Und die Bergpredigt hat doch Recht

Man kann von Frieden reden. Man kann von Liebe reden. Und man kann, wie es momentan einige Kirchen zeigen, gleichzeitig offenbar gar nicht wirklich für den Frieden sein.

von Hans-Georg Peitl

Denn dieselben Menschen, die von Frieden sprechen oder christliche Predigten halten, meinen gleichzeitig, die Lieferung von Waffen in Kriegsgebiete unterstützen zu können.

Dabei steht in der Bergpredigt ziemlich eindeutig:

„Selig sind, die Frieden stiften; denn sie werden Gottes Kinder heißen.“
Matthäus 5,9

Man kann sich als Christ bekennen und letztlich dennoch am Christentum vorbeileben. Denn es genügt nicht, mit den Lippen zu bekennen, Christ zu sein. Entscheidend ist auch, ob man bereit ist, nach dem zu leben, was Jesus gelehrt hat.

Auch dazu findet sich eine erstaunlich deutliche Aussage:

„Es werden nicht alle, die zu mir sagen: Herr, Herr!, in das Himmelreich kommen, sondern die den Willen tun meines Vaters im Himmel.“
Matthäus 7,21

Natürlich gibt es die historisch-kritische Methode. Sie untersucht, wann biblische Texte entstanden sind, wer sie geschrieben oder redigiert haben könnte, welche Quellen verwendet wurden und in welchem historischen Zusammenhang sie stehen.

Problematisch wird es dort, wo aus dieser Untersuchung eine Entwertung der eigentlichen Botschaft entsteht.

Dann wird aus einer Anweisung, wie ein Christ leben sollte, plötzlich eine interessante Philosophie aus vergangenen Zeiten. Aus einer Forderung Jesu wird eine unverbindliche Empfehlung. Und zentrale Gedanken wie das Reich Gottes und das Reich der Nächstenliebe geraten immer weiter aus dem Blickfeld.

Dabei stellt sich die Frage: Was ändert es an einer Botschaft, wenn wir nicht mit letzter Sicherheit wissen, welcher Mensch sie niedergeschrieben hat?

Das wäre ungefähr so, als würde der Wiener Bürgermeister eine wichtige Erklärung herausgeben und wir anschließend darüber diskutieren, ob er den Text tatsächlich selbst in die Tastatur getippt hat oder ob dies sein Sekretär getan hat.

Entscheidend ist doch die Botschaft.

Bei der Bibel wird jedoch manchmal genau umgekehrt argumentiert: Weil Menschen die Texte niedergeschrieben, gesammelt, überliefert und redigiert haben, wird daraus der Schluss gezogen, man müsse ihre Aussagen relativieren.

Überspitzt gesagt: Die Sekretäre Gottes hätten die Bibel geschrieben – und Gott habe davon gar nichts gewusst.

Und wenn man erst einmal an diesem Punkt angekommen ist, wird es natürlich einfach.

Dann braucht man sich auch nicht mehr nach der Bergpredigt zu richten.

Dann kann man Frieden predigen und gleichzeitig Waffen gutheißen. Man kann Nächstenliebe verkünden und sie dort vergessen, wo sie unbequem wird. Man kann Jesus bekennen und seine konkreten Forderungen zur unverbindlichen Philosophie erklären.

Vielleicht sollten wir deshalb die Bergpredigt wieder einmal so lesen, wie sie dasteht.

Nicht als historischen Text, den wir bewundern.

Nicht als schöne Philosophie, über die wir diskutieren.

Sondern als Aufforderung an Christen, tatsächlich danach zu leben.

Denn vielleicht ist die Sache viel einfacher, als wir sie manchmal machen:

Die Bergpredigt hat doch Recht.

Hans-Georg Peitl – Ritter der schrägen Töne

Avatar von Unbekannt

About OM-Pastor Hans-Georg Peitl

.) Herausgeber des Liberalen Boten .) ist Bundesvorsitzender der Plattform Obdachlose (PO) .) Präsident des Plattform Obdachlose - Presseclubs (POP) .) Seniorpastor der Living hands .) Rektor des Instituts Für Christliche Forschung (IFCF) Sitz: Haskovo/Bulgarien .) Autor zahlreicher Freimaurer-Bücher
Dieser Beitrag wurde unter Begrüssung veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.