Das Gebot der Nächstenliebe

Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten.

Ein Gebot, liebe Freunde, das heute viel zu oft missachtet wird.

Manchmal könnte man beinahe meinen, die Zehn Gebote hätten ihre Bedeutung verloren. Schließlich hat Jesus die Gebote Gottes in zwei grundlegenden Geboten zusammengefasst: der Liebe zu Gott und der Liebe zum Nächsten.

Aber bedeutet das, dass wir die übrigen Gebote einfach vergessen dürfen?

Natürlich nicht!

Denn wer seinen Nächsten liebt, wird ihn nicht verleumden, nicht bewusst falsche Anschuldigungen gegen ihn erheben und auch nicht versuchen, ihm durch Lügen Schaden zuzufügen.

Und trotzdem erleben wir heute gerade im Internet immer wieder das Gegenteil.

Da werden Falschinformationen verbreitet, Menschen öffentlich diskreditiert und Meldungen an Moderatoren erstattet, die nicht unbedingt der Wahrheit entsprechen.

Manchmal geschieht das sogar mit dem ausdrücklichen Ziel, einen anderen Menschen von einer Plattform entfernen zu lassen.

Und die Plattformen?

Die prüfen solche Meldungen nicht immer ausreichend. Manchmal werden ausgerechnet jene Menschen sanktioniert oder gesperrt, die zuvor Opfer gezielter Angriffe geworden sind.

Damit wird aus einer falschen Anschuldigung plötzlich eine scheinbar gerechtfertigte Bestrafung.

Und derjenige, der die Falschmeldung verbreitet hat, kann möglicherweise unbehelligt weitermachen.

Du sollst nicht falsch Zeugnis reden

Bereits im fünften Buch Mose lesen wir:

5. Mose 5,20: „Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten.“

Dieses Gebot bezieht sich ursprünglich insbesondere auf falsche Zeugenaussagen. Doch sein moralischer Grundgedanke reicht weit darüber hinaus.

Wer bewusst Unwahrheiten über andere Menschen verbreitet, verletzt nicht nur deren Ansehen, sondern auch das Vertrauen, auf dem menschliches Zusammenleben beruht.

Und damit verletzt er letztlich auch das Gebot der Nächstenliebe.

Denn wie kann ich behaupten, meinen Nächsten zu lieben, wenn ich gleichzeitig versuche, ihn durch falsche Behauptungen aus einer Gemeinschaft auszuschließen?

Gerechtigkeit auch im digitalen Raum

Interessanterweise hat die Europäische Union mit dem Digital Services Act, kurz DSA, inzwischen einen rechtlichen Rahmen geschaffen, der auch den Umgang digitaler Plattformen mit Meldungen und Sperrungen regelt.

Der DSA ermöglicht es Nutzern unter bestimmten Voraussetzungen, gegen Moderationsentscheidungen vorzugehen und mögliche Verstöße gegen gesetzliche Verpflichtungen bei zuständigen Stellen zu melden.

Dabei muss nicht jeder Streit mit einem anonymen Nutzer persönlich ausgetragen werden. Auch die Verantwortung der Plattform selbst kann geprüft werden.

Natürlich ist der DSA kein christliches Gesetz. Er wurde auch nicht ausschließlich zum Schutz vor Mobbing geschaffen.

Aber sein Anliegen, transparente Verfahren und Beschwerdemöglichkeiten sicherzustellen, lässt sich durchaus mit dem christlichen Gerechtigkeitsgedanken verbinden.

Denn auch im Internet sollte gelten, dass Anschuldigungen nicht einfach ungeprüft zur Grundlage einer Bestrafung werden.

Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes

Jesus sagt uns:

Matthäus 6,33: „Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch das alles zufallen.“

Und genau hier liegt für mich der entscheidende Punkt.

Wenn wir vom Aufbau des Reiches Gottes sprechen, dann dürfen wir Gerechtigkeit nicht nur predigen.

Wir müssen sie auch leben.

Wir können nicht sonntags über Nächstenliebe sprechen und montags schweigend zusehen, wie Menschen durch falsche Anschuldigungen ausgegrenzt werden.

Wir können nicht behaupten, die Wahrheit zu lieben, und gleichzeitig zulassen, dass Lügen zur Grundlage gesellschaftlicher Entscheidungen werden.

Und wir sollten auch nicht vergessen, dass hinter jedem Benutzerkonto ein Mensch stehen kann, dessen Würde und Lebensumstände durch solche Vorgänge berührt werden.

Das Reich Gottes beginnt nicht erst dort, wo wir gemeinsam beten.

Seine Gerechtigkeit soll auch dort sichtbar werden, wo Menschen miteinander umgehen, wo sie Entscheidungen treffen und wo sie Verantwortung für andere übernehmen.

Auch im Internet.

Nächstenliebe braucht Verantwortung

Für mich gehört deshalb der Einsatz gegen Verleumdung, Mobbing und ungerechtfertigte Ausgrenzung ganz selbstverständlich zum christlichen Glauben.

Nicht weil eine europäische Verordnung das Reich Gottes errichten könnte.

Sondern weil wir als Christen aufgefordert sind, für Wahrheit, Gerechtigkeit und unseren Nächsten einzutreten.

Der Digital Services Act kann dabei ein weltliches Hilfsmittel sein.

Das eigentliche Gebot aber ist viel älter.

Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten.

Und vielleicht sollten wir gerade heute wieder damit beginnen, dieses Gebot ernst zu nehmen.

Denn Nächstenliebe endet nicht dort, wo das Internet beginnt.

Hans-Georg Peitl – Ritter der schrägen Töne

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About OM-Pastor Hans-Georg Peitl

.) Herausgeber des Liberalen Boten .) ist Bundesvorsitzender der Plattform Obdachlose (PO) .) Präsident des Plattform Obdachlose - Presseclubs (POP) .) Seniorpastor der Living hands .) Rektor des Instituts Für Christliche Forschung (IFCF) Sitz: Haskovo/Bulgarien .) Autor zahlreicher Freimaurer-Bücher
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