Durften die Israeliten gehen?

Eine Predigt von Seniorpastor Hans-Georg Peitl

Eigentlich predige ich normalerweise nicht über das Alte Testament. Und erst recht nicht über Mose und die Jahre der Israeliten in Ägypten. Aber manchmal muss es Ausnahmen geben.

Solche Ausnahmen entstehen, wenn man in einer alten biblischen Geschichte plötzlich etwas erkennt, das auch in unsere Zeit hineinreicht.

Die Israeliten durften für Ägypten arbeiten. Mehr noch: Sie wurden zur Arbeit gezwungen und ausgebeutet. Ihre Leistung war willkommen – ihre Freiheit hingegen nicht. Als sie gehen wollten, verweigerte ihnen der Pharao die Erlaubnis.

Auch wir arbeiten heute für unser Land und zahlen Steuern. Selbstverständlich sind wir keine Sklaven wie die Israeliten in Ägypten. Wir dürfen Österreich rechtlich jederzeit verlassen. Aber was geschieht, wenn wir tatsächlich für längere Zeit gehen? Bleiben unsere Wohnung, unsere Rechte und unser gewohntes Leben ebenso sicher bestehen?

Ich sage nicht bloß leichtfertig, dass eine längere Abwesenheit schwerwiegende Folgen haben kann. Ich habe es inzwischen zweimal selbst erlebt.

Jachwe ließ zehn Plagen über Ägypten kommen. Doch selbst diese Gerichte bewegten den Pharao nur vorübergehend dazu, die Israeliten ziehen zu lassen. Kaum waren sie aufgebrochen, verfolgte er sie mit seinen Streitwagen.

Am Roten Meer schien es für die Israeliten schließlich keinen Ausweg mehr zu geben. Vor ihnen lag das Wasser, hinter ihnen näherte sich das Heer des Pharaos. Doch Jachwe teilte durch Mose das Meer. Die Israeliten zogen hindurch, während das nachfolgende ägyptische Heer in den Wassermassen unterging.

Diese Erzählung enthält eine ernste Warnung: Wer Menschen mit aller Gewalt festhalten, beherrschen oder nach ihrer Abreise bestrafen will, kann durch seine eigene Härte zugrunde gehen.

Ich persönlich frage mich deshalb auch, ob manche Krisen unserer Gegenwart als Folgen einer solchen politischen Härte verstanden werden müssen. Während der Covid-Zeit wurden Maßnahmen beschlossen, die tief in das Leben der Menschen eingriffen und zeitweise sogar die europäische Reisefreiheit massiv beschränkten. Bis heute wurde vieles davon politisch und gesellschaftlich nicht ehrlich aufgearbeitet.

Gleichzeitig unterliegt Österreich einem EU-Defizitverfahren. Zwar wurde dieses wegen eingeleiteter Maßnahmen vorläufig ruhend gestellt, doch das übermäßige Defizit besteht damit nicht einfach nicht mehr. Trotzdem habe ich nicht den Eindruck, dass sich die grundsätzliche Haltung gegenüber den eigenen Staatsbürgerinnen und Staatsbürgern verändert hat.

Wer arbeitet und Steuern zahlt, ist willkommen. Wer aber für einige Monate ins Ausland geht, kann anschließend erleben, dass plötzlich seine Wohnung infrage steht, Behörden seine Lebensumstände anders beurteilen oder Unternehmen seine Identität nicht mehr anerkennen.

Natürlich ist Österreich nicht das Ägypten des Pharaos. Und niemand muss heute ein Meer teilen, um das Land verlassen zu können. Aber der geistliche Grundsatz bleibt derselbe:

Ein Land, das die Leistung seiner Menschen gerne annimmt, ihnen aber aus ihrer Freiheit Nachteile entstehen lässt, handelt kurzsichtig. Wer Bürgerinnen und Bürger durch Härte, Misstrauen und undurchsichtige Entscheidungen vertreibt, darf sich nicht wundern, wenn Arbeitskraft, Kaufkraft und Vertrauen verloren gehen.

Vielleicht ist genau diese Haltung einer der Gründe, warum ein Land wirtschaftlich und gesellschaftlich verarmt.

Die entscheidende Frage lautet daher nicht nur: Durften die Israeliten gehen?

Sie lautet auch: Dürfen wir heute gehen, ohne dafür bestraft zu werden?

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About OM-Pastor Hans-Georg Peitl

.) Herausgeber des Liberalen Boten .) ist Bundesvorsitzender der Plattform Obdachlose (PO) .) Präsident des Plattform Obdachlose - Presseclubs (POP) .) Seniorpastor der Living hands .) Rektor des Instituts Für Christliche Forschung (IFCF) Sitz: Haskovo/Bulgarien .) Autor zahlreicher Freimaurer-Bücher
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