Du sollst nicht begehren – Wenn Geld genommen, aber Leistung verweigert wird

Über christliche Verantwortung, wirtschaftliche Ehrlichkeit und den Umgang mit unterschiedlichen Meinungen.

Eigentlich finde ich es schade, liebe Freunde, dass wir in einer Zeit leben, in der man für Dienstleistungen bezahlt und dennoch nicht immer sicher sein kann, ob diese anschließend auch tatsächlich erbracht werden.

Manchmal entsteht geradezu der Eindruck, als würden manche Anbieter nach dem Grundsatz handeln:

„Wir lassen uns zwar dafür bezahlen. Was wir letztlich aber tun, entscheiden immer noch wir.“

Und das halte ich für bedenklich. Besonders dann, wenn wir uns im Umfeld christlicher Medien oder von Unternehmen bewegen, die sich auf christliche Werte berufen.

Denn hier stellt sich für mich eine ganz grundsätzliche Frage:

Was bedeutet es eigentlich, nach Gottes Geboten zu leben?

Wenn eine Leistung auf sich warten lässt

Natürlich müssen wir zunächst unterscheiden.

Es kann durchaus vorkommen, dass eine Redaktion länger benötigt, um eingereichte Artikel zu überprüfen. Nicht jede Verzögerung bedeutet automatisch, dass eine Leistung verweigert wird.

Ebenso besitzt jede Redaktion das Recht, darüber zu entscheiden, welche Beiträge sie veröffentlichen möchte.

Doch was geschieht, wenn Menschen für eine bestimmte Leistung bezahlen, diese Leistung zugesagt wird und anschließend bewusst nicht erbracht wird?

Dann sprechen wir nicht mehr ausschließlich über redaktionelle Freiheit.

Dann sprechen wir über Ehrlichkeit, Verlässlichkeit und Verantwortung gegenüber unserem Nächsten.

Dabei ist selbstverständlich entscheidend, was tatsächlich vereinbart wurde. Wer lediglich für die Möglichkeit bezahlt, Beiträge einzureichen, hat damit noch keinen Anspruch auf deren Veröffentlichung erworben.

Wer hingegen eine konkrete Veröffentlichung zugesagt bekommt und dafür bezahlt, darf erwarten, dass diese Vereinbarung eingehalten wird.

Unterschiedliche Meinungen beleben die Demokratie

Nehmen wir beispielsweise eine Zeitung wie exxpress.

Dort können eingereichte Beiträge zunächst einer redaktionellen Prüfung unterliegen.

Das ist grundsätzlich verständlich.

Dennoch stellt sich für mich die Frage, wie wir als Gesellschaft mit unterschiedlichen Meinungen umgehen wollen.

Möglicherweise vertritt ein Autor eine politische Überzeugung, die der jeweiligen Redaktion nicht entspricht.

Möglicherweise schreibt jemand über eine Partei, die andere politische Vorstellungen verfolgt.

Doch sollte das allein bereits ein Grund sein, eine Meinung nicht zu veröffentlichen?

Ich meine, dass gerade die unterschiedlichen Meinungen eine lebendige Demokratie ausmachen.

Natürlich gibt es Grenzen. Beleidigungen, Verleumdungen, unwahre Tatsachenbehauptungen oder rechtswidrige Inhalte müssen nicht veröffentlicht werden.

Aber eine sachlich vertretene, abweichende Meinung sollte zunächst einmal Anlass zur Diskussion sein.

Denn dafür gibt es schließlich auch die Möglichkeit, Kommentare zu schreiben.

Wer eine andere Auffassung vertritt, kann widersprechen, argumentieren und versuchen, seine Mitmenschen zu überzeugen.

Eine Demokratie lebt nicht davon, dass alle dasselbe denken, sondern davon, dass unterschiedliche Menschen miteinander sprechen können.

Was sagt uns die Bibel?

Kommen wir nun zu einem Gebot, das meiner Meinung nach in diesem Zusammenhang besondere Beachtung verdient.

In 5. Mose 5,21 lesen wir:

„Du sollst nicht begehren deines Nächsten Frau. Du sollst nicht begehren deines Nächsten Haus, Acker, Knecht, Magd, Rind, Esel noch alles, was sein ist.“

Gewöhnlich verbinden wir dieses Gebot mit Neid, Habgier oder dem Wunsch, etwas zu besitzen, das einem anderen Menschen gehört.

Doch ich glaube, wir sollten uns auch fragen, welche innere Haltung hinter unserem wirtschaftlichen Handeln steht.

Wenn ich das Geld meines Nächsten haben möchte, ihm dafür eine bestimmte Leistung verspreche, diese aber von Anfang an gar nicht erbringen will, dann geht es ebenfalls um das unrechtmäßige Streben nach fremdem Eigentum.

Dabei ist das bloße Annehmen einer Bezahlung selbstverständlich noch kein Verstoß gegen dieses Gebot.

Entscheidend sind die Absicht, die Vereinbarung und das tatsächliche Verhalten.

Du sollst deinen Nächsten nicht berauben

Noch deutlicher wird dieser Gedanke in 3. Mose 19,13:

„Du sollst deinen Nächsten nicht bedrücken noch berauben.“

Hier geht es nicht mehr nur um unsere Wünsche und Gedanken.

Hier geht es um unser konkretes Handeln.

Wer einem anderen Menschen etwas schuldet, sollte sich nicht einfach seiner Verpflichtung entziehen.

Das gilt für den Arbeitgeber gegenüber seinem Arbeitnehmer ebenso wie für den Dienstleister gegenüber seinem Kunden.

Und es gilt selbstverständlich auch für christliche Unternehmen.

Denn christlich zu sein bedeutet nicht allein, über Gott zu sprechen.

Es bedeutet auch, die Gebote Gottes im täglichen Leben ernst zu nehmen.

Der vorenthaltene Lohn

Eine weitere bemerkenswerte Stelle finden wir in Jakobus 5,4.

Dort wird der Lohn der Arbeiter angesprochen, der ihnen vorenthalten wurde und dessen Unrecht vor Gott nicht verborgen bleibt.

Natürlich handelt diese Bibelstelle ursprünglich vom zurückgehaltenen Arbeitslohn.

Dennoch erkennen wir darin ein allgemeines Prinzip:

Wer seinem Nächsten etwas rechtmäßig schuldet, darf sich seiner Verantwortung nicht einfach entziehen.

Und dieses Prinzip sollte auch heute noch gelten.

Nicht nur in der Landwirtschaft, von der Jakobus spricht.

Sondern ebenso im Handel, im Dienstleistungsbereich und in den Medien.

Christliche Medien tragen eine besondere Verantwortung

Gerade von christlichen Medien erwarte ich, dass sie sich ihrer Verantwortung bewusst sind.

Nicht, weil sie jede Meinung übernehmen müssten.

Auch christliche Redaktionen dürfen prüfen, auswählen und Beiträge ablehnen.

Aber sie sollten transparent und ehrlich erklären, welche Leistungen sie anbieten und welche Bedingungen dafür gelten.

Wenn eine Veröffentlichung nicht zugesagt werden kann, sollte dies von Anfang an deutlich gemacht werden.

Wenn eine Leistung ausdrücklich vereinbart wurde, sollte diese Vereinbarung auch eingehalten werden.

Und wenn sie nicht erbracht werden kann, sollte eine faire Lösung gefunden werden.

Denn christliche Glaubwürdigkeit zeigt sich nicht allein in schönen Worten.

Sie zeigt sich gerade dort, wo wir mit dem Eigentum und den Erwartungen anderer Menschen umgehen.

Gott sieht nicht nur unsere Worte

Liebe Freunde,

wir können noch so viele Predigten halten.

Wir können christliche Musik produzieren, christliche Zeitungen herausgeben und täglich über die Gebote Gottes sprechen.

Wenn wir diese Gebote in unserem eigenen Handeln nicht ernst nehmen, verlieren unsere Worte an Glaubwürdigkeit.

Dabei geht es mir nicht darum, eine bestimmte Redaktion vorschnell zu verurteilen.

Eine noch ausstehende Prüfung ist kein Beweis für Unredlichkeit.

Es geht mir um eine grundsätzliche Frage, die jeder von uns auch an sich selbst richten sollte:

Bin ich bereit, meinem Nächsten gegenüber ebenso ehrlich zu handeln, wie ich es von ihm erwarte?

Denn genau hier beginnt für mich gelebter Glaube.

Nicht erst am Sonntag.

Nicht erst während einer Predigt.

Sondern bereits dann, wenn ich eine Vereinbarung eingehe, eine Rechnung stelle oder eine Verpflichtung übernehme.

Mein Schlussgedanke

Das Gebot „Du sollst nicht begehren“ erinnert uns daran, das Eigentum unseres Nächsten zu achten und uns nicht von Habgier bestimmen zu lassen.

Das Gebot, unseren Nächsten nicht zu berauben, verpflichtet uns darüber hinaus zu einem gerechten Umgang miteinander.

Und Jakobus erinnert uns daran, dass wirtschaftliches Unrecht auch eine geistliche Dimension besitzt.

Deshalb meine ich:

Wer christlich handeln möchte, sollte nicht nur darauf achten, was er von seinem Nächsten bekommen kann, sondern ebenso darauf, was er seinem Nächsten schuldet.

Denn unser Glaube zeigt sich nicht allein darin, was wir verkündigen.

Sondern vor allem darin, wie wir miteinander umgehen.

Und vielleicht wäre unsere Welt schon ein wenig gerechter, wenn wir diesen einfachen Gedanken wieder ernster nehmen würden.

Hans-Georg Peitl

Jachwe – Gedanken über Gott, Glauben und unser tägliches Leben

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About OM-Pastor Hans-Georg Peitl

.) Herausgeber des Liberalen Boten .) ist Bundesvorsitzender der Plattform Obdachlose (PO) .) Präsident des Plattform Obdachlose - Presseclubs (POP) .) Seniorpastor der Living hands .) Rektor des Instituts Für Christliche Forschung (IFCF) Sitz: Haskovo/Bulgarien .) Autor zahlreicher Freimaurer-Bücher
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