Übertriebene Eifersucht?

Wann beginnt Fremdgehen – und wann wird Eifersucht selbst zum Problem?

Zugegeben: Auch ich bin der Meinung, dass man als verheirateter Mensch nicht fremdgehen soll. Die Ehe ist ein Versprechen der Treue und der gegenseitigen Verantwortung. „Du sollst nicht ehebrechen“, heißt es unmissverständlich in den Zehn Geboten.

Jesus verschärfte diesen Gedanken sogar noch. Treue beginnt nicht erst bei einer körperlichen Handlung. Auch die Absicht des Herzens ist wichtig.

Aber bedeutet das, dass bereits jede Begegnung mit einer Frau, jeder Frauenname und jedes Bild einer Frau als Ehebruch betrachtet werden darf?

Was geschieht, wenn das angebliche Fremdgehen bereits dort beginnt, wo der beschuldigte Mensch vollkommen machtlos ist?

Was, wenn jede Frau, die auf Facebook, Instagram oder einem anderen sozialen Medium einen Beitrag mit „Gefällt mir“ markiert, automatisch zu einer angeblichen Beziehung erklärt wird?

Was, wenn auf einem Bild lediglich der vollständige Name einer Frau, der Name eines Mannes und ein Telefonsymbol zu sehen sind – als Erinnerung an einen Anruf – und auch daraus eine Beziehung konstruiert wird?

Was, wenn selbst Behördenpost als Beweis für eine Beziehung gilt, nur weil die zuständige Mitarbeiterin einen weiblichen Vornamen trägt?

Was, wenn man sämtliche Frauen aus seiner Facebook-Freundesliste entfernt, nur um den Hausfrieden wiederherzustellen? Wenn man sich dadurch sogar den Ruf einhandelt, frauenfeindlich zu sein, obwohl man das niemals wollte – und das Misstrauen trotzdem nicht aufhört?

Dann genügt plötzlich schon das Foto einer Frau in einer Zeitung.

Oder eine allgemeine Illustration für einen Artikel über künstliche Intelligenz: Ein Mann im Westen und eine Frau in China sitzen rund 8.000 Kilometer voneinander entfernt an ihren Schreibtischen. Darüber befindet sich ein Herz. Darunter steht:

„Die KI bringt Menschen zusammen. Sie überbrückt große Entfernungen.“

Auf dem Bild stehen keine konkreten Namen. Trotzdem wird es aus dem Papierkorb wiederhergestellt und als angeblicher Beweis für eine Beziehung verwendet.

Und jedes Mal folgt derselbe Satz:

„Du hast eine Beziehung. Deshalb lasse ich mich scheiden.“

Doch auch Eifersucht muss sich an Wahrheit und Gerechtigkeit messen lassen. Die Bibel fordert uns dazu auf, eine Sache zu prüfen, bevor wir urteilen. Eine Anschuldigung wird nicht allein dadurch wahr, dass man sie häufig wiederholt oder fest festen Glauben in sie steckt.

lässt.

Liebe darf aufmerksam sein. Sie darf Fragen stellen und eine ehrliche Antwort verlangen. Aber christliche Liebe darf einen Menschen nicht ohne Beweise verurteilen.

Paulus schreibt in 1. Korinther 13, dass die Liebe nicht eifert, nicht das Ihre sucht und sich nicht zum Bösen reizen lässt. Liebe und Wahrheit gehören zusammen. Wo jedes Wort als Lüge und jeder Frauenname als Beweis betrachtet wird, geht diese gemeinsame Grundlage verloren.

Am Ende dürfte der beschuldigte Mensch mit keiner Frau mehr sprechen. Keine berufliche Zusammenarbeit, kein Kontakt mit einer Behörde, kein gewöhnliches Einkaufsgespräch und keine Reaktion einer Leserin wären mehr möglich, ohne dass daraus ein Vorwurf entsteht.

Das kann nicht der Wille Jachwes sein.

Jachwe schuf Männer und Frauen. Sie leben gemeinsam in einer Gesellschaft, arbeiten miteinander, begegnen einander in Geschäften, Behörden, Gemeinden und Medien. Eheliche Treue kann deshalb nicht bedeuten, keinerlei Kontakt mehr zur Hälfte der Menschheit haben zu dürfen.

Treue bedeutet, keine Liebesbeziehung außerhalb der Ehe zu führen, den Ehepartner nicht zu täuschen und die Grenzen der Ehe zu achten. Treue bedeutet aber nicht, für das Verhalten sämtlicher anderer Menschen verantwortlich zu sein.

Niemand kann bestimmen, welche Frau einen öffentlichen Artikel liest. Niemand kann verhindern, dass eine Behörde eine Mitarbeiterin mit weiblichem Vornamen mit einem Vorgang betraut. Niemand kann einer Zeitung vorschreiben, nicht mehr über Frauen zu berichten.

Wenn selbst solche gewöhnlichen Vorgänge als Fremdgehen gelten, liegt das Problem nicht mehr in einer konkreten Untreue. Dann hat die Angst begonnen, die Wirklichkeit zu verdrängen.

Wie kann eine Ehe bestehen, wenn nicht Tatsachen, sondern jeder Frauenname und jedes beliebige Bild als Beweis betrachtet werden?

Wo endet berechtigte Rücksichtnahme – und wo beginnt eine Kontrolle, unter der ein normales Leben nicht mehr möglich ist?

Die christliche Ehe braucht Treue. Sie braucht aber ebenso Wahrheit, Vertrauen, Barmherzigkeit und Gerechtigkeit. Ohne diese Grundlagen wird aus dem gemeinsamen Bund ein tägliches Gerichtsverfahren, in dem ein Mensch seine Unschuld gegenüber immer neuen, unbelegten Vorwürfen beweisen soll.

Vielleicht besteht der christliche Weg deshalb nicht darin, die gesamte Außenwelt zu meiden. Vielleicht besteht er darin, einander ehrlich zuzuhören, Tatsachen von Befürchtungen zu unterscheiden und Hilfe anzunehmen, wenn Angst und Eifersucht stärker geworden sind als das gegenseitige Vertrauen.

Denn Jachwe ist ein Gott der Wahrheit und nicht der grundlosen Verdächtigung.

Avatar von Unbekannt

About OM-Pastor Hans-Georg Peitl

.) Herausgeber des Liberalen Boten .) ist Bundesvorsitzender der Plattform Obdachlose (PO) .) Präsident des Plattform Obdachlose - Presseclubs (POP) .) Seniorpastor der Living hands .) Rektor des Instituts Für Christliche Forschung (IFCF) Sitz: Haskovo/Bulgarien .) Autor zahlreicher Freimaurer-Bücher
Dieser Beitrag wurde unter Begrüssung veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.