Wenn Glaube zerstört

Was mag wohl damals in Judas vorgegangen sein, als er Jesus verriet. Einfach ein paar mögliche Gedanken.

von Hans-Georg Peitl

Es gibt so Momente im Leben, Freunde, ich sage es Euch, in denen man sich fragt, was eigentlich wäre, wenn man nicht gläubig wäre.

Dann, wenn einem jemand das Gelbe vom Ei verspricht, wenn man nur mit ihm agieren würde.

Die alte Situation erklärt sich eigentlich selbst für beendet. Vor einem liegt etwas Neues.

Und dennoch sagt man sich:

Ja, da könnte ich erfolgreich werden. Vielleicht sogar mächtig.

Aber in Wahrheit befiehlt Gott:

Halte die Position.

Und da muss man sich prüfen.

Wie wichtig ist einem Gott wirklich?

Steht man zu seinem Wort, auch wenn man dafür etwas aufgeben muss? Oder entscheidet man sich doch für Erfolg, Macht und Reichtum?

So etwa stelle ich mir Judas vor.

30 Silberlinge – das war damals viel Geld.

Und was musste er dafür tun?

Doch eigentlich nur verraten, wer Jesus ist.

Und Jesus?

Der konnte sich doch sowieso helfen.

Wenn es gefährlich wird, ruft er eben die Engel. Und stellt Euch vor, was dann passiert:

Jesus wird verhaftet.

Im entscheidenden Moment erscheinen die Engel.

Und plötzlich weiß ganz Israel:

Das ist er wirklich. Der Messias. Der König von Israel.

Vielleicht würde eine solche Aktion Jesus sogar noch bekannter machen. Vielleicht würde sie den Glauben an ihn endgültig zementieren.

Verlockend.

So verlockend, dass Judas sich entscheidet.

Er verrät Jesus.

Und dann geschieht etwas, womit er nicht gerechnet hat.

Jesus ruft keine Engel.

Er lässt sich in Gethsemane verhaften.

Der Leidensweg beginnt.

Und Judas muss erkennen, dass seine wunderbare Rechnung nicht aufgegangen ist.

Vielleicht wollte er Geld.

Vielleicht wollte er Erfolg.

Vielleicht wollte er sogar die Ereignisse beschleunigen und glaubte, am Ende werde ohnehin alles gut.

Wir wissen nicht, was in seinem Kopf vorging.

Aber wir wissen, was geschah:

Er hatte die Situation falsch eingeschätzt.

Er wollte zu viel auf einmal.

Und genau deshalb kann Glaube manchmal zerstören.

Denn irgendwann stehen wir vor einer Möglichkeit und denken:

Das könnte mein Leben sein.

Das könnte mein Erfolg sein.

Das könnte meine Zukunft sein.

Vielleicht liegt auf der anderen Seite sogar genau das Leben, das ich mir immer gewünscht habe.

Und trotzdem sagt der Glaube:

Bleib stehen.

Dann zerstört der Glaube tatsächlich etwas.

Eine Möglichkeit.

Einen Traum.

Vielleicht sogar eine Zukunft, die wunderschön geworden wäre.

Und dann bleibt nur noch eine Frage:

Glaube ich Gott auch dann, wenn ich niemals erfahren werde, was auf der anderen Seite auf mich gewartet hätte?

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About OM-Pastor Hans-Georg Peitl

.) Herausgeber des Liberalen Boten .) ist Bundesvorsitzender der Plattform Obdachlose (PO) .) Präsident des Plattform Obdachlose - Presseclubs (POP) .) Seniorpastor der Living hands .) Rektor des Instituts Für Christliche Forschung (IFCF) Sitz: Haskovo/Bulgarien .) Autor zahlreicher Freimaurer-Bücher
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