Wenn Kennzeichnung zur Ausgrenzung wird – Müssen sich KI-Anwender rechtfertigen?

Von der Geschichte religiöser Verfolgung bis zur heutigen Debatte über künstliche Intelligenz: Warum wir bei gesellschaftlichen Kennzeichnungen genau hinsehen sollten.

Eigentlich müsste man meinen, dass die Menschheit aus ihrer Geschichte gelernt hätte.

Doch immer wieder begegnen uns Forderungen, Menschen oder ihre Werke anhand bestimmter Merkmale besonders kenntlich zu machen.

Heute geht es um künstliche Intelligenz.

Wer mit KI arbeitet, soll bestimmte Ergebnisse entsprechend kennzeichnen. Damit entsteht eine Frage, die mich persönlich beschäftigt: Wird diese Kennzeichnung lediglich der Information dienen, oder entwickelt sich daraus irgendwann eine gesellschaftliche Unterscheidung zwischen angeblich „echter“ und „unechter“ Arbeit?

Warum mich Kennzeichnungspflichten hellhörig machen

Man muss nicht jedes gesellschaftliche Problem mit Deutschlands dunkelsten Jahren vergleichen.

Ausgrenzung und Verfolgung gab es bereits Jahrhunderte zuvor.

Meine eigene Familiengeschichte ist dafür ein Grund, weshalb ich bei solchen Entwicklungen besonders aufmerksam werde.

Unsere Familie führt ihre Wurzeln auf die Hugenotten zurück.

Nach unserer Familienüberlieferung mussten Vorfahren bereits 1562 aus Ypern fliehen und fanden schließlich in Frankenthal Zuflucht.

Später erlebten Angehörige unserer Familie im Umfeld der Saalhof-Pietisten erneut religiöse Konflikte und Unsicherheit.

Die Hoffnung auf ein freieres Leben führte schließlich zu Plänen einer Auswanderung nach Amerika.

Nach unserer Familienüberlieferung wurde dafür Besitz verkauft und Land in Pennsylvania, im Umfeld von Germantown, erworben. Auch von späteren Eigentumsverlusten wird berichtet.

Die genauen historischen Umstände dieser Ereignisse verdienen eine eigene Untersuchung.

Was mich daran aber besonders beschäftigt, ist die Erfahrung, dass Menschen aufgrund ihrer Überzeugungen gesellschaftlich ausgegrenzt werden können.

Geschichte wiederholt sich nicht einfach

Selbstverständlich ist eine Kennzeichnung KI-generierter Bilder nicht mit der Verfolgung religiöser Minderheiten gleichzusetzen.

Und erst recht darf man die Verbrechen ab 1933 nicht mit einer heutigen Transparenzvorschrift auf eine Stufe stellen.

Aber Geschichte kann uns dafür sensibilisieren, wie gesellschaftliche Vorurteile entstehen.

Häufig beginnt Ausgrenzung damit, dass Menschen in Kategorien eingeteilt werden.

Die einen gehören dazu. Die anderen gelten als anders.

Und irgendwann wird aus einer Unterscheidung möglicherweise eine Abwertung.

Zwei Klassen von Kreativen?

Genau diese Gefahr sehe ich in der gesellschaftlichen Diskussion über künstliche Intelligenz.

Da gibt es plötzlich jene, die angeblich „sauber“ und vollständig ohne KI arbeiten.

Und daneben jene, deren Arbeiten mit einem Hinweis auf künstliche Intelligenz versehen werden.

Dabei sagt eine solche Kennzeichnung zunächst überhaupt nichts darüber aus, ob ein Werk gut oder schlecht ist.

Ein schlechter Text wird nicht dadurch besser, dass ihn ausschließlich ein Mensch geschrieben hat.

Und eine gute Komposition wird nicht dadurch wertlos, dass bei ihrer Produktion künstliche Intelligenz mitgewirkt hat.

Warum sollte also die verwendete Technik zum Maßstab für die gesellschaftliche Anerkennung werden?

Transparenz oder Stigmatisierung?

Natürlich kann es sinnvoll sein, kenntlich zu machen, wenn ein täuschend echtes Bild oder Video künstlich erzeugt wurde.

Niemand soll eine erfundene Szene für ein tatsächliches Ereignis halten müssen.

Auch der europäische AI Act verfolgt mit seinen Transparenzregeln das Ziel, Täuschung und Manipulation zu verhindern.

Die gesetzlichen Pflichten gelten allerdings nicht pauschal für jede kleine Unterstützung durch KI, sondern unterscheiden zwischen verschiedenen Anwendungen und Inhalten.

Meine Kritik richtet sich deshalb nicht gegen jede Form der Transparenz.

Sie richtet sich gegen eine gesellschaftliche Haltung, die aus dem Hinweis „mit KI erstellt“ ein negatives Qualitätsurteil macht.

Denn dann entsteht tatsächlich die Gefahr einer Zweiklassengesellschaft unter den Kreativen.

Der Mensch bleibt verantwortlich

Bei Radio Roshen, unseren Musikproduktionen und unserer publizistischen Arbeit verwenden wir künstliche Intelligenz ganz selbstverständlich.

Wir verheimlichen das nicht.

Wir entwickeln Ideen, treffen Entscheidungen, prüfen Ergebnisse und tragen die Verantwortung für unsere Veröffentlichungen.

Die KI ist dabei ein Werkzeug.

Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Und ich sehe keinen Grund, mich dafür zu entschuldigen.

Eine Warnung aus der Geschichte

Meine Familiengeschichte hat mich gelehrt, bei gesellschaftlichen Unterscheidungen aufmerksam zu bleiben.

Nicht jede Kennzeichnung ist Diskriminierung.

Aber jede Kennzeichnung sollte daraufhin geprüft werden, welchem Zweck sie dient und welche Folgen sie für die betroffenen Menschen haben kann.

Transparenz darf nicht zur Stigmatisierung werden.

Und deshalb möchte ich eine Frage stellen:

Wollen wir wirklich eine Gesellschaft, in der nicht mehr die Qualität einer Arbeit zählt, sondern zuerst gefragt wird, ob bei ihrer Entstehung künstliche Intelligenz beteiligt war?

Hans-Georg Peitl
KI heute / Radio Roshen

Avatar von Unbekannt

About OM-Pastor Hans-Georg Peitl

.) Herausgeber des Liberalen Boten .) ist Bundesvorsitzender der Plattform Obdachlose (PO) .) Präsident des Plattform Obdachlose - Presseclubs (POP) .) Seniorpastor der Living hands .) Rektor des Instituts Für Christliche Forschung (IFCF) Sitz: Haskovo/Bulgarien .) Autor zahlreicher Freimaurer-Bücher
Dieser Beitrag wurde unter Begrüssung veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen