Jesus hat nie gestritten?

Immer wenn ich streite, liebe Freunde, erklärt mir hinterher jemand: „Das hätte Jesus aber nicht getan.“

Und ich muss gestehen: Darüber muss ich manchmal lachen. Denn wer meint, Jesus habe nie widersprochen und sei jeder Auseinandersetzung ausgewichen, sollte die Evangelien noch einmal aufschlagen.

In Matthäus 23 spricht Jesus die Schriftgelehrten und Pharisäer mit einer Schärfe an, die niemand überhören konnte. Und als er im Tempel Händler und Geldwechsler vorfindet, lässt er es nicht bei einem höflichen Hinweis bewenden. Er treibt sie hinaus und stößt die Tische um (Johannes 2,13–16).

Sogar sein Wort vom Schwertkauf steht in der Bibel (Lukas 22,36). Wer daraus aber eine Erlaubnis ableiten will, andere mit dem Schwert anzugreifen, muss weiterlesen: Als einer seiner Begleiter es tatsächlich tut, fordert Jesus ihn auf, das Schwert wegzustecken (Matthäus 26,51–52).

Jesus war also nicht der Mann, der um jeden Preis jede Auseinandersetzung vermied. Er benannte Unrecht, widersprach deutlich und handelte, wenn er etwas für falsch hielt. Zugleich ist nicht jeder Streit, den wir führen, schon deshalb gerechtfertigt, weil auch Jesus gestritten hat.

Vielleicht sollten wir einander nach einem Streit deshalb weniger schnell sagen: „Das hätte Jesus nie getan.“ Fragen wir lieber: Worum ging es? Wurde die Wahrheit ausgesprochen? Und haben wir den anderen Menschen dabei noch gesehen?

Friedfertigkeit bedeutet nicht, immer zu schweigen. Sie zeigt sich auch darin, wie wir widersprechen – und ob wir danach bereit sind, einander wieder zuzuhören.

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About OM-Pastor Hans-Georg Peitl

.) Herausgeber des Liberalen Boten .) ist Bundesvorsitzender der Plattform Obdachlose (PO) .) Präsident des Plattform Obdachlose - Presseclubs (POP) .) Seniorpastor der Living hands .) Rektor des Instituts Für Christliche Forschung (IFCF) Sitz: Haskovo/Bulgarien .) Autor zahlreicher Freimaurer-Bücher
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