Der erste Schritt ist ein Schritt zurück

Normalerweise gehen wir davon aus, dass ein Schritt nach vorne etwas Gutes sein muss. Wer vorwärtsgeht, entwickelt sich weiter. Wer zurückgeht, scheint hingegen etwas verloren zu haben.

Doch stimmt das wirklich immer?

Wenn wir uns auf einem falschen Weg befinden, bringt uns jeder weitere Schritt nach vorne noch weiter von unserem eigentlichen Ziel weg. Dann ist der erste vernünftige Schritt tatsächlich ein Schritt zurück: zurück zu jener Stelle, an der wir den richtigen Weg verlassen haben.

So ist es auch mit dem Glauben.

Jesus verkündigte das Reich Gottes. Er lehrte die Menschen, Gott als Vater zu erkennen, ihren Nächsten zu lieben und nach Gottes Gerechtigkeit zu suchen. Seine Botschaft war klar genug, damit einfache Fischer, Handwerker, Frauen und Kinder sie verstehen konnten.

Später entstanden daraus unzählige Lehrgebäude. Menschen schrieben Bände darüber, was man glauben müsse. Kirchen entwickelten Bekenntnisse, Dogmen und Vorschriften. Manche davon mögen hilfreich gewesen sein. Andere haben die ursprüngliche Botschaft Jesu eher verdeckt als erklärt.

Denn nicht alles, was später hinzukommt, ist automatisch eine Verbesserung.

Man kann eine einfache Wahrheit so lange erklären, ergänzen und absichern, bis sie kaum noch zu erkennen ist. Schließlich glauben Menschen nicht mehr an das, was Jesus gesagt hat, sondern an das, was andere Jahrhunderte später aus seinen Worten gemacht haben.

Dann hilft es nicht, noch einen weiteren theologischen Stock auf das Gebäude zu setzen. Dann müssen wir zurück.

Zurück zu Jesus.

Zurück zu seinen Worten.

Zurück zur Verkündigung vom Reich Gottes.

Zurück zu jenem Vertrauen, das nicht zuerst fragt, welche kirchliche Organisation recht hat, sondern was Gott tatsächlich von uns erwartet.

In der Offenbarung heißt es:

„Gedenke nun, wovon du gefallen bist, und tue Buße und tue die ersten Werke.“
Offenbarung 2,5

Gott fordert die Gemeinde nicht dazu auf, immer neue Ideen zu entwickeln. Er fordert sie auf, sich daran zu erinnern, woher sie gekommen ist. Sie soll zu den ersten Werken zurückkehren.

Auch Jesus selbst sagte:

„Wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht ins Himmelreich kommen.“
Matthäus 18,3

Kinder benötigen keine komplizierten theologischen Konstruktionen, um einem Vater zu vertrauen. Sie fragen nicht zuerst, ob eine Zusage in das richtige Lehrsystem passt. Sie hören, glauben und handeln danach.

Vielleicht ist genau das unsere heutige Aufgabe.

Wir müssen nicht zurück in eine vermeintlich bessere Vergangenheit. Wir müssen auch technische, gesellschaftliche oder wissenschaftliche Entwicklungen nicht ablehnen. Aber im Glauben sollten wir immer wieder prüfen, ob unser Weg noch mit jenem Weg übereinstimmt, den Jesus gezeigt hat.

Wenn nicht, dürfen wir umkehren.

Das ist keine Niederlage. Es ist auch kein Rückschritt aus Schwäche. Es ist die Einsicht, dass Geschwindigkeit nichts nützt, wenn die Richtung falsch geworden ist.

Wer den richtigen Weg wiederfinden möchte, muss manchmal dorthin zurückgehen, wo er ihn verlassen hat.

Darum kann der wichtigste Schritt unseres Lebens tatsächlich ein Schritt zurück sein:

Zurück zum Anfang.

Zurück zum Glauben.

Zurück zum Reich Gottes.

Zurück zu dem Gott, der uns niemals verlassen hat.

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About OM-Pastor Hans-Georg Peitl

.) Herausgeber des Liberalen Boten .) ist Bundesvorsitzender der Plattform Obdachlose (PO) .) Präsident des Plattform Obdachlose - Presseclubs (POP) .) Seniorpastor der Living hands .) Rektor des Instituts Für Christliche Forschung (IFCF) Sitz: Haskovo/Bulgarien .) Autor zahlreicher Freimaurer-Bücher
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