Europa im politischen Umbruch – zwischen Trump, Energiewende und Vertrauenskrise

Der European Council on Foreign Relations (ECFR) beschäftigt sich in seinem jüngsten Newsletter mit einer Frage, die für die Zukunft Europas von entscheidender Bedeutung sein könnte: Wie handlungsfähig ist die Europäische Union in einer Welt, in der politische Machtverhältnisse immer schneller wechseln?

Amerika verändert sich – doch Trump bleibt

Die amerikanischen Zwischenwahlen 2026 stehen im Mittelpunkt der jüngsten Analyse des European Council on Foreign Relations.

Nach Darstellung des ECFR haben die Demokraten einen deutlichen Wahlerfolg erzielt und die Kontrolle über den Kongress gewonnen. Für Donald Trump wäre dies ein erheblicher politischer Rückschlag.

Doch bedeutet eine solche Veränderung tatsächlich das Ende seiner politischen Macht?

Der ECFR-Experte Jeremy Shapiro warnt davor, Trump vorschnell abzuschreiben. Schließlich bleibt der amerikanische Präsident im Weißen Haus, und seine Unterstützung innerhalb der republikanischen Wählerschaft ist weiterhin ein bedeutender politischer Faktor.

Für Europa ergibt sich daraus eine entscheidende Erkenntnis: Die Beziehungen zu den Vereinigten Staaten dürfen nicht ausschließlich von der jeweiligen amerikanischen Regierung abhängig gemacht werden.

Europa muss lernen, mit unterschiedlichen politischen Kräften in Amerika zusammenzuarbeiten.

Die Demokraten suchen ihre eigene Zukunft

Auch innerhalb der Demokratischen Partei stehen Veränderungen bevor.

Célia Belin, Chris Herrmann und Nevada Joan Lee beschäftigen sich in ihrer Analyse mit drei unterschiedlichen politischen Strömungen innerhalb der Partei.

Dabei geht es nicht nur um die Frage, wer künftig die politische Führung übernehmen könnte. Es geht ebenso darum, welche gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Vorstellungen die amerikanische Politik nach Donald Trump prägen werden.

Für Europa ist diese Entwicklung von besonderer Bedeutung.

Denn wer die Vereinigten Staaten als strategischen Partner betrachtet, muss auch verstehen, wie sich deren innenpolitische Landschaft verändert.

Eine europäische Außenpolitik, die ausschließlich auf persönliche Beziehungen zu einzelnen Präsidenten setzt, wäre langfristig zu kurz gedacht.

Die Energiewende als geopolitische Herausforderung

Ein zweiter Schwerpunkt des ECFR beschäftigt sich mit der europäischen Energiewende.

Susi Dennison und Mats Engström vertreten die Auffassung, dass Europa seine Klimaziele nicht allein erreichen kann.

Die notwendigen Rohstoffe, Technologien und industriellen Komponenten sind international verteilt. Wer die Energiewende erfolgreich gestalten möchte, benötigt daher zuverlässige Partner.

Die beiden Autoren schlagen eine sogenannte „Green Relay“ vor, eine internationale Zusammenarbeit, bei der verschiedene Staaten ihre jeweiligen wirtschaftlichen und technologischen Möglichkeiten einbringen.

Dahinter steht eine wichtige wirtschaftspolitische Erkenntnis:

Europa kann seine Abhängigkeiten nicht dadurch überwinden, dass es versucht, sämtliche wirtschaftlichen Leistungen ausschließlich innerhalb seiner eigenen Grenzen zu erbringen.

Vielmehr braucht es strategische Partnerschaften, die gegenseitige Abhängigkeiten berechenbarer und ausgewogener gestalten.

Dabei darf die Energiewende nicht ausschließlich als ökologische Aufgabe betrachtet werden.

Sie ist ebenso eine Frage der Industriepolitik, der Versorgungssicherheit und der internationalen Wettbewerbsfähigkeit.

Polen und die Krise des politischen Vertrauens

Ein dritter Schwerpunkt führt nach Polen.

Dort beschäftigt sich Piotr Buras mit der Vertrauenskrise rund um das Verfassungsgericht.

Das Problem reicht nach seiner Einschätzung über die Frage hinaus, welche Richter das Gericht besetzen.

Vielmehr geht es um die grundsätzliche Anerkennung staatlicher Institutionen durch unterschiedliche politische Lager.

Wenn eine Gesellschaft ihre Gerichte nicht mehr als unabhängige Einrichtungen betrachtet, entsteht eine gefährliche Entwicklung.

Denn demokratische Systeme leben nicht ausschließlich von Wahlen und Mehrheitsentscheidungen.

Sie benötigen ebenso Institutionen, deren Entscheidungen auch von jenen akzeptiert werden, die politisch anderer Meinung sind.

Buras plädiert deshalb für einen institutionellen Neubeginn auf Grundlage gemeinsam akzeptierter Regeln.

Europas eigentliches Problem: Die eigene Handlungsfähigkeit

Betrachtet man diese unterschiedlichen Themen gemeinsam, ergibt sich ein bemerkenswertes Bild.

In Amerika verändern sich die politischen Mehrheitsverhältnisse.

In der internationalen Wirtschaft verschieben sich die technologischen und industriellen Abhängigkeiten.

Und innerhalb Europas stehen demokratische Institutionen vor erheblichen Vertrauensproblemen.

Alle drei Entwicklungen führen letztlich zu derselben Frage:

Wie kann Europa seine Zukunft eigenständig gestalten, wenn es gleichzeitig von internationalen Partnern, wechselnden politischen Mehrheiten und dem Vertrauen seiner eigenen Bevölkerung abhängig ist?

Die Antwort kann wohl kaum darin bestehen, sich vollständig von der übrigen Welt abzukoppeln.

Ebenso wenig erscheint es sinnvoll, sämtliche politischen Entscheidungen auf die europäische Ebene zu verlagern.

Vielmehr braucht Europa eine vernünftige Balance zwischen nationaler Eigenständigkeit, demokratischer Legitimation und internationaler Zusammenarbeit.

Europa braucht mehr als politische Absichtserklärungen

Die Analysen des ECFR machen deutlich, dass internationale Politik zunehmend von mehreren Entwicklungen gleichzeitig beeinflusst wird.

Wirtschaftliche Entscheidungen werden zu sicherheitspolitischen Fragen. Innenpolitische Veränderungen beeinflussen internationale Bündnisse. Und das Vertrauen in demokratische Institutionen wird selbst zu einem geopolitischen Faktor.

Für die Europäische Union bedeutet dies, dass politische Handlungsfähigkeit nicht allein durch neue Verordnungen oder zusätzliche Institutionen entsteht.

Sie entsteht durch wirtschaftliche Leistungsfähigkeit, verlässliche Partnerschaften und das Vertrauen der Bürger in demokratische Entscheidungen.

Europa wird sich daher nicht nur fragen müssen, welche Rolle es in der Welt spielen möchte.

Es wird sich vor allem fragen müssen, welche Voraussetzungen es schaffen muss, um diese Rolle tatsächlich ausfüllen zu können.

Denn politische Unabhängigkeit beginnt nicht mit der Erklärung, unabhängig sein zu wollen. Sie beginnt mit der Fähigkeit, eigenständig handeln zu können.


Redaktioneller Kommentar – Liberaler Bote

Grundlage: Newsletter des European Council on Foreign Relations (ECFR), November 2026. Bezug auf Analysen von Jeremy Shapiro, Célia Belin, Chris Herrmann, Nevada Joan Lee, Susi Dennison, Mats Engström und Piotr Buras.

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About OM-Pastor Hans-Georg Peitl

.) Herausgeber des Liberalen Boten .) ist Bundesvorsitzender der Plattform Obdachlose (PO) .) Präsident des Plattform Obdachlose - Presseclubs (POP) .) Seniorpastor der Living hands .) Rektor des Instituts Für Christliche Forschung (IFCF) Sitz: Haskovo/Bulgarien .) Autor zahlreicher Freimaurer-Bücher
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