Blutbrüderschaft – Wenn ein Versprechen mehr als Worte braucht

Das Blut des Bundes – Wenn Treue etwas kostet

„Ich wünsche mir einen Blutschwur.“

Was zunächst vielleicht nach Karl May, Winnetou und Old Shatterhand klingt, führt uns zu einer wesentlich älteren Frage:

Warum verbinden Menschen Blut mit Treue, Bund und einem Versprechen?

Wer die Bibel aufschlägt, begegnet dem Blut immer wieder. Dabei ist Blut in der Bibel nicht einfach irgendeine Flüssigkeit.

Es steht für Leben.

In 3. Mose 17,11 heißt es:

„Denn des Leibes Leben ist im Blut.“

Damit bekommt das Blut eine Bedeutung, die weit über ein äußeres Zeichen hinausgeht.

Abraham und die äußerste Probe

Eine der erschütterndsten Geschichten des Alten Testaments finden wir bei Abraham.

Abraham musste lange auf seinen Sohn Isaak warten. Gerade dieser Sohn war Träger einer großen Verheißung Gottes.

Und ausgerechnet ihn soll Abraham opfern.

Was macht Abraham?

Er geht.

Er vertraut.

Er gehorcht.

Er ist sogar bereit, seinen eigenen Sohn hinzugeben.

Doch Gott verhindert das Opfer. Isaak muss nicht sterben. Stattdessen wird ein Widder geopfert.

Es handelt sich dabei nicht um einen Blutschwur. Die Geschichte zeigt aber mit ungeheurer Härte, wie weit die Frage nach Vertrauen und Gehorsam gehen kann.

Das Blut des Bundes

Noch deutlicher wird die Bedeutung des Blutes beim Bundesschluss am Sinai.

In 2. Mose 24,8 nimmt Mose das Blut und sagt:

„Siehe, das ist das Blut des Bundes.“

Hier begegnen sich Blut und Bund ausdrücklich.

Ein Bund ist mehr als eine spontane Zusage.

Er bedeutet Bindung.

Verpflichtung.

Treue.

Und genau an dieser Stelle wird verständlich, warum das Blut eine solche Symbolkraft besitzt: Wenn Blut für Leben steht, dann wird der Bund nicht als belanglose Vereinbarung dargestellt.

Er betrifft das Leben selbst.

Jesus greift diese Worte wieder auf

Viele Jahrhunderte später sitzt Jesus mit seinen Jüngern beim letzten Abendmahl.

Und plötzlich hören wir nahezu dieselben Worte wieder.

Jesus spricht vom:

„Blut des Bundes.“

Damit verbindet das Neue Testament den Tod Jesu mit dem Gedanken des Bundes.

Paulus beschreibt den Weg Jesu in Philipper 2,8:

„Er erniedrigte sich selbst und ward gehorsam bis zum Tode, ja zum Tode am Kreuz.“

Wieder begegnet uns der Gehorsam.

Bei Abraham sehen wir einen Menschen, der bereit ist, Gott selbst dann zu vertrauen, wenn er Gottes Forderung kaum verstehen kann.

Bei Christus sehen wir Gehorsam bis zum Tod.

Doch hier geschieht etwas Entscheidendes:

Nicht ein anderer wird geopfert.

Christus gibt sich selbst.

Ist ein Blutschwur also christlich?

Hier müssen wir vorsichtig sein.

Die Bibel fordert Christen nicht dazu auf, sich gegenseitig zu schneiden, Blut zu vermischen oder auf diese Weise persönliche Bündnisse zu schließen.

Ein menschlicher Blutschwur ist kein Sakrament und keine Voraussetzung für christliche Treue.

Aber wir können verstehen, warum Blut zu einem so mächtigen Symbol für Treue geworden ist.

Denn die biblische Botschaft kennt einen Bund, der nicht nur ausgesprochen wird.

Er kostet etwas.

Vielleicht brauchen wir keinen Blutschwur

Jesus sagt in der Bergpredigt:

„Eure Rede aber sei: Ja, ja; nein, nein.“

Vielleicht liegt genau darin die größere Herausforderung.

Nicht ein spektakuläres Ritual macht einen Menschen treu.

Nicht Blut garantiert, dass ein Versprechen morgen noch gilt.

Treue zeigt sich danach.

Wenn es schwierig wird.

Wenn das erste Gefühl verschwunden ist.

Wenn das gegebene Wort plötzlich etwas kostet.

Der christliche Glaube verlangt deshalb vielleicht etwas Schwierigeres als einen Blutschwur:

Dass unser Ja tatsächlich Ja bedeutet.

Denn Blut kann ein Zeichen für einen Bund sein.

Aber leben müssen wir diesen Bund selbst.

Avatar von Unbekannt

About OM-Pastor Hans-Georg Peitl

.) Herausgeber des Liberalen Boten .) ist Bundesvorsitzender der Plattform Obdachlose (PO) .) Präsident des Plattform Obdachlose - Presseclubs (POP) .) Seniorpastor der Living hands .) Rektor des Instituts Für Christliche Forschung (IFCF) Sitz: Haskovo/Bulgarien .) Autor zahlreicher Freimaurer-Bücher
Dieser Beitrag wurde unter Begrüssung veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.