Ich bin ein Gott – und Du bist es auch!

Liebe Freunde,

stellt Euch vor, ich würde mich nunmehr hierher stellen und Euch die Wahrheit erzählen:

Ich bin ein Gott.

Und bevor Ihr nun den Grünen Heinrich ruft: Nein, ich habe nur das Johannesevangelium, Kapitel 10, gelesen.

Da steht nämlich, dass Jesus Christus höchstpersönlich erklärt:

„Steht nicht geschrieben in eurem Gesetz: Ich habe gesagt: Ihr seid Götter?“ (Johannes 10,34)

Und seither weiß ich das.

Nun könnte man natürlich meinen, ich hätte da etwas falsch verstanden. Vielleicht eine Bibelstelle aus dem Zusammenhang gerissen. Vielleicht sollte ich doch besser wieder einmal einen theologischen Grundkurs besuchen.

Nur habe ich da ein Problem.

Denn der Apostel Paulus erklärt uns in Apostelgeschichte 17,29:

„Da wir nun göttlichen Geschlechts sind …“

Jetzt haben wir also Jesus, der erklärt, dass wir Götter sind, und Paulus, der uns mitteilt, dass wir göttlichen Geschlechts sind.

Und ich soll Euch erklären, dass wir es nicht sind?

Liebe Freunde, das wird schwierig.

Hat Gott Konkurrenz bekommen?

Nun werdet Ihr mich vielleicht fragen, ob ich jetzt glaube, die Welt geschaffen zu haben.

Nun ja, beim Mitwirken an der Errichtung des Reiches Gottes strenge ich mich wirklich an. Aber die Welt?

Nein, liebe Freunde. Die habe ich nicht geschaffen.

Übrigens auch nicht als einer, der sich einbildet, der höchste Gott zu sein. Denn das bin ich selbstverständlich nicht.

Und jetzt kommen wir zu Jesus.

Der wird von seinen Gegnern beschuldigt, sich selbst zu Gott zu machen. Worauf er ihnen erklärt, dass doch bereits in ihrer eigenen Heiligen Schrift von Göttern die Rede ist.

Und dann stellt er die entscheidende Frage: Warum sollte es Gotteslästerung sein, wenn er sich Gottes Sohn nennt?

Ja, warum eigentlich?

Wenn wir göttlichen Geschlechts sind, wenn wir nach den Worten Jesu Götter genannt werden können, weshalb sollte dann ausgerechnet Jesus davon ausgenommen sein?

Ist Jesus Gott?

Nach meinem Verständnis: Ja.

Aber damit haben wir noch lange nicht geklärt, was wir unter Gott verstehen.

Die Dreieinigkeit – ja, zumindest!

Wenn man mich fragt, ob ich an die Dreieinigkeit glaube, antworte ich gewöhnlich:

Ja, zumindest!

Denn ich persönlich glaube an die Polytät.

Und bevor jetzt wieder jemand den Grünen Heinrich verständigt, möchte ich erklären, was ich darunter verstehe.

Jesus sagt in Johannes 17,21:

„Dass sie alle eins seien. Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir, so sollen auch sie in uns sein.“

Da haben wir es wieder.

Jesus betet nicht darum, dass ausschließlich er mit dem Vater verbunden bleibt. Er bittet darum, dass auch wir Menschen an dieser Einheit teilhaben.

Und genau das ist für mich der entscheidende Punkt.

Die Einheit zwischen Jesus und dem Vater verstehe ich als eine vollkommene Verbindung durch den Heiligen Geist. Jesus kennt den Willen des Vaters und handelt danach.

Und diese Verbindung ist nach meinem Verständnis auch für uns Menschen erreichbar.

Nicht weil wir plötzlich allwissend oder allmächtig würden. Sondern weil wir lernen können, auf den Heiligen Geist zu hören und nach Gottes Willen zu handeln.

Natürlich ist das nicht die klassische kirchliche Dreieinigkeitslehre. Dort unterscheidet man zwischen der göttlichen Wesenseinheit und unserer Gemeinschaft mit Gott.

Nur frage ich Euch: Warum sollten wir nicht zumindest darüber nachdenken dürfen, was Jesus mit seiner Bitte tatsächlich gemeint hat?

Und was macht Jesus dann so besonders?

Ganz einfach, liebe Freunde.

Jesus hat einen Auftrag.

Er ist der Messias, der Heiland und der von Gott eingesetzte König des Reiches Gottes.

Schon in 1. Mose 3,15 beginnt die Verheißung, dass der Nachkomme der Frau der Schlange den Kopf zertreten wird.

Und von dort zieht sich für mich ein roter Faden durch die gesamte Bibel bis zur Offenbarung.

Es geht um die Überwindung des Bösen und die Errichtung des Reiches Gottes.

Dabei ist mir eines besonders wichtig: Jesus musste wirklich Mensch sein.

Paulus nennt ihn in 1. Korinther 15 den zweiten Menschen. Und in 1. Timotheus 2,5 lesen wir vom Menschen Christus Jesus, dem Mittler zwischen Gott und den Menschen.

Wäre Jesus kein wirklicher Mensch gewesen, wie hätte er dann die Verheißung an die Nachkommenschaft der Frau erfüllen sollen?

Natürlich erklären die großen Kirchen, Jesus sei wahrer Gott und wahrer Mensch zugleich.

Ich selbst gehe bei meiner Auslegung einen anderen Weg. Für mich steht der menschliche Messias im Mittelpunkt, der in vollkommener Verbindung mit dem Vater seinen Auftrag erfüllt.

Und dieser Auftrag ist gewaltig.

Paulus beschreibt in 1. Korinther 15,24–28, wie Christus herrscht, bis alle Feinde überwunden sind, und schließlich das Reich dem Vater übergibt.

Jesus ist also nicht einfach irgendein Gott unter vielen.

Er ist unser König und unser Heiland.

Und ich?

Nun, liebe Freunde, ich versuche zunächst einmal, ein halbwegs brauchbarer Mitarbeiter in seinem Reich zu sein.

Das ist schon schwierig genug.

Und was ist eigentlich mit dem Teufel?

Jetzt wird es noch ein wenig unangenehmer.

Denn ich vertrete eine Auffassung, die wahrscheinlich nicht jedem gefallen wird.

Ich glaube nämlich, dass der Teufel selbst davon überzeugt ist, etwas Gutes zu wollen.

Ja, Ihr habt richtig gelesen.

Ich halte es für möglich, dass er sich selbst für den Guten hält.

Vielleicht hat er Gottes Entscheidungen betrachtet und gemeint: Diesen Gott verstehe ich nicht. Ich könnte das besser.

Ob seine Auflehnung tatsächlich mit Ereignissen wie Sodom und Gomorra zusammenhing, berichtet uns die Bibel nicht. Das ist eine Überlegung von mir, keine überlieferte Tatsache.

Aber denkt einmal darüber nach.

Wie viele Menschen haben schon Schreckliches angerichtet, obwohl sie fest davon überzeugt waren, das Richtige zu tun?

Paulus schreibt in 2. Korinther 11,14, dass Satan sich als Engel des Lichts verstellt.

Ich frage mich dabei, ob er nicht möglicherweise sogar selbst an dieses Licht glaubt.

Ob er wirklich bewusst das Böse will oder ob er das Gute will und es einfach nicht zustande bringt.

Denn eines sollten wir niemals vergessen:

Gut sein wollen und Gutes tun sind zwei verschiedene Dinge.

An ihren Früchten sollt Ihr sie erkennen

Jesus erklärt uns in Matthäus 7,16:

„An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen.“

Und genau das ist für mich entscheidend.

Wenn ich jemanden kritisiere und sage, er arbeite für den Teufel, dann meine ich damit nicht zwangsläufig, dass dieser Mensch grundböse wäre.

Vielleicht glaubt er sogar aufrichtig, etwas Gutes zu tun.

Vielleicht möchte er helfen, retten, verbessern und die Welt gerechter machen.

Nur sind die Früchte seines Handelns möglicherweise ganz andere.

Natürlich muss man dabei gerecht bleiben. Nicht jede schlechte Folge beweist eine schlechte Absicht. Und nicht jeder Irrtum macht einen Menschen zum Diener des Bösen.

Aber gute Absichten allein reichen eben auch nicht.

Wir müssen uns fragen, was unser Handeln tatsächlich bewirkt.

Bringen wir Frieden? Helfen wir Menschen? Fördern wir Gerechtigkeit? Oder hinterlassen wir Leid, Streit und Zerstörung?

Und damit kommen wir zu einer Frage, die mich schon lange beschäftigt.

Wer von uns verbreitet eigentlich Irrlehren?

Liebe Freunde, es gibt Hunderte Kirchen und Glaubensgemeinschaften.

Alle berufen sich auf die Bibel.

Und dennoch erklären sich manche gegenseitig zu Irrlehrern.

Der eine Pfarrer predigt dieses, der andere jenes. Und beide sind überzeugt, die Wahrheit Gottes zu verkünden.

Was machen wir nun damit?

Vielleicht sollten wir uns einmal fragen, ob wir nicht viel zu oft die Lehre unserer Kirche mit dem Willen Gottes verwechseln.

Denn wenn ein Pfarrer seinen Gläubigen etwas Falsches erklärt und diese ihm vertrauen, wer trägt dann die Verantwortung?

Die Schäfchen, die ihrem Hirten folgen?

Oder der Hirte, der sie möglicherweise auf einen falschen Weg führt?

Und bevor Ihr jetzt glaubt, ich würde nur über andere Pfarrer sprechen:

Selbstverständlich gilt diese Frage auch für mich.

Vielleicht verbreite ich heute eine Irrlehre.

Vielleicht habe ich Johannes 10 falsch verstanden. Vielleicht ziehe ich aus Apostelgeschichte 17 und Johannes 17 Schlussfolgerungen, die Ihr nicht teilen könnt.

Dann zeigt mir bitte anhand der Bibel, weshalb ich falschliege.

Denn ich brauche keine Gemeinde, die mir immer nur zustimmt.

Ich brauche Menschen, die mitdenken.

Und nun, liebe Götter?

Ja, liebe Freunde, so möchte ich Euch heute zum Abschluss tatsächlich ansprechen.

Nicht weil ich glaube, dass Ihr die Welt erschaffen habt.

Nicht weil ich Euch für allmächtig halte.

Und schon gar nicht, weil ich meine, wir könnten Gott, den Vater, ersetzen.

Sondern weil ich Euch daran erinnern möchte, welche Würde und welche Verantwortung uns nach meinem Verständnis durch unsere Herkunft und unsere Verbindung mit Gott zukommen.

Jesus hat uns nicht dazu aufgerufen, uns gegenseitig mit theologischen Lehrsätzen zu erschlagen.

Er hat uns zur Nachfolge gerufen.

Zur Liebe.

Zur Gemeinschaft mit dem Vater.

Und zur Mitarbeit an seinem Reich.

Deshalb möchte ich Euch heute drei Fragen mitgeben.

Wenn wir göttlichen Geschlechts sind, warum handeln wir dann so oft, als hätten wir mit Gott überhaupt nichts zu tun?

Wenn Jesus uns in seine Einheit mit dem Vater einbeziehen möchte, weshalb beschäftigen wir uns dann lieber damit, andere Menschen aus dieser Gemeinschaft auszuschließen?

Und wenn wir alle davon überzeugt sind, das Gute zu wollen, warum überprüfen wir dann so selten die Früchte unseres Handelns?

Vielleicht, liebe Freunde, beginnt genau dort unsere eigentliche Aufgabe.

Nicht damit, dass wir uns für besonders göttlich halten.

Sondern damit, dass wir endlich anfangen, nach Gottes Willen zu leben.

Denn was nützt es mir, ein Gott sein zu wollen, wenn ich nicht einmal gelernt habe, meinen Nächsten zu lieben?

Amen.

Hans-Georg Peitl – Ritter der schrägen Töne

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Alles hat wohl seine Zeit

„Ein jegliches hat seine Zeit, und alles Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde.“ – Prediger 3,1

Liebe Freunde,

alles hat wohl seine Zeit.

Eine Zeit, in der wir geboren werden. Eine Zeit, in der wir sterben. Eine Zeit, in der wir lachen, und eine Zeit, in der wir weinen.

So steht es bereits in der Bibel.

Nur: Haben wir das eigentlich verstanden?

Denn manchmal habe ich den Eindruck, dass wir Menschen uns viel zu sehr damit beschäftigen, was einmal sein könnte, anstatt uns darum zu kümmern, was heute ist.

Da werden wir älter. Stellen fest, dass der Körper nicht mehr so funktioniert wie mit zwanzig Jahren. Die ersten Krankheiten stellen sich ein. Und plötzlich beginnen wir, uns Gedanken über unser Lebensende zu machen.

Großartig!

Da schenkt uns unser Herrgott einen weiteren Tag, und wir verbringen ihn damit, darüber nachzudenken, wie viele Tage uns wohl noch bleiben.

Ist das wirklich der Sinn unseres Lebens?

Ich glaube nicht.

Denn wenn alles seine Zeit hat, dann hat auch das Leben seine Zeit. Eine Zeit, die wir nicht damit verschwenden sollten, auf unseren Tod zu warten.

Sehen wir uns doch einmal Jesus Christus an.

Hat er seine Zeit damit verbracht, darüber zu jammern, dass er eines Tages gekreuzigt werden würde?

Nein.

Er zog durch die Städte und Dörfer. Predigte das Evangelium. Heilte Kranke. Half Menschen. Sprach mit Zöllnern, Sündern und all jenen, mit denen die damalige Gesellschaft lieber nichts zu tun haben wollte.

Und das, obwohl er wusste, was ihn erwartete.

Er nutzte seine Zeit.

Nun werden manche sagen: Ja, aber Jesus war schließlich Gottes Sohn.

Richtig.

Nur hat er uns damit nicht auch ein Beispiel gegeben?

Ein Beispiel dafür, dass wir unsere Lebenszeit nicht einfach verstreichen lassen sollten?

Ich denke schon.

Auch ich weiß nicht, wie viele Jahre mir unser Herrgott noch schenken wird. Vielleicht zehn. Vielleicht zwanzig. Vielleicht auch nur einen einzigen Tag.

Aber eines weiß ich:

Solange ich lebe, möchte ich etwas bewegen.

Menschen helfen. Bücher schreiben. Musik komponieren. Das Evangelium verkünden. Und vielleicht auch hin und wieder jemanden mit meinen Gedanken ordentlich auf die Palme bringen.

Denn auch dafür scheint mich unser Herrgott geschaffen zu haben.

Und wenn ich eines Tages vor ihm stehe, möchte ich nicht erklären müssen, dass ich die letzten zwanzig Jahre meines Lebens damit verbracht habe, auf diesen Termin zu warten.

Liebe Freunde,

alles hat seine Zeit.

Das Pflanzen und das Ernten. Das Aufbauen und das Abbrechen. Das Schweigen und das Reden.

Und selbstverständlich auch das Leben und das Sterben.

Nur sollten wir dabei eines nicht vergessen:

Solange wir leben, ist unsere Zeit zum Leben gekommen.

Also nützen wir sie.

Nicht irgendwann.

Nicht erst dann, wenn alle Probleme gelöst sind.

Nicht erst dann, wenn wir wieder vollkommen gesund sind.

Sondern heute.

Denn morgen hat unser Herrgott vielleicht schon wieder ganz andere Aufgaben für uns vorgesehen.

Und der Tod?

Nun, liebe Freunde, auch der hat seine Zeit.

Aber darüber soll sich unser Herrgott Gedanken machen.

Wir haben inzwischen noch etwas zu tun.

Hans-Georg Peitl – Ritter der schrägen Töne

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Evangelisation ist wie Verkauf

Als ich vor vielen Jahren im Verkauf anfing, liebe Freunde, da traute ich mich beinahe noch nicht, mit den Menschen über meine Produkte zu reden.

Es ist schon seltsam. Man kann ein Produkt wie den KURIER oder die KRONE anbieten, einen Eintrag in einem Firmentelefonbuch verkaufen oder neue Fenster – und sich dennoch beinahe dafür genieren, überhaupt jemanden darauf anzusprechen.

Dabei soll man im Verkauf normalerweise noch nicht einmal vor einer riesigen Menschenmenge stehen und sprechen.

So, wie Petrus bei seiner Pfingstrede in Jerusalem.

Oder gar vor Tausenden Menschen, wie Jesus.

Wer zum ersten Mal vor einem anderen Menschen steht und etwas anbietet, kennt wahrscheinlich dieses merkwürdige Gefühl: Man wird plötzlich schüchtern. Man möchte den anderen nicht belästigen. Man fragt sich, ob man ihn überhaupt ansprechen darf.

Fast so, als wäre das, was man anzubieten hat, eigentlich nichts wert.

Und genau an diesem Punkt sehe ich eine erstaunliche Parallele zur Evangelisation.

Natürlich ist das Evangelium keine Ware. Der Glaube steht nicht zum Verkauf und ewiges Leben hat kein Preisschild. Der Mensch vor uns ist auch kein Kunde, dem wir möglichst geschickt etwas andrehen sollen.

Aber die Situation des Verkündens ist erstaunlich ähnlich.

Denn wenn wir als Christen tatsächlich davon überzeugt sind, eine Botschaft vom ewigen Leben zu haben – warum sollten wir uns dann dafür genieren?

Warum sprechen wir über das Wetter, Fußball, Politik, unsere Arbeit und darüber, was gestern im Fernsehen lief, ganz selbstverständlich – und werden plötzlich schüchtern, sobald es um unseren Glauben geht?

Vielleicht liegt genau darin einer der Aspekte dessen, was Jesus mit dem Licht meinte, das man nicht unter den Scheffel stellen soll.

„Man zündet auch nicht ein Licht an und setzt es unter einen Scheffel.“

Ein Licht hat schließlich nur dann einen Sinn, wenn man es sehen kann.

Und eine Botschaft kann nur dann einen Menschen erreichen, wenn jemand sie ausspricht.

Das habe ich aus dem Verkauf gelernt: Man muss zunächst selbst davon überzeugt sein, dass das, was man anderen anbietet, einen Wert besitzt. Wer selbst den Eindruck vermittelt, sein Angebot sei ihm beinahe peinlich, wird schwerlich einen anderen Menschen davon überzeugen können.

Warum sollte das beim Glauben anders sein?

Wenn ich glaube, dass die Botschaft Jesu für mein Leben entscheidend ist, dann darf ich darüber sprechen. Nicht aufdringlich. Nicht mit Druck. Nicht mit irgendwelchen Verkaufstricks.

Aber selbstbewusst.

Evangelisation bedeutet schließlich nicht, jemandem etwas aufzuschwatzen.

Sie bedeutet zunächst einmal, von etwas zu erzählen, dessen Wert man selbst erkannt hat.

Und dann kann der andere Mensch immer noch frei entscheiden, was er damit anfängt.

Vielleicht ist gute Evangelisation deshalb tatsächlich ein wenig wie guter Verkauf:

Man zwingt niemanden zum Kauf. Aber man versteckt auch nicht das Produkt im Lager und wundert sich anschließend, warum niemand danach fragt.

Oder, um bei Jesus zu bleiben:

Man stellt das Licht nicht unter den Scheffel.

Hans-Georg Peitl – Ritter der schrägen Töne

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Unsere Heimat ist im Himmel?

Ganz ehrlich, Freunde. Es gibt so Aussagen, die ich irgendwie überhaupt nicht verstehe. Dann zum Beispiel, wenn alle Christen in den Himmel kommen wollen. Oder Peter Alexander sogar singt:


Wir kommen alle alle in den Himmel.


Denn einmal ganz ehrlich: Irgendwie will ich dort gar nicht hin. Weil:

Wenn ich die Bibel genau lese, dann steht da, dass Jesus wiederkommen wird.

Matthäus 24,30: „Und dann wird das Zeichen des Menschensohnes am Himmel erscheinen […] und sie werden den Menschensohn kommen sehen auf den Wolken des Himmels mit großer Kraft und Herrlichkeit.“

Und dann in der Folge? Nun, dann übergibt Jesus das Reich Gottes an seinen Vater und der wird unter uns wohnen: Das sieht man im neuen Jerusalem.

„Einen Tempel sah ich nicht in der Stadt; denn der Herr, der Gott, der Allmächtige, ist ihr Tempel, und das Lamm.“ (Offenbarung 21,22)

Und daher habe ich ein Problem. Wenn ich also in den Himmel gehe, Jesus Christus, Gott Vater und damit auch der Heilige Geist aber im Sinne des:

Mt 6,33 Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch das alles zufallen.

Und des Vater unsers:

Matthäus 6,9 Darum sollt ihr so beten: Unser Vater im Himmel! Dein Name werde geheiligt. 10 Dein Reich komme. Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden. 11 Unser tägliches Brot[1] gib uns heute. 12 Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.[2] 13 Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. [Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.]

zu uns kommen, wen treffe ich denn dann dort im Himmel.

Was meinst Du?

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Und die Bergpredigt hat doch Recht

Man kann von Frieden reden. Man kann von Liebe reden. Und man kann, wie es momentan einige Kirchen zeigen, gleichzeitig offenbar gar nicht wirklich für den Frieden sein.

von Hans-Georg Peitl

Denn dieselben Menschen, die von Frieden sprechen oder christliche Predigten halten, meinen gleichzeitig, die Lieferung von Waffen in Kriegsgebiete unterstützen zu können.

Dabei steht in der Bergpredigt ziemlich eindeutig:

„Selig sind, die Frieden stiften; denn sie werden Gottes Kinder heißen.“
Matthäus 5,9

Man kann sich als Christ bekennen und letztlich dennoch am Christentum vorbeileben. Denn es genügt nicht, mit den Lippen zu bekennen, Christ zu sein. Entscheidend ist auch, ob man bereit ist, nach dem zu leben, was Jesus gelehrt hat.

Auch dazu findet sich eine erstaunlich deutliche Aussage:

„Es werden nicht alle, die zu mir sagen: Herr, Herr!, in das Himmelreich kommen, sondern die den Willen tun meines Vaters im Himmel.“
Matthäus 7,21

Natürlich gibt es die historisch-kritische Methode. Sie untersucht, wann biblische Texte entstanden sind, wer sie geschrieben oder redigiert haben könnte, welche Quellen verwendet wurden und in welchem historischen Zusammenhang sie stehen.

Problematisch wird es dort, wo aus dieser Untersuchung eine Entwertung der eigentlichen Botschaft entsteht.

Dann wird aus einer Anweisung, wie ein Christ leben sollte, plötzlich eine interessante Philosophie aus vergangenen Zeiten. Aus einer Forderung Jesu wird eine unverbindliche Empfehlung. Und zentrale Gedanken wie das Reich Gottes und das Reich der Nächstenliebe geraten immer weiter aus dem Blickfeld.

Dabei stellt sich die Frage: Was ändert es an einer Botschaft, wenn wir nicht mit letzter Sicherheit wissen, welcher Mensch sie niedergeschrieben hat?

Das wäre ungefähr so, als würde der Wiener Bürgermeister eine wichtige Erklärung herausgeben und wir anschließend darüber diskutieren, ob er den Text tatsächlich selbst in die Tastatur getippt hat oder ob dies sein Sekretär getan hat.

Entscheidend ist doch die Botschaft.

Bei der Bibel wird jedoch manchmal genau umgekehrt argumentiert: Weil Menschen die Texte niedergeschrieben, gesammelt, überliefert und redigiert haben, wird daraus der Schluss gezogen, man müsse ihre Aussagen relativieren.

Überspitzt gesagt: Die Sekretäre Gottes hätten die Bibel geschrieben – und Gott habe davon gar nichts gewusst.

Und wenn man erst einmal an diesem Punkt angekommen ist, wird es natürlich einfach.

Dann braucht man sich auch nicht mehr nach der Bergpredigt zu richten.

Dann kann man Frieden predigen und gleichzeitig Waffen gutheißen. Man kann Nächstenliebe verkünden und sie dort vergessen, wo sie unbequem wird. Man kann Jesus bekennen und seine konkreten Forderungen zur unverbindlichen Philosophie erklären.

Vielleicht sollten wir deshalb die Bergpredigt wieder einmal so lesen, wie sie dasteht.

Nicht als historischen Text, den wir bewundern.

Nicht als schöne Philosophie, über die wir diskutieren.

Sondern als Aufforderung an Christen, tatsächlich danach zu leben.

Denn vielleicht ist die Sache viel einfacher, als wir sie manchmal machen:

Die Bergpredigt hat doch Recht.

Hans-Georg Peitl – Ritter der schrägen Töne

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Wenn Pharisäer beten

Es ist überraschend, liebe Freunde, was Jesus den Pharisäern vorwirft.

Denn auf den ersten Blick macht der Pharisäer in seinem Gleichnis vieles richtig. Er fastet. Er gibt den Zehnten. Er bemüht sich, das Gesetz einzuhalten. Wahrscheinlich lebt er nach den religiösen Maßstäben seiner Zeit tatsächlich vorbildlicher als jener Zöllner, der gleichzeitig mit ihm in den Tempel kommt.

Und trotzdem geht am Ende ausgerechnet der Zöllner gerechtfertigt nach Hause.

Jesus erzählt:

Lukas 18,9–14:
Er sagte aber zu einigen, die überzeugt waren, fromm und gerecht zu sein, und verachteten die andern, dies Gleichnis: Es gingen zwei Menschen hinauf in den Tempel, um zu beten, der eine ein Pharisäer, der andere ein Zöllner.

Der Pharisäer stand und betete bei sich selbst so: Ich danke dir, Gott, dass ich nicht bin wie die andern Leute, Räuber, Ungerechte, Ehebrecher, oder auch wie dieser Zöllner. Ich faste zweimal in der Woche und gebe den Zehnten von allem, was ich einnehme.

Der Zöllner aber stand ferne, wollte auch die Augen nicht aufheben zum Himmel, sondern schlug an seine Brust und sprach: Gott, sei mir Sünder gnädig!

Ich sage euch: Dieser ging gerechtfertigt hinab in sein Haus, nicht jener. Denn wer sich selbst erhöht, der wird erniedrigt werden; und wer sich selbst erniedrigt, der wird erhöht werden.

Was hatte der Pharisäer falsch gemacht?

Nicht das Fasten.

Nicht den Zehnten.

Nicht einmal seinen Wunsch, nach Gottes Geboten zu leben.

Sein Problem beginnt mit einem einzigen Gedanken:

„Ich bin nicht wie die anderen.“

Plötzlich gibt es in seinem Denken zwei Klassen von Menschen. Da ist auf der einen Seite er selbst: fromm, ordentlich, gesetzestreu und erfolgreich in seinem religiösen Leben.

Und dort stehen die anderen.

Räuber. Ungerechte. Ehebrecher.

Und natürlich dieser Zöllner.

Der Pharisäer braucht den Zöllner geradezu, damit seine eigene Gerechtigkeit besonders hell erscheint. Er schaut auf einen anderen Menschen hinunter, um sich selbst größer fühlen zu können.

Dabei geschieht etwas Bemerkenswertes.

Der Pharisäer beginnt sein Gebet zwar mit den Worten „Ich danke dir, Gott“, doch danach handelt beinahe das gesamte Gebet von ihm selbst.

Ich bin nicht wie die anderen.

Ich faste.

Ich gebe.

Ich tue.

Er steht vor Gott – und betrachtet eigentlich sich selbst.

Der Zöllner hat nichts vorzuweisen

Ganz anders der Zöllner.

Er zählt keine guten Werke auf. Er erklärt Gott nicht, weshalb andere Menschen noch schlechter seien als er. Er sucht sich keinen Menschen, mit dem er sich vergleichen könnte.

Er sagt nur:

„Gott, sei mir Sünder gnädig!“

Und genau dieser Mensch geht nach den Worten Jesu gerechtfertigt nach Hause.

Nicht deshalb, weil Sünde plötzlich gut geworden wäre.

Nicht deshalb, weil Gott Gesetzlosigkeit besser gefiele als ein rechtschaffenes Leben.

Sondern weil dieser Mann etwas verstanden hat, was der Pharisäer vergessen hatte:

Er braucht Gottes Gnade.

Die eigene Liga

Und vielleicht ist dieses Gleichnis heute aktueller, als wir manchmal glauben.

Wir kennen Menschen, die zweifellos Gutes tun.

Menschen haben erfolgreiche Unternehmen aufgebaut. Andere engagieren sich sozial. Manche spenden große Summen. Andere predigen, gründen Gemeinden, schreiben Bücher, machen Politik oder helfen Bedürftigen.

Alles gut.

Wir dürfen uns sogar darüber freuen, wenn ein Mensch mit seinen Fähigkeiten etwas Gutes bewirkt.

Gefährlich wird es an einem ganz bestimmten Punkt:

Wenn aus „Ich habe etwas erreicht“ plötzlich „Ich bin mehr wert als du“ wird.

Wenn jemand glaubt, aufgrund seines Geldes, seiner gesellschaftlichen Stellung, seiner Frömmigkeit, seines Erfolges oder seiner guten Werke in eine eigene Liga aufgestiegen zu sein.

Vor Gott gibt es diese Liga nicht.

Der Millionär braucht dieselbe Gnade wie der Bettler.

Der Bischof braucht dieselbe Gnade wie der Mensch in der letzten Kirchenbank.

Der erfolgreiche Unternehmer braucht dieselbe Gnade wie der Arbeitslose.

Und derjenige, der sein ganzes Leben versucht hat, nach Gottes Geboten zu leben, braucht am Ende dieselbe Gnade wie jener Zöllner im Tempel.

Nicht: Gott sei Dank bin ich besser

Vielleicht ist deshalb eines der gefährlichsten Gebete überhaupt:

„Gott sei Dank bin ich nicht wie der.“

Denn in dem Augenblick sollten bei uns sämtliche geistlichen Alarmglocken läuten.

Natürlich dürfen wir zwischen richtig und falsch unterscheiden. Jesus verlangt von uns nicht, Sünde gutzuheißen.

Aber etwas völlig anderes ist es, aus dem Fehlverhalten eines Menschen dessen geringeren Wert abzuleiten.

Der andere kann gefallen sein.

Ich kann morgen fallen.

Der andere braucht Vergebung.

Ich brauche sie ebenso.

Der andere lebt von Gottes Gnade.

Und ich auch.

Vielleicht besteht wahre Größe deshalb gar nicht darin, möglichst weit über anderen Menschen zu stehen.

Vielleicht beginnt sie mit dem Zöllner, der nicht einmal seine Augen zum Himmel erheben wollte und nur noch sagen konnte:

„Gott, sei mir Sünder gnädig!“

Denn Jesus beendet seine Geschichte mit einem Satz, den gerade diejenigen nicht vergessen sollten, die glauben, inzwischen ganz oben angekommen zu sein:

„Wer sich selbst erhöht, der wird erniedrigt werden; und wer sich selbst erniedrigt, der wird erhöht werden.“

Amen.

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Selbstsucht oder Nächstenliebe?

Da gibt es Menschen, liebe Freunde, die mir immer wieder vorhalten, dass ich doch alles nur aus Selbstsucht machen würde. Ich möchte mich in den Mittelpunkt stellen.

von Hans-Georg Peitl

Und irgendwie haben diese Menschen sogar recht.

Ja. Ich will, dass die Menschen sehen, was ich mache. Ich will, dass mich die Menschen kennen. Ich will, dass sie mich fragen, warum ich das mache. Und ich möchte damit auch ein Vorbild sein: eines, das andere vielleicht dazu bringt, selbst etwas zu tun.

Denn Jesus sagt:

Mt 5,15: „Man zündet auch nicht ein Licht an und setzt es unter einen Scheffel, sondern auf einen Leuchter; so leuchtet es allen, die im Hause sind.“

Natürlich kennt die Bibel auch die andere Seite. Jesus warnt ausdrücklich davor, Gutes nur deshalb zu tun, um dafür von anderen Menschen bewundert zu werden.

Darum geht es mir aber nicht.

Es geht um die Frage, ob Nächstenliebe unsichtbar bleiben muss, um echte Nächstenliebe zu sein.

Manche angeblichen Christen vermitteln beinahe den Eindruck, ein Christ müsse möglichst unauffällig bleiben. Tue Gutes – aber rede bloß nicht darüber. Hilf Menschen – aber sorge dafür, dass es niemand bemerkt. Bleibe demütig und halte dich aus der Öffentlichkeit heraus.

Doch so einfach kann es nicht sein.

Jesus selbst wirkte öffentlich. Menschen versammelten sich zu Tausenden, um ihn zu hören. Er zog auf einem Esel in Jerusalem ein. Er trat im Tempel öffentlich gegen Zustände auf, die er für falsch hielt. Sein Wirken war sichtbar und löste Reaktionen aus.

Hätte niemand davon erfahren, hätte seine Botschaft auch niemand weitertragen können.

Damit kommen wir zu einem entscheidenden Unterschied:

Will ich gesehen werden, damit die Menschen mich bewundern? Oder will ich gesehen werden, damit die Menschen sehen, was möglich ist?

Wenn jemand einem Obdachlosen ein Essen gibt und anschließend nur erzählt, was für ein großartiger Mensch er selbst sei, darf man durchaus nach seinen Motiven fragen.

Wenn aber jemand öffentlich zeigt, dass er einem Obdachlosen hilft, und dadurch hundert andere Menschen auf die Idee bringt, ebenfalls zu helfen, dann hat diese Öffentlichkeit plötzlich einen Sinn.

Vielleicht ist das sogar eine der Aufgaben eines Vorbildes.

Ein Licht auf dem Leuchter macht schließlich nicht den Leuchter sichtbar.

Es macht den Raum hell.

Darum lautet die entscheidende Frage für mich nicht: Darf Nächstenliebe sichtbar sein?

Sondern:

Wem dient diese Sichtbarkeit?

Dem eigenen Ego?

Oder den Menschen, für die wir etwas verändern wollen?

Denn wenn wir aus Angst davor, selbstsüchtig zu wirken, unser Licht tatsächlich unter den Scheffel stellen, besteht eine ganz andere Gefahr:

Dass wir am Ende zwar wunderbar bescheiden aussehen – aber niemandem mehr den Weg leuchten.

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