Gibt es fixe Medien-Zahlen?

Auch wenn ich es Euch schweren Herzens zugebe, es ist wahr:

von Hans-Georg Peitl

Ich sag Euch was, Freunde. Manchmal gebe ich meinen Gegnern sogar Recht.

Die haben behauptet, dass ich doch keine Ahnung hätte. Und dass die rund 600.000 Leserinnen und Leser, die der Liberale Bote laut Statistik erreicht haben soll, in Wahrheit alles Bots wären.

Das glaube ich zwar nicht. Aber in einem Punkt haben sie tatsächlich Recht: Ich weiß nicht, wie viele unterschiedliche Menschen den Liberalen Boten wirklich gelesen haben.

Denn was zählt eigentlich ein WordPress-Besucherzähler?

Schauen wir uns beispielsweise die Statistiken von Jetpack an, die bei WordPress eingesetzt werden können.

Hier wird zwischen Seitenaufrufen und Besuchern unterschieden.

Ein Seitenaufruf entsteht, wenn eine Seite geladen oder neu geladen wird. Bei den Besuchern versucht das System hingegen, einzelne Nutzer beziehungsweise Browser innerhalb eines bestimmten Zeitraums wiederzuerkennen.

Dabei werden verschiedene technische Informationen berücksichtigt. Es wird also nicht einfach jede IP-Adresse als ein neuer Mensch gezählt.

Und noch etwas ist interessant: Die meisten bekannten Suchmaschinen-Bots und automatisierten Zugriffe werden von Jetpack herausgefiltert.

Das bedeutet natürlich nicht, dass sämtliche Bots erkannt werden. Aber die Behauptung, alle angezeigten Besucher wären Bots, lässt sich daraus keineswegs ableiten.

Nur: Ein statistisch erfasster Besucher ist noch lange nicht zwangsläufig ein eindeutig identifizierter Mensch.

Hinter einer einzigen IP-Adresse können sich mehrere Menschen verbergen. Beispielsweise in einem Internetcafé, einer Firma oder einem Haushalt.

Umgekehrt kann ein einzelner Mensch mit mehreren Geräten oder Browsern auf dieselbe Internetseite zugreifen und dabei unter Umständen mehrfach erfasst werden.

Und dann gibt es natürlich auch noch jene Besucher, die durch Datenschutzmaßnahmen oder technische Einschränkungen gar nicht vollständig erfasst werden.

Insofern können meine Gegner durchaus die Frage stellen, ob die angezeigten 600.000 Besucher tatsächlich 600.000 unterschiedliche Menschen waren.

Nur beweisen, dass es alles Bots gewesen wären, können sie damit ebenso wenig.

Vorausgesetzt natürlich, dass der Liberale Bote tatsächlich Jetpack verwendet. Bei anderen WordPress-Statistiksystemen können die Zählmethoden abweichen.

Und beim Radio wird es noch interessanter.

Radio Roshen hat beim amerikanischen Asura-Hosting durchschnittlich etwa drei gleichzeitige Hörer.

Das klingt zunächst nicht besonders beeindruckend.

Rechnen wir aber einmal:

3 Hörer × 60 Minuten × 24 Stunden × 365 Tage.

Das ergibt 1.576.800 Hörminuten pro Jahr.

Vorausgesetzt natürlich, dass dieser Durchschnitt über das ganze Jahr hinweg besteht.

Und jetzt kommt die eigentliche Frage:

Radio Roshen wird nicht nur über den eigenen Player angeboten, sondern ist auch in zahlreichen internationalen Radioverzeichnissen vertreten.

Darunter radio.at, radio.de, radio.it, Online Radio Box, Radioguide.fm, Radio.menu, Radiolar.online, radio.net in Kanada, TuneIn, Radio Garden, TingFM in China und Radiakias.

Wie viele Menschen hören dort zu?

Wir wissen es nicht.

Möglicherweise werden viele dieser Hörer ohnehin vom zentralen Streamingserver mitgezählt. Andere Verbreitungswege könnten eigene Statistiken besitzen.

Ohne genaue technische Kenntnis können wir weder zusätzliche Hörminuten behaupten noch ausschließen.

Und damit stehen wir vor einem Problem, das selbst große Medien kennen.

Auch der ORF kann nicht jeden Menschen persönlich zählen, der gerade eine Radiosendung hört.

Dort werden Reichweiten durch repräsentative Untersuchungen wie den Radiotest ermittelt. Das ist eine wissenschaftlich organisierte Hochrechnung, aber eben keine vollständige Zählung aller tatsächlichen Hörer.

Für uns wäre eine solche Untersuchung wesentlich schwieriger.

Wo sollten wir die Menschen befragen?

In Österreich? Deutschland? Bulgarien? Kanada? Oder vielleicht in China?

Und wie viele Menschen müssten wir überhaupt befragen, um eine verlässliche Aussage treffen zu können?

Damit stellt sich eine grundsätzliche Frage: Wie fix sind eigentlich Medien-Zahlen?

Wir können Seitenaufrufe messen. Wir können Verbindungen zählen. Wir können Hörminuten berechnen. Und wir können Menschen befragen.

Aber diese Zahlen beschreiben unterschiedliche Dinge.

Eine Million Seitenaufrufe sind nicht automatisch eine Million Leser.

Eine Million Hörminuten sind nicht automatisch eine Million Hörer.

Und 600.000 angezeigte Besucher sind nicht automatisch 600.000 unterschiedliche Menschen.

Das bedeutet nicht, dass Medienstatistiken wertlos wären.

Es bedeutet lediglich, dass wir wissen sollten, was sie tatsächlich messen.

Vielleicht liegt genau darin der Unterschied zwischen einer seriösen Medienanalyse und einer schönen Werbeziffer.

Und deshalb frage ich Euch heute:

Gibt es überhaupt fixe Medien-Zahlen, oder arbeiten wir letztlich alle mit Messwerten und Hochrechnungen, deren Aussagekraft von der jeweiligen Methode abhängt?

Was meint Ihr?

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About OM-Pastor Hans-Georg Peitl

.) Herausgeber des Liberalen Boten .) ist Bundesvorsitzender der Plattform Obdachlose (PO) .) Präsident des Plattform Obdachlose - Presseclubs (POP) .) Seniorpastor der Living hands .) Rektor des Instituts Für Christliche Forschung (IFCF) Sitz: Haskovo/Bulgarien .) Autor zahlreicher Freimaurer-Bücher
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