„Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten.“ (2. Mose 20,16)
Dieses Gebot aus dem Dekalog ist eigentlich unmissverständlich. Es fordert Wahrheit, Respekt und den Schutz der Würde des anderen. Doch wer die Augen öffnet, reibt sich zunehmend verwundert die Jalousien: Ausgerechnet in Kreisen, die sich das Label „christlich“ besonders groß auf die Fahne schreiben, gehören Hetzkampagnen, Rufmord und Mobbing heute oft zum Standardrepertoire.
Die Motive hinter diesen Angriffen sind dabei so alt wie die Menschheit selbst, nur das Gewand ist ein frommes:
- Der Neid auf den Erfolg: Erreicht ein anderer christlicher Musiker mehr Menschen, füllt er größere Hallen oder verkauft mehr Alben? Statt Mitfreude regiert der Futterneid. Die Konkurrenz wird nicht sportlich genommen, sondern moralisch demontiert.
- Die Angst vor dem Bedeutungsverlust: Gewinnt eine andere Gruppierung mit ihrer Auslegung der Lehre an Zulauf, schalten die etablierten Akteure auf Abwehr. Wer erfolgreicher ist, wird schnell als „Irrlehrer“ gebrandmarkt, um die eigenen Schäfchen im Zaum zu halten.
- Der theologische Absolutheitsanspruch: Passt einem die theologische Ansicht des Gegenübers nicht, wird nicht mehr sachlich debattiert. Es wird gehetzt, ausgegrenzt und vernichtet.
Vom Scheiterhaufen zum Cybermobbing
Früher waren die Methoden der Wahl drastischer und physischer Natur. Der Scheiterhaufen ist glücklicherweise aus der Mode gekommen. Auch der erzwungene „Segelflug“ von den Mauern der Hohen Festung Salzburg – mit dem einst Täufer und Andersdenkende brutal zum Schweigen gebracht wurden – gehört der Geschichte an.
Doch der Geist dahinter ist lebendig geblieben. Die Vernichtung findet heute auf psychischer und digitaler Ebene statt. Wenn physische Gewalt nicht mehr opportun ist, greift man zum modernen Äquivalent: Rufmord- und Hetzkampagnen im Netz. Das Ziel bleibt dasselbe: Den anderen sozial, wirtschaftlich und psychisch so weit zu isolieren, bis er bricht. Man nimmt dabei billigend in Kauf – oder legt es gar darauf an –, Menschen in den gezielten Selbstmord zu treiben.
Reiner Machtkampf im frommen Gewand
Dieses Verhalten ist nicht „christlich“, es ist zutiefst heuchlerisch. Es ist ein toxischer Mix aus Narzissmus und reinem Machtkampf, der sich hinter einer Fassade aus Frömmigkeit versteckt. Wer den Nächsten im Namen Gottes vernichten will, hat das Fundament der eigenen Lehre – die Nächstenliebe und die Wahrheit – längst verraten.
Es wird Zeit, diese Kampagnen beim Namen zu nennen: Es ist kein Streit um die Wahrheit. Es ist schlichtes, bösartiges Mobbing.










Du muss angemeldet sein, um einen Kommentar zu veröffentlichen.