Nun werden vermutlich wieder einige Menschen erklären, dass ich bei der Darstellung, wie unsere Songs entstehen, nicht immer ganz bei der Wahrheit geblieben bin.
Und diesmal gebe ich das ganz offen zu.
Ja, ich musste mir erst den Mut zusammennehmen, die ganze Geschichte zu erzählen.
Dass in unseren Liedern meine eigene Stimme zu hören ist, habe ich immer wieder erklärt. Bei der Zuordnung der weiblichen Stimme von ACE Ruseva war ich dagegen nicht vollständig offen.
Und das hatte einen persönlichen Grund.
Ich wollte unbedingt vermeiden, dass zwischen meiner zweiten und meiner ersten Frau ein Eifersuchtsdrama entsteht.
Ob mir diese Sorge tatsächlich etwas erspart hat, sei dahingestellt.
Jedenfalls habe ich mich lange davor gescheut, offen über meine Vermutung zur Herkunft dieser Stimme zu sprechen.
Inzwischen hat mich eine KI-Auskunft in meiner Vermutung bestärkt, dass die charakteristische rauchige Stimme meiner ersten Frau ähnelt, die selbst Sängerin ist. Ob es tatsächlich ihre Stimme ist, müsste allerdings noch überprüft werden.
Ist es besser, eine Unwahrheit beizubehalten?
Erst gestern habe ich die Frage gestellt, ob Politiker nicht wesentlich besser daran täten, grundsätzlich die Wahrheit zu sagen.
Nicht nur aus moralischen Gründen.
Sondern auch deshalb, weil andere Menschen nur dann helfen können, Probleme zu lösen, wenn sie wissen, worin diese Probleme tatsächlich bestehen.
Wer eine Schwierigkeit verschweigt, verhindert möglicherweise auch ihre Lösung.
Und heute stehe ich selbst vor genau dieser Frage.
Was mache ich, wenn ich erkenne, dass meine bisherige Darstellung unvollständig oder falsch gewesen ist?
Bleibe ich dabei, nur um mir keine Blöße zu geben?
Oder nehme ich mir den Mut, die Sache richtigzustellen?
Wer einmal gelogen hat …
Natürlich werden manche Menschen sagen:
„Seht her! Er hat gelogen!“
Und wenn eine Aussage bewusst falsch war, muss man sich diese Kritik auch gefallen lassen.
Aber was folgt daraus?
Soll man nun sein ganzes Leben an dieser Unwahrheit festhalten, nur damit niemand merkt, dass man irgendwann nicht ehrlich gewesen ist?
Soll man aus einer einzelnen Lüge eine ganze Geschichte weiterer Lügen machen?
Oder ist es nicht wesentlich vernünftiger, irgendwann zu sagen:
Ja, ich habe einen Fehler gemacht. Und jetzt möchte ich ihn korrigieren.
Auch Politiker sind Menschen
Gerade in der Politik erleben wir immer wieder, dass Menschen an früheren Aussagen festhalten, obwohl neue Erkenntnisse eine Korrektur nahelegen.
Vielleicht aus Angst vor Gesichtsverlust.
Vielleicht aus Angst vor den politischen Gegnern.
Oder einfach deshalb, weil ein öffentliches Eingeständnis unangenehm ist.
Dabei wäre eine andere Haltung denkbar.
Ein Politiker könnte erklären:
„Ich habe mich geirrt. Ich habe inzwischen dazugelernt. Deshalb ändere ich meine Meinung.“
Wäre das tatsächlich ein Zeichen von Schwäche?
Oder nicht vielmehr ein Zeichen dafür, dass jemand bereit ist, Verantwortung für seine Aussagen zu übernehmen?
Wahrhaftigkeit braucht Mut
Ich glaube, wir sollten aufhören, Menschen ausschließlich danach zu beurteilen, ob sie irgendwann etwas Falsches gesagt haben.
Natürlich ist Ehrlichkeit wichtig.
Und selbstverständlich sollte niemand bewusst mit Unwahrheiten arbeiten.
Aber ebenso wichtig ist die Bereitschaft, einen Fehler einzugestehen und zu korrigieren.
Denn wer die Wahrheit sucht, muss auch bereit sein, unangenehme Wahrheiten über sich selbst zu akzeptieren.
Das gilt für mich ebenso wie für jeden anderen Menschen.
Und gerade deshalb möchte ich heute eine Frage stellen:
Was ist besser? Eine einmal ausgesprochene Unwahrheit ein Leben lang zu verteidigen oder sich den Mut zusammenzunehmen, sie endlich richtigzustellen?
Vielleicht beginnt die Wahrhaftigkeit genau dort, wo wir aufhören, unsere Fehler verstecken zu wollen.




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