Ich bin ein Gott – und Du bist es auch!

Liebe Freunde,

stellt Euch vor, ich würde mich nunmehr hierher stellen und Euch die Wahrheit erzählen:

Ich bin ein Gott.

Und bevor Ihr nun den Grünen Heinrich ruft: Nein, ich habe nur das Johannesevangelium, Kapitel 10, gelesen.

Da steht nämlich, dass Jesus Christus höchstpersönlich erklärt:

„Steht nicht geschrieben in eurem Gesetz: Ich habe gesagt: Ihr seid Götter?“ (Johannes 10,34)

Und seither weiß ich das.

Nun könnte man natürlich meinen, ich hätte da etwas falsch verstanden. Vielleicht eine Bibelstelle aus dem Zusammenhang gerissen. Vielleicht sollte ich doch besser wieder einmal einen theologischen Grundkurs besuchen.

Nur habe ich da ein Problem.

Denn der Apostel Paulus erklärt uns in Apostelgeschichte 17,29:

„Da wir nun göttlichen Geschlechts sind …“

Jetzt haben wir also Jesus, der erklärt, dass wir Götter sind, und Paulus, der uns mitteilt, dass wir göttlichen Geschlechts sind.

Und ich soll Euch erklären, dass wir es nicht sind?

Liebe Freunde, das wird schwierig.

Hat Gott Konkurrenz bekommen?

Nun werdet Ihr mich vielleicht fragen, ob ich jetzt glaube, die Welt geschaffen zu haben.

Nun ja, beim Mitwirken an der Errichtung des Reiches Gottes strenge ich mich wirklich an. Aber die Welt?

Nein, liebe Freunde. Die habe ich nicht geschaffen.

Übrigens auch nicht als einer, der sich einbildet, der höchste Gott zu sein. Denn das bin ich selbstverständlich nicht.

Und jetzt kommen wir zu Jesus.

Der wird von seinen Gegnern beschuldigt, sich selbst zu Gott zu machen. Worauf er ihnen erklärt, dass doch bereits in ihrer eigenen Heiligen Schrift von Göttern die Rede ist.

Und dann stellt er die entscheidende Frage: Warum sollte es Gotteslästerung sein, wenn er sich Gottes Sohn nennt?

Ja, warum eigentlich?

Wenn wir göttlichen Geschlechts sind, wenn wir nach den Worten Jesu Götter genannt werden können, weshalb sollte dann ausgerechnet Jesus davon ausgenommen sein?

Ist Jesus Gott?

Nach meinem Verständnis: Ja.

Aber damit haben wir noch lange nicht geklärt, was wir unter Gott verstehen.

Die Dreieinigkeit – ja, zumindest!

Wenn man mich fragt, ob ich an die Dreieinigkeit glaube, antworte ich gewöhnlich:

Ja, zumindest!

Denn ich persönlich glaube an die Polytät.

Und bevor jetzt wieder jemand den Grünen Heinrich verständigt, möchte ich erklären, was ich darunter verstehe.

Jesus sagt in Johannes 17,21:

„Dass sie alle eins seien. Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir, so sollen auch sie in uns sein.“

Da haben wir es wieder.

Jesus betet nicht darum, dass ausschließlich er mit dem Vater verbunden bleibt. Er bittet darum, dass auch wir Menschen an dieser Einheit teilhaben.

Und genau das ist für mich der entscheidende Punkt.

Die Einheit zwischen Jesus und dem Vater verstehe ich als eine vollkommene Verbindung durch den Heiligen Geist. Jesus kennt den Willen des Vaters und handelt danach.

Und diese Verbindung ist nach meinem Verständnis auch für uns Menschen erreichbar.

Nicht weil wir plötzlich allwissend oder allmächtig würden. Sondern weil wir lernen können, auf den Heiligen Geist zu hören und nach Gottes Willen zu handeln.

Natürlich ist das nicht die klassische kirchliche Dreieinigkeitslehre. Dort unterscheidet man zwischen der göttlichen Wesenseinheit und unserer Gemeinschaft mit Gott.

Nur frage ich Euch: Warum sollten wir nicht zumindest darüber nachdenken dürfen, was Jesus mit seiner Bitte tatsächlich gemeint hat?

Und was macht Jesus dann so besonders?

Ganz einfach, liebe Freunde.

Jesus hat einen Auftrag.

Er ist der Messias, der Heiland und der von Gott eingesetzte König des Reiches Gottes.

Schon in 1. Mose 3,15 beginnt die Verheißung, dass der Nachkomme der Frau der Schlange den Kopf zertreten wird.

Und von dort zieht sich für mich ein roter Faden durch die gesamte Bibel bis zur Offenbarung.

Es geht um die Überwindung des Bösen und die Errichtung des Reiches Gottes.

Dabei ist mir eines besonders wichtig: Jesus musste wirklich Mensch sein.

Paulus nennt ihn in 1. Korinther 15 den zweiten Menschen. Und in 1. Timotheus 2,5 lesen wir vom Menschen Christus Jesus, dem Mittler zwischen Gott und den Menschen.

Wäre Jesus kein wirklicher Mensch gewesen, wie hätte er dann die Verheißung an die Nachkommenschaft der Frau erfüllen sollen?

Natürlich erklären die großen Kirchen, Jesus sei wahrer Gott und wahrer Mensch zugleich.

Ich selbst gehe bei meiner Auslegung einen anderen Weg. Für mich steht der menschliche Messias im Mittelpunkt, der in vollkommener Verbindung mit dem Vater seinen Auftrag erfüllt.

Und dieser Auftrag ist gewaltig.

Paulus beschreibt in 1. Korinther 15,24–28, wie Christus herrscht, bis alle Feinde überwunden sind, und schließlich das Reich dem Vater übergibt.

Jesus ist also nicht einfach irgendein Gott unter vielen.

Er ist unser König und unser Heiland.

Und ich?

Nun, liebe Freunde, ich versuche zunächst einmal, ein halbwegs brauchbarer Mitarbeiter in seinem Reich zu sein.

Das ist schon schwierig genug.

Und was ist eigentlich mit dem Teufel?

Jetzt wird es noch ein wenig unangenehmer.

Denn ich vertrete eine Auffassung, die wahrscheinlich nicht jedem gefallen wird.

Ich glaube nämlich, dass der Teufel selbst davon überzeugt ist, etwas Gutes zu wollen.

Ja, Ihr habt richtig gelesen.

Ich halte es für möglich, dass er sich selbst für den Guten hält.

Vielleicht hat er Gottes Entscheidungen betrachtet und gemeint: Diesen Gott verstehe ich nicht. Ich könnte das besser.

Ob seine Auflehnung tatsächlich mit Ereignissen wie Sodom und Gomorra zusammenhing, berichtet uns die Bibel nicht. Das ist eine Überlegung von mir, keine überlieferte Tatsache.

Aber denkt einmal darüber nach.

Wie viele Menschen haben schon Schreckliches angerichtet, obwohl sie fest davon überzeugt waren, das Richtige zu tun?

Paulus schreibt in 2. Korinther 11,14, dass Satan sich als Engel des Lichts verstellt.

Ich frage mich dabei, ob er nicht möglicherweise sogar selbst an dieses Licht glaubt.

Ob er wirklich bewusst das Böse will oder ob er das Gute will und es einfach nicht zustande bringt.

Denn eines sollten wir niemals vergessen:

Gut sein wollen und Gutes tun sind zwei verschiedene Dinge.

An ihren Früchten sollt Ihr sie erkennen

Jesus erklärt uns in Matthäus 7,16:

„An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen.“

Und genau das ist für mich entscheidend.

Wenn ich jemanden kritisiere und sage, er arbeite für den Teufel, dann meine ich damit nicht zwangsläufig, dass dieser Mensch grundböse wäre.

Vielleicht glaubt er sogar aufrichtig, etwas Gutes zu tun.

Vielleicht möchte er helfen, retten, verbessern und die Welt gerechter machen.

Nur sind die Früchte seines Handelns möglicherweise ganz andere.

Natürlich muss man dabei gerecht bleiben. Nicht jede schlechte Folge beweist eine schlechte Absicht. Und nicht jeder Irrtum macht einen Menschen zum Diener des Bösen.

Aber gute Absichten allein reichen eben auch nicht.

Wir müssen uns fragen, was unser Handeln tatsächlich bewirkt.

Bringen wir Frieden? Helfen wir Menschen? Fördern wir Gerechtigkeit? Oder hinterlassen wir Leid, Streit und Zerstörung?

Und damit kommen wir zu einer Frage, die mich schon lange beschäftigt.

Wer von uns verbreitet eigentlich Irrlehren?

Liebe Freunde, es gibt Hunderte Kirchen und Glaubensgemeinschaften.

Alle berufen sich auf die Bibel.

Und dennoch erklären sich manche gegenseitig zu Irrlehrern.

Der eine Pfarrer predigt dieses, der andere jenes. Und beide sind überzeugt, die Wahrheit Gottes zu verkünden.

Was machen wir nun damit?

Vielleicht sollten wir uns einmal fragen, ob wir nicht viel zu oft die Lehre unserer Kirche mit dem Willen Gottes verwechseln.

Denn wenn ein Pfarrer seinen Gläubigen etwas Falsches erklärt und diese ihm vertrauen, wer trägt dann die Verantwortung?

Die Schäfchen, die ihrem Hirten folgen?

Oder der Hirte, der sie möglicherweise auf einen falschen Weg führt?

Und bevor Ihr jetzt glaubt, ich würde nur über andere Pfarrer sprechen:

Selbstverständlich gilt diese Frage auch für mich.

Vielleicht verbreite ich heute eine Irrlehre.

Vielleicht habe ich Johannes 10 falsch verstanden. Vielleicht ziehe ich aus Apostelgeschichte 17 und Johannes 17 Schlussfolgerungen, die Ihr nicht teilen könnt.

Dann zeigt mir bitte anhand der Bibel, weshalb ich falschliege.

Denn ich brauche keine Gemeinde, die mir immer nur zustimmt.

Ich brauche Menschen, die mitdenken.

Und nun, liebe Götter?

Ja, liebe Freunde, so möchte ich Euch heute zum Abschluss tatsächlich ansprechen.

Nicht weil ich glaube, dass Ihr die Welt erschaffen habt.

Nicht weil ich Euch für allmächtig halte.

Und schon gar nicht, weil ich meine, wir könnten Gott, den Vater, ersetzen.

Sondern weil ich Euch daran erinnern möchte, welche Würde und welche Verantwortung uns nach meinem Verständnis durch unsere Herkunft und unsere Verbindung mit Gott zukommen.

Jesus hat uns nicht dazu aufgerufen, uns gegenseitig mit theologischen Lehrsätzen zu erschlagen.

Er hat uns zur Nachfolge gerufen.

Zur Liebe.

Zur Gemeinschaft mit dem Vater.

Und zur Mitarbeit an seinem Reich.

Deshalb möchte ich Euch heute drei Fragen mitgeben.

Wenn wir göttlichen Geschlechts sind, warum handeln wir dann so oft, als hätten wir mit Gott überhaupt nichts zu tun?

Wenn Jesus uns in seine Einheit mit dem Vater einbeziehen möchte, weshalb beschäftigen wir uns dann lieber damit, andere Menschen aus dieser Gemeinschaft auszuschließen?

Und wenn wir alle davon überzeugt sind, das Gute zu wollen, warum überprüfen wir dann so selten die Früchte unseres Handelns?

Vielleicht, liebe Freunde, beginnt genau dort unsere eigentliche Aufgabe.

Nicht damit, dass wir uns für besonders göttlich halten.

Sondern damit, dass wir endlich anfangen, nach Gottes Willen zu leben.

Denn was nützt es mir, ein Gott sein zu wollen, wenn ich nicht einmal gelernt habe, meinen Nächsten zu lieben?

Amen.

Hans-Georg Peitl – Ritter der schrägen Töne

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About OM-Pastor Hans-Georg Peitl

.) Herausgeber des Liberalen Boten .) ist Bundesvorsitzender der Plattform Obdachlose (PO) .) Präsident des Plattform Obdachlose - Presseclubs (POP) .) Seniorpastor der Living hands .) Rektor des Instituts Für Christliche Forschung (IFCF) Sitz: Haskovo/Bulgarien .) Autor zahlreicher Freimaurer-Bücher
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