Warum vor Gott nicht der Kontostand zählt, sondern das Herz des Menschen
Liebe Freunde,
heute möchte ich Euch eine Frage stellen, die auf den ersten Blick vielleicht ein wenig merkwürdig klingt:
Kann man sich das Reich Gottes kaufen?
Natürlich werden die meisten von Euch sofort antworten: Nein, selbstverständlich nicht.
Aber wenn das so selbstverständlich ist, warum behandeln wir dann Menschen mit Geld häufig anders als Menschen ohne Geld?
Warum hört man einem Millionär aufmerksam zu, während man den Obdachlosen auf der Straße kaum beachtet? Warum gilt der erfolgreiche Unternehmer als klug, während der Mensch, dessen Unternehmen in Konkurs gegangen ist, plötzlich als Versager betrachtet wird?
Ist der eine wirklich mehr wert als der andere?
Wenn der Reiche den besseren Platz bekommt
Schon der Apostel Jakobus beschäftigte sich mit genau diesem Problem.
In Jakobus 2,1–6 beschreibt er eine Gemeindeversammlung, in der zwei Menschen erscheinen. Der eine trägt prächtige Kleidung und einen goldenen Ring. Der andere ist arm und schlecht gekleidet.
Dem Reichen bietet man einen guten Platz an. Dem Armen sagt man, er solle stehen bleiben oder sich unten auf den Boden setzen.
Und Jakobus stellt die Gemeinde zur Rede.
Denn was ist hier eigentlich geschehen?
Die Menschen haben nicht nach dem Glauben ihrer Besucher gefragt. Nicht nach ihrer Nächstenliebe. Nicht danach, ob sie ehrlich, hilfsbereit oder barmherzig sind.
Sie haben nach dem Äußeren geurteilt.
Und plötzlich war der Mann mit dem goldenen Ring wichtiger als der Mann ohne Geld.
Jakobus nennt dieses Verhalten eine ungerechte Unterscheidung zwischen Menschen.
Jesus und der reiche Jüngling
Noch deutlicher wird das Problem in Matthäus 19,16–24.
Ein reicher junger Mann kommt zu Jesus und möchte wissen, was er tun müsse, um das ewige Leben zu erlangen.
Jesus verweist zunächst auf die Gebote.
Der junge Mann erklärt, dass er diese eingehalten habe. Was fehle ihm noch?
Da fordert Jesus ihn auf, seinen Besitz zu verkaufen, den Erlös den Armen zu geben und ihm nachzufolgen.
Der junge Mann geht traurig weg, denn er besitzt sehr viel.
Nun könnte man meinen, Jesus hätte grundsätzlich etwas gegen reiche Menschen gehabt.
Aber darum geht es gar nicht.
Es geht um die Frage, was einem Menschen wichtiger ist: Gott oder sein Besitz.
Geld kann vieles erleichtern. Es kann Menschen ernähren, Wohnungen schaffen, Kranken helfen und gute Werke ermöglichen.
Aber Geld kann auch zu einem Götzen werden.
Dann bestimmt nicht mehr der Mensch über seinen Besitz, sondern sein Besitz über den Menschen.
Und genau davor warnt Jesus.
Die arme Witwe
In Markus 12,41–44 begegnen wir einer ganz anderen Geschichte.
Jesus beobachtet Menschen, die Geld in den Opferkasten des Tempels legen.
Viele Reiche geben große Beträge.
Dann kommt eine arme Witwe und wirft zwei kleine Münzen hinein.
Gemessen am Geldwert ist ihre Gabe kaum der Rede wert.
Und dennoch erklärt Jesus seinen Jüngern, dass diese Frau mehr gegeben habe als alle anderen.
Warum?
Weil die Reichen von ihrem Überfluss gegeben haben. Die Witwe dagegen gab von dem wenigen, das sie zum Leben hatte.
Jesus beurteilt also nicht die Höhe des Betrags, sondern die Bedeutung des Opfers.
Vor Gott kann eine kleine Gabe größer sein als eine riesige Spende.
Das ist eine bemerkenswerte Umkehrung unserer menschlichen Maßstäbe.
Ist Armut ein Zeichen des Versagens?
Liebe Freunde, ich frage mich manchmal, wie wir heute mit Menschen umgehen, die wirtschaftlich gescheitert sind.
Da gründet jemand ein Unternehmen. Er arbeitet jahrelang, beschäftigt Mitarbeiter, versucht etwas aufzubauen.
Dann kommt eine Wirtschaftskrise. Vielleicht verliert er seine Kunden. Vielleicht wird er krank. Vielleicht trifft er auch einfach falsche Entscheidungen.
Seine Firma geht in Konkurs.
Ist dieser Mensch deshalb weniger wert?
Hat er plötzlich weniger Verstand, weniger Würde oder weniger Fähigkeiten?
Natürlich nicht.
Und dennoch erleben wir immer wieder, dass Menschen nach ihrem wirtschaftlichen Erfolg beurteilt werden.
Wer viel besitzt, dem traut man viel zu.
Wer wenig besitzt, dem traut man häufig wenig zu.
Dabei könnte der arme Mensch klüger sein als der reiche. Er könnte liebevoller, ehrlicher und verantwortungsbewusster handeln.
Sein Kontostand verrät uns darüber überhaupt nichts.
Was würde Jesus heute sagen?
Stellen wir uns einmal vor, Jesus käme heute in unsere Gesellschaft.
Würde er zuerst nach dem Bankkonto fragen?
Würde er wissen wollen, welches Auto jemand fährt, wie groß seine Wohnung ist oder wie viel Geld er verdient?
Oder würde er fragen, ob wir unserem Nächsten geholfen haben?
Ob wir den Hungernden zu essen gegeben haben?
Ob wir den Kranken besucht haben?
Ob wir dem Fremden mit Menschlichkeit begegnet sind?
In Matthäus 25,35–40 stellt Jesus gerade solche Taten der Barmherzigkeit in den Mittelpunkt.
Nicht das Vermögen.
Nicht den gesellschaftlichen Rang.
Nicht den beruflichen Erfolg.
Sondern das, was wir für andere Menschen getan haben.
Das Reich Gottes ist keine Ware
Und damit kommen wir zu unserer Ausgangsfrage zurück.
Kann man sich das Reich Gottes kaufen?
Nein.
Man kann Kirchen bauen, Millionen spenden und große religiöse Veranstaltungen finanzieren.
All das kann Gutes bewirken.
Aber man kann sich damit weder Gottes Liebe erkaufen noch einen bevorzugten Platz im Himmel reservieren.
Denn Gottes Gnade ist keine Ware.
Und das Evangelium ist kein Geschäft.
Paulus schreibt in Epheser 2,8–9, dass wir aus Gnade durch den Glauben gerettet werden – nicht aufgrund eigener Werke, damit sich niemand rühmen kann.
Das bedeutet nicht, dass unsere Taten unwichtig wären.
Im Gegenteil: Unser Handeln soll zeigen, was unser Glaube in unserem Leben bewirkt.
Aber zwischen einem guten Werk aus Liebe und einem guten Werk als vermeintlicher Kaufpreis für das Himmelreich liegt ein gewaltiger Unterschied.
Mein Schlussgedanke
Liebe Freunde,
vielleicht sollten wir uns angewöhnen, Menschen wieder mehr nach ihrem Charakter als nach ihrem Besitz zu beurteilen.
Ein armer Mensch kann ein großer Mensch sein.
Ein reicher Mensch kann ein großer Mensch sein.
Und beide können sich irren, schuldig werden, umkehren und Gottes Vergebung erfahren.
Denn vor Gott ist nicht entscheidend, wie viel Geld wir auf unserem Konto haben.
Entscheidend ist, wie wir mit unseren Mitmenschen umgehen und ob unser Herz für Gott offen ist.
Das Reich Gottes steht nicht zum Verkauf.
Und das ist vielleicht eine der schönsten Botschaften des Evangeliums:
Niemand ist zu arm, um von Gott geliebt zu werden.
Amen.
Hans-Georg Peitl
Living Hands – Jachwe










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