War Jesus Christus berühmt – und wollte er es vielleicht sogar sein?

Ganz ehrlich, Freunde. Nachdem ich gestern erklärt hatte, dass ich gerne berühmt werden möchte, um meine christlich-philosophischen Gedanken leichter in die Welt tragen zu können, stellte mir jemand eine interessante Frage:

„Glaubst Du denn, dass Jesus Christus berühmt werden wollte?“

Eine Frage, die ich zunächst einmal ziemlich eigenartig fand.

Denn schauen wir uns doch an, was uns die Evangelien über Jesus berichten.

Da kommen 5.000 Menschen zusammen, um ihn zu hören und von ihm gespeist zu werden. Als er in Jerusalem einzieht, begrüßen ihn Menschen wie einen König. Selbst Herodes Antipas hatte bereits von Jesus gehört.

Und schließlich lässt Pontius Pilatus über seinem Kreuz eine Inschrift anbringen:

INRI – Iesus Nazarenus Rex Iudaeorum.

Jesus von Nazareth, König der Juden.

Das klingt für mich nicht gerade nach einem völlig unbekannten Wanderprediger.

Natürlich können wir heute nicht mehr feststellen, wie viele Menschen Jesus zu Lebzeiten tatsächlich kannten. Die Evangelien sind religiöse Überlieferungen und keine modernen statistischen Erhebungen.

Aber dass Jesus bereits zu Lebzeiten öffentliches Aufsehen erregte, erscheint mir angesichts dieser Berichte durchaus plausibel.

Und später wurde er zu einer der bekanntesten Persönlichkeiten der Weltgeschichte. Immerhin wurde sogar unsere heute gebräuchliche Jahreszählung nach seiner angenommenen Geburt ausgerichtet.

Wobei man natürlich unterscheiden muss: Seine spätere weltgeschichtliche Bedeutung beweist nicht automatisch, wie berühmt er schon zu Lebzeiten war.

Wollte Jesus überhaupt bekannt werden?

Hier wird es interessant.

Denn tatsächlich finden wir in den Evangelien Stellen, an denen Jesus Menschen ausdrücklich auffordert, nicht weiterzuerzählen, was sie erlebt haben.

Zum Beispiel in Markus 1,44.

Jesus heilt einen Aussätzigen und gebietet ihm, niemandem davon zu erzählen.

Und was geschieht?

Schon im nächsten Vers, Markus 1,45, lesen wir, dass der Mann hinausgeht und die Geschichte überall verbreitet.

Herrlich!

Denn genau das kenne ich aus meinem eigenen Leben.

Wenn ich den Menschen in Wien sage: „Bitte erzählt das jetzt nicht weiter“, dann kann ich beinahe sicher sein, dass eine halbe Stunde später ganz Wien davon weiß.

Und da frage ich mich:

Wären manche Menschen überhaupt auf die Idee gekommen, eine Geschichte überall zu verbreiten, wenn man sie nicht ausdrücklich gebeten hätte, es nicht zu tun?

Wir kennen doch alle dieses menschliche Phänomen.

Sobald jemand sagt, etwas sei geheim, wird es plötzlich besonders interessant.

„Aber bitte nicht weitererzählen!“

Und schon beginnt die Geschichte ihre Reise.

Die Psychologie kennt dafür unter anderem den Begriff der Reaktanz: Verbote können bei Menschen gerade den Wunsch verstärken, das Verbotene zu tun.

War das Schweigegebot vielleicht sogar wirkungsvoll?

Nun möchte ich Jesus keineswegs unterstellen, dass er seine Bekanntheit bewusst durch solche Schweigegebote steigern wollte.

Das können wir nicht wissen.

Vielleicht wollte er tatsächlich verhindern, dass sich seine Taten zu schnell herumsprachen. Vielleicht hatte das Schweigegebot religiöse oder andere Gründe.

Aber die Wirkung ist bemerkenswert.

In Markus 1,45 wird ausdrücklich beschrieben, dass sich die Nachricht trotz des Verbots verbreitete.

Und deshalb stelle ich einmal eine durchaus provokante Frage:

Wurde Jesus möglicherweise nicht trotz seiner Schweigegebote bekannt, sondern teilweise gerade wegen dieser Schweigegebote?

Das wäre zumindest eine interessante menschliche Erklärung dafür, warum sich manche Geschichten besonders schnell verbreiten.

Bekanntheit ist nicht dasselbe wie Eitelkeit

Nun kommen wir zum eigentlichen Punkt.

Ich habe niemals behauptet, berühmt werden zu wollen, damit mir die Menschen zujubeln.

Ich möchte bekannt werden, weil ich eine Botschaft habe.

Weil ich christliche Philosophie vermitteln möchte. Weil ich Menschen zum Nachdenken bringen möchte. Weil ich gesellschaftliche Veränderungen anregen möchte.

Und dafür muss man Menschen erreichen.

Auch Jesus verkündete seine Botschaft nicht ausschließlich im stillen Kämmerlein.

Er ging zu den Menschen, predigte öffentlich, sammelte Jünger und sandte diese wiederum aus, seine Botschaft weiterzutragen.

Das war öffentliche Verkündigung.

Ob Jesus persönlich berühmt werden wollte, ist eine andere Frage. Die Evangelien geben uns keinen sicheren Einblick in ein solches persönliches Motiv.

Aber dass seine Botschaft bekannt werden sollte, lässt sich aus seinem Wirken durchaus ableiten.

Und genau hier liegt für mich der entscheidende Unterschied:

Berühmtheit als Selbstzweck ist etwas anderes als Bekanntheit im Dienst einer Botschaft.

Ein Mensch kann Aufmerksamkeit suchen, weil er bewundert werden möchte.

Er kann Aufmerksamkeit aber auch suchen, weil er etwas zu sagen hat, das möglichst viele Menschen erreichen soll.

Und was lernen wir daraus?

Vielleicht sollten wir endlich aufhören, den Wunsch nach Bekanntheit automatisch mit Eitelkeit gleichzusetzen.

Nicht jeder, der berühmt werden möchte, will auf einem Thron sitzen.

Mancher möchte einfach nur, dass seine Gedanken gehört werden.

Jesus Christus wurde jedenfalls zu einer weltgeschichtlich berühmten Persönlichkeit. Dass er zu Lebzeiten bereits größere Menschenmengen erreichte, berichten uns die Evangelien.

Ob er persönliche Berühmtheit anstrebte, bleibt eine Frage der Auslegung.

Aber eines steht für mich fest:

Wer eine Botschaft in die Welt tragen möchte, braucht Menschen, die sie hören.

Und manchmal genügt dafür offenbar schon der Satz:

„Aber bitte erzählt es niemandem weiter!“

Was meint Ihr, Freunde?

Wollte Jesus Christus bekannt werden, um seine Botschaft zu verbreiten? Oder entstand seine Berühmtheit ganz unabhängig von seinem eigenen Willen?

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About OM-Pastor Hans-Georg Peitl

.) Herausgeber des Liberalen Boten .) ist Bundesvorsitzender der Plattform Obdachlose (PO) .) Präsident des Plattform Obdachlose - Presseclubs (POP) .) Seniorpastor der Living hands .) Rektor des Instituts Für Christliche Forschung (IFCF) Sitz: Haskovo/Bulgarien .) Autor zahlreicher Freimaurer-Bücher
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