Wenn in einem christlichen Werk nur einer denkt

Ein christliches Werk kann nach außen erfolgreich erscheinen. Veranstaltungen finden statt, Menschen arbeiten begeistert mit, Probleme werden gelöst und neue Aufgaben übernommen. Doch wie tragfähig ist ein solches Werk wirklich, wenn alles von der Anwesenheit eines einzigen Menschen abhängt?

Solange der Leiter anwesend ist, funktioniert alles. Muss er jedoch an einem anderen Ort arbeiten, bleiben Entscheidungen liegen. Die Stellvertreter warten lieber ab, weil sie nicht wissen, wie der Leiter entschieden hätte. Selbst dringende Probleme werden aufgeschoben, bis er zurückkehrt.

Dabei predigen wir gerne:

Einer denkt, zwei denken mehr und alle finden die Lösung.

In der Praxis bleibt davon jedoch manchmal nur übrig:

Einer denkt.

Ist das noch die Arbeitsweise eines christlichen Werkes?

Mose musste Verantwortung abgeben

Bereits Mose geriet in diese Situation. Das Volk kam mit allen Streitfragen zu ihm, und er versuchte, jedes Problem persönlich zu lösen. Sein Schwiegervater Jethro erkannte die Gefahr und warnte ihn:

„Es ist nicht gut, wie du das tust. Du machst dich zu müde, dazu das Volk, das mit dir ist. Das Geschäft ist dir zu schwer; du kannst es allein nicht ausrichten.“
2. Mose 18,17–18

Jethro riet Mose, geeignete und vertrauenswürdige Menschen einzusetzen. Sie sollten gewöhnliche Angelegenheiten selbst entscheiden und nur die schwierigen Fälle zu Mose bringen.

Mose blieb der Leiter. Aber Leitung bedeutete nicht länger, alles allein erledigen zu müssen. Seine Aufgabe bestand auch darin, Verantwortung zu übertragen und andere zum selbstständigen Handeln zu befähigen.

Der Leib besteht aus vielen Gliedern

Paulus beschreibt die christliche Gemeinde als einen Leib:

„Denn auch der Leib ist nicht ein Glied, sondern viele.“

  1. Korinther 12,14

Ein gesunder Leib kann nicht nur aus einem tätigen Glied bestehen, während alle anderen auf dessen Anweisungen warten. Jedes Glied besitzt eine eigene Aufgabe. Jedes wird benötigt, und jedes trägt Verantwortung für das Ganze.

Das bedeutet nicht, dass alle dieselben Entscheidungen treffen oder eine Aufgabe auf dieselbe Weise lösen müssen. Gemeinschaft entsteht nicht dadurch, dass alle den Leiter nachahmen. Sie entsteht dadurch, dass unterschiedliche Gaben einem gemeinsamen Ziel dienen.

Wenn nur einer denkt, entscheidet und handelt, während alle anderen warten, werden die Gaben der übrigen Glieder nicht genutzt. Dann wird aus dem Leib Christi allmählich ein Werk, das an einer einzigen menschlichen Person hängt.

Jesus sandte seine Jünger aus

Auch Jesus hielt seine Jünger nicht dauerhaft in einer Zuschauerrolle. Er sandte zunächst die Zwölf und später weitere Jünger aus. Sie sollten predigen, Menschen helfen und Verantwortung übernehmen, obwohl Jesus nicht ständig unmittelbar neben ihnen stand.

Natürlich machten sie dabei nicht alles vollkommen. Sie mussten lernen, Erfahrungen sammeln und auch mit Fehlern umgehen. Doch gerade dadurch wurden aus Zuhörern verantwortliche Mitarbeiter.

Ein Leiter, der niemals Verantwortung abgibt, schützt sein Werk daher nicht unbedingt. Er kann es dadurch auch daran hindern, geistlich erwachsen zu werden.

Stellvertretung braucht Vertrauen

Eine Stellvertretung ist nur dann eine wirkliche Stellvertretung, wenn sie während der Abwesenheit des Leiters auch handeln darf und handelt.

Dabei muss der Stellvertreter nicht erraten, wie der Leiter jedes einzelne Problem gelöst hätte. Er sollte die gemeinsamen Grundsätze kennen, beten, prüfen und anschließend nach bestem Wissen entscheiden.

Vielleicht fällt die Entscheidung anders aus als jene des Leiters. Das bedeutet nicht automatisch, dass sie falsch ist. Mehrere Menschen können auf unterschiedlichen Wegen zu einer verantwortbaren Lösung gelangen.

Wer Verantwortung überträgt, muss deshalb auch Vertrauen schenken. Und wer Verantwortung übernimmt, darf sich nicht hinter der Abwesenheit des Leiters verstecken.

Mitarbeiter oder Jünger?

Damit kommen wir zu einer entscheidenden Frage:

Haben wir Mitarbeiter gesammelt, die auf Anweisungen warten – oder Jünger herangebildet, die Verantwortung übernehmen?

Ein Werk, das nur funktioniert, solange ein bestimmter Mensch anwesend ist, mag viel leisten. Dauerhaft tragfähig ist es jedoch nicht.

Ein wirklich gemeinschaftliches christliches Werk erkennt man daran, dass Menschen miteinander beten, denken, entscheiden und handeln. Der Leiter bleibt wichtig, aber er wird nicht zum unersetzlichen Mittelpunkt.

Denn der Mittelpunkt eines christlichen Werkes darf niemals ein Mensch sein. Der Mittelpunkt ist Gott.

Darum reicht es nicht, wenn nur einer denkt.

Einer kann den Anfang machen. Zwei können einander beraten. Doch erst wenn alle ihre von Gott gegebenen Gaben verantwortlich einbringen, wird aus einzelnen Mitarbeitern tatsächlich ein lebendiger Leib.

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About OM-Pastor Hans-Georg Peitl

.) Herausgeber des Liberalen Boten .) ist Bundesvorsitzender der Plattform Obdachlose (PO) .) Präsident des Plattform Obdachlose - Presseclubs (POP) .) Seniorpastor der Living hands .) Rektor des Instituts Für Christliche Forschung (IFCF) Sitz: Haskovo/Bulgarien .) Autor zahlreicher Freimaurer-Bücher
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