Liebe Freunde,
es ist so eine Stelle, bei der ich mich frage, ob hier nicht Täter-Opfer-Umkehr betrieben wird. Die Juden kommen zu Felix, um Paulus anzuklagen. Doch ich frage mich: Haben die Urchristen jemals eine solche Anklage gegen die Juden erhoben?
Lesung: Apostelgeschichte 24,1–9
1 Nach fünf Tagen kam der Hohepriester Hananias mit einigen Ältesten und dem Anwalt Tertullus herab; die erschienen vor dem Statthalter gegen Paulus. 2 Als der aber herbeigerufen worden war, fing Tertullus an, ihn anzuklagen, und sprach: Dass wir in großem Frieden leben unter dir und dass sich für dieses Volk vieles gebessert hat durch deine Fürsorge, 3 das erkennen wir allezeit und allenthalben mit aller Dankbarkeit an, hochgeehrter Felix. 4 Damit ich dich aber nicht zu lange aufhalte, bitte ich dich, du wollest uns kurz anhören in deiner Güte. 5 Wir haben erkannt, dass dieser Mann schädlich ist und dass er Aufruhr erregt unter allen Juden auf dem ganzen Erdkreis und dass er ein Anführer der Sekte der Nazoräer[1] ist. 6-7 Er hat auch versucht, den Tempel zu entweihen. Ihn haben wir ergriffen.[2] 8 Wenn du ihn verhörst, kannst du selbst das alles von ihm erkunden, wessen wir ihn verklagen. 9 Auch die Juden bekräftigten das und sagten, es verhielte sich so.
Wenn ich diesen Bericht lese, sehe ich keinen Aufruhr, den Paulus verursacht hätte. Vielmehr sehe ich, dass die Anklage selbst ein Aufruhr ist. Eine Gruppe hetzt gegen eine andere. Die Gruppe um Hananias mobilisiert die Juden, um die Urchristen zu verfolgen.
Und so ist es bis heute geblieben. Immer wieder erleben wir Pietisten eine elegante Form der Täter-Opfer-Umkehr. Man hält uns vor, wir würden gegen Juden predigen, oder gegen Muslime, oder gegen andere Gruppen. Doch nichts davon stimmt. Es ist ein Vorwand, um uns selbst angreifen zu können – unter dem Deckmantel, jemand anderen schützen zu wollen.
Doch die Wahrheit bleibt bestehen. So wie Paulus nicht durch falsche Anklagen gebrochen wurde, so lassen auch wir uns nicht brechen. Wir vertrauen darauf: Gott steht zu seiner Gemeinde.
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