Die kalkulierte Feigheit: Warum die Hohepriester die Hände in Unschuld waschen wollten

Die historische Szene vor Pontius Pilatus offenbart eine tiefe Ironie. Pilatus, der römische Statthalter, sagt sinngemäß zu den Hohepriestern: „Nehmt ihr ihn doch und richtet ihn nach eurem Gesetz!“ (Johannes 18,31). Doch sie weigern sich und antworten: „Es ist uns nicht erlaubt, jemanden zu töten.“

Dahinter steckt jedoch weit mehr als nur ein juristisches Hindernis. Es ist das Paradebeispiel einer Elite, die Macht ausüben, aber die schmutzigen Konsequenzen auf andere abwälzen will.

1. Angst vor dem Volk (Die Feigheit des Image-Verlusts)

Die Hohepriester (wie Kaiphas) hatten panische Angst vor einem Aufruhr. Jesus hatte eine enorme Anhängerschaft unter den einfachen Leuten. Hätten die religiösen Führer ihn selbst gesteinigt – was nach jüdischem Recht bei Gotteslästerung theoretisch die Konsequenz gewesen wäre –, hätten sie den Zorn des Volkes direkt auf sich gezogen.

  • Die Strategie: Wenn die Römer ihn kreuzigen, bleibt das Image der Hohepriester sauber. Sie können sich als die Bewahrer der Ordnung inszenieren, während das verhasste Römische Reich die Drecksarbeit erledigt.

2. Das Abschieben der moralischen Schuld

Indem sie Jesus zu einem politischen Rebellen umdeuteten (der angeblich gegen den Kaiser aufbegehrt), zwangen sie Pilatus zum Handeln. Sie stammelten Loyalitätsbekundungen zum Kaiser, die sie innerlich verachteten, nur um ihre eigene Verantwortung loszuwerden. Es war ein bürokratischer Akt der Feigheit: Man lässt das System den Mord ausführen, um selbst keine Blutspuren an den eigenen Kleidern zu haben.

Die Brücke ins Heute: „Toll, ein anderer macht’s!“

Diese historische Feigheit ist zeitlos. Das kollektive Wegschauen und das Prinzip „Verantwortungsdiffusion“ prägen unsere moderne Gesellschaft – ob in der Politik, in Institutionen oder im Alltag.

Das moderne Phänomen: Wir erleben heute eine Kultur des organisierten Drückens. Macht, Status und Privilegien werden gerne genommen. Doch sobald es darum geht, für die Konsequenzen einer Entscheidung geradezustehen, unbequeme Wahrheiten auszusprechen oder ein Risiko für die Schwächsten einzugehen, wird nach einem „Pilatus“ gesucht, der die Entscheidung übernimmt.

  • Systemische Feigheit: Anträge werden verschleppt, Verantwortung in Ausschüssen vergraben, und am Ende will es niemand gewesen sein.
  • Die persönliche Ebene: Es ist die Bequemlichkeit der Masse, die wegschaut, wenn Unrecht geschieht, und insgeheim hofft, dass sich schon irgendwer anders darum kümmern wird.

Fazit für den Text: Die Hohepriester waren nicht nur die theologischen Gegner Jesu – sie waren die Prototypen derer, die heute in warmen Sesseln sitzen, Urteile fällen, aber die Last und den Schmutz der Realität auf die Schultern anderer abwälzen. Jesus zu verurteilen, aber Pilatus die Hinrichtung zu überlassen, ist das historische Denkmal für die Feigheit der Mächtigen.

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About OM-Pastor Hans-Georg Peitl

.) Herausgeber des Liberalen Boten .) ist Bundesvorsitzender der Plattform Obdachlose (PO) .) Präsident des Plattform Obdachlose - Presseclubs (POP) .) Seniorpastor der Living hands .) Rektor des Instituts Für Christliche Forschung (IFCF) Sitz: Haskovo/Bulgarien .) Autor zahlreicher Freimaurer-Bücher
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