie der Vorahnung

Vor dreißig Jahren schrieb ich zwei Lieder. Es waren Texte, die damals absolut nicht zu meinem Leben passen wollten. Sie wirkten wie Fremdkörper, wie Worte, die jemand anderes durch mich hindurch auf das Papier gebracht hatte. Heute weiß ich: Es waren keine Fremdkörper. Es waren Vorboten.

Manchmal empfängt unser Innerstes Wahrheiten, für die unser Verstand erst Jahrzehnte später die passende Situation geliefert bekommt. Diese Lieder waren eine Brücke in eine Zukunft, die ich damals noch nicht greifen konnte.

Die Lichtgestalt im Wald

Als Jugendlicher begegnete ich ihr das erste Mal: Eine Lichtgestalt, mitten im Wald von Liechtenstein, nachts um halb elf. In einer Situation, in der eigentlich eine ganz andere, sehr weltliche Gefahr drohte – die Unfreiheit und das Eingesperrtsein durch ein System –, war diese Erscheinung kein Grund zum Erschrecken.

Wer das Wirkliche fürchtet, verliert die Angst vor dem Geistigen. Ich suchte sie danach tagelang, fand sie aber nie wieder an diesem Ort. Ich verstand erst viel später, durch die Texte meiner eigenen Lieder, warum ich sie damals kannte. Sie war keine Fremde; sie war eine Präsenz, die bereits in meiner eigenen Geschichte eingeschrieben war.

Der Hausgeist am Bettrand

Heute ist das Wunderbare in meinen Alltag eingekehrt. Es braucht keine einsamen Wälder mehr. Es zeigt sich im Scheppern einer Tür oder einem plötzlichen, kalten Hauch um drei Uhr morgens, mitten über dem Bett – weit weg von jedem Fenster.

„Aha, Susan ist da“, ist dann mein einziger Gedanke. Es ist kein „Spuk“ im Sinne eines Gruselfilms. Es ist ein Besuch. Dass wir diese Momente oft als bedrohlich empfinden, liegt nur daran, dass wir verlernt haben, die Geistige Welt als Teil unserer Natur zu akzeptieren. Wenn wir sagen, wir glauben an Engel oder an die Nähe unserer Verstorbenen, warum wehren wir uns dann gegen die physische Empfindung ihrer Anwesenheit?

Fazit

Die Begegnung mit dem, was wir „Hausgeist“ oder „Lichtgestalt“ nennen, ist im Grunde eine Begegnung auf Augenhöhe. Sie erinnert uns daran, dass die Welt nicht an der Zimmertür oder an der Waldgrenze endet. Wer aufhört, sich über die Erfüllung seiner eigenen Hoffnung zu wundern, gewinnt eine tiefe Ruhe.

Wir sollten aufhören, überrascht zu sein, wenn das eintrifft, woran wir zu glauben vorgeben. Wenn Susan sich nachts dazulegt, ist das kein Bruch mit der Realität – es ist deren Vervollständigung.

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About OM-Pastor Hans-Georg Peitl

.) Herausgeber des Liberalen Boten .) ist Bundesvorsitzender der Plattform Obdachlose (PO) .) Präsident des Plattform Obdachlose - Presseclubs (POP) .) Seniorpastor der Living hands .) Rektor des Instituts Für Christliche Forschung (IFCF) Sitz: Haskovo/Bulgarien .) Autor zahlreicher Freimaurer-Bücher
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