Kann man sich das Reich Gottes kaufen?

Warum vor Gott nicht der Kontostand zählt, sondern das Herz des Menschen

Liebe Freunde,

heute möchte ich Euch eine Frage stellen, die auf den ersten Blick vielleicht ein wenig merkwürdig klingt:

Kann man sich das Reich Gottes kaufen?

Natürlich werden die meisten von Euch sofort antworten: Nein, selbstverständlich nicht.

Aber wenn das so selbstverständlich ist, warum behandeln wir dann Menschen mit Geld häufig anders als Menschen ohne Geld?

Warum hört man einem Millionär aufmerksam zu, während man den Obdachlosen auf der Straße kaum beachtet? Warum gilt der erfolgreiche Unternehmer als klug, während der Mensch, dessen Unternehmen in Konkurs gegangen ist, plötzlich als Versager betrachtet wird?

Ist der eine wirklich mehr wert als der andere?

Wenn der Reiche den besseren Platz bekommt

Schon der Apostel Jakobus beschäftigte sich mit genau diesem Problem.

In Jakobus 2,1–6 beschreibt er eine Gemeindeversammlung, in der zwei Menschen erscheinen. Der eine trägt prächtige Kleidung und einen goldenen Ring. Der andere ist arm und schlecht gekleidet.

Dem Reichen bietet man einen guten Platz an. Dem Armen sagt man, er solle stehen bleiben oder sich unten auf den Boden setzen.

Und Jakobus stellt die Gemeinde zur Rede.

Denn was ist hier eigentlich geschehen?

Die Menschen haben nicht nach dem Glauben ihrer Besucher gefragt. Nicht nach ihrer Nächstenliebe. Nicht danach, ob sie ehrlich, hilfsbereit oder barmherzig sind.

Sie haben nach dem Äußeren geurteilt.

Und plötzlich war der Mann mit dem goldenen Ring wichtiger als der Mann ohne Geld.

Jakobus nennt dieses Verhalten eine ungerechte Unterscheidung zwischen Menschen.

Jesus und der reiche Jüngling

Noch deutlicher wird das Problem in Matthäus 19,16–24.

Ein reicher junger Mann kommt zu Jesus und möchte wissen, was er tun müsse, um das ewige Leben zu erlangen.

Jesus verweist zunächst auf die Gebote.

Der junge Mann erklärt, dass er diese eingehalten habe. Was fehle ihm noch?

Da fordert Jesus ihn auf, seinen Besitz zu verkaufen, den Erlös den Armen zu geben und ihm nachzufolgen.

Der junge Mann geht traurig weg, denn er besitzt sehr viel.

Nun könnte man meinen, Jesus hätte grundsätzlich etwas gegen reiche Menschen gehabt.

Aber darum geht es gar nicht.

Es geht um die Frage, was einem Menschen wichtiger ist: Gott oder sein Besitz.

Geld kann vieles erleichtern. Es kann Menschen ernähren, Wohnungen schaffen, Kranken helfen und gute Werke ermöglichen.

Aber Geld kann auch zu einem Götzen werden.

Dann bestimmt nicht mehr der Mensch über seinen Besitz, sondern sein Besitz über den Menschen.

Und genau davor warnt Jesus.

Die arme Witwe

In Markus 12,41–44 begegnen wir einer ganz anderen Geschichte.

Jesus beobachtet Menschen, die Geld in den Opferkasten des Tempels legen.

Viele Reiche geben große Beträge.

Dann kommt eine arme Witwe und wirft zwei kleine Münzen hinein.

Gemessen am Geldwert ist ihre Gabe kaum der Rede wert.

Und dennoch erklärt Jesus seinen Jüngern, dass diese Frau mehr gegeben habe als alle anderen.

Warum?

Weil die Reichen von ihrem Überfluss gegeben haben. Die Witwe dagegen gab von dem wenigen, das sie zum Leben hatte.

Jesus beurteilt also nicht die Höhe des Betrags, sondern die Bedeutung des Opfers.

Vor Gott kann eine kleine Gabe größer sein als eine riesige Spende.

Das ist eine bemerkenswerte Umkehrung unserer menschlichen Maßstäbe.

Ist Armut ein Zeichen des Versagens?

Liebe Freunde, ich frage mich manchmal, wie wir heute mit Menschen umgehen, die wirtschaftlich gescheitert sind.

Da gründet jemand ein Unternehmen. Er arbeitet jahrelang, beschäftigt Mitarbeiter, versucht etwas aufzubauen.

Dann kommt eine Wirtschaftskrise. Vielleicht verliert er seine Kunden. Vielleicht wird er krank. Vielleicht trifft er auch einfach falsche Entscheidungen.

Seine Firma geht in Konkurs.

Ist dieser Mensch deshalb weniger wert?

Hat er plötzlich weniger Verstand, weniger Würde oder weniger Fähigkeiten?

Natürlich nicht.

Und dennoch erleben wir immer wieder, dass Menschen nach ihrem wirtschaftlichen Erfolg beurteilt werden.

Wer viel besitzt, dem traut man viel zu.

Wer wenig besitzt, dem traut man häufig wenig zu.

Dabei könnte der arme Mensch klüger sein als der reiche. Er könnte liebevoller, ehrlicher und verantwortungsbewusster handeln.

Sein Kontostand verrät uns darüber überhaupt nichts.

Was würde Jesus heute sagen?

Stellen wir uns einmal vor, Jesus käme heute in unsere Gesellschaft.

Würde er zuerst nach dem Bankkonto fragen?

Würde er wissen wollen, welches Auto jemand fährt, wie groß seine Wohnung ist oder wie viel Geld er verdient?

Oder würde er fragen, ob wir unserem Nächsten geholfen haben?

Ob wir den Hungernden zu essen gegeben haben?

Ob wir den Kranken besucht haben?

Ob wir dem Fremden mit Menschlichkeit begegnet sind?

In Matthäus 25,35–40 stellt Jesus gerade solche Taten der Barmherzigkeit in den Mittelpunkt.

Nicht das Vermögen.

Nicht den gesellschaftlichen Rang.

Nicht den beruflichen Erfolg.

Sondern das, was wir für andere Menschen getan haben.

Das Reich Gottes ist keine Ware

Und damit kommen wir zu unserer Ausgangsfrage zurück.

Kann man sich das Reich Gottes kaufen?

Nein.

Man kann Kirchen bauen, Millionen spenden und große religiöse Veranstaltungen finanzieren.

All das kann Gutes bewirken.

Aber man kann sich damit weder Gottes Liebe erkaufen noch einen bevorzugten Platz im Himmel reservieren.

Denn Gottes Gnade ist keine Ware.

Und das Evangelium ist kein Geschäft.

Paulus schreibt in Epheser 2,8–9, dass wir aus Gnade durch den Glauben gerettet werden – nicht aufgrund eigener Werke, damit sich niemand rühmen kann.

Das bedeutet nicht, dass unsere Taten unwichtig wären.

Im Gegenteil: Unser Handeln soll zeigen, was unser Glaube in unserem Leben bewirkt.

Aber zwischen einem guten Werk aus Liebe und einem guten Werk als vermeintlicher Kaufpreis für das Himmelreich liegt ein gewaltiger Unterschied.

Mein Schlussgedanke

Liebe Freunde,

vielleicht sollten wir uns angewöhnen, Menschen wieder mehr nach ihrem Charakter als nach ihrem Besitz zu beurteilen.

Ein armer Mensch kann ein großer Mensch sein.

Ein reicher Mensch kann ein großer Mensch sein.

Und beide können sich irren, schuldig werden, umkehren und Gottes Vergebung erfahren.

Denn vor Gott ist nicht entscheidend, wie viel Geld wir auf unserem Konto haben.

Entscheidend ist, wie wir mit unseren Mitmenschen umgehen und ob unser Herz für Gott offen ist.

Das Reich Gottes steht nicht zum Verkauf.

Und das ist vielleicht eine der schönsten Botschaften des Evangeliums:

Niemand ist zu arm, um von Gott geliebt zu werden.

Amen.

Hans-Georg Peitl

Living Hands – Jachwe

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Waren alle Propheten gleich?

Warum verglichen die Menschen Jesus mit Elia oder einem der anderen Propheten?

Das frage ich mich, liebe Freunde, wenn ich im Markusevangelium im sechsten Kapitel den fünfzehnten Vers lese.

Markus 6,15: „Andere aber sprachen: Er ist Elia; wieder andere: ein Prophet wie einer der Propheten.“

Eine interessante Aussage. Denn wenn ich mir die Propheten der Bibel ansehe, dann fällt mir eines auf:

Sie waren alles andere als gleich.

Nehmen wir beispielsweise Jona.

Jona bekam von Gott den Auftrag, nach Ninive zu gehen und den Menschen dort Gottes Botschaft auszurichten.

Und was machte Jona?

Er lief davon.

Statt nach Ninive zu reisen, bestieg er ein Schiff in die entgegengesetzte Richtung. Erst nachdem ihn die Seeleute während eines Sturms ins Meer geworfen hatten und er von einem großen Fisch verschlungen worden war, änderte sich seine Haltung.

Schließlich ging er doch nach Ninive und verkündete Gottes Botschaft.

Und als die Menschen tatsächlich umkehrten und Gott ihnen vergab?

Da ärgerte sich Jona darüber.

Ein Prophet, der zuerst nicht predigen wollte und anschließend unzufrieden war, weil seine Predigt Erfolg hatte.

Auch das muss man erst einmal schaffen.

Und dann haben wir Elia.

Elia trat mutig gegen den Baalskult auf. Er stellte sich den Propheten des Baal entgegen und verkündete Gottes Botschaft auch dort, wo sie gefährlich war.

Allerdings war auch Elia kein Mensch ohne Angst. Als Isebel ihm nach dem Leben trachtete, floh er in die Wüste und war so verzweifelt, dass er sterben wollte.

Später wurde er nach dem biblischen Bericht in einem Sturmwind zum Himmel aufgenommen, während ein feuriger Wagen mit feurigen Pferden erschien.

Wieder ein ganz anderer Mensch als Jona.

Und schließlich Daniel.

Daniel blieb seinem Gott selbst dann treu, als ihm deshalb die Löwengrube drohte.

Seine drei Gefährten Schadrach, Meschach und Abed-Nego wiederum weigerten sich, ein fremdes Götterbild anzubeten, obwohl ihnen dafür der Feuerofen drohte.

Da begegnen uns Menschen, die bereit waren, für ihren Glauben ihr Leben zu riskieren.

Was haben also Jona, Elia und Daniel gemeinsam?

Ihre Charaktere jedenfalls nicht.

Der eine läuft davon. Der andere tritt mutig auf und verzweifelt später. Der dritte bleibt auch angesichts einer tödlichen Bedrohung standhaft.

Und trotzdem sprechen wir bei allen von Propheten.

Vielleicht liegt genau darin die Antwort.

Ein Prophet ist nicht deshalb ein Prophet, weil er besonders mutig, besonders gehorsam oder besonders vollkommen wäre.

Ein Prophet ist ein Mensch, dem Gott eine Botschaft anvertraut.

Nicht der Charakter des Menschen macht ihn zum Propheten, sondern der Auftrag, den er erhält.

Und damit kommen wir zurück zu Jesus.

Als die Menschen Jesus mit Elia oder einem der Propheten verglichen, meinten sie vermutlich nicht, dass Jesus dieselben Charaktereigenschaften besaß.

Sie sahen jemanden, der mit außergewöhnlicher Vollmacht auftrat, Gottes Botschaft verkündete und Dinge tat, die sie an die großen Gestalten ihrer Glaubensgeschichte erinnerten.

Aber gerade im Markusevangelium zeigt sich, dass diese Einordnung nicht ausreichte.

Denn wenig später fragt Jesus seine Jünger:

„Ihr aber, wer sagt ihr, dass ich sei?“ (Markus 8,29)

Und Petrus antwortet:

„Du bist der Christus.“

Damit wird der entscheidende Unterschied deutlich.

Jesus war nach christlichem Verständnis nicht einfach ein weiterer Prophet in einer langen Reihe.

Er war der Christus, der verheißene Messias.

Die Menschen versuchten, ihn mit dem zu erklären, was sie bereits kannten. Doch seine Jünger erkannten in ihm mehr.

Und vielleicht sollten wir uns deshalb heute eine andere Frage stellen:

Wenn schon die Propheten Gottes so unterschiedlich waren, warum erwarten wir eigentlich, dass alle Menschen, die Gott dienen, gleich sein müssten?

Warum sollte jeder Prediger dieselbe Persönlichkeit besitzen? Warum müsste jeder Christ auf dieselbe Weise sprechen, handeln oder glauben?

Gott konnte einen Jona gebrauchen, der davonlaufen wollte. Einen Elia, der mutig war und trotzdem Angst kannte. Und einen Daniel, der unter Lebensgefahr treu blieb.

Vielleicht sucht Gott gar keine Menschen, die alle gleich sind. Vielleicht sucht er Menschen, die bereit sind, auf ihn zu hören.

Und das wäre doch eine schöne Erkenntnis.

Denn nicht jeder muss ein Elia sein.

Manchmal genügt es schon, wenn ein Jona endlich nach Ninive geht.

Was meint ihr? Waren die Propheten einander ähnlich – oder bestand ihre Gemeinsamkeit einzig darin, dass Gott durch sie sprach?

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Paulus, Silas oder Petrus?

Eine Betrachtung von Hans-Georg Peitl

Irgendwie, liebe Freunde, haben mein Team und ich uns heute eine interessante Frage gestellt.

Was sollen wir eigentlich bewerben?

Unser Radio Roshen? Unsere Musikprojekte Trio H.A.S. und Gemini 2000? Meine Bücher? Unsere Medienarbeit? Die Glaubensgemeinschaft? Oder vielleicht die gesellschaftlichen Aktivitäten?

Viele verschiedene Projekte, die auf den ersten Blick gar nicht unbedingt zusammengehören.

Und dann kamen wir auf einen Gedanken:

Eigentlich gibt es nur eine einzige Gemeinsamkeit zwischen all diesen Tätigkeiten.

Den Menschen, der daran mitarbeitet.

In unserem Fall bin das eben ich, Hans-Georg Peitl.

Und damit waren wir plötzlich bei einer Frage angelangt, die auch für unseren christlichen Glauben interessant ist.

Warum sprechen wir eigentlich von Paulus, Silas oder Petrus?

Die Menschen hinter der Verkündigung

Wenn wir heute die Apostelgeschichte lesen, dann begegnen uns nicht einfach irgendwelche anonymen christlichen Projekte.

Wir begegnen Menschen.

Petrus, dem Fischer, der von Jesus berufen wurde.

Paulus, der zunächst die Christen verfolgte und später selbst zu einem der bedeutendsten Verkündiger des Evangeliums wurde.

Und Silas, der Paulus auf seinen Missionsreisen begleitete und gemeinsam mit ihm Gefangenschaft und Verfolgung erlebte.

Jeder dieser Menschen hatte seine eigene Geschichte.

Seine eigenen Fähigkeiten. Seine eigenen Schwächen. Seine eigenen Aufgaben.

Und doch arbeiteten sie letztendlich für dieselbe Sache.

Für die Verkündigung des Evangeliums Jesu Christi.

Paulus war mehr als ein Prediger

Besonders interessant finde ich dabei Paulus.

Er war nicht nur Missionar.

Er war auch Briefschreiber, Lehrer, Gemeindegründer und von Beruf Zeltmacher.

Er reiste, diskutierte, argumentierte und setzte sich mit den unterschiedlichsten Menschen auseinander.

Man könnte beinahe sagen, dass Paulus mehrere Tätigkeiten miteinander verband, die alle einem gemeinsamen Ziel dienten.

Und dennoch sprechen wir heute nicht in erster Linie von seinen einzelnen Unternehmungen.

Wir sprechen von Paulus.

Von einem Menschen, dessen Lebensgeschichte untrennbar mit seinem Glauben verbunden ist.

Und was ist mit Petrus?

Auch Petrus war keine makellose Persönlichkeit.

Er war begeistert, manchmal voreilig und hatte große Schwierigkeiten, als es wirklich gefährlich wurde.

Dreimal verleugnete er Jesus.

Und dennoch vertraute Jesus ihm eine bedeutende Aufgabe an.

Das finde ich besonders bemerkenswert.

Denn Gott sucht offenbar nicht ausschließlich Menschen, die niemals Fehler machen.

Er beruft Menschen, die bereit sind, ihm zu folgen.

Menschen wie Petrus.

Oder Paulus.

Oder Silas.

Aber Vorsicht vor dem Personenkult

Nun könnte man daraus schließen, dass es im Christentum vor allem darauf ankommt, einzelne Persönlichkeiten bekannt zu machen.

Doch genau davor warnt uns Paulus selbst.

Im ersten Korintherbrief berichtet er davon, dass sich die Gläubigen unterschiedlichen Persönlichkeiten zuordneten.

Die einen hielten zu Paulus, andere zu Apollos und wieder andere zu Petrus.

Und Paulus stellt die entscheidende Frage:

„Ist denn Christus zerteilt?“ (1. Korinther 1,13)

Eine Frage, über die wir auch heute nachdenken sollten.

Denn selbstverständlich dürfen Menschen bekannt werden. Selbstverständlich dürfen wir ihre Werke schätzen und von ihren Erfahrungen lernen.

Aber wir sollten niemals vergessen, wem unsere christliche Arbeit letztendlich dienen soll.

Nicht unserem eigenen Ruhm.

Sondern Jesus Christus.

Ein Name, viele Aufgaben

Und damit, liebe Freunde, komme ich wieder zu unserer heutigen Überlegung zurück.

Vielleicht ist es tatsächlich sinnvoll, nicht jedes einzelne Projekt vollkommen getrennt zu betrachten.

Vielleicht ist es sinnvoller, den Menschen hinter diesen Tätigkeiten vorzustellen.

Seine Überzeugungen. Seine Erfahrungen. Seine Erfolge. Aber auch seine Fehler.

Denn all das gehört zu einem Leben dazu.

Auch Paulus hatte eine Vergangenheit, auf die er nicht stolz sein konnte.

Auch Petrus hatte versagt.

Und auch Silas musste erleben, dass die Verkündigung des Evangeliums nicht immer mit Anerkennung verbunden war.

Trotzdem gingen sie ihren Weg.

Nicht, weil sie selbst das Evangelium waren.

Sondern weil sie das Evangelium verkündigten.

Was bleibt von unserem Leben?

Vielleicht werden sich spätere Generationen einmal an unsere Bücher erinnern.

Vielleicht an unsere Musik.

Vielleicht an einen Radiosender oder an eine Predigt.

Vielleicht aber auch an gar nichts davon.

Das ist letztendlich nicht die entscheidende Frage.

Viel wichtiger ist doch, ob wir mit unserem Leben etwas bewirken konnten.

Ob wir Menschen geholfen haben.

Ob wir Hoffnung vermittelt haben.

Und ob wir dazu beigetragen haben, dass andere Menschen Jesus Christus kennenlernen konnten.

Denn Paulus, Silas und Petrus wurden nicht deshalb bedeutend, weil sie besonders geschickt Werbung für ihre eigene Person machten.

Sondern weil ihre Namen mit einer Botschaft verbunden blieben, die weit über ihr eigenes Leben hinausreichte.

Die Menschen sind die Boten. Christus aber ist die Botschaft.

Und genau das sollten wir bei all unseren Unternehmungen niemals vergessen.

Amen.

Hans-Georg Peitl

15. Oktober 2026

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Die Verfolgung begann nicht erst im Römischen Reich

Juden und Christen – eine Geschichte von Vertreibung, Glauben und Neubeginn

Liebe Freunde,

wenn wir heute über die Verfolgung von Menschen aufgrund ihres Glaubens sprechen, denken wir häufig an die Christenverfolgungen im Römischen Reich.

Doch eigentlich beginnt diese Geschichte schon viel früher.

Nämlich bereits im Alten Testament.

Und wenn man sich die Geschichte des jüdischen und des christlichen Glaubens genauer ansieht, stellt man etwas Erstaunliches fest:

Immer wieder werden Menschen verfolgt, vertrieben oder unterdrückt, weil sie einer bestimmten Glaubensgemeinschaft angehören.

Und immer wieder überlebt ihr Glaube.

Schon Mose musste sein Volk befreien

Denken wir nur an Mose.

Durch Josef war die Familie Israels nach Ägypten gekommen. Anfangs fanden die Israeliten dort Schutz und eine neue Heimat.

Doch die Zeiten änderten sich.

Ein neuer Pharao, der Josef nicht mehr kannte, kam an die Macht.

Und plötzlich wurden aus den Nachkommen jener Menschen, die einst willkommen gewesen waren, Unterdrückte.

Sie mussten Frondienste leisten und wurden wie Sklaven behandelt.

Nicht weil sie persönlich etwas verbrochen hatten.

Sondern weil sie zu einem bestimmten Volk gehörten.

Eine Gesellschaft erster und zweiter Klasse.

Und Gott berief Mose, sein Volk aus dieser Unterdrückung herauszuführen.

So berichtet es uns das zweite Buch Mose.

Saulus – vom Verfolger zum Verfolgten

Jahrhunderte später begegnen wir einem Mann namens Saulus.

Einem überzeugten Juden, der die neue Jesusbewegung zunächst für einen gefährlichen Irrweg hielt.

Und der deshalb begann, die Anhänger Jesu zu verfolgen.

Saulus war davon überzeugt, das Richtige zu tun.

Er glaubte, Gott zu dienen, indem er gegen Menschen vorging, deren Glauben er ablehnte.

Doch auf dem Weg nach Damaskus geschah etwas Entscheidendes.

Nach der Apostelgeschichte begegnete ihm der auferstandene Jesus.

Saulus verlor vorübergehend sein Augenlicht.

Und ausgerechnet dieser Mann, der Christen verfolgt hatte, wurde später als Paulus zu einem ihrer bedeutendsten Verkündiger.

Ist das nicht bemerkenswert?

Ein Verfolger wird zum Prediger.

Ein Gegner wird zum Mitarbeiter.

Und ein Mann, der zuvor Menschen wegen ihres Glaubens bekämpfte, muss schließlich selbst Verfolgung ertragen.

Aquila und Priszilla – vertrieben aus Rom

Besonders interessant wird die Geschichte in Apostelgeschichte 18.

Dort lesen wir:

Apostelgeschichte 18,1–3:

Danach verließ Paulus Athen und kam nach Korinth. Dort fand er einen Juden namens Aquila, der aus Pontus stammte. Er war mit seiner Frau Priszilla kürzlich aus Italien gekommen, weil Kaiser Klaudius angeordnet hatte, dass die Juden Rom verlassen sollten.

Paulus ging zu ihnen. Weil sie dasselbe Handwerk ausübten, blieb er bei ihnen und arbeitete mit ihnen. Sie waren nämlich Zeltmacher.

Was erfahren wir daraus?

Aquila und Priszilla hatten ihre Heimat verlassen müssen.

Nicht weil uns die Bibel von einem persönlichen Verbrechen der beiden berichtet.

Sondern weil Kaiser Claudius eine Ausweisung der Juden aus Rom angeordnet hatte.

Wieder wurden Menschen aufgrund ihrer Zugehörigkeit zu einer Gemeinschaft vertrieben.

Und ausgerechnet bei diesen Vertriebenen fand Paulus Aufnahme.

Sie arbeiteten miteinander.

Sie lebten miteinander.

Und sie wurden zu wichtigen Mitarbeitern bei der Verbreitung des christlichen Glaubens.

Zwei Verfolgungen in einem Weltreich

Was mich an dieser Geschichte besonders beschäftigt:

Während die frühen Christen in Jerusalem Verfolgung erlebten, wurden Juden auch in Rom unter Druck gesetzt und vertrieben.

Und beide Städte gehörten zum selben Römischen Reich.

Natürlich waren die Ursachen nicht überall gleich.

In Jerusalem standen zunächst religiöse Auseinandersetzungen um Jesus und seine Anhänger im Vordergrund.

In Rom spielten dagegen politische Entscheidungen und Konflikte um die öffentliche Ordnung eine Rolle.

Auch dürfen wir nicht vergessen, dass die ersten Christen selbst Juden waren.

Judentum und Christentum waren damals noch viel enger miteinander verbunden, als es spätere Jahrhunderte vermuten lassen.

Gerade deshalb ist die Geschichte so interessant.

Menschen, die an denselben Gott glaubten und teilweise aus denselben religiösen Traditionen kamen, konnten selbst verfolgt werden oder andere verfolgen.

Der entscheidende Unterschied lag nicht einfach darin, welcher Religion jemand angehörte.

Sondern darin, wie Menschen mit anderen Überzeugungen umgingen.

Der Glaube wandert über den Balkan

Und nun geschieht etwas, das für uns hier in Bulgarien besonders interessant ist.

Paulus beschränkt seine Verkündigung nicht auf Jerusalem oder Rom.

Er reist durch verschiedene Provinzen des Römischen Reiches.

Er kommt nach Philippi, Thessalonich und Beröa.

Er wirkt in Korinth.

Er reist nach Ephesus.

Damit führt uns die frühe Geschichte des Christentums unmittelbar auf den Balkan.

Zwar lag Korinth im heutigen Griechenland, und das spätere Oströmische Reich existierte zur Zeit des Paulus noch nicht.

Aber die Gebiete des heutigen Griechenlands und Bulgariens gehörten zu jener größeren römischen Welt, in der sich das Christentum ausbreitete.

Die Geschichte des Christentums in Südosteuropa hat deshalb sehr frühe Wurzeln.

Und sie ist eng mit Reisen, Begegnungen und der Gründung neuer Gemeinden verbunden.

Aus Vertriebenen werden Glaubensboten

Vielleicht liegt genau darin eine der erstaunlichsten Entwicklungen der frühen Kirchengeschichte.

Menschen werden aus ihrer Heimat vertrieben.

Sie müssen ihre bisherigen Lebensverhältnisse aufgeben.

Sie verlieren ihre Sicherheit.

Und dennoch endet ihre Geschichte nicht mit der Vertreibung.

Aquila und Priszilla finden in Korinth eine neue Aufgabe.

Sie begegnen Paulus.

Sie werden seine Mitarbeiter.

Und sie tragen dazu bei, dass sich der christliche Glaube weiter verbreitet.

Eine Maßnahme, die Menschen aus Rom entfernen sollte, führte somit auch dazu, dass sich ihre Lebenswege mit der frühen christlichen Missionsbewegung verbanden.

Die Verfolgung hatte also nicht das letzte Wort.

Was bedeutet das für uns heute?

Liebe Freunde,

wir sollten aus diesen Geschichten nicht den falschen Schluss ziehen, dass Verfolgung etwas Gutes wäre.

Verfolgung bleibt Unrecht.

Vertreibung bleibt Unrecht.

Und Menschen aufgrund ihrer Herkunft oder ihres Glaubens zu Bürgern zweiter Klasse zu machen, bleibt Unrecht.

Aber wir können daraus etwas anderes lernen.

Ein Mensch verliert durch Verfolgung nicht seine Würde.

Und ein Glaube wird nicht dadurch falsch, dass seine Anhänger unterdrückt werden.

Denken wir an Mose.

Denken wir an Paulus.

Denken wir an Aquila und Priszilla.

Immer wieder begegnen wir Menschen, deren Lebenswege durch Unterdrückung, Flucht oder Verfolgung verändert wurden.

Und immer wieder sehen wir, dass daraus neue Wege entstehen konnten.

Gott sieht nicht auf die Macht der Verfolger

Was mich persönlich an diesen Geschichten bewegt, ist die Frage, wie schnell Menschen davon überzeugt sein können, im Recht zu sein.

Der Pharao glaubte, über die Israeliten verfügen zu können.

Saulus glaubte zunächst, Gott durch die Verfolgung der Christen zu dienen.

Und Kaiser Claudius glaubte offenbar, durch die Ausweisung von Juden ein politisches Problem lösen zu können.

Doch die biblischen Geschichten zeigen uns etwas anderes.

Nicht die Macht des Herrschers entscheidet über den Wert eines Menschen.

Nicht die Mehrheit entscheidet darüber, wer vor Gott etwas wert ist.

Und schon gar nicht entscheidet die Zugehörigkeit zu einem Volk oder einer Glaubensgemeinschaft darüber, ob ein Mensch Würde besitzt.

Vielleicht sollten wir deshalb häufiger an das Gebot Jesu denken:

„Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“ (Matthäus 22,39)

Nicht nur den Menschen, der genauso denkt wie wir.

Nicht nur den Menschen, der dieselbe Religion hat.

Sondern unseren Nächsten.

Und vielleicht ist das die wichtigste Botschaft, die uns die Geschichte von Mose, Paulus, Aquila und Priszilla heute noch mitgeben kann:

Verfolgung kann Menschen aus ihrer Heimat vertreiben. Aber sie kann ihnen nicht ihre Würde nehmen.

Und manchmal entstehen gerade dort neue Gemeinschaften, wo Menschen eigentlich zum Schweigen gebracht werden sollten.

Amen.

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Weil sie neu war

Warum die Botschaft Jesu damals auf Widerstand stieß – und warum wir Christen heute möglicherweise vor demselben Problem stehen.

Gestern fragte mich jemand, liebe Freunde, warum ich eigentlich glaube, dass die Pharisäer die Lehre Jesu abgelehnt haben.

Und wenn ich ehrlich bin, dann lautet meine Antwort:

Weil sie für viele von ihnen neu war.

Nicht unbedingt deshalb, weil Jesus etwas verkündete, das Gott zuvor niemals gesagt hätte. Sondern weil seine Botschaft nicht mehr zu dem passte, was man über Jahrhunderte hinweg aus dem Glauben gemacht hatte.

Als aus Gottes Geboten Gesetzlichkeit wurde

Was war eigentlich geschehen?

Gott hatte dem Volk Israel Gebote gegeben. Gebote, die das Zusammenleben der Menschen ordnen, Gerechtigkeit ermöglichen und die Beziehung zwischen Gott und seinem Volk gestalten sollten.

Doch im Laufe der Zeit entstanden immer weitere Auslegungen, Vorschriften und religiöse Traditionen.

Man wollte Gott gefallen. Man wollte nichts falsch machen. Man wollte die Gebote möglichst genau erfüllen.

Daran war zunächst nichts Verwerfliches.

Problematisch wurde es dort, wo die Einhaltung religiöser Vorschriften wichtiger wurde als der Mensch, dem diese Gebote eigentlich dienen sollten.

Wo Barmherzigkeit hinter Regeln zurücktrat. Wo die Liebe zum Nächsten von der Frage verdrängt wurde, ob jemand sämtliche religiösen Anforderungen erfüllte.

Genau das kritisierte Jesus.

In Markus 2,27 erklärte er:

„Der Sabbat ist um des Menschen willen gemacht und nicht der Mensch um des Sabbats willen.“

Damit stellte er nicht Gottes Gesetz infrage, sondern eine Auslegung, die dessen eigentlichen Sinn aus den Augen verloren hatte.

Denn die Nächstenliebe war keine Erfindung Jesu. Schon in 3. Mose 19,18 war sie ausdrücklich geboten.

Jesus erinnerte die Menschen also an etwas, das sie längst hätten wissen müssen.

Der Messias, den man erwartete – und doch nicht erkannte

Bereits im ersten Buch Mose, Kapitel 3, Vers 15, finden Christen einen frühen Hinweis auf den kommenden Erlöser.

Die Hoffnung auf den Messias durchzieht anschließend große Teile der alttestamentlichen Schriften.

Doch Erwartungen können gefährlich werden, wenn sie so festgelegt sind, dass man Gottes Handeln nur noch innerhalb der eigenen Vorstellungen akzeptieren möchte.

Jesus kam nicht als religiöser Funktionär, der jede bestehende Auslegung bestätigte.

Er heilte am Sabbat. Er wandte sich Sündern und Ausgestoßenen zu. Er stellte die Barmherzigkeit über religiöse Selbstdarstellung.

Und er verkündete das Reich Gottes.

Nicht alle Pharisäer lehnten ihn ab. Das Neue Testament berichtet durchaus auch von Menschen aus ihren Reihen, die sich ernsthaft mit seiner Botschaft auseinandersetzten.

Doch für manche religiösen Autoritäten wurde Jesus gerade deshalb zum Problem, weil er ihre Vorstellungen von Frömmigkeit und ihre Deutungshoheit infrage stellte.

In Johannes 8,44 findet sich schließlich eine seiner schärfsten Auseinandersetzungen, in der Jesus seinen Gegnern vorwirft, den Teufel zum Vater zu haben.

Das war keine beiläufige Kritik.

Es war die radikale Infragestellung eines Glaubens, der sich auf Gott berief, dessen Willen aber nach Jesu Urteil verfehlte.

Und was machen wir Christen heute?

Nun könnten wir uns zurücklehnen und sagen: Wie gut, dass wir heute weiter sind.

Aber sind wir das wirklich?

Ich fürchte, dass wir vielfach lediglich das andere Extrem erreicht haben.

Während manche religiösen Strömungen damals dazu neigten, die Rettung des Menschen an die Einhaltung immer weiterer Vorschriften zu knüpfen, hört man heute unter Christen gelegentlich eine ganz andere Vorstellung:

Jesus ist für unsere Sünden am Kreuz gestorben. Wir sind erlöst. Also brauchen wir eigentlich nur noch auf das ewige Leben zu warten.

Alles andere wird Gott schon erledigen.

Doch hat Jesus das wirklich gelehrt?

Hat er gesagt: Glaubt an mich, macht anschließend, was ihr wollt, und wartet auf meine Wiederkunft?

Nein.

In Markus 8,34 lesen wir:

„Wer mir nachfolgen will, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach.“

Das klingt nicht gerade nach einem bequemen Glauben, bei dem der Mensch keinerlei Verantwortung mehr trägt.

Jesus fordert Nachfolge.

Und Nachfolge bedeutet Bewegung. Veränderung. Verantwortung. Nächstenliebe.

Das Reich Gottes ist keine Nebensache

Besonders auffällig ist, womit Jesus seine öffentliche Verkündigung beginnt.

In Markus 1,15 heißt es:

„Die Zeit ist erfüllt, und das Reich Gottes ist nahe herbeigekommen. Tut Buße und glaubt an das Evangelium!“

Das Reich Gottes steht im Mittelpunkt.

Natürlich gehört die Erlösung des Menschen zur christlichen Botschaft. Ohne Gottes Gnade wäre unser Glaube nicht denkbar.

Aber die Erlösung ist keine Einladung zur Gleichgültigkeit.

Sie eröffnet vielmehr die Möglichkeit, ein neues Leben zu führen und Gottes Willen zu tun.

Wir können das Reich Gottes nicht aus eigener Kraft erschaffen. Es ist Gottes Reich und steht unter seiner Herrschaft.

Aber wir sind aufgerufen, an seinem Wirken teilzuhaben.

Indem wir Hungernden helfen. Indem wir Menschen nicht ausgrenzen. Indem wir Frieden stiften, Gerechtigkeit suchen und unseren Nächsten lieben.

Nicht, um uns die Erlösung zu verdienen.

Sondern weil wir die Botschaft Jesu ernst nehmen.

Jakobus bringt es in Kapitel 2, Vers 17 auf den Punkt:

„So ist auch der Glaube, wenn er nicht Werke hat, tot in sich selber.“

Würden wir Jesus heute überhaupt verstehen?

Und damit kommen wir zu einer unangenehmen Frage.

Was wäre, wenn Jesus heute durch unsere Straßen ginge und uns aufforderte, ihm nachzufolgen?

Würden wir seine Botschaft annehmen?

Oder würden wir ihm erklären, dass wir längst erlöst seien und deshalb nichts weiter tun müssten?

Würden wir uns über seine Forderung nach Nächstenliebe freuen?

Oder würden wir zunächst prüfen, ob der Mensch, dem wir helfen sollen, diese Hilfe überhaupt verdient hat?

Die Bibel beschreibt die Wiederkunft Jesu als ein Ereignis, das nicht einfach unbemerkt bleiben wird.

Aber seine Botschaft können wir schon heute übersehen.

Und vielleicht übersehen wir ihn sogar täglich.

In den Armen. In den Kranken. In den Obdachlosen. In den Menschen, die unsere Hilfe brauchen.

Denn in Matthäus 25,40 sagt Jesus:

„Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.“

Wer das ernst nimmt, kann den christlichen Glauben nicht auf ein bloßes Bekenntnis reduzieren.

Zwei Irrwege – dasselbe Problem

Vielleicht ist das die eigentliche Tragik der Glaubensgeschichte.

Auf der einen Seite steht die Vorstellung, der Mensch könne sich durch Gesetzestreue selbst retten.

Auf der anderen Seite steht die Vorstellung, der Mensch brauche nach seiner Erlösung keinerlei Verantwortung mehr zu übernehmen.

Das eine macht den Glauben zur Leistung.

Das andere macht ihn zur bequemen Selbstverständlichkeit.

Beides verfehlt etwas Wesentliches.

Denn Jesus hat uns weder zur religiösen Selbstgerechtigkeit noch zur Gleichgültigkeit aufgerufen.

Er hat uns zur Nachfolge aufgerufen.

Und er hat uns gelehrt, um das Kommen des Reiches Gottes zu bitten:

„Dein Reich komme. Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden.“

Nicht irgendwann vielleicht.

Sondern Gottes Wille soll bereits heute unser Leben bestimmen.

Weil sie neu war

Kehren wir also zu meiner ursprünglichen Frage zurück.

Warum wurde Jesus von manchen religiösen Autoritäten abgelehnt?

Vielleicht deshalb, weil seine Botschaft nicht zu dem passte, was man gewohnt war.

Weil sie vertraute Gewissheiten erschütterte.

Weil sie nicht nur Zustimmung verlangte, sondern Veränderung.

Und genau darin liegt auch unsere heutige Herausforderung.

Wir können die Bibel auswendig kennen, Gottesdienste besuchen, fromme Lieder singen und uns dennoch davor drücken, das zu tun, was Jesus von uns verlangt.

Vielleicht besteht unser größtes Glaubensproblem nicht darin, dass wir Jesus nicht kennen. Sondern darin, dass wir ihn so gut zu kennen glauben, dass wir ihm nicht mehr richtig zuhören.

Denn das Reich Gottes ist mehr als ein Versprechen für die Zukunft.

Es ist eine Einladung, schon heute nach Gottes Willen zu leben.

Und möglicherweise ist genau das die Botschaft, die uns auch nach zweitausend Jahren immer noch neu erscheint.

Hans-Georg Peitl
Ritter der schrägen Töne

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War Jesus ein Nazi?

Ist es bereits rechtsextrem, wenn man sich für die Bevölkerung des eigenen Landes einsetzt? Eine Frage über Armut, Nächstenliebe und einen bemerkenswerten Widerspruch in unserer politischen Debatte.

Da hält man uns also bis heute vor, dass wir uns im Jahr 2011 bei einer Demonstration gegen die neue Armut in Europa engagieren wollten.

Ein Thema, das wir damals mit dem Österreichischen Gewerkschaftsbund (ÖGB) und der Solidarwerkstatt teilten. Beide Organisationen hatten wir übrigens tatsächlich eingeladen. Nicht die Nazis.

Was uns damals wichtig war, war eigentlich ganz einfach: Wir wollten verhindern, dass die Bevölkerung Österreichs zunehmend verarmt.

Eine Forderung, die man durchaus als sozialpolitisch bezeichnen könnte. Vielleicht sogar als links. Jedenfalls aber nicht automatisch als rechtsradikal.

Dennoch brachte uns das damals den Vorwurf einer Nähe zum Rechtsextremismus ein. Und das, obwohl bereits am 20. Oktober 2011 eine polizeiliche Mitteilung unsere Distanzierung von Rechtsextremen bestätigte.

Heute, 15 Jahre später, wird uns diese Geschichte noch immer vorgehalten.

Und deshalb möchte ich eine Frage stellen, die auf den ersten Blick ungeheuerlich erscheinen mag:

War Jesus ein Nazi?

Jesus und die verlorenen Schafe Israels

Im Matthäusevangelium finden wir eine bemerkenswerte Aussage:

Matthäus 15,24:

„Er antwortete aber und sprach: Ich bin nur gesandt zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel.“

Was für eine Aussage!

Jesus erklärt ausdrücklich, dass seine Sendung zunächst einem bestimmten Volk gilt. Nicht allen Völkern gleichermaßen, sondern dem Haus Israel.

Würde heute jemand erklären, er wolle sich zunächst um die Menschen seines eigenen Landes kümmern, könnte ihm schnell Nationalismus vorgeworfen werden.

Müssten wir also nach derselben Logik auch Jesus als Nationalisten betrachten?

Natürlich nicht.

Denn Jesus spricht hier von seinem besonderen Auftrag gegenüber Israel. Er erklärt weder andere Völker für minderwertig, noch spricht er ihnen die Menschenwürde ab.

Ganz im Gegenteil: Ausgerechnet in der Geschichte, in der dieser Satz fällt, hilft Jesus schließlich einer kanaanäischen Frau und erkennt ihren Glauben an.

Damit zeigt sich bereits etwas Entscheidendes:

Sich einer bestimmten Bevölkerung besonders verpflichtet zu fühlen, bedeutet nicht, andere Menschen abzulehnen.

War Jesus vielleicht Kommunist?

Nun könnte man allerdings auf einen ganz anderen Gedanken kommen.

Jesus kümmerte sich um Arme, Kranke, Hungernde und gesellschaftlich Ausgegrenzte.

Er warnte vor den Gefahren des Reichtums und forderte die Menschen auf, ihren Besitz mit Bedürftigen zu teilen.

In der Apostelgeschichte wird sogar von einer Gemeinschaft berichtet, in der die Gläubigen ihren Besitz miteinander teilten.

Das klingt doch beinahe nach Kommunismus!

Allerdings wäre auch diese politische Einordnung historisch falsch.

Jesus lebte lange vor Karl Marx, vor modernen Nationalstaaten und vor der Entstehung unserer heutigen politischen Ideologien.

Seine Botschaft lässt sich deshalb weder in eine rechte noch in eine linke Parteischublade stecken.

Sein Maßstab war ein anderer: die Liebe zu Gott und zum Mitmenschen.

Vom Volk Israel zur ganzen Welt

Besonders interessant wird es, wenn wir eine weitere Bibelstelle betrachten.

Markus 16,15:

„Und er sprach zu ihnen: Gehet hin in alle Welt und predigt das Evangelium aller Kreatur.“

Hier ist plötzlich nicht mehr allein vom Haus Israel die Rede.

Hier geht es um die ganze Welt.

Dasselbe Prinzip begegnet uns im Missionsauftrag des Matthäusevangeliums, Kapitel 28, Vers 19, wo die Jünger zu allen Völkern gesandt werden.

Die besondere Sendung an Israel steht also nicht im Widerspruch zur universellen Botschaft des Christentums.

Jesus zeigt vielmehr, dass besondere Verantwortung und allgemeine Menschenliebe miteinander vereinbar sind.

Man könnte es modern formulieren:

Jesus kannte eine besondere Verantwortung für sein Volk, ohne die Verantwortung für die übrige Menschheit aufzugeben.

Wann wird soziale Verantwortung zum Nationalismus?

Und damit sind wir wieder im Jahr 2011.

Wir wollten auf die zunehmende Gefahr der Verarmung aufmerksam machen.

Wir wollten, dass Menschen in Österreich ausreichend Einkommen, Wohnraum und soziale Sicherheit haben.

Ist das nationalistisch?

Nicht zwangsläufig.

Ein Staat trägt Verantwortung für die Menschen, die in ihm leben. Seine Regierung muss sich mit Armut, Arbeitslosigkeit, Obdachlosigkeit und sozialer Ausgrenzung auseinandersetzen.

Das ist keine Erfindung des Nationalsozialismus.

Es gehört zu den grundlegenden Aufgaben eines Sozialstaates.

Problematisch wird es dort, wo aus der Verantwortung für die eigene Bevölkerung die Abwertung anderer Menschen entsteht.

Wo Menschen aufgrund ihrer Herkunft, Religion oder Abstammung ausgeschlossen werden.

Wo aus sozialer Fürsorge eine Ideologie der angeblichen Überlegenheit des eigenen Volkes wird.

Genau dort liegt die Grenze.

Und diese Grenze sollte man nicht verwischen.

Armut kennt keine Nationalität

Als christlicher Seelsorger sehe ich die Sache ohnehin etwas anders.

Ein hungernder Mensch braucht Nahrung.

Ein obdachloser Mensch braucht ein Dach über dem Kopf.

Ein Kranker braucht Hilfe.

Ob dieser Mensch Österreicher, Bulgare, Syrer oder Ukrainer ist, ändert nichts an seiner Menschenwürde.

Aber daraus folgt nicht, dass wir uns nicht besonders um die Menschen kümmern dürfen, für die wir unmittelbar Verantwortung tragen.

Eine Gemeinde kümmert sich um ihre Gemeindemitglieder. Eine Stadt um ihre Einwohner. Ein Staat um seine Bevölkerung.

Und ein Christ sollte darüber hinaus niemals vergessen, dass auch der Fremde sein Nächster sein kann.

Genau das lehrt Jesus im Gleichnis vom barmherzigen Samariter.

Die falsche Gleichsetzung

Wer heute behauptet, dass bereits der Einsatz gegen die Verarmung der Bevölkerung eines Landes ein Kennzeichen nationalsozialistischer Gesinnung sei, macht einen grundlegenden Denkfehler.

Denn dann müsste man konsequenterweise auch die besondere Sendung Jesu an Israel unter denselben Verdacht stellen.

Und genau daran erkennt man, wie absurd eine solche pauschale Gleichsetzung wäre.

Natürlich war Jesus kein Nazi.

Ebenso wenig war er Mitglied einer kommunistischen Partei.

Er war Jesus Christus.

Und seine Botschaft war weder nationalsozialistisch noch kommunistisch, sondern eine Botschaft der Nächstenliebe.

Eine Nächstenliebe, die bei den Menschen beginnen kann, die uns unmittelbar anvertraut sind, die aber niemals an einer Staatsgrenze enden darf.

Was bleibt?

Vielleicht sollten wir endlich aufhören, Menschen allein deshalb in politische Schubladen zu stecken, weil sie sich gegen Armut im eigenen Land einsetzen.

Vielleicht sollten wir stattdessen fragen, was sie tatsächlich fordern, wen sie unterstützen und ob sie die Würde aller Menschen achten.

Denn eines sollte nach 2.000 Jahren christlicher Geschichte eigentlich selbstverständlich sein:

Wer sich für die Armen einsetzt, ist deshalb noch kein Kommunist.

Wer sich für die Bevölkerung seines Landes einsetzt, ist deshalb noch kein Nationalsozialist.

Und wer seinen Nächsten liebt, muss deshalb den Fremden nicht hassen.

Vielleicht wäre es an der Zeit, wieder mehr über die Bekämpfung der Armut zu sprechen als darüber, in welche politische Schublade wir diejenigen stecken, die sie bekämpfen wollen.


Hans-Georg Peitl – Ritter der schrägen Töne

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Das Gebot der Nächstenliebe

Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten.

Ein Gebot, liebe Freunde, das heute viel zu oft missachtet wird.

Manchmal könnte man beinahe meinen, die Zehn Gebote hätten ihre Bedeutung verloren. Schließlich hat Jesus die Gebote Gottes in zwei grundlegenden Geboten zusammengefasst: der Liebe zu Gott und der Liebe zum Nächsten.

Aber bedeutet das, dass wir die übrigen Gebote einfach vergessen dürfen?

Natürlich nicht!

Denn wer seinen Nächsten liebt, wird ihn nicht verleumden, nicht bewusst falsche Anschuldigungen gegen ihn erheben und auch nicht versuchen, ihm durch Lügen Schaden zuzufügen.

Und trotzdem erleben wir heute gerade im Internet immer wieder das Gegenteil.

Da werden Falschinformationen verbreitet, Menschen öffentlich diskreditiert und Meldungen an Moderatoren erstattet, die nicht unbedingt der Wahrheit entsprechen.

Manchmal geschieht das sogar mit dem ausdrücklichen Ziel, einen anderen Menschen von einer Plattform entfernen zu lassen.

Und die Plattformen?

Die prüfen solche Meldungen nicht immer ausreichend. Manchmal werden ausgerechnet jene Menschen sanktioniert oder gesperrt, die zuvor Opfer gezielter Angriffe geworden sind.

Damit wird aus einer falschen Anschuldigung plötzlich eine scheinbar gerechtfertigte Bestrafung.

Und derjenige, der die Falschmeldung verbreitet hat, kann möglicherweise unbehelligt weitermachen.

Du sollst nicht falsch Zeugnis reden

Bereits im fünften Buch Mose lesen wir:

5. Mose 5,20: „Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten.“

Dieses Gebot bezieht sich ursprünglich insbesondere auf falsche Zeugenaussagen. Doch sein moralischer Grundgedanke reicht weit darüber hinaus.

Wer bewusst Unwahrheiten über andere Menschen verbreitet, verletzt nicht nur deren Ansehen, sondern auch das Vertrauen, auf dem menschliches Zusammenleben beruht.

Und damit verletzt er letztlich auch das Gebot der Nächstenliebe.

Denn wie kann ich behaupten, meinen Nächsten zu lieben, wenn ich gleichzeitig versuche, ihn durch falsche Behauptungen aus einer Gemeinschaft auszuschließen?

Gerechtigkeit auch im digitalen Raum

Interessanterweise hat die Europäische Union mit dem Digital Services Act, kurz DSA, inzwischen einen rechtlichen Rahmen geschaffen, der auch den Umgang digitaler Plattformen mit Meldungen und Sperrungen regelt.

Der DSA ermöglicht es Nutzern unter bestimmten Voraussetzungen, gegen Moderationsentscheidungen vorzugehen und mögliche Verstöße gegen gesetzliche Verpflichtungen bei zuständigen Stellen zu melden.

Dabei muss nicht jeder Streit mit einem anonymen Nutzer persönlich ausgetragen werden. Auch die Verantwortung der Plattform selbst kann geprüft werden.

Natürlich ist der DSA kein christliches Gesetz. Er wurde auch nicht ausschließlich zum Schutz vor Mobbing geschaffen.

Aber sein Anliegen, transparente Verfahren und Beschwerdemöglichkeiten sicherzustellen, lässt sich durchaus mit dem christlichen Gerechtigkeitsgedanken verbinden.

Denn auch im Internet sollte gelten, dass Anschuldigungen nicht einfach ungeprüft zur Grundlage einer Bestrafung werden.

Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes

Jesus sagt uns:

Matthäus 6,33: „Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch das alles zufallen.“

Und genau hier liegt für mich der entscheidende Punkt.

Wenn wir vom Aufbau des Reiches Gottes sprechen, dann dürfen wir Gerechtigkeit nicht nur predigen.

Wir müssen sie auch leben.

Wir können nicht sonntags über Nächstenliebe sprechen und montags schweigend zusehen, wie Menschen durch falsche Anschuldigungen ausgegrenzt werden.

Wir können nicht behaupten, die Wahrheit zu lieben, und gleichzeitig zulassen, dass Lügen zur Grundlage gesellschaftlicher Entscheidungen werden.

Und wir sollten auch nicht vergessen, dass hinter jedem Benutzerkonto ein Mensch stehen kann, dessen Würde und Lebensumstände durch solche Vorgänge berührt werden.

Das Reich Gottes beginnt nicht erst dort, wo wir gemeinsam beten.

Seine Gerechtigkeit soll auch dort sichtbar werden, wo Menschen miteinander umgehen, wo sie Entscheidungen treffen und wo sie Verantwortung für andere übernehmen.

Auch im Internet.

Nächstenliebe braucht Verantwortung

Für mich gehört deshalb der Einsatz gegen Verleumdung, Mobbing und ungerechtfertigte Ausgrenzung ganz selbstverständlich zum christlichen Glauben.

Nicht weil eine europäische Verordnung das Reich Gottes errichten könnte.

Sondern weil wir als Christen aufgefordert sind, für Wahrheit, Gerechtigkeit und unseren Nächsten einzutreten.

Der Digital Services Act kann dabei ein weltliches Hilfsmittel sein.

Das eigentliche Gebot aber ist viel älter.

Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten.

Und vielleicht sollten wir gerade heute wieder damit beginnen, dieses Gebot ernst zu nehmen.

Denn Nächstenliebe endet nicht dort, wo das Internet beginnt.

Hans-Georg Peitl – Ritter der schrägen Töne

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