Angst vor Zelotentum?

Es ist beachtlich, wie sich Jesus beim Verhör durch die hohepriesterliche Führung verhält.

Man fragt ihn nach seinen Jüngern und seiner Lehre. Das klingt zunächst wie eine harmlose Bitte um Auskunft: Wer gehört zu deiner Bewegung? Was lehrst du diese Menschen? Welchen Anspruch erhebst du für dich selbst?

Jesus hätte nun versuchen können, die Lage zu beruhigen. Er hätte erklären können, dass seine Botschaft nicht zum bewaffneten Aufstand gegen Rom aufruft. Er hätte betonen können, dass sein Reich nicht mit menschlichen Waffen errichtet wird.

Vielleicht hätte eine solche Antwort sogar seinem Gebet in Gethsemane entsprochen:

„Mein Vater, ist’s möglich, so gehe dieser Kelch an mir vorüber.“

Doch Jesus entscheidet sich anders.

Keine direkte Antwort

Johannes berichtet:

Johannes 18,19–21: Der Hohepriester befragte nun Jesus über seine Jünger und über seine Lehre. Jesus antwortete ihm: Ich habe frei und offen vor aller Welt geredet. Ich habe allezeit gelehrt in der Synagoge und im Tempel, wo alle Juden zusammenkommen, und habe nichts im Verborgenen geredet. Was fragst du mich? Frage die, die gehört haben, was ich zu ihnen geredet habe. Siehe, sie wissen, was ich gesagt habe.

Jesus wiederholt seine Lehre nicht. Er nennt auch nicht die Namen, Aufgaben oder Absichten seiner Jünger.

Stattdessen verweist er auf die Öffentlichkeit seines Wirkens und auf die Menschen, die ihn gehört haben. Seine Antwort bedeutet sinngemäß:

„Ihr wisst längst, was ich gelehrt habe. Befragt die Zeugen.“

War das nur eine berechtigte Zurückweisung eines unfairen Verhörs? Oder verstärkte gerade diese Antwort die Angst vor einer Bewegung, deren tatsächliche Größe und Absichten man nicht genau einschätzen konnte?

Wer waren seine Anhänger?

Unter den Jüngern Jesu befand sich Simon, der ausdrücklich „der Zelot“ genannt wird. Ob diese Bezeichnung eine feste Mitgliedschaft in einer organisierten Widerstandsgruppe bedeutete oder lediglich seinen besonderen religiösen Eifer beschrieb, ist umstritten.

Dennoch musste der Name Aufmerksamkeit erregen.

Auch andere Ereignisse konnten aus Sicht der Machthaber verdächtig erscheinen: Menschenmengen folgten Jesus. Sie begrüßten ihn beim Einzug in Jerusalem wie einen König. Er griff öffentlich in den Betrieb des Tempels ein. Einige seiner Anhänger trugen Schwerter.

Jesus lehnte den bewaffneten Kampf ab. Bei seiner Festnahme befahl er Petrus, das Schwert wegzustecken. Trotzdem konnte eine nervöse Obrigkeit fragen:

Ist dieser Jesus wirklich nur ein Prediger – oder entsteht um ihn eine Bewegung, die eines Tages außer Kontrolle geraten könnte?

Angst vor Rom

Die hohepriesterliche Führung musste nicht nur über religiöse Lehrfragen nachdenken. Sie lebte unter römischer Herrschaft und wusste, wie Rom auf mögliche Aufstände reagieren konnte.

Bereits zuvor wurde über Jesus gesagt:

Johannes 11,48: Lassen wir ihn so, dann werden sie alle an ihn glauben; und dann kommen die Römer und nehmen uns Land und Leute.

Damit wird ein entscheidendes Motiv sichtbar: die Angst vor den politischen Folgen seiner wachsenden Anhängerschaft.

Vor Pilatus wird aus dem religiösen Konflikt schließlich eine politische Anklage. Jesus wird beschuldigt, das Volk aufzuwiegeln und sich selbst als König darzustellen. Über seinem Kreuz steht:

Jesus von Nazareth, der König der Juden.

Die Kreuzigung war damit nicht nur eine religiöse Bestrafung. Rom behandelte Jesus wie einen Mann, dessen königlicher Anspruch als Gefahr für die bestehende Ordnung verstanden werden konnte.

Was wäre bei einer offenen Antwort geschehen?

Was wäre passiert, wenn Jesus beim Verhör ausführlich erklärt hätte:

„Meine Jünger planen keinen Aufstand. Mein Reich wird nicht mit Schwertern errichtet. Ich will weder den Tempel übernehmen noch den Kaiser stürzen.“

Hätte man ihn freigelassen?

Wahrscheinlich nicht.

Seine Gegner kannten seine öffentliche Lehre bereits. Das eigentliche Problem bestand nicht in einem Mangel an Informationen. Es bestand darin, dass Jesus eine Wirkung auf die Menschen hatte, die sich nicht mehr kontrollieren ließ.

Vielleicht fürchtete man weniger das, was Jesus gesagt hatte, als das, was andere aus ihm machen könnten.

Ein Prediger kann friedlich sein. Eine begeisterte Menschenmenge muss es nicht bleiben.

Jesus lieferte seine Jünger nicht aus und versuchte auch nicht, sich durch eine angepasste Darstellung seiner Botschaft selbst zu retten. Er verwies auf die Öffentlichkeit seines Wirkens und zwang damit seine Ankläger, selbst Verantwortung für ihr Urteil zu übernehmen.

Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht nur:

Was lehrte Jesus?

Sie lautet ebenso:

Wovor hatten seine Gegner tatsächlich Angst?

Vor seiner Lehre?
Vor seinem Anspruch?
Vor seinen Jüngern?
Vor einem Aufstand?
Oder davor, dass Rom wegen dieses Nazoräers eingreifen könnte?

Vielleicht wurde Jesus nicht gekreuzigt, weil niemand wusste, was er vertrat.

Vielleicht wurde er gekreuzigt, weil seine Gegner trotz seiner öffentlichen Worte nicht mehr kontrollieren konnten, was aus seiner Bewegung werden würde.

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About OM-Pastor Hans-Georg Peitl

.) Herausgeber des Liberalen Boten .) ist Bundesvorsitzender der Plattform Obdachlose (PO) .) Präsident des Plattform Obdachlose - Presseclubs (POP) .) Seniorpastor der Living hands .) Rektor des Instituts Für Christliche Forschung (IFCF) Sitz: Haskovo/Bulgarien .) Autor zahlreicher Freimaurer-Bücher
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