Wer bin ich eigentlich – wenn jemand nachschaut?

Manchmal erfährt man erstaunliche Dinge über sich selbst.

Man muss dazu nicht in alten Tagebüchern blättern oder Freunde aus der Jugend befragen. Manchmal genügt es, auf der eigenen Internetseite auf das eigene Benutzerprofil zu klicken.

Genau das habe ich heute getan.

Und dort erfuhr ich, dass ich Bundesobmann der „Internationalen christlichen Forschungspartei“ sei.

Das Problem daran:

Diese Partei hat es nie gegeben.

Offenbar hatte sich irgendwann irgendeine alte, falsche oder längst vergessene Beschreibung in meinem Profil festgesetzt. Dort blieb sie liegen. Ich bemerkte sie nicht, weil ich naturgemäß selten auf meine eigene Benutzerseite gehe.

Andere Menschen möglicherweise schon.

Und plötzlich wurde mir bewusst: Während ich mir Gedanken darüber mache, was ich schreibe, welche Musik ich veröffentliche, was Radio Roshen sendet und welche Gedanken ich öffentlich vertrete, konnte jemand auf meinen Namen klicken und anschließend denken:

„Aha. Das ist also dieser Mann.“

Nein.

War er nicht.

Wer ist dieser Mann überhaupt?

Diese Frage ist allerdings schwieriger zu beantworten, als ich zunächst dachte.

Autor?

Ja.

Journalist?

Auch.

Komponist und Musikproduzent?

Inzwischen ziemlich eindeutig.

Radiomacher?

Radio Roshen sendet rund um die Uhr.

Pastor?

Seit vielen Jahren.

Und irgendwo unter all diesen Schichten sitzt noch immer der ehemalige IT-Mann und fragt sich bei jedem Problem zunächst, ob man das System nicht einfach anders verwenden könnte, als es ursprünglich vorgesehen war.

Vielleicht erklärt gerade das auch dietempler.org.

Ein Forum, in dem niemand diskutieren darf

Technisch läuft dietempler.org auf XOBOR.

XOBOR stellt Forensoftware her.

Damit wäre eigentlich klar, was man dort macht: Benutzer registrieren sich, eröffnen Themen, antworten einander und diskutieren.

Nur haben wir ein kleines Problem.

Bei uns kann niemand etwas schreiben.

Keine öffentlichen Beiträge. Keine Antworten. Keine Kommentare unter Artikeln.

Nichts.

Das „Forum“ ist in Wirklichkeit eine Zeitung.

Dahinter steht eine Templerloge, die ihre Texte öffentlich zugänglich macht. Jeder darf sie lesen. Jeder darf darüber nachdenken. Jeder darf sie anderswo kritisieren, loben, zitieren oder sich darüber fürchterlich aufregen.

Nur auf unserer eigenen Seite kann er seine Meinung nicht daruntersetzen.

Man könnte das für mangelnde Diskussionsbereitschaft halten.

Ich sehe es etwas anders.

Jeder darf mitdiskutieren

Denn selbstverständlich darf jeder über unsere Texte diskutieren.

Das Internet ist groß genug.

Wer einen meiner Artikel für Unsinn hält, darf anderswo einen Artikel darüber schreiben. Er darf ihn in sozialen Medien zerlegen. Er darf seinen Freunden erzählen, dass dieser Peitl offenbar völlig den Verstand verloren hat.

Er darf sogar einen Leserbrief schreiben.

Ganz traditionell.

Mit Papier.

Und Briefmarke.

Nur daraus folgt nicht, dass eine Zeitung verpflichtet wäre, unter jeden ihrer Texte eine öffentliche Wand zu hängen, auf die jeder Besucher unmittelbar seine Meinung schreiben darf.

Meinungsfreiheit bedeutet, dass Menschen ihre Meinung äußern dürfen.

Sie bedeutet nicht, dass ich ihnen dafür meine Druckerpresse zur Verfügung stellen muss.

Und damit wären wir bei unserem heutigen redaktionellen Grundsatz:

Beschwerden bitte an das Salzamt.

Dreißig Jahre Lampenfieber, das keines war

Ausgerechnet heute habe ich außerdem über eine Geschichte geschrieben, die ungefähr dreißig Jahre zurückliegt.

Ich sollte damals in einer Fernsehsendung mit Ingrid Stöckl auftreten.

Ich kam nicht.

Ich sagte nicht ab.

Ich erschien einfach nicht.

Daraus entstand offenbar die Erklärung, ich hätte Lampenfieber gehabt.

Nur hatte ich keines.

Am Tag zuvor hatte sich meine damalige Freundin überraschend von mir getrennt. Ich hatte geglaubt, wir würden heiraten. Einen Tag später war ich schlicht nicht in der Verfassung, vor einer Fernsehkamera zu sitzen.

Das entschuldigt mein Verhalten nicht.

Ich hätte absagen müssen.

Aber aus einem tatsächlichen Fehler wurde durch eine plausible Interpretation eine andere Geschichte.

Und genau deshalb habe ich diese Erinnerung heute aufgeschrieben.

Wir sehen, was Menschen tun.

Aber wir kennen häufig nicht den Tag davor.

Und dann schauen plötzlich Menschen zu

Während all dieser Überlegungen fiel mir heute noch etwas auf.

Unser Besucherzähler bewegt sich schneller als gewöhnlich.

Mehr Menschen kommen auf die Seite.

Warum?

Keine Ahnung.

Vielleicht wird irgendwo über etwas diskutiert, das wir veröffentlicht haben. Vielleicht wird ein Link weitergegeben. Vielleicht sucht jemand nach meinem Namen. Vielleicht hat es mit etwas völlig anderem zu tun.

Das Entscheidende ist:

Wir wissen es nicht.

Und ausgerechnet das passt erstaunlich gut zum heutigen Tag.

Denn heute ging es immer wieder darum, wie schnell wir aus einer Beobachtung eine Erklärung machen.

Der Zähler steigt.

Also muss es dieses sein.

Oder jenes.

Oder jemand macht irgendwo Wind.

Alles möglich.

Aber noch nicht gewusst.

Fakten und Geschichten

Vielleicht verbindet genau das meine sehr unterschiedlichen Tätigkeiten stärker, als ich bisher dachte.

In der IT lernte ich, dass ein System nicht unbedingt das tut, was man glaubt, dass es tut.

Im Journalismus lernte ich, dass eine plausible Geschichte noch lange keine wahre Geschichte sein muss.

In der Theologie begegnet einem seit Jahrtausenden die Frage, was Menschen wissen, was sie glauben und was sie lediglich interpretieren.

Und im Leben stellt man irgendwann fest, dass sogar die eigene Biografie im Internet Dinge über einen behaupten kann, die niemals existiert haben.

Deshalb habe ich mein Profil heute geändert.

Dort steht jetzt nicht mehr der Bundesobmann einer imaginären Partei.

Dort steht unter anderem:

Sendeleiter von Radio Roshen. Autor. Journalist. Komponist. Radiomacher. Seniorpastor.

Das ist vielleicht weniger spektakulär.

Dafür hat es einen entscheidenden Vorteil:

Es stimmt.

Und sollte jemand damit nicht einverstanden sein, haben wir dafür selbstverständlich eine zuständige Stelle.

Das Salzamt.

Die Anschrift dürfen Sie allerdings selbst herausfinden.

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About OM-Pastor Hans-Georg Peitl

.) Herausgeber des Liberalen Boten .) ist Bundesvorsitzender der Plattform Obdachlose (PO) .) Präsident des Plattform Obdachlose - Presseclubs (POP) .) Seniorpastor der Living hands .) Rektor des Instituts Für Christliche Forschung (IFCF) Sitz: Haskovo/Bulgarien .) Autor zahlreicher Freimaurer-Bücher
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