Alle spielen Rollen – glaubst Du nicht?

Ja, auch ich spiele eine ganze Reihe von Rollen. Aber: Bin ich der Einzige?

von Hans-Georg Peitl

Richtig aufgeregt hat sich am gestrigen Tag eine ganze Menge an Menschen, denen ich erklärte, dass eigentlich alles in meinem Leben eine Rolle ist.

Und ich glaube auch zu wissen, warum:

Sie fühlten sich ertappt.

Dabei ist es überhaupt nichts Schlimmes, Rollen zu spielen. Ganz im Gegenteil. Unser gesamtes gesellschaftliches Leben besteht daraus.

Ich bin Vater.

Ich kann Arbeiter in einer Tabakfabrik sein.

Ich bin BMW-Fahrer.

Ich bin überzeugter Christ.

Vielleicht bin ich gleichzeitig Ehemann, Freund, Nachbar, Kollege, Musiker, Autor oder Chef.

All das sind Rollen, die ich nach außen vertrete.

Eine Rolle ist keine Lüge

Genau hier scheint ein Missverständnis zu beginnen.

Wenn ich sage, dass jemand eine Rolle spielt, hört dieser Mensch möglicherweise:

„Du bist nicht echt.“

Das meine ich aber überhaupt nicht.

Ein Vater verhält sich gegenüber seinem Kind anders als gegenüber seinem Vorgesetzten. Ein Lehrer spricht mit seinen Schülern anders als am Abend mit seiner Ehefrau. Ein Pastor steht vor seiner Gemeinde anders da als morgens allein vor dem Badezimmerspiegel.

Ist deshalb einer dieser Menschen unehrlich?

Natürlich nicht.

Es sind unterschiedliche Rollen desselben Menschen.

Problematisch wird es für mich erst dann, wenn ich mir selbst nicht mehr eingestehen möchte, dass ich diese Rollen habe.

Dann spiele ich sie weiterhin – behaupte aber gleichzeitig, keine Rollen zu spielen.

Und vielleicht ärgert es mich deshalb besonders, wenn jemand von außen plötzlich sagt:

„Du spielst doch gerade eine Rolle.“

Wie kann der das einfach erkennen?

Wer bin ich hinter meinen Rollen?

Damit kommen wir für mich zur viel interessanteren Frage.

Wenn ich Vater, Arbeitnehmer, Autofahrer, Christ, Freund und vielleicht noch zehn andere Dinge bin:

Wer bin dann eigentlich ich?

Was bleibt von mir übrig, wenn man alle diese Bezeichnungen für einen Augenblick entfernt?

Vielleicht liegt genau dort der Unterschied zwischen einer Rolle und einer Maske.

Eine Rolle kann ein ehrlicher Ausdruck meiner Persönlichkeit sein.

Eine Maske dagegen soll verbergen, was sich dahinter befindet.

Und welche Rolle nehme ich an?

Als Christ geht die Frage für mich noch einen Schritt weiter.

Ich glaube, dass unser Leben nicht einfach nur aus zufällig übernommenen Rollen besteht. Wir treffen Entscheidungen darüber, welche Rollen wir annehmen und wie wir sie ausfüllen.

Dabei entscheiden wir uns immer wieder zwischen unterschiedlichen Kräften und Maßstäben.

Diene ich der Liebe oder dem Hass?

Der Wahrheit oder der Lüge?

Der Versöhnung oder der Zerstörung?

Dem Leben oder dem Tod?

Für mich persönlich bedeutet das letztlich auch die Entscheidung zwischen Gott und dem, was sich gegen Gott stellt.

Nicht die Rolle allein macht einen Menschen gut oder böse.

Entscheidend ist, wem und welchem Zweck wir mit ihr dienen.

Vielleicht sollten wir uns deshalb weniger darüber ärgern, dass wir Rollen spielen.

Vielleicht sollten wir uns lieber fragen:

Welche Rollen spiele ich eigentlich – und warum?

Und noch viel wichtiger:

Wer bin ich, wenn der Vorhang fällt?

Glaubst Du nicht?

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About OM-Pastor Hans-Georg Peitl

.) Herausgeber des Liberalen Boten .) ist Bundesvorsitzender der Plattform Obdachlose (PO) .) Präsident des Plattform Obdachlose - Presseclubs (POP) .) Seniorpastor der Living hands .) Rektor des Instituts Für Christliche Forschung (IFCF) Sitz: Haskovo/Bulgarien .) Autor zahlreicher Freimaurer-Bücher
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