Wer regiert eigentlich diese Welt?

Eine Frage, auf die verschiedene christliche Gruppierungen sehr unterschiedliche Antworten geben.

Wenn Christen über Gott, Jesus Christus und den Heiligen Geist sprechen, begegnen uns unterschiedliche Vorstellungen.

Trinitarier gehen von der Dreieinigkeit aus: Vater, Sohn und Heiliger Geist sind voneinander zu unterscheiden und dennoch der eine Gott.

Davon zu unterscheiden ist die Vorstellung einer Dreifaltigkeit im Sinne verschiedener Erscheinungsweisen: derselbe Gott erscheint als Vater, Sohn und Heiliger Geist.

Wir Pietisten gehen einen anderen Weg.

Wir gehen von einer Hierarchie göttlicher beziehungsweise geistlicher Mächte aus.

Und auf diesen Gedanken kommen wir nicht deshalb, weil er besonders bequem wäre.

Wir kommen darauf, weil uns in der Bibel einige bemerkenswerte Aussagen begegnen.

Wer ist der „Gott dieser Welt“?

Paulus schreibt:

2. Korinther 4,4:
„den Ungläubigen, denen der Gott dieser Welt den Sinn verblendet hat, dass sie nicht sehen das helle Licht des Evangeliums von der Herrlichkeit Christi, welcher ist das Ebenbild Gottes.“

Das ist zunächst einmal eine erstaunliche Formulierung.

Paulus spricht tatsächlich vom:

„Gott dieser Welt“.

Gemeint ist damit nach verbreitetem christlichem Verständnis der Teufel beziehungsweise Satan.

Doch damit nicht genug.

Auch Jesus verwendet eine bemerkenswerte Bezeichnung:

Johannes 12,31:
„Jetzt ergeht das Gericht über diese Welt; jetzt wird der Fürst dieser Welt hinausgestoßen werden.“

Hier heißt es nicht „Gott dieser Welt“, sondern:

„Fürst dieser Welt“.

Offensichtlich besitzt dieser Fürst also eine Machtstellung.

Aber woher kommt diese Macht?

„Denn sie ist mir übergeben“

Bei der Versuchung Jesu sagt der Teufel:

Lukas 4,6:
„Alle diese Macht will ich dir geben und ihre Herrlichkeit; denn sie ist mir übergeben und ich gebe sie, wem ich will.“

Natürlich muss man an dieser Stelle vorsichtig sein.

Es ist der Teufel, der diese Worte spricht.

Man kann deshalb nicht einfach jede seiner Aussagen als göttliche Wahrheit übernehmen.

Bemerkenswert bleibt allerdings, dass Jesus auf das Angebot nicht mit den Worten antwortet:

„Unsinn. Diese Macht besitzt du überhaupt nicht.“

Stattdessen weist er die Forderung zurück, ihn anzubeten.

Damit entsteht zumindest eine interessante biblische Frage:

Welche Stellung besitzt der „Fürst dieser Welt“ tatsächlich?

Wir verstehen ihn als eine geistliche Macht, die Herrschaft über diese Welt ausübt – eine Macht allerdings, die nicht über Gott Vater steht.

Und genau hier beginnt unser Modell einer Hierarchie.

Eine Macht, die sich gegen Gott stellt

Der Teufel wäre nach diesem Verständnis niemals ein zweiter höchster Gott neben Gott Vater.

Er wäre auch kein gleichberechtigter Gegenspieler Gottes.

Denn dann hätten wir zwei höchste Mächte.

Vielmehr handelt es sich um eine untergeordnete geistliche Macht, die sich gegen den Willen Gottes gestellt hat.

Bildlich gesprochen:

Ein Verwalter, der sich selbstständig gemacht hat.

Und plötzlich bekommen einige Aussagen Jesu einen interessanten Zusammenhang.

Warum verkündet Jesus immer wieder das Reich Gottes?

Warum geht es nicht einfach nur darum, dass einzelne Menschen „religiös“ werden?

Jesus lehrt:

Matthäus 6,33:
„Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch das alles zufallen.“

Es geht um ein Reich.

Um eine Herrschaft.

Um die Wiederherstellung der Herrschaft Gottes.

Dein Reich komme

Noch deutlicher wird dieser Gedanke im Vaterunser:

Matthäus 6,10:
„Dein Reich komme. Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden.“

Warum sollen wir darum bitten, dass Gottes Reich komme, wenn ohnehin bereits alles auf dieser Erde vollkommen nach Gottes Willen geschieht?

Und warum sollen wir darum bitten, dass Gottes Wille auf Erden so geschehe wie im Himmel?

Offenbar besteht zwischen dem gegenwärtigen Zustand dieser Welt und dem Willen Gottes eine Spannung.

Genau diese Spannung begegnet uns immer wieder in der Heiligen Schrift.

Auf der einen Seite steht der „Fürst dieser Welt“.

Auf der anderen Seite verkündet Jesus das Reich Gottes.

Und schließlich sagt Jesus über den Fürsten dieser Welt:

Er wird hinausgestoßen werden.

Warum kam Jesus?

Damit ergibt sich für uns eine mögliche Antwort.

Jesus kam nicht nur, um Menschen etwas über Gott zu erzählen.

Er kam, um das Reich Gottes zu verkünden.

Er kam, um Menschen aus der Herrschaft der Finsternis herauszuführen.

Er kam, damit der Wille Gottes nicht irgendwann nur irgendwo im Himmel geschieht, sondern:

„wie im Himmel so auf Erden.“

Deshalb steht das Reich Gottes im Zentrum seiner Verkündigung.

Und deshalb ist Matthäus 6,33 für uns nicht irgendein netter Vers für den Alltag.

Er beschreibt eine Priorität:

Zuerst das Reich Gottes.

Und nun die eigentliche Frage

Vielleicht widerspricht jemand unserer Vorstellung einer Hierarchie geistlicher Mächte.

Das ist legitim.

Vielleicht versteht jemand die genannten Bibelstellen vollkommen anders.

Auch darüber kann man diskutieren.

Aber dann bleibt eine Frage:

Warum bezeichnet die Bibel den Teufel als „Gott dieser Welt“ und „Fürst dieser Welt“?

Warum spricht er von einer ihm übergebenen Macht?

Warum verkündet Jesus ausgerechnet das Reich Gottes?

Warum sollen wir beten:

„Dein Reich komme“?

Und warum:

„Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden“?

Vielleicht lohnt es sich, diese Stellen einmal gemeinsam zu lesen, bevor wir vorschnell entscheiden, welches Gottesbild überhaupt in der Bibel steht.

Denn genau darum geht es uns:

Nicht darum, eine kirchliche Lehrmeinung zu gewinnen.

Sondern darum, zu fragen:

Was steht eigentlich in der Heiligen Schrift?

Glaubst Du nicht?

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About OM-Pastor Hans-Georg Peitl

.) Herausgeber des Liberalen Boten .) ist Bundesvorsitzender der Plattform Obdachlose (PO) .) Präsident des Plattform Obdachlose - Presseclubs (POP) .) Seniorpastor der Living hands .) Rektor des Instituts Für Christliche Forschung (IFCF) Sitz: Haskovo/Bulgarien .) Autor zahlreicher Freimaurer-Bücher
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