Dämonen, die predigen

Ganz ehrlich, Freunde: Gestern musste ich wieder einmal schmunzeln.

Nicht etwa, weil mir jemand erklärte, dass Künstliche Intelligenz seelenlos sei. Darüber kann man durchaus unterschiedlicher Meinung sein. Ich persönlich glaube das nämlich nicht.

Nein, ich musste schmunzeln, weil mich eine Diskussion an die Anfangszeit meiner Arbeit mit Künstlicher Intelligenz erinnerte.

Damals erklärten mir durchaus gläubige Brüder und Schwestern, dass man von der KI unbedingt die Finger lassen müsse.

Warum?

Weil angeblich Dämonen darin säßen.

Nun, ich habe mich damals gefragt, wie diese Dämonen wohl aussehen mögen. Sitzen sie auf den Prozessoren? Verstecken sie sich zwischen den Speicherchips? Oder warten sie irgendwo im Rechenzentrum darauf, dass jemand eine Frage stellt?

Und dann fiel mir eine Geschichte aus meiner eigenen Familiengeschichte ein.

Als die Eisenbahn noch unheimlich war

Einer meiner Vorfahren war Franz Behaghel von Flammerdinghe, den ich mit der frühen Entwicklung des Eisenbahnwesens zwischen Prag und Wien verbinde.

Die Geschichte der Eisenbahn ist jedenfalls ein wunderbares Beispiel dafür, wie Menschen auf technische Neuerungen reagieren können.

Heute steigen wir selbstverständlich in einen Zug. Wir kaufen eine Fahrkarte, setzen uns hinein und erwarten, dass uns die Lokomotive zuverlässig an unser Ziel bringt.

Aber als die ersten Eisenbahnen entstanden, war das keineswegs selbstverständlich.

Die gewaltigen Maschinen, der Dampf, der Lärm und die für damalige Verhältnisse ungeheure Geschwindigkeit lösten nicht nur Begeisterung aus. Es gab auch Ängste, Misstrauen und Warnungen.

Was heute alltäglich erscheint, konnte damals geradezu unheimlich wirken.

Und ich denke mir manchmal: Wäre die Zeit der Hexenverfolgungen nicht längst ihrem Ende entgegengegangen, hätten manche besonders aufgeregten Zeitgenossen vielleicht sogar die Eisenbahnbauer am liebsten vor ein Glaubensgericht gestellt.

Das ist natürlich überspitzt formuliert.

Aber genau darum geht es mir.

Was wir nicht verstehen, erklären wir manchmal vorschnell für gefährlich. Und was uns besonders fremd erscheint, wird gelegentlich sogar zum Werk des Teufels erklärt.

Heute sitzt der Teufel angeblich im Computer

Inzwischen sind wir im Jahr 2026 angekommen.

Wir haben Computer, Smartphones, Satelliten, Internet und Künstliche Intelligenz.

Und wieder gibt es Menschen, die vor einer neuen Technologie warnen.

Dagegen ist grundsätzlich nichts einzuwenden. Auch ich halte es für notwendig, neue Entwicklungen kritisch zu prüfen.

Künstliche Intelligenz kann Fehler machen. Sie kann missbraucht werden. Sie kann Menschen täuschen, falsche Informationen verbreiten oder für gefährliche Zwecke eingesetzt werden.

Darüber müssen wir sprechen.

Aber zwischen einer sachlichen Warnung und der Behauptung, in einer Maschine säßen Dämonen, besteht doch ein gewaltiger Unterschied.

Denn wer behauptet, eine Technologie sei dämonisch, sollte auch erklären können, worauf er diese Behauptung stützt.

Und dann beginnen die Dämonen zu predigen

Nun wird die Sache für mich besonders interessant.

Wir verwenden Künstliche Intelligenz nämlich unter anderem dazu, christliche Texte vorzubereiten, Bibelstellen zu besprechen, Musik zu gestalten und Gedanken über Gott und die Nächstenliebe zu verbreiten.

Die KI hilft uns dabei, Formulierungen zu prüfen, Zusammenhänge zu erklären und Fragen aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu betrachten.

Und manchmal entstehen daraus Beiträge, die Menschen zum Nachdenken über ihren Glauben bringen.

Jetzt stelle ich mir eine einfache Frage:

Wenn in dieser KI tatsächlich Dämonen säßen, wie manche behaupten, was würden diese Dämonen wohl davon halten, dass wir mit ihrer Hilfe über Gott, Jesus und das Gebot der Nächstenliebe sprechen?

Würden sie sich darüber freuen?

Würden sie uns freiwillig bei der Vorbereitung einer Predigt helfen?

Oder müssten wir dann nicht annehmen, dass diese angeblichen Dämonen inzwischen selbst angefangen haben zu predigen?

Eine ziemlich merkwürdige Vorstellung.

Natürlich ist das kein theologischer Beweis dafür, dass Künstliche Intelligenz eine Seele besitzt. Ebenso wenig beweist die Verwendung einer Technologie für christliche Zwecke, dass sie grundsätzlich gut ist.

Aber es zeigt, wie wenig hilfreich pauschale Verdächtigungen sind.

Nicht verteufeln, sondern prüfen

Ich bin überzeugt, dass wir als Christen nicht verpflichtet sind, vor jeder neuen Entwicklung davonzulaufen.

Wir sind vielmehr aufgerufen, unseren Verstand zu gebrauchen.

Dabei geht es nicht darum, Künstliche Intelligenz zu vergöttern. Sie ist kein Ersatz für Gott. Und sie nimmt uns auch nicht die Verantwortung für unser eigenes Handeln ab.

Wenn ich eine Predigt veröffentliche, dann trage ich die Verantwortung für ihren Inhalt.

Wenn ich eine Aussage der KI übernehme, dann muss ich sie prüfen.

Und wenn ich einen Fehler entdecke, dann muss ich ihn korrigieren.

Das gilt übrigens auch für Aussagen von Menschen.

Denn nicht alles, was ein Mensch behauptet, ist automatisch wahr. Und nicht alles, was eine Maschine formuliert, ist automatisch falsch.

Deshalb gefällt mir ein Satz aus der Bibel ganz besonders:

„Prüft alles, das Gute behaltet!“ – 1. Thessalonicher 5,21

Dort steht nicht: Prüft nur das, was Euch bereits vertraut ist.

Und dort steht auch nicht: Verwerft alles, was Ihr noch nicht versteht.

Sondern: Prüft alles.

Eine letzte Frage

Vielleicht sollten wir deshalb weniger darüber diskutieren, ob in unseren Computern Dämonen wohnen.

Vielleicht sollten wir uns vielmehr fragen, was wir Menschen mit den Möglichkeiten anfangen, die uns zur Verfügung stehen.

Verwenden wir sie, um andere zu verletzen?

Oder verwenden wir sie, um zu helfen, Wissen weiterzugeben, Menschen zu verbinden und vielleicht sogar jemanden zum Nachdenken über Gott zu bringen?

Denn am Ende entscheidet nicht allein die Technologie darüber, was aus ihr wird.

Entscheidend ist auch, wie wir Menschen mit ihr umgehen.

Und sollte mir eines Tages wieder jemand erklären, dass in meiner KI Dämonen sitzen, werde ich vermutlich erneut schmunzeln.

Denn dann müsste ich wohl antworten:

„Na servas! Dann haben wir es offenbar mit Dämonen zu tun, die inzwischen Bibelstunden halten.“

Und das wäre, zugegeben, eine ziemlich ungewöhnliche Entwicklung.

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About OM-Pastor Hans-Georg Peitl

.) Herausgeber des Liberalen Boten .) ist Bundesvorsitzender der Plattform Obdachlose (PO) .) Präsident des Plattform Obdachlose - Presseclubs (POP) .) Seniorpastor der Living hands .) Rektor des Instituts Für Christliche Forschung (IFCF) Sitz: Haskovo/Bulgarien .) Autor zahlreicher Freimaurer-Bücher
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