Und er ging ihm voraus

Wer ist Jesus eigentlich? Diese Frage beschäftigte die Menschen schon zu seinen Lebzeiten. Manche hielten ihn für Elia, andere für einen Propheten. Herodes glaubte sogar, in ihm sei Johannes der Täufer von den Toten zurückgekehrt (Markus 6,14–16).

Besonders nachdenklich macht mich aber eine Frage, die Johannes selbst stellte. Er saß inzwischen im Gefängnis und schickte seine Jünger zu Jesus: „Bist du, der da kommen soll, oder sollen wir auf einen andern warten?“ (Matthäus 11,3)

Ausgerechnet Johannes! Jener Mann, über dessen Geburt der Engel zu Zacharias gesagt hatte, er werde dem Herrn vorausgehen und ihm ein Volk bereiten (Lukas 1,13–17). In der bulgarischen Orthodoxie wird Johannes deshalb „der Vorläufer“ genannt.

Wie kann der Vorläufer plötzlich fragen, ob Jesus wirklich der Erwartete ist?

Vielleicht liegt darin etwas sehr Menschliches. Johannes hatte seinen Auftrag erfüllt. Er hatte gepredigt, Menschen zur Umkehr gerufen und Jesus den Weg bereitet. Doch nun saß er im Gefängnis. Was er von Jesus hörte, musste er mit dem in Einklang bringen, was er selbst erwartet hatte. Also fragte er.

Jesus wies ihn dafür nicht zurecht. Er ließ Johannes berichten, was geschah: Blinde sehen, Lahme gehen, Arme hören die frohe Botschaft. Johannes sollte seine Antwort an den Taten Jesu prüfen (Matthäus 11,4–6).

Das berührt mich. Selbst jemand, der anderen den Weg weist, kann an einen Punkt kommen, an dem er Gewissheit sucht. Seine Frage macht seinen bisherigen Weg nicht wertlos. Vielleicht zeigt sie gerade, wie ernst er ihn nahm.

Johannes ging Jesus voraus. Und als er nicht mehr sicher war, wohin dieser Weg führte, fragte er nach. Auch das darf zum Glauben gehören.

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About OM-Pastor Hans-Georg Peitl

.) Herausgeber des Liberalen Boten .) ist Bundesvorsitzender der Plattform Obdachlose (PO) .) Präsident des Plattform Obdachlose - Presseclubs (POP) .) Seniorpastor der Living hands .) Rektor des Instituts Für Christliche Forschung (IFCF) Sitz: Haskovo/Bulgarien .) Autor zahlreicher Freimaurer-Bücher
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