Als ich vor vielen Jahren im Verkauf anfing, liebe Freunde, da traute ich mich beinahe noch nicht, mit den Menschen über meine Produkte zu reden.
Es ist schon seltsam. Man kann ein Produkt wie den KURIER oder die KRONE anbieten, einen Eintrag in einem Firmentelefonbuch verkaufen oder neue Fenster – und sich dennoch beinahe dafür genieren, überhaupt jemanden darauf anzusprechen.
Dabei soll man im Verkauf normalerweise noch nicht einmal vor einer riesigen Menschenmenge stehen und sprechen.
So, wie Petrus bei seiner Pfingstrede in Jerusalem.
Oder gar vor Tausenden Menschen, wie Jesus.
Wer zum ersten Mal vor einem anderen Menschen steht und etwas anbietet, kennt wahrscheinlich dieses merkwürdige Gefühl: Man wird plötzlich schüchtern. Man möchte den anderen nicht belästigen. Man fragt sich, ob man ihn überhaupt ansprechen darf.
Fast so, als wäre das, was man anzubieten hat, eigentlich nichts wert.
Und genau an diesem Punkt sehe ich eine erstaunliche Parallele zur Evangelisation.
Natürlich ist das Evangelium keine Ware. Der Glaube steht nicht zum Verkauf und ewiges Leben hat kein Preisschild. Der Mensch vor uns ist auch kein Kunde, dem wir möglichst geschickt etwas andrehen sollen.
Aber die Situation des Verkündens ist erstaunlich ähnlich.
Denn wenn wir als Christen tatsächlich davon überzeugt sind, eine Botschaft vom ewigen Leben zu haben – warum sollten wir uns dann dafür genieren?
Warum sprechen wir über das Wetter, Fußball, Politik, unsere Arbeit und darüber, was gestern im Fernsehen lief, ganz selbstverständlich – und werden plötzlich schüchtern, sobald es um unseren Glauben geht?
Vielleicht liegt genau darin einer der Aspekte dessen, was Jesus mit dem Licht meinte, das man nicht unter den Scheffel stellen soll.
„Man zündet auch nicht ein Licht an und setzt es unter einen Scheffel.“
Ein Licht hat schließlich nur dann einen Sinn, wenn man es sehen kann.
Und eine Botschaft kann nur dann einen Menschen erreichen, wenn jemand sie ausspricht.
Das habe ich aus dem Verkauf gelernt: Man muss zunächst selbst davon überzeugt sein, dass das, was man anderen anbietet, einen Wert besitzt. Wer selbst den Eindruck vermittelt, sein Angebot sei ihm beinahe peinlich, wird schwerlich einen anderen Menschen davon überzeugen können.
Warum sollte das beim Glauben anders sein?
Wenn ich glaube, dass die Botschaft Jesu für mein Leben entscheidend ist, dann darf ich darüber sprechen. Nicht aufdringlich. Nicht mit Druck. Nicht mit irgendwelchen Verkaufstricks.
Aber selbstbewusst.
Evangelisation bedeutet schließlich nicht, jemandem etwas aufzuschwatzen.
Sie bedeutet zunächst einmal, von etwas zu erzählen, dessen Wert man selbst erkannt hat.
Und dann kann der andere Mensch immer noch frei entscheiden, was er damit anfängt.
Vielleicht ist gute Evangelisation deshalb tatsächlich ein wenig wie guter Verkauf:
Man zwingt niemanden zum Kauf. Aber man versteckt auch nicht das Produkt im Lager und wundert sich anschließend, warum niemand danach fragt.
Oder, um bei Jesus zu bleiben:
Man stellt das Licht nicht unter den Scheffel.
Hans-Georg Peitl – Ritter der schrägen Töne




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