Waren alle Propheten gleich?

Warum verglichen die Menschen Jesus mit Elia oder einem der anderen Propheten?

Das frage ich mich, liebe Freunde, wenn ich im Markusevangelium im sechsten Kapitel den fünfzehnten Vers lese.

Markus 6,15: „Andere aber sprachen: Er ist Elia; wieder andere: ein Prophet wie einer der Propheten.“

Eine interessante Aussage. Denn wenn ich mir die Propheten der Bibel ansehe, dann fällt mir eines auf:

Sie waren alles andere als gleich.

Nehmen wir beispielsweise Jona.

Jona bekam von Gott den Auftrag, nach Ninive zu gehen und den Menschen dort Gottes Botschaft auszurichten.

Und was machte Jona?

Er lief davon.

Statt nach Ninive zu reisen, bestieg er ein Schiff in die entgegengesetzte Richtung. Erst nachdem ihn die Seeleute während eines Sturms ins Meer geworfen hatten und er von einem großen Fisch verschlungen worden war, änderte sich seine Haltung.

Schließlich ging er doch nach Ninive und verkündete Gottes Botschaft.

Und als die Menschen tatsächlich umkehrten und Gott ihnen vergab?

Da ärgerte sich Jona darüber.

Ein Prophet, der zuerst nicht predigen wollte und anschließend unzufrieden war, weil seine Predigt Erfolg hatte.

Auch das muss man erst einmal schaffen.

Und dann haben wir Elia.

Elia trat mutig gegen den Baalskult auf. Er stellte sich den Propheten des Baal entgegen und verkündete Gottes Botschaft auch dort, wo sie gefährlich war.

Allerdings war auch Elia kein Mensch ohne Angst. Als Isebel ihm nach dem Leben trachtete, floh er in die Wüste und war so verzweifelt, dass er sterben wollte.

Später wurde er nach dem biblischen Bericht in einem Sturmwind zum Himmel aufgenommen, während ein feuriger Wagen mit feurigen Pferden erschien.

Wieder ein ganz anderer Mensch als Jona.

Und schließlich Daniel.

Daniel blieb seinem Gott selbst dann treu, als ihm deshalb die Löwengrube drohte.

Seine drei Gefährten Schadrach, Meschach und Abed-Nego wiederum weigerten sich, ein fremdes Götterbild anzubeten, obwohl ihnen dafür der Feuerofen drohte.

Da begegnen uns Menschen, die bereit waren, für ihren Glauben ihr Leben zu riskieren.

Was haben also Jona, Elia und Daniel gemeinsam?

Ihre Charaktere jedenfalls nicht.

Der eine läuft davon. Der andere tritt mutig auf und verzweifelt später. Der dritte bleibt auch angesichts einer tödlichen Bedrohung standhaft.

Und trotzdem sprechen wir bei allen von Propheten.

Vielleicht liegt genau darin die Antwort.

Ein Prophet ist nicht deshalb ein Prophet, weil er besonders mutig, besonders gehorsam oder besonders vollkommen wäre.

Ein Prophet ist ein Mensch, dem Gott eine Botschaft anvertraut.

Nicht der Charakter des Menschen macht ihn zum Propheten, sondern der Auftrag, den er erhält.

Und damit kommen wir zurück zu Jesus.

Als die Menschen Jesus mit Elia oder einem der Propheten verglichen, meinten sie vermutlich nicht, dass Jesus dieselben Charaktereigenschaften besaß.

Sie sahen jemanden, der mit außergewöhnlicher Vollmacht auftrat, Gottes Botschaft verkündete und Dinge tat, die sie an die großen Gestalten ihrer Glaubensgeschichte erinnerten.

Aber gerade im Markusevangelium zeigt sich, dass diese Einordnung nicht ausreichte.

Denn wenig später fragt Jesus seine Jünger:

„Ihr aber, wer sagt ihr, dass ich sei?“ (Markus 8,29)

Und Petrus antwortet:

„Du bist der Christus.“

Damit wird der entscheidende Unterschied deutlich.

Jesus war nach christlichem Verständnis nicht einfach ein weiterer Prophet in einer langen Reihe.

Er war der Christus, der verheißene Messias.

Die Menschen versuchten, ihn mit dem zu erklären, was sie bereits kannten. Doch seine Jünger erkannten in ihm mehr.

Und vielleicht sollten wir uns deshalb heute eine andere Frage stellen:

Wenn schon die Propheten Gottes so unterschiedlich waren, warum erwarten wir eigentlich, dass alle Menschen, die Gott dienen, gleich sein müssten?

Warum sollte jeder Prediger dieselbe Persönlichkeit besitzen? Warum müsste jeder Christ auf dieselbe Weise sprechen, handeln oder glauben?

Gott konnte einen Jona gebrauchen, der davonlaufen wollte. Einen Elia, der mutig war und trotzdem Angst kannte. Und einen Daniel, der unter Lebensgefahr treu blieb.

Vielleicht sucht Gott gar keine Menschen, die alle gleich sind. Vielleicht sucht er Menschen, die bereit sind, auf ihn zu hören.

Und das wäre doch eine schöne Erkenntnis.

Denn nicht jeder muss ein Elia sein.

Manchmal genügt es schon, wenn ein Jona endlich nach Ninive geht.

Was meint ihr? Waren die Propheten einander ähnlich – oder bestand ihre Gemeinsamkeit einzig darin, dass Gott durch sie sprach?

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About OM-Pastor Hans-Georg Peitl

.) Herausgeber des Liberalen Boten .) ist Bundesvorsitzender der Plattform Obdachlose (PO) .) Präsident des Plattform Obdachlose - Presseclubs (POP) .) Seniorpastor der Living hands .) Rektor des Instituts Für Christliche Forschung (IFCF) Sitz: Haskovo/Bulgarien .) Autor zahlreicher Freimaurer-Bücher
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