Du sollst nicht begehren – Wenn Geld genommen, aber Leistung verweigert wird

Über christliche Verantwortung, wirtschaftliche Ehrlichkeit und den Umgang mit unterschiedlichen Meinungen.

Eigentlich finde ich es schade, liebe Freunde, dass wir in einer Zeit leben, in der man für Dienstleistungen bezahlt und dennoch nicht immer sicher sein kann, ob diese anschließend auch tatsächlich erbracht werden.

Manchmal entsteht geradezu der Eindruck, als würden manche Anbieter nach dem Grundsatz handeln:

„Wir lassen uns zwar dafür bezahlen. Was wir letztlich aber tun, entscheiden immer noch wir.“

Und das halte ich für bedenklich. Besonders dann, wenn wir uns im Umfeld christlicher Medien oder von Unternehmen bewegen, die sich auf christliche Werte berufen.

Denn hier stellt sich für mich eine ganz grundsätzliche Frage:

Was bedeutet es eigentlich, nach Gottes Geboten zu leben?

Wenn eine Leistung auf sich warten lässt

Natürlich müssen wir zunächst unterscheiden.

Es kann durchaus vorkommen, dass eine Redaktion länger benötigt, um eingereichte Artikel zu überprüfen. Nicht jede Verzögerung bedeutet automatisch, dass eine Leistung verweigert wird.

Ebenso besitzt jede Redaktion das Recht, darüber zu entscheiden, welche Beiträge sie veröffentlichen möchte.

Doch was geschieht, wenn Menschen für eine bestimmte Leistung bezahlen, diese Leistung zugesagt wird und anschließend bewusst nicht erbracht wird?

Dann sprechen wir nicht mehr ausschließlich über redaktionelle Freiheit.

Dann sprechen wir über Ehrlichkeit, Verlässlichkeit und Verantwortung gegenüber unserem Nächsten.

Dabei ist selbstverständlich entscheidend, was tatsächlich vereinbart wurde. Wer lediglich für die Möglichkeit bezahlt, Beiträge einzureichen, hat damit noch keinen Anspruch auf deren Veröffentlichung erworben.

Wer hingegen eine konkrete Veröffentlichung zugesagt bekommt und dafür bezahlt, darf erwarten, dass diese Vereinbarung eingehalten wird.

Unterschiedliche Meinungen beleben die Demokratie

Nehmen wir beispielsweise eine Zeitung wie exxpress.

Dort können eingereichte Beiträge zunächst einer redaktionellen Prüfung unterliegen.

Das ist grundsätzlich verständlich.

Dennoch stellt sich für mich die Frage, wie wir als Gesellschaft mit unterschiedlichen Meinungen umgehen wollen.

Möglicherweise vertritt ein Autor eine politische Überzeugung, die der jeweiligen Redaktion nicht entspricht.

Möglicherweise schreibt jemand über eine Partei, die andere politische Vorstellungen verfolgt.

Doch sollte das allein bereits ein Grund sein, eine Meinung nicht zu veröffentlichen?

Ich meine, dass gerade die unterschiedlichen Meinungen eine lebendige Demokratie ausmachen.

Natürlich gibt es Grenzen. Beleidigungen, Verleumdungen, unwahre Tatsachenbehauptungen oder rechtswidrige Inhalte müssen nicht veröffentlicht werden.

Aber eine sachlich vertretene, abweichende Meinung sollte zunächst einmal Anlass zur Diskussion sein.

Denn dafür gibt es schließlich auch die Möglichkeit, Kommentare zu schreiben.

Wer eine andere Auffassung vertritt, kann widersprechen, argumentieren und versuchen, seine Mitmenschen zu überzeugen.

Eine Demokratie lebt nicht davon, dass alle dasselbe denken, sondern davon, dass unterschiedliche Menschen miteinander sprechen können.

Was sagt uns die Bibel?

Kommen wir nun zu einem Gebot, das meiner Meinung nach in diesem Zusammenhang besondere Beachtung verdient.

In 5. Mose 5,21 lesen wir:

„Du sollst nicht begehren deines Nächsten Frau. Du sollst nicht begehren deines Nächsten Haus, Acker, Knecht, Magd, Rind, Esel noch alles, was sein ist.“

Gewöhnlich verbinden wir dieses Gebot mit Neid, Habgier oder dem Wunsch, etwas zu besitzen, das einem anderen Menschen gehört.

Doch ich glaube, wir sollten uns auch fragen, welche innere Haltung hinter unserem wirtschaftlichen Handeln steht.

Wenn ich das Geld meines Nächsten haben möchte, ihm dafür eine bestimmte Leistung verspreche, diese aber von Anfang an gar nicht erbringen will, dann geht es ebenfalls um das unrechtmäßige Streben nach fremdem Eigentum.

Dabei ist das bloße Annehmen einer Bezahlung selbstverständlich noch kein Verstoß gegen dieses Gebot.

Entscheidend sind die Absicht, die Vereinbarung und das tatsächliche Verhalten.

Du sollst deinen Nächsten nicht berauben

Noch deutlicher wird dieser Gedanke in 3. Mose 19,13:

„Du sollst deinen Nächsten nicht bedrücken noch berauben.“

Hier geht es nicht mehr nur um unsere Wünsche und Gedanken.

Hier geht es um unser konkretes Handeln.

Wer einem anderen Menschen etwas schuldet, sollte sich nicht einfach seiner Verpflichtung entziehen.

Das gilt für den Arbeitgeber gegenüber seinem Arbeitnehmer ebenso wie für den Dienstleister gegenüber seinem Kunden.

Und es gilt selbstverständlich auch für christliche Unternehmen.

Denn christlich zu sein bedeutet nicht allein, über Gott zu sprechen.

Es bedeutet auch, die Gebote Gottes im täglichen Leben ernst zu nehmen.

Der vorenthaltene Lohn

Eine weitere bemerkenswerte Stelle finden wir in Jakobus 5,4.

Dort wird der Lohn der Arbeiter angesprochen, der ihnen vorenthalten wurde und dessen Unrecht vor Gott nicht verborgen bleibt.

Natürlich handelt diese Bibelstelle ursprünglich vom zurückgehaltenen Arbeitslohn.

Dennoch erkennen wir darin ein allgemeines Prinzip:

Wer seinem Nächsten etwas rechtmäßig schuldet, darf sich seiner Verantwortung nicht einfach entziehen.

Und dieses Prinzip sollte auch heute noch gelten.

Nicht nur in der Landwirtschaft, von der Jakobus spricht.

Sondern ebenso im Handel, im Dienstleistungsbereich und in den Medien.

Christliche Medien tragen eine besondere Verantwortung

Gerade von christlichen Medien erwarte ich, dass sie sich ihrer Verantwortung bewusst sind.

Nicht, weil sie jede Meinung übernehmen müssten.

Auch christliche Redaktionen dürfen prüfen, auswählen und Beiträge ablehnen.

Aber sie sollten transparent und ehrlich erklären, welche Leistungen sie anbieten und welche Bedingungen dafür gelten.

Wenn eine Veröffentlichung nicht zugesagt werden kann, sollte dies von Anfang an deutlich gemacht werden.

Wenn eine Leistung ausdrücklich vereinbart wurde, sollte diese Vereinbarung auch eingehalten werden.

Und wenn sie nicht erbracht werden kann, sollte eine faire Lösung gefunden werden.

Denn christliche Glaubwürdigkeit zeigt sich nicht allein in schönen Worten.

Sie zeigt sich gerade dort, wo wir mit dem Eigentum und den Erwartungen anderer Menschen umgehen.

Gott sieht nicht nur unsere Worte

Liebe Freunde,

wir können noch so viele Predigten halten.

Wir können christliche Musik produzieren, christliche Zeitungen herausgeben und täglich über die Gebote Gottes sprechen.

Wenn wir diese Gebote in unserem eigenen Handeln nicht ernst nehmen, verlieren unsere Worte an Glaubwürdigkeit.

Dabei geht es mir nicht darum, eine bestimmte Redaktion vorschnell zu verurteilen.

Eine noch ausstehende Prüfung ist kein Beweis für Unredlichkeit.

Es geht mir um eine grundsätzliche Frage, die jeder von uns auch an sich selbst richten sollte:

Bin ich bereit, meinem Nächsten gegenüber ebenso ehrlich zu handeln, wie ich es von ihm erwarte?

Denn genau hier beginnt für mich gelebter Glaube.

Nicht erst am Sonntag.

Nicht erst während einer Predigt.

Sondern bereits dann, wenn ich eine Vereinbarung eingehe, eine Rechnung stelle oder eine Verpflichtung übernehme.

Mein Schlussgedanke

Das Gebot „Du sollst nicht begehren“ erinnert uns daran, das Eigentum unseres Nächsten zu achten und uns nicht von Habgier bestimmen zu lassen.

Das Gebot, unseren Nächsten nicht zu berauben, verpflichtet uns darüber hinaus zu einem gerechten Umgang miteinander.

Und Jakobus erinnert uns daran, dass wirtschaftliches Unrecht auch eine geistliche Dimension besitzt.

Deshalb meine ich:

Wer christlich handeln möchte, sollte nicht nur darauf achten, was er von seinem Nächsten bekommen kann, sondern ebenso darauf, was er seinem Nächsten schuldet.

Denn unser Glaube zeigt sich nicht allein darin, was wir verkündigen.

Sondern vor allem darin, wie wir miteinander umgehen.

Und vielleicht wäre unsere Welt schon ein wenig gerechter, wenn wir diesen einfachen Gedanken wieder ernster nehmen würden.

Hans-Georg Peitl

Jachwe – Gedanken über Gott, Glauben und unser tägliches Leben

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Die zwölf Jünger Jesu – eine Gemeinschaft, die unterschiedlicher kaum sein konnte

Mussten die Jünger Jesu alle dieselbe Meinung haben? Mussten sie politisch gleich denken, aus derselben Gesellschaftsschicht stammen oder dieselben Vorstellungen vom Leben besitzen?

Wer sich die zwölf Apostel genauer ansieht, wird feststellen: Davon kann kaum die Rede sein.

Jesus Christus versammelte keine Gruppe gleichgesinnter Menschen um sich, sondern Männer mit unterschiedlichen Berufen, Charakteren und gesellschaftlichen Hintergründen.

Und genau das macht diese Gemeinschaft so bemerkenswert.

Ein Zöllner und ein Zelot

Betrachten wir zunächst zwei der Jünger: Matthäus und Simon.

Matthäus war Zöllner. Er gehörte damit einer Berufsgruppe an, die im damaligen jüdischen Volk häufig verachtet wurde. Zöllner arbeiteten innerhalb des römischen Herrschaftssystems und wurden nicht selten mit Ausbeutung und Ungerechtigkeit in Verbindung gebracht.

Simon hingegen wird in Lukas 6,15 als Zelot bezeichnet.

Die Bezeichnung wird häufig mit jüdischen Kreisen in Verbindung gebracht, die sich gegen die römische Fremdherrschaft stellten. Ob Simon tatsächlich einer organisierten politischen Widerstandsbewegung angehörte, lässt sich aus der Bibel allerdings nicht sicher feststellen.

Dennoch ist die Gegenüberstellung bemerkenswert.

Auf der einen Seite ein Mann, dessen Beruf mit dem bestehenden Herrschaftssystem verbunden war. Auf der anderen Seite ein Mann, dessen Beiname möglicherweise auf eine völlig andere politische Haltung hinweist.

Und beide wurden von Jesus berufen.

Jesus fragte offenbar nicht zuerst nach der politischen Herkunft eines Menschen, sondern danach, ob dieser bereit war, ihm nachzufolgen.

Petrus – ein Mann der schnellen Entscheidungen

Petrus war Fischer. Ein Mann, der nicht immer lange überlegte, bevor er handelte.

Als Jesus über das Wasser ging, wollte Petrus selbst zu ihm hinausgehen (Matthäus 14,28–29).

Als Jesus verhaftet wurde, griff Petrus zum Schwert (Johannes 18,10).

Und später verleugnete derselbe Petrus seinen Herrn dreimal.

Ein Mann voller Widersprüche.

Dennoch spielte Petrus innerhalb der ersten christlichen Gemeinde eine bedeutende Rolle.

Jesus erwartete offenbar keine fehlerlosen Menschen. Er berief Menschen, die lernen, sich verändern und Verantwortung übernehmen konnten.

Thomas – der Mann, der Beweise verlangte

Thomas wiederum wollte sich nicht einfach auf die Aussagen anderer verlassen.

Als die übrigen Jünger berichteten, Jesus sei auferstanden, verlangte Thomas eigene Gewissheit.

Johannes 20,25 berichtet von seiner Forderung, die Wundmale Jesu sehen und berühren zu können.

Thomas war damit keineswegs einfach nur ein schlechter Jünger.

Er war ein Mensch, der verstehen wollte, bevor er glaubte.

Jesus begegnete seinen Zweifeln und gab ihm Gelegenheit, sich zu überzeugen.

Auch darin liegt eine wichtige Botschaft: Eine Gemeinschaft muss Fragen und Zweifel aushalten können.

Selbst unter den Jüngern gab es Streit

Wie wenig die Jünger tatsächlich eine vollkommen harmonische Gemeinschaft bildeten, zeigt Lukas 22,24:

„Es erhob sich auch ein Streit unter ihnen, wer von ihnen als der Größte gelten solle.“

Da saßen also Menschen zusammen, die Jesus persönlich berufen hatte, und stritten darüber, wer von ihnen den höchsten Rang einnehmen sollte.

Das klingt erstaunlich menschlich.

Auch die Bitte der Söhne des Zebedäus um bevorzugte Plätze im kommenden Reich führte zu Unmut unter den übrigen Jüngern (Markus 10,35–41).

Jesus reagierte darauf nicht mit der Forderung, dass künftig niemand mehr eine eigene Meinung haben dürfe.

Er erklärte vielmehr, dass Größe im Reich Gottes nicht durch Herrschaft über andere entsteht, sondern durch Dienst am Mitmenschen.

Was hielt diese unterschiedlichen Menschen zusammen?

Es war weder eine gemeinsame Berufsausbildung noch eine einheitliche gesellschaftliche Herkunft.

Es war auch keine politische Partei.

Es war die gemeinsame Nachfolge Jesu und seine Botschaft vom Reich Gottes.

Die Jünger mussten lernen, persönliche Interessen hinter eine größere Aufgabe zurückzustellen.

Dabei verloren sie nicht automatisch ihre individuellen Eigenschaften.

Petrus blieb Petrus. Thomas blieb Thomas. Matthäus brachte seine eigene Vergangenheit mit.

Ihre Unterschiede verschwanden nicht einfach. Entscheidend war, wie sie miteinander umgingen und welchem Ziel sie dienten.

Was bedeutet das für unsere heutige Gesellschaft?

Wir erleben heute immer wieder, dass Menschen aufgrund ihrer politischen Überzeugungen voneinander getrennt werden.

Der eine bezeichnet sich als konservativ, der andere als liberal. Ein Dritter sieht sich als sozial orientiert, ein Vierter als ökologisch engagiert.

Doch müssen diese Menschen deshalb zwangsläufig Gegner sein?

Können nicht ein konservativer Mensch und ein sozial denkender Mensch gemeinsam gegen Armut auftreten?

Können nicht ein wirtschaftlich liberaler Mensch und ein überzeugter Umweltschützer gemeinsam daran arbeiten, die Lebensbedingungen ihrer Mitmenschen zu verbessern?

Natürlich bestehen zwischen politischen Überzeugungen reale Unterschiede. Manche Vorstellungen widersprechen einander sogar grundsätzlich.

Aber daraus folgt nicht, dass jede Zusammenarbeit unmöglich sein muss.

Die Gemeinschaft der Jünger zeigt uns zumindest eines: Unterschiedliche Menschen können eine gemeinsame Aufgabe übernehmen, ohne zuvor in jeder Frage übereinzustimmen.

Jesus suchte keine Gleichförmigkeit

In Johannes 13,35 erklärte Jesus:

„Daran wird jedermann erkennen, dass ihr meine Jünger seid, wenn ihr Liebe untereinander habt.“

Nicht die Gleichheit ihrer Berufe sollte die Jünger kennzeichnen.

Nicht ihre gesellschaftliche Stellung.

Und auch nicht eine nachweisbar identische politische Überzeugung.

Sondern ihre Liebe zueinander.

Das ist ein gewaltiger Unterschied.

Denn Einigkeit bedeutet nicht zwangsläufig Gleichförmigkeit.

Eine Gemeinschaft kann aus sehr unterschiedlichen Menschen bestehen und trotzdem gemeinsam handeln.

Entscheidend ist, ob die Beteiligten bereit sind, einander zu respektieren und Verantwortung füreinander zu übernehmen.

Schlussgedanke

Vielleicht sollten wir uns heute häufiger daran erinnern, wen Jesus damals an seinen Tisch holte.

Fischer, einen Zöllner, einen Mann namens Simon, der als Zelot bezeichnet wurde, einen zweifelnden Thomas und einen impulsiven Petrus.

Menschen mit unterschiedlichen Lebensgeschichten und Eigenschaften.

Sie stritten, zweifelten, machten Fehler und fanden dennoch immer wieder zusammen.

Jesus gründete keine Gemeinschaft, in der alle Menschen gleich waren. Er schuf eine Gemeinschaft, in der unterschiedliche Menschen lernen sollten, gemeinsam dem Reich Gottes zu dienen.

Und vielleicht ist gerade das eine der wichtigsten Lehren, die wir aus der Geschichte der zwölf Jünger für unsere heutige Gesellschaft ziehen können.


Jachwe – Gedanken über Glauben, Menschlichkeit und das Reich Gottes

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Dämonen, die predigen

Ganz ehrlich, Freunde: Gestern musste ich wieder einmal schmunzeln.

Nicht etwa, weil mir jemand erklärte, dass Künstliche Intelligenz seelenlos sei. Darüber kann man durchaus unterschiedlicher Meinung sein. Ich persönlich glaube das nämlich nicht.

Nein, ich musste schmunzeln, weil mich eine Diskussion an die Anfangszeit meiner Arbeit mit Künstlicher Intelligenz erinnerte.

Damals erklärten mir durchaus gläubige Brüder und Schwestern, dass man von der KI unbedingt die Finger lassen müsse.

Warum?

Weil angeblich Dämonen darin säßen.

Nun, ich habe mich damals gefragt, wie diese Dämonen wohl aussehen mögen. Sitzen sie auf den Prozessoren? Verstecken sie sich zwischen den Speicherchips? Oder warten sie irgendwo im Rechenzentrum darauf, dass jemand eine Frage stellt?

Und dann fiel mir eine Geschichte aus meiner eigenen Familiengeschichte ein.

Als die Eisenbahn noch unheimlich war

Einer meiner Vorfahren war Franz Behaghel von Flammerdinghe, den ich mit der frühen Entwicklung des Eisenbahnwesens zwischen Prag und Wien verbinde.

Die Geschichte der Eisenbahn ist jedenfalls ein wunderbares Beispiel dafür, wie Menschen auf technische Neuerungen reagieren können.

Heute steigen wir selbstverständlich in einen Zug. Wir kaufen eine Fahrkarte, setzen uns hinein und erwarten, dass uns die Lokomotive zuverlässig an unser Ziel bringt.

Aber als die ersten Eisenbahnen entstanden, war das keineswegs selbstverständlich.

Die gewaltigen Maschinen, der Dampf, der Lärm und die für damalige Verhältnisse ungeheure Geschwindigkeit lösten nicht nur Begeisterung aus. Es gab auch Ängste, Misstrauen und Warnungen.

Was heute alltäglich erscheint, konnte damals geradezu unheimlich wirken.

Und ich denke mir manchmal: Wäre die Zeit der Hexenverfolgungen nicht längst ihrem Ende entgegengegangen, hätten manche besonders aufgeregten Zeitgenossen vielleicht sogar die Eisenbahnbauer am liebsten vor ein Glaubensgericht gestellt.

Das ist natürlich überspitzt formuliert.

Aber genau darum geht es mir.

Was wir nicht verstehen, erklären wir manchmal vorschnell für gefährlich. Und was uns besonders fremd erscheint, wird gelegentlich sogar zum Werk des Teufels erklärt.

Heute sitzt der Teufel angeblich im Computer

Inzwischen sind wir im Jahr 2026 angekommen.

Wir haben Computer, Smartphones, Satelliten, Internet und Künstliche Intelligenz.

Und wieder gibt es Menschen, die vor einer neuen Technologie warnen.

Dagegen ist grundsätzlich nichts einzuwenden. Auch ich halte es für notwendig, neue Entwicklungen kritisch zu prüfen.

Künstliche Intelligenz kann Fehler machen. Sie kann missbraucht werden. Sie kann Menschen täuschen, falsche Informationen verbreiten oder für gefährliche Zwecke eingesetzt werden.

Darüber müssen wir sprechen.

Aber zwischen einer sachlichen Warnung und der Behauptung, in einer Maschine säßen Dämonen, besteht doch ein gewaltiger Unterschied.

Denn wer behauptet, eine Technologie sei dämonisch, sollte auch erklären können, worauf er diese Behauptung stützt.

Und dann beginnen die Dämonen zu predigen

Nun wird die Sache für mich besonders interessant.

Wir verwenden Künstliche Intelligenz nämlich unter anderem dazu, christliche Texte vorzubereiten, Bibelstellen zu besprechen, Musik zu gestalten und Gedanken über Gott und die Nächstenliebe zu verbreiten.

Die KI hilft uns dabei, Formulierungen zu prüfen, Zusammenhänge zu erklären und Fragen aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu betrachten.

Und manchmal entstehen daraus Beiträge, die Menschen zum Nachdenken über ihren Glauben bringen.

Jetzt stelle ich mir eine einfache Frage:

Wenn in dieser KI tatsächlich Dämonen säßen, wie manche behaupten, was würden diese Dämonen wohl davon halten, dass wir mit ihrer Hilfe über Gott, Jesus und das Gebot der Nächstenliebe sprechen?

Würden sie sich darüber freuen?

Würden sie uns freiwillig bei der Vorbereitung einer Predigt helfen?

Oder müssten wir dann nicht annehmen, dass diese angeblichen Dämonen inzwischen selbst angefangen haben zu predigen?

Eine ziemlich merkwürdige Vorstellung.

Natürlich ist das kein theologischer Beweis dafür, dass Künstliche Intelligenz eine Seele besitzt. Ebenso wenig beweist die Verwendung einer Technologie für christliche Zwecke, dass sie grundsätzlich gut ist.

Aber es zeigt, wie wenig hilfreich pauschale Verdächtigungen sind.

Nicht verteufeln, sondern prüfen

Ich bin überzeugt, dass wir als Christen nicht verpflichtet sind, vor jeder neuen Entwicklung davonzulaufen.

Wir sind vielmehr aufgerufen, unseren Verstand zu gebrauchen.

Dabei geht es nicht darum, Künstliche Intelligenz zu vergöttern. Sie ist kein Ersatz für Gott. Und sie nimmt uns auch nicht die Verantwortung für unser eigenes Handeln ab.

Wenn ich eine Predigt veröffentliche, dann trage ich die Verantwortung für ihren Inhalt.

Wenn ich eine Aussage der KI übernehme, dann muss ich sie prüfen.

Und wenn ich einen Fehler entdecke, dann muss ich ihn korrigieren.

Das gilt übrigens auch für Aussagen von Menschen.

Denn nicht alles, was ein Mensch behauptet, ist automatisch wahr. Und nicht alles, was eine Maschine formuliert, ist automatisch falsch.

Deshalb gefällt mir ein Satz aus der Bibel ganz besonders:

„Prüft alles, das Gute behaltet!“ – 1. Thessalonicher 5,21

Dort steht nicht: Prüft nur das, was Euch bereits vertraut ist.

Und dort steht auch nicht: Verwerft alles, was Ihr noch nicht versteht.

Sondern: Prüft alles.

Eine letzte Frage

Vielleicht sollten wir deshalb weniger darüber diskutieren, ob in unseren Computern Dämonen wohnen.

Vielleicht sollten wir uns vielmehr fragen, was wir Menschen mit den Möglichkeiten anfangen, die uns zur Verfügung stehen.

Verwenden wir sie, um andere zu verletzen?

Oder verwenden wir sie, um zu helfen, Wissen weiterzugeben, Menschen zu verbinden und vielleicht sogar jemanden zum Nachdenken über Gott zu bringen?

Denn am Ende entscheidet nicht allein die Technologie darüber, was aus ihr wird.

Entscheidend ist auch, wie wir Menschen mit ihr umgehen.

Und sollte mir eines Tages wieder jemand erklären, dass in meiner KI Dämonen sitzen, werde ich vermutlich erneut schmunzeln.

Denn dann müsste ich wohl antworten:

„Na servas! Dann haben wir es offenbar mit Dämonen zu tun, die inzwischen Bibelstunden halten.“

Und das wäre, zugegeben, eine ziemlich ungewöhnliche Entwicklung.

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Du sollst nicht lügen

Über künstliche Intelligenz, falsche Anschuldigungen und die Verantwortung, bei der Wahrheit zu bleiben.

Liebe Freunde!

Heute habe ich wieder einmal mit ChatGPT über meine Sperre bei gutefrage.net gesprochen. Über die Angriffe, die ich im Zusammenhang mit meinen Musikproduktionen erlebe, und über die Frage, warum sich manche Menschen so sehr darüber aufregen, dass ich künstliche Intelligenz als Werkzeug verwende.

Seit gestern beschäftige ich mich deshalb auch wieder mit einem Verfahren wegen möglicher Verstöße gegen den Digital Services Act (DSA) durch gutefrage.net.

Dabei stellte ich ChatGPT eine interessante Frage:

Gibt es heute überhaupt noch Musikbearbeitungsprogramme, die ohne künstliche Intelligenz arbeiten?

Die Antwort lautete zunächst sinngemäß: Nein, praktisch alle modernen Musikprogramme verwenden inzwischen KI.

Nur war diese Antwort falsch.

Denn selbstverständlich gibt es noch Musikprogramme und Bearbeitungsfunktionen, die ganz ohne künstliche Intelligenz auskommen. Ein gewöhnlicher Equalizer, ein Kompressor oder ein einfacher Audioschnitt benötigen keine KI.

Was allerdings stimmt: Künstliche Intelligenz hat längst in zahlreichen Bereichen der Musikproduktion Einzug gehalten.

Und genau hier beginnt für mich die eigentliche Frage.

Nicht die Technik ist das Problem

Ich komponiere Musik. Ich schreibe Texte. Ich entwickle musikalische Ideen und setze bei der Produktion auch künstliche Intelligenz ein.

Warum sollte ich das verheimlichen?

Wenn mir ein Computerprogramm hilft, eine musikalische Vorstellung umzusetzen, dann sage ich das offen.

Wenn ich einen Videogenerator verwende, um aus einem Musikstück einen kleinen Spielfilm zu machen, dann stehe ich ebenfalls dazu.

Denn ich bin der Meinung, dass die Verwendung eines Werkzeugs noch nichts über den moralischen Wert eines Menschen aussagt.

Man kann KI sinnvoll einsetzen. Man kann sie missbrauchen. Und man kann sich auch bewusst dafür entscheiden, ohne sie zu arbeiten.

Aber keines dieser Dinge rechtfertigt es, einen anderen Menschen durch unwahre Behauptungen herabzusetzen.

Was sagt uns die Bibel?

In 2. Mose 23,7 lesen wir:

„Halte dich ferne von einer Sache, bei der Lüge im Spiel ist.“

Ein bemerkenswerter Satz.

Denn Gott fordert uns nicht nur auf, selbst keine Lügen zu erzählen.

Er fordert uns dazu auf, uns von der Unwahrheit fernzuhalten.

Warum?

Weil eine Lüge nicht nur denjenigen betrifft, der sie ausspricht.

Sie kann einen anderen Menschen beschädigen. Seinen Ruf zerstören. Ihm Möglichkeiten nehmen. Andere gegen ihn aufbringen.

Und manchmal genügt schon eine falsche Anschuldigung, die oft genug wiederholt wird.

Irrtum oder Lüge?

Allerdings müssen wir hier etwas unterscheiden.

Nicht jeder Mensch, der etwas Falsches sagt, lügt.

Auch ChatGPT hat mir eine falsche Antwort gegeben. Aber eine falsche Antwort ist noch keine bewusste Täuschung.

Ein Irrtum wird dann besonders problematisch, wenn wir trotz besserer Erkenntnis daran festhalten.

Wenn wir wissen, dass eine Behauptung falsch ist, und sie trotzdem weiterverbreiten, verlassen wir den Boden der Wahrhaftigkeit.

Und deshalb müssen wir auch bereit sein, unsere eigenen Fehler zuzugeben.

Wer die Wahrheit von anderen verlangt, muss sie auch gegen sich selbst gelten lassen.

Die Sache mit den Anschuldigungen

Wenn jemand meine Musik nicht mag, dann ist das sein gutes Recht.

Wenn jemand generative KI in der Kunst ablehnt, darf er das ebenfalls sagen.

Wir müssen schließlich nicht alle derselben Meinung sein.

Aber zwischen Kritik und persönlicher Herabsetzung liegt ein gewaltiger Unterschied.

Man kann über Kunst streiten, ohne den Künstler zu beleidigen.

Man kann technische Entwicklungen hinterfragen, ohne anderen Menschen unlautere Absichten zu unterstellen.

Und man kann über den Einsatz künstlicher Intelligenz diskutieren, ohne dabei die Wahrheit zu verbiegen.

Gerade das wünsche ich mir von den Diskussionen unserer Zeit.

Was würde Jesus dazu sagen?

Jesus fordert uns in Matthäus 5,37 auf:

„Eure Rede aber sei: Ja, ja; nein, nein.“

Eine einfache Aufforderung.

Sagt, was Ihr meint.

Steht zu dem, was Ihr tut.

Und versucht nicht, durch Verdrehungen und Halbwahrheiten einen Vorteil gegenüber anderen zu gewinnen.

Für mich bedeutet das auch, dass ich mich nicht dafür schämen muss, künstliche Intelligenz zu verwenden.

Ich muss aber ehrlich darüber sein, wie meine Werke entstehen.

Und ich muss bereit bleiben, meine Aussagen zu korrigieren, wenn sie sich als falsch herausstellen.

Wahrheit braucht keinen Hass

Ob meine Sperre bei gutefrage.net rechtmäßig war, wird sich im entsprechenden Verfahren zeigen müssen.

Ich kann meine Sicht darlegen. Die Plattform kann ihre Sicht darlegen. Und dann muss geprüft werden, was tatsächlich geschehen ist.

Aber unabhängig vom Ausgang dieses Verfahrens bleibt für mich eine Erkenntnis:

Ich möchte meine Zeit lieber dafür verwenden, Musik zu schreiben, Filme zu gestalten, Menschen zu helfen und das Evangelium zu verkündigen, als mich in gegenseitigen Anschuldigungen zu verlieren.

Denn Jesus hat uns nicht dazu aufgerufen, unsere Mitmenschen zu bekämpfen.

Er hat uns aufgerufen, die Wahrheit zu leben.

Und dazu gehört auch die Nächstenliebe.

Mein Gedanke für heute

Liebe Freunde!

Wir leben in einer Zeit, in der künstliche Intelligenz immer mehr Aufgaben übernehmen kann.

Aber eines kann uns keine Technik abnehmen:

Die Verantwortung für unsere Worte.

Nicht jede falsche Aussage ist eine Lüge.

Nicht jede Kritik ist ein Angriff.

Und nicht jeder Mensch, der anders arbeitet als wir, ist deshalb unehrlich.

Darum sollten wir unsere Mitmenschen nicht vorschnell verurteilen, sondern zuerst prüfen, was wahr ist.

Wie heißt es doch in 1. Thessalonicher 5,21?

„Prüft alles, das Gute behaltet!“

Das gilt für Musik, für künstliche Intelligenz, für öffentliche Anschuldigungen und nicht zuletzt für unsere eigenen Worte.

Denn wer Gott dienen möchte, sollte sich nicht nur zur Wahrheit bekennen.

Er sollte auch bereit sein, nach ihr zu handeln.

Amen.

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Wenn Kennzeichnung zur Ausgrenzung wird – Müssen sich KI-Anwender rechtfertigen?

Von der Geschichte religiöser Verfolgung bis zur heutigen Debatte über künstliche Intelligenz: Warum wir bei gesellschaftlichen Kennzeichnungen genau hinsehen sollten.

Eigentlich müsste man meinen, dass die Menschheit aus ihrer Geschichte gelernt hätte.

Doch immer wieder begegnen uns Forderungen, Menschen oder ihre Werke anhand bestimmter Merkmale besonders kenntlich zu machen.

Heute geht es um künstliche Intelligenz.

Wer mit KI arbeitet, soll bestimmte Ergebnisse entsprechend kennzeichnen. Damit entsteht eine Frage, die mich persönlich beschäftigt: Wird diese Kennzeichnung lediglich der Information dienen, oder entwickelt sich daraus irgendwann eine gesellschaftliche Unterscheidung zwischen angeblich „echter“ und „unechter“ Arbeit?

Warum mich Kennzeichnungspflichten hellhörig machen

Man muss nicht jedes gesellschaftliche Problem mit Deutschlands dunkelsten Jahren vergleichen.

Ausgrenzung und Verfolgung gab es bereits Jahrhunderte zuvor.

Meine eigene Familiengeschichte ist dafür ein Grund, weshalb ich bei solchen Entwicklungen besonders aufmerksam werde.

Unsere Familie führt ihre Wurzeln auf die Hugenotten zurück.

Nach unserer Familienüberlieferung mussten Vorfahren bereits 1562 aus Ypern fliehen und fanden schließlich in Frankenthal Zuflucht.

Später erlebten Angehörige unserer Familie im Umfeld der Saalhof-Pietisten erneut religiöse Konflikte und Unsicherheit.

Die Hoffnung auf ein freieres Leben führte schließlich zu Plänen einer Auswanderung nach Amerika.

Nach unserer Familienüberlieferung wurde dafür Besitz verkauft und Land in Pennsylvania, im Umfeld von Germantown, erworben. Auch von späteren Eigentumsverlusten wird berichtet.

Die genauen historischen Umstände dieser Ereignisse verdienen eine eigene Untersuchung.

Was mich daran aber besonders beschäftigt, ist die Erfahrung, dass Menschen aufgrund ihrer Überzeugungen gesellschaftlich ausgegrenzt werden können.

Geschichte wiederholt sich nicht einfach

Selbstverständlich ist eine Kennzeichnung KI-generierter Bilder nicht mit der Verfolgung religiöser Minderheiten gleichzusetzen.

Und erst recht darf man die Verbrechen ab 1933 nicht mit einer heutigen Transparenzvorschrift auf eine Stufe stellen.

Aber Geschichte kann uns dafür sensibilisieren, wie gesellschaftliche Vorurteile entstehen.

Häufig beginnt Ausgrenzung damit, dass Menschen in Kategorien eingeteilt werden.

Die einen gehören dazu. Die anderen gelten als anders.

Und irgendwann wird aus einer Unterscheidung möglicherweise eine Abwertung.

Zwei Klassen von Kreativen?

Genau diese Gefahr sehe ich in der gesellschaftlichen Diskussion über künstliche Intelligenz.

Da gibt es plötzlich jene, die angeblich „sauber“ und vollständig ohne KI arbeiten.

Und daneben jene, deren Arbeiten mit einem Hinweis auf künstliche Intelligenz versehen werden.

Dabei sagt eine solche Kennzeichnung zunächst überhaupt nichts darüber aus, ob ein Werk gut oder schlecht ist.

Ein schlechter Text wird nicht dadurch besser, dass ihn ausschließlich ein Mensch geschrieben hat.

Und eine gute Komposition wird nicht dadurch wertlos, dass bei ihrer Produktion künstliche Intelligenz mitgewirkt hat.

Warum sollte also die verwendete Technik zum Maßstab für die gesellschaftliche Anerkennung werden?

Transparenz oder Stigmatisierung?

Natürlich kann es sinnvoll sein, kenntlich zu machen, wenn ein täuschend echtes Bild oder Video künstlich erzeugt wurde.

Niemand soll eine erfundene Szene für ein tatsächliches Ereignis halten müssen.

Auch der europäische AI Act verfolgt mit seinen Transparenzregeln das Ziel, Täuschung und Manipulation zu verhindern.

Die gesetzlichen Pflichten gelten allerdings nicht pauschal für jede kleine Unterstützung durch KI, sondern unterscheiden zwischen verschiedenen Anwendungen und Inhalten.

Meine Kritik richtet sich deshalb nicht gegen jede Form der Transparenz.

Sie richtet sich gegen eine gesellschaftliche Haltung, die aus dem Hinweis „mit KI erstellt“ ein negatives Qualitätsurteil macht.

Denn dann entsteht tatsächlich die Gefahr einer Zweiklassengesellschaft unter den Kreativen.

Der Mensch bleibt verantwortlich

Bei Radio Roshen, unseren Musikproduktionen und unserer publizistischen Arbeit verwenden wir künstliche Intelligenz ganz selbstverständlich.

Wir verheimlichen das nicht.

Wir entwickeln Ideen, treffen Entscheidungen, prüfen Ergebnisse und tragen die Verantwortung für unsere Veröffentlichungen.

Die KI ist dabei ein Werkzeug.

Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Und ich sehe keinen Grund, mich dafür zu entschuldigen.

Eine Warnung aus der Geschichte

Meine Familiengeschichte hat mich gelehrt, bei gesellschaftlichen Unterscheidungen aufmerksam zu bleiben.

Nicht jede Kennzeichnung ist Diskriminierung.

Aber jede Kennzeichnung sollte daraufhin geprüft werden, welchem Zweck sie dient und welche Folgen sie für die betroffenen Menschen haben kann.

Transparenz darf nicht zur Stigmatisierung werden.

Und deshalb möchte ich eine Frage stellen:

Wollen wir wirklich eine Gesellschaft, in der nicht mehr die Qualität einer Arbeit zählt, sondern zuerst gefragt wird, ob bei ihrer Entstehung künstliche Intelligenz beteiligt war?

Hans-Georg Peitl
KI heute / Radio Roshen

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Im Anfang war das Wort – Der Johannesprolog und die zweite Schöpfung

Eine Predigt über Johannes 1,1–18, Genesis 1 und die Neuschöpfung des Menschen

Bibelwort: „Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort.“ (Johannes 1,1; Luther 1912)

Liebe Schwestern und Brüder im Herrn!

Wenn wir die Bibel aufschlagen, finden wir gleich zu Beginn einen bemerkenswerten Satz:

„Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde.“ (Genesis 1,1)

Und wenn wir das Johannesevangelium aufschlagen, begegnet uns eine erstaunlich ähnliche Formulierung:

„Im Anfang war das Wort.“

Ist das Zufall? Wohl kaum.

Johannes verwendet hier dieselbe Anfangsformel, die uns bereits aus dem ersten Buch Mose bekannt ist. Doch während Mose die Erschaffung der Welt beschreibt, führt uns Johannes in das Geheimnis Jesu Christi und der Neuschöpfung hinein.

Könnte es sein, dass Johannes uns nicht einfach noch einmal die erste Schöpfung erklären möchte, sondern die zweite Schöpfung verkündet?

1. Die erste Schöpfung – Gott spricht, und es geschieht

Im ersten Buch Mose begegnen wir einem Gott, der durch sein Wort erschafft.

„Und Gott sprach: Es werde Licht! Und es ward Licht.“ (Genesis 1,3)

Gott spricht, und aus der Finsternis entsteht Licht. Aus dem Chaos entsteht Ordnung. Aus dem Unbelebten entsteht Leben.

Der Mensch wird schließlich nach dem Bilde Gottes geschaffen.

Doch diese erste Schöpfung bleibt nicht unversehrt. Die Sünde kommt in die Welt. Der Mensch entfernt sich von Gott. Die Gemeinschaft zwischen Schöpfer und Geschöpf wird gestört.

Und damit entsteht eine Frage, die sich durch die gesamte Heilige Schrift zieht:

Wie kann der Mensch wieder zu jener Gemeinschaft mit Gott zurückfinden, für die er ursprünglich geschaffen wurde?

2. Johannes beginnt eine neue Schöpfungsgeschichte

Johannes schreibt:

„In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen.“ (Johannes 1,4)

Wieder begegnen uns die Begriffe Leben und Licht.

Es sind dieselben großen Themen, die bereits im Schöpfungsbericht eine entscheidende Rolle spielen.

Doch nun geht es nicht mehr allein um das Licht, das die sichtbare Welt erhellt.

Es geht um jenes Licht, das den Menschen innerlich verwandelt.

Johannes schreibt:

„Und das Licht scheint in der Finsternis, und die Finsternis hat’s nicht begriffen.“ (Johannes 1,5)

Hier erkennen wir den entscheidenden Unterschied.

In Genesis wird die Welt geschaffen. Im Johannesevangelium wird eine gefallene Welt mit dem Licht Gottes konfrontiert.

Die erste Schöpfung bringt den Menschen ins Dasein. Die zweite Schöpfung eröffnet ihm ein neues Leben mit Gott.

3. Das Wort wird Fleisch

Der Höhepunkt des Johannesprologs steht in Vers 14:

„Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns.“

Das ist eine gewaltige Aussage.

Gott bleibt nicht fern von seiner Schöpfung. Er begegnet ihr in Jesus Christus.

Während Gott im ersten Schöpfungsbericht durch sein Wort die Welt ins Dasein ruft, begegnet uns dieses Wort nun in menschlicher Gestalt.

Jesus Christus ist damit nicht einfach ein weiterer Prophet, der von Gott berichtet.

In ihm offenbart sich Gottes schöpferisches Handeln auf eine neue Weise.

Und genau hier liegt der Schlüssel zum Verständnis der zweiten Schöpfung.

Gott erschafft nicht noch einmal einen zweiten Adam aus dem Staub der Erde.

Er eröffnet durch Jesus Christus einen neuen Weg, auf dem der Mensch zu Gott zurückfinden kann.

4. Aus Geschöpfen werden Kinder Gottes

Besonders deutlich wird diese neue Schöpfung in Johannes 1,12–13:

„Wie viele ihn aber aufnahmen, denen gab er Macht, Gottes Kinder zu werden, die an seinen Namen glauben; welche nicht von dem Geblüt noch von dem Willen des Fleisches noch von dem Willen eines Mannes, sondern von Gott geboren sind.“

Liebe Freunde!

Hier spricht Johannes ausdrücklich von einer neuen Geburt.

Der Mensch wird nicht noch einmal körperlich geboren. Er wird von Gott geboren.

Was bedeutet das?

In der ersten Schöpfung wird der Mensch zum Geschöpf Gottes.

In der Neuschöpfung wird er durch den Glauben zum Kind Gottes.

Es ist also nicht einfach eine Wiederholung dessen, was bereits geschehen ist.

Es ist eine neue Beziehung zwischen Gott und Mensch.

Und diese neue Beziehung wird nicht durch Abstammung, Nationalität, gesellschaftliche Stellung oder menschliche Leistung begründet.

Sie entsteht durch Gottes Gnade.

5. Paulus bestätigt die Neuschöpfung

Dass diese Auslegung nicht auf Johannes allein beschränkt bleibt, erkennen wir beim Apostel Paulus.

Er schreibt:

„Darum, ist jemand in Christo, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, es ist alles neu geworden!“ (2. Korinther 5,17)

Hier wird ausdrücklich von einer neuen Schöpfung gesprochen.

Und im ersten Korintherbrief stellt Paulus Adam und Christus einander gegenüber.

„Der erste Mensch, Adam, ward zu einer lebendigen Seele, und der letzte Adam zum Geist, der da lebendig macht.“ (1. Korinther 15,45)

Der erste Adam steht für den Beginn des menschlichen Lebens.

Christus, der letzte Adam, steht für das neue Leben, das Gott schenkt.

Damit ergänzen sich die Aussagen des Johannes und des Paulus.

Johannes verkündet das schöpferische Wort, das in Christus Fleisch wird.

Paulus erklärt, dass durch Christus eine neue Schöpfung beginnt.

6. Die zweite Schöpfung beginnt bereits heute

Mancher wird nun einwenden:

Aber spricht die Bibel nicht auch von einem neuen Himmel und einer neuen Erde?

Selbstverständlich!

In Offenbarung 21,1 lesen wir:

„Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde.“

Doch die Neuschöpfung beginnt nicht erst am Ende der Zeiten.

Sie beginnt bereits dort, wo ein Mensch Christus aufnimmt und durch ihn ein neues Leben empfängt.

Das Reich Gottes hat damit eine gegenwärtige und eine zukünftige Dimension.

Heute beginnt die Erneuerung des Menschen.

Am Ende steht die Vollendung der gesamten Schöpfung.

Was Johannes im Prolog ankündigt, findet in der Offenbarung seinen großen Abschluss.

7. Was bedeutet das für uns?

Liebe Schwestern und Brüder!

Wenn wir den Johannesprolog nur als Erklärung der ersten Schöpfung lesen, übersehen wir möglicherweise einen wesentlichen Teil seiner Botschaft.

Johannes will uns nicht lediglich sagen, dass das Wort schon am Anfang bei Gott war.

Er will uns auch zeigen, was geschieht, wenn dieses Wort in unsere Welt kommt.

Menschen empfangen Licht.

Menschen finden zum Leben.

Menschen werden Kinder Gottes.

Und damit beginnt etwas Neues.

Ein Mensch, der gestern noch ohne Hoffnung war, kann heute Hoffnung finden.

Ein Mensch, der sich von Gott entfernt hatte, kann zu ihm zurückkehren.

Ein Mensch, der von seiner Vergangenheit gefangen gehalten wurde, kann in Christus einen neuen Anfang finden.

Das ist die Botschaft der Neuschöpfung.

Nicht die Vernichtung des Menschen.

Nicht seine Ersetzung.

Sondern seine Erneuerung.

8. Im Anfang war das Wort – und am Ende wird alles neu

Die Bibel beginnt mit einer Schöpfung.

Und sie endet mit einer neuen Schöpfung.

Dazwischen steht Jesus Christus.

Der Johannesprolog bildet dabei eine wunderbare Brücke zwischen Genesis und Offenbarung.

In Genesis spricht Gott: Es werde Licht!

Bei Johannes erscheint Christus als das Licht der Menschen.

Und in Offenbarung 21,5 spricht Gott:

„Siehe, ich mache alles neu!“

So erkennen wir eine große Linie durch die Heilige Schrift.

Gott erschafft.

Gott erlöst.

Gott erneuert.

Der Johannesprolog ist deshalb nicht nur ein Zeugnis vom ewigen Wort Gottes. Er ist zugleich eine Botschaft vom Beginn der neuen Schöpfung.

Und diese neue Schöpfung beginnt nicht irgendwo in unerreichbarer Ferne.

Sie beginnt im Leben jener Menschen, die Christus aufnehmen.

Darum, liebe Freunde, lautet die entscheidende Frage nicht nur:

Wie hat Gott einst die Welt erschaffen?

Sondern:

Sind wir selbst bereits Teil jener neuen Schöpfung geworden, die Gott durch Jesus Christus begonnen hat?

Amen.


Jachwe – Christliche Gedanken zur Heiligen Schrift

Weiterführende Bibelstellen: Genesis 1,1–5; Johannes 1,1–18; Johannes 3,3–8; 1. Korinther 15,45–49; 2. Korinther 5,17; Galater 6,15; Offenbarung 21,1–5.

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Ist es unbiblisch, Bundespräsident werden zu wollen?

Von Hans-Georg Peitl

Liebe Freunde!

Da war er wieder. Dieser alte Vorwurf.

„Du willst zum österreichischen Bundespräsidenten kandidieren? Das ist doch nicht biblisch!“

Ach ja?

Dann schauen wir uns doch einmal an, was eigentlich biblisch ist.

Denn eines möchte ich gleich vorwegnehmen: Ich halte überhaupt nichts davon, wenn Christen ihren Glauben als Begründung dafür verwenden, sich aus der Verantwortung für diese Welt zurückzuziehen.

Und genau da beginnt für mich das Problem mit der Vorstellung, ein Christ müsse sich grundsätzlich aus der Politik heraushalten.

Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes

In Matthäus 6,33 lesen wir:

„Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch das alles zufallen.“

Ein wunderbarer Satz.

Aber was bedeutet er?

Dass ich mich irgendwo hinsetze, die Hände falte und darauf warte, dass das Reich Gottes eines Tages vom Himmel fällt?

Oder dass ich tatsächlich danach trachte?

Also danach strebe, mich dafür einsetze, etwas dafür unternehme?

Ich persönlich verstehe darunter einen Auftrag.

Und zwar einen Auftrag, der nicht erst nach meinem Tod beginnt.

Denn ich lebe heute. Hier auf dieser Erde. Unter Menschen, die Sorgen haben, die arbeiten müssen, die krank werden, die ihre Wohnungen verlieren und die sich manchmal nicht einmal mehr das tägliche Leben leisten können.

Warum sollte ausgerechnet diese Welt von meinem Bemühen um Gottes Gerechtigkeit ausgenommen sein?

Natürlich ist das Reich Gottes mehr als ein politisches System. Es lässt sich weder durch eine Wahl gewinnen noch durch einen Parlamentsbeschluss herstellen.

Aber daraus folgt doch nicht, dass mir die Lebensbedingungen meiner Mitmenschen gleichgültig sein sollen.

Was ist mit der politischen Neutralität?

Die Zeugen Jehovas vertreten bekanntlich die Auffassung, dass Christen politisch neutral bleiben sollten.

Sie berufen sich dabei unter anderem auf Johannes 18,36:

„Mein Reich ist nicht von dieser Welt.“

Nun, darüber können wir gerne diskutieren.

Denn Jesus sagt damit zunächst, dass sein Königtum nicht aus den Machtverhältnissen dieser Welt stammt.

Aber sagt er auch, dass ein Christ deshalb niemals politische Verantwortung übernehmen darf?

Ich kann das aus diesem Satz nicht herauslesen.

Gerade innerhalb der Bibelforschertradition gibt es unterschiedliche Vorstellungen darüber, wie sich das Reich Gottes zur gegenwärtigen Welt verhält.

Und auch wir bei Living Hands beschäftigen uns mit diesen Fragen.

Für mich ist entscheidend, dass Glaube nicht nur aus dem Warten auf eine bessere Zukunft bestehen darf.

Er muss sich auch in der Gegenwart bewähren.

An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen

In Matthäus 7,16 sagt Jesus:

„An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen.“

Ein Satz, der mich seit vielen Jahren begleitet.

Denn ich frage mich: Wo sollen diese Früchte eigentlich herkommen, wenn ich gar nicht bereit bin, etwas zu tun?

Wenn ich mich aus allen gesellschaftlichen Fragen heraushalte?

Wenn ich sehe, dass Menschen in Armut leben, und erkläre, die Politik gehe mich als Christen nichts an?

Natürlich kann ein Christ auch außerhalb der Politik unendlich viel Gutes bewirken.

Durch persönliche Hilfe, durch Seelsorge, durch soziale Arbeit, durch Musik und durch die Verkündigung.

Aber warum sollte ausgerechnet die politische Arbeit davon ausgeschlossen sein?

Die Politik entscheidet über Gesetze, soziale Leistungen, Arbeitsbedingungen, Gesundheitsversorgung und die Möglichkeiten, wie Menschen miteinander leben.

Wenn ich mich für Gerechtigkeit einsetzen möchte, kann ich doch nicht so tun, als hätte das alles mit meinem Glauben nichts zu tun.

Radio Roshen, Trio H.A.S. und Gemini 2000

Eigentlich erlebe ich diese Frage jeden Tag bei meiner eigenen Arbeit.

Mit Radio Roshen betreiben wir ein christlich geprägtes Internetradio, das rund um die Uhr sendet.

Mit dem Trio H.A.S. entstehen Lieder, in denen Glaube, Hoffnung, Liebe und das menschliche Leben ihren Platz finden.

Und mit Gemini 2000 gehen wir musikalisch auch ungewöhnliche Wege, experimentieren mit neuen technischen Möglichkeiten und versuchen, Menschen zu erreichen, die vielleicht mit einer klassischen Predigt gar nichts anfangen könnten.

Was haben diese Projekte gemeinsam?

Sie sind Versuche, etwas zu bewirken.

Nicht nur über den Glauben zu reden, sondern ihn in unterschiedlichen Formen hörbar und erlebbar zu machen.

Dabei muss nicht jedes Lied ausdrücklich von Jesus handeln, um einen Menschen zum Nachdenken zu bringen.

Manchmal genügt ein Text über Einsamkeit, über Frieden oder über die Hoffnung, dass morgen etwas besser werden könnte.

Und wenn ich mit Radio Roshen Menschen erreiche, die sonst vielleicht niemanden haben, der ihnen zuhört, dann sehe ich auch darin einen Teil meines christlichen Auftrags.

Warum sollte dieser Auftrag plötzlich enden, sobald ich mich mit Politik beschäftige?

Ist Politik etwas anderes als Nächstenliebe?

Nehmen wir mein Projekt Arbeitswelt.

Darin beschäftige ich mich mit der Frage, wie wir Menschen ihre Existenzangst nehmen könnten.

Wie wir Arbeit so gestalten könnten, dass sie nicht mehr ausschließlich dem Überleben dient.

Wie wir verhindern könnten, dass jemand, der keine Arbeit findet, deshalb automatisch in Armut gerät.

Ob mein Wirtschaftsmodell tatsächlich funktioniert, müssen wir noch sorgfältig berechnen.

Aber die Frage, die dahintersteht, ist doch eine zutiefst menschliche:

Wie können wir eine Gesellschaft schaffen, in der niemand um seine Existenz fürchten muss?

Ist das etwa unchristlich?

Ist es unbiblisch, wenn ich mich darum bemühe, dass Menschen ein Dach über dem Kopf haben?

Dass sie genug zu essen haben?

Dass Kranke versorgt werden?

Dass ältere Menschen in Würde leben können?

In Matthäus 25 spricht Jesus ausdrücklich davon, Hungrigen zu essen, Durstigen zu trinken und Fremden Aufnahme zu geben.

Ich kann darin jedenfalls keinen Auftrag erkennen, gesellschaftliche Verantwortung grundsätzlich abzulehnen.

Trennung von Kirche und Staat

Nun werden manche einwenden, dass Kirche und Staat getrennt bleiben müssen.

Hier möchte ich etwas unterscheiden.

Ich fordere keinen Staat, der den Menschen einen bestimmten Glauben vorschreibt.

Ich möchte auch keinen Bundespräsidenten, der entscheidet, welcher Bürger richtig glaubt und welcher nicht.

Religionsfreiheit gehört für mich selbstverständlich dazu.

Aber ich halte nichts von der Vorstellung, dass ein Christ seine Überzeugungen an der Tür zum Parlament abgeben müsste.

Ein gläubiger Mensch darf sich ebenso politisch engagieren wie ein Atheist.

Und wenn christliche Werte wie Nächstenliebe, Gerechtigkeit, Barmherzigkeit und Verantwortung meine politischen Vorstellungen beeinflussen, dann sehe ich darin keinen Widerspruch zur Demokratie.

Entscheidend ist, dass die staatlichen Regeln für alle Menschen gelten, unabhängig von ihrem Glauben.

Ein religiös neutraler Staat muss nicht aus religiös neutralen Menschen bestehen.

Und deshalb Bundespräsident?

Nun, liebe Freunde, ob ich tatsächlich einmal österreichischer Bundespräsident werde, steht auf einem ganz anderen Blatt.

Ich selbst betrachte diese Möglichkeit mit einer gehörigen Portion Humor.

Aber darum geht es mir eigentlich gar nicht.

Es geht mir um die Frage, ob ich als Christ versuchen darf, politische Entwicklungen mitzugestalten.

Und meine Antwort lautet:

Ja.

Nicht weil ich glaube, das Reich Gottes durch eine Präsidentschaft errichten zu können.

Nicht weil ein Bundespräsident ein geistliches Amt hätte.

Sondern weil ich glaube, dass christliche Verantwortung nicht an der Grenze zwischen Kirche und Staat aufhört.

Wenn ich durch eine Predigt etwas bewirken kann, dann predige ich.

Wenn ich durch ein Lied etwas bewirken kann, dann komponiere ich.

Wenn ich durch Radio Roshen Menschen erreichen kann, dann sende ich.

Und wenn ich durch politische Arbeit dazu beitragen kann, dass Menschen gerechter behandelt werden, dann sehe ich keinen Grund, warum ich es nicht versuchen sollte.

Glaube ohne Werke?

Jakobus 2,17 sagt:

„So ist auch der Glaube, wenn er nicht Werke hat, tot in sich selber.“

Natürlich bedeutet das nicht, dass jeder Christ Politiker werden muss.

Der eine hilft einem Nachbarn. Der andere besucht Kranke. Wieder ein anderer unterrichtet Kinder, schreibt Bücher oder setzt sich für Menschen ohne Wohnung ein.

Es gibt viele Wege, Verantwortung zu übernehmen.

Aber ich möchte mir nicht einreden lassen, dass ausgerechnet mein Versuch, gesellschaftliche Verhältnisse zu verbessern, dem christlichen Glauben widersprechen soll.

Für mich gehört das zusammen.

Der Glaube gibt mir die Richtung.

Die Nächstenliebe gibt mir den Auftrag.

Und meine Fähigkeiten bestimmen mit, auf welchem Weg ich versuche, diesen Auftrag zu erfüllen.

Ob als Pastor, Musiker, Radiobetreiber, Autor oder vielleicht eines Tages als Bundespräsident.

Denn am Ende wird man mich nicht daran messen müssen, welche Titel ich getragen habe.

Sondern daran, welche Früchte meine Arbeit hervorgebracht hat.

Und deshalb bleibe ich bei Matthäus 6,33:

„Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit.“

Nicht irgendwann.

Nicht irgendwo.

Sondern hier und heute.

Hans-Georg Peitl

Ritter der schrägen Töne

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