War Jesus eigentlich obdachlos?

von Hans-Georg Peitl

Die Antwort hängt zunächst davon ab, was wir unter „obdachlos“ verstehen.

Wenn wir darunter die heutige Situation eines Menschen verstehen, der auf der Straße lebt, keinerlei Unterkunft besitzt und auf Notschlafstellen angewiesen ist, dann können wir Matthäus 8,20 nicht einfach als Beweis dafür verwenden, dass Jesus genau in dieser Situation lebte.

Die Evangelien berichten immer wieder davon, dass Jesus in Häusern aufgenommen wurde. Menschen gewährten ihm Gastfreundschaft. Er hatte Freunde und Unterstützer.

Aber ein eigenes, dauerhaftes Zuhause, in das Jesus während seines öffentlichen Wirkens jeden Abend zurückkehrte?

Genau das zeigen uns die Evangelien nicht.

Jesus zog umher.

Er predigte.

Er besuchte Städte und Dörfer.

Er wurde aufgenommen.

Und er machte seinen Jüngern deutlich, dass die Nachfolge keine Garantie auf die Sicherheit eines eigenen Zuhauses bedeutete.

Damit erscheint der Satz von den Füchsen und Vögeln plötzlich in einem anderen Licht.

Vielleicht sagt Jesus hier weniger:

„Ich bin mittellos.“

Sondern vielmehr:

„Ich bin nicht sesshaft.“

Das ist ein wichtiger Unterschied.

Denn Wohnungslosigkeit muss nicht zwangsläufig bedeuten, dass ein Mensch überhaupt kein Geld besitzt. Und umgekehrt bedeutet ein Dach über dem Kopf noch lange nicht, dass ein Mensch ein eigenes Zuhause besitzt.

Auch bei Jesus wäre deshalb die Frage nach seinem Kapital wahrscheinlich die falsche Frage.

Seine Lebensweise hatte mit seinem Auftrag zu tun.

Er sollte gehen.

Menschen begegnen.

Predigen.

Heilen.

Weiterziehen.

Der Menschensohn hatte keinen festen Ort, an dem er sein Haupt hinlegte, weil sein Weg selbst Teil seiner Sendung war.

Und ausgerechnet dieser nicht sesshafte Prediger erzählt uns vom Haus auf dem Felsen.

Vielleicht liegt darin sogar eine tiefere Pointe.

Jesus sagt uns nicht:

„Besitzt ein Haus.“

Er sagt:

„Sorgt dafür, dass das, worauf ihr euer Leben baut, trägt.“

Man kann ein wunderschönes Haus besitzen und sein Leben auf Sand bauen.

Und man kann keinen eigenen Schlüssel in der Tasche haben und trotzdem auf einem Fundament stehen, das kein Sturm fortreißt.

Vielleicht ist deshalb die entscheidende Frage am Ende gar nicht:

Hatte Jesus ein Haus?

Sondern:

Worauf hat Jesus sein Leben gebaut – und worauf bauen wir unseres?

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Blutbrüderschaft – Wenn ein Versprechen mehr als Worte braucht

Das Blut des Bundes – Wenn Treue etwas kostet

„Ich wünsche mir einen Blutschwur.“

Was zunächst vielleicht nach Karl May, Winnetou und Old Shatterhand klingt, führt uns zu einer wesentlich älteren Frage:

Warum verbinden Menschen Blut mit Treue, Bund und einem Versprechen?

Wer die Bibel aufschlägt, begegnet dem Blut immer wieder. Dabei ist Blut in der Bibel nicht einfach irgendeine Flüssigkeit.

Es steht für Leben.

In 3. Mose 17,11 heißt es:

„Denn des Leibes Leben ist im Blut.“

Damit bekommt das Blut eine Bedeutung, die weit über ein äußeres Zeichen hinausgeht.

Abraham und die äußerste Probe

Eine der erschütterndsten Geschichten des Alten Testaments finden wir bei Abraham.

Abraham musste lange auf seinen Sohn Isaak warten. Gerade dieser Sohn war Träger einer großen Verheißung Gottes.

Und ausgerechnet ihn soll Abraham opfern.

Was macht Abraham?

Er geht.

Er vertraut.

Er gehorcht.

Er ist sogar bereit, seinen eigenen Sohn hinzugeben.

Doch Gott verhindert das Opfer. Isaak muss nicht sterben. Stattdessen wird ein Widder geopfert.

Es handelt sich dabei nicht um einen Blutschwur. Die Geschichte zeigt aber mit ungeheurer Härte, wie weit die Frage nach Vertrauen und Gehorsam gehen kann.

Das Blut des Bundes

Noch deutlicher wird die Bedeutung des Blutes beim Bundesschluss am Sinai.

In 2. Mose 24,8 nimmt Mose das Blut und sagt:

„Siehe, das ist das Blut des Bundes.“

Hier begegnen sich Blut und Bund ausdrücklich.

Ein Bund ist mehr als eine spontane Zusage.

Er bedeutet Bindung.

Verpflichtung.

Treue.

Und genau an dieser Stelle wird verständlich, warum das Blut eine solche Symbolkraft besitzt: Wenn Blut für Leben steht, dann wird der Bund nicht als belanglose Vereinbarung dargestellt.

Er betrifft das Leben selbst.

Jesus greift diese Worte wieder auf

Viele Jahrhunderte später sitzt Jesus mit seinen Jüngern beim letzten Abendmahl.

Und plötzlich hören wir nahezu dieselben Worte wieder.

Jesus spricht vom:

„Blut des Bundes.“

Damit verbindet das Neue Testament den Tod Jesu mit dem Gedanken des Bundes.

Paulus beschreibt den Weg Jesu in Philipper 2,8:

„Er erniedrigte sich selbst und ward gehorsam bis zum Tode, ja zum Tode am Kreuz.“

Wieder begegnet uns der Gehorsam.

Bei Abraham sehen wir einen Menschen, der bereit ist, Gott selbst dann zu vertrauen, wenn er Gottes Forderung kaum verstehen kann.

Bei Christus sehen wir Gehorsam bis zum Tod.

Doch hier geschieht etwas Entscheidendes:

Nicht ein anderer wird geopfert.

Christus gibt sich selbst.

Ist ein Blutschwur also christlich?

Hier müssen wir vorsichtig sein.

Die Bibel fordert Christen nicht dazu auf, sich gegenseitig zu schneiden, Blut zu vermischen oder auf diese Weise persönliche Bündnisse zu schließen.

Ein menschlicher Blutschwur ist kein Sakrament und keine Voraussetzung für christliche Treue.

Aber wir können verstehen, warum Blut zu einem so mächtigen Symbol für Treue geworden ist.

Denn die biblische Botschaft kennt einen Bund, der nicht nur ausgesprochen wird.

Er kostet etwas.

Vielleicht brauchen wir keinen Blutschwur

Jesus sagt in der Bergpredigt:

„Eure Rede aber sei: Ja, ja; nein, nein.“

Vielleicht liegt genau darin die größere Herausforderung.

Nicht ein spektakuläres Ritual macht einen Menschen treu.

Nicht Blut garantiert, dass ein Versprechen morgen noch gilt.

Treue zeigt sich danach.

Wenn es schwierig wird.

Wenn das erste Gefühl verschwunden ist.

Wenn das gegebene Wort plötzlich etwas kostet.

Der christliche Glaube verlangt deshalb vielleicht etwas Schwierigeres als einen Blutschwur:

Dass unser Ja tatsächlich Ja bedeutet.

Denn Blut kann ein Zeichen für einen Bund sein.

Aber leben müssen wir diesen Bund selbst.

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Schwierige Beziehungen

Ganz ehrlich, Freunde: Beziehungen können manchmal ausgesprochen merkwürdig sein.

von Hans-Georg Peitl

Da sagt ein Mensch: „Geh!“ – und ist erschrocken, wenn der andere tatsächlich geht. Ein anderer sagt: „Komm!“ – bekommt aber gleichzeitig Angst davor, was passieren könnte, wenn der andere wirklich kommt.

Und irgendwo dazwischen steht ein Mensch und fragt sich:
Äh … könnt ihr mir vielleicht vorher die Spielregeln erklären? Was genau soll ich denn jetzt tun?

Vielleicht liegt genau darin eines unserer größten Probleme miteinander.

Wir sagen erstaunlich selten genau das, was wir meinen. Stattdessen erwarten wir vom anderen, zwischen den Zeilen zu lesen. Ein „Lass mich in Ruhe“ kann bedeuten: „Bitte geh nicht.“ Ein „Ist schon in Ordnung“ kann heißen: „Überhaupt nichts ist in Ordnung.“ Und manchmal bedeutet ein „Nein“ tatsächlich einfach nur „Nein“.
Viel Spaß beim Herausfinden.

Denn wenn wir immer klar sagen würden, was wir denken und fühlen, wäre eine Beziehung vermutlich viel zu einfach.
Oder vielleicht wäre sie einfach nur ehrlicher.

Interessanterweise beschränkt sich dieses Verhalten nicht auf Partnerschaften. Wir machen es beinahe überall: in Familien, unter Freunden, am Arbeitsplatz und manchmal sogar in der Öffentlichkeit.

Wir hören nicht nur darauf, was jemand sagt. Wir beginnen sofort darüber nachzudenken, was er damit wohl „wirklich“ gemeint haben könnte.

Und damit entsteht ein bemerkenswertes Paradox:

Vielleicht ist die beste Methode, etwas vor anderen zu verbergen, manchmal tatsächlich, ihnen einfach die Wahrheit zu sagen.
Denn während wir sie offen aussprechen, sitzt unser Gegenüber bereits da und überlegt:

„Ja, schön. Aber was meint er wirklich?“

Vielleicht sollten wir deshalb wieder lernen, einander zunächst einmal zuzuhören.
Nicht dem vermuteten Satz hinter dem Satz.
Sondern dem Satz selbst.

Denn Beziehungen wären wahrscheinlich gar nicht so schwierig, wenn wir nicht ständig versuchen würden, Gedanken zu lesen.
Vielleicht beginnt Vertrauen genau dort, wo das Gedankenlesen aufhört.

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Kann die Bibel Wirtschaftsratgeber sein?

Die Bibel als Wirtschaftsratgeber? Was meinst Du?

von Hans-Georg Peitl

Europa erlebt schwierige Zeiten. Viele Menschen sorgen sich um ihre Arbeit, ihre Rechnungen und ihre Zukunft. Mit unseren Songs möchten wir ihnen gerade jetzt Hoffnung geben. Denn wer nur noch Angst vor morgen hat, dem fällt es schwer, heute etwas aufzubauen.

Die Bibel sagt, dass Glaube Berge versetzen kann. Kann er dann auch helfen, eine Wirtschaftskrise zu überwinden?

Natürlich bezahlt ein Lied keine Stromrechnung. Und Vertrauen allein schafft noch keine Arbeitsplätze. Aber eine Wirtschaft lebt auch davon, dass Menschen wieder Mut fassen: dass sie Ideen verwirklichen, Verantwortung übernehmen und einander etwas zutrauen. Hoffnung ist kein Ersatz für wirtschaftliches Handeln. Sie kann der Anfang davon sein.

Manche werden nun sagen: „Was hat die Bibel überhaupt mit Wirtschaft zu tun?“ Eine ganze Menge, wenn man genauer hinsieht.
Jesus erzählt etwa von einem Weinbergbesitzer, der zu verschiedenen Tageszeiten Arbeiter einstellt. Am Abend gibt er allen denselben Tageslohn – auch denen, die erst spät begonnen haben. Daraus lässt sich kein fertiges Modell für ein bedingungsloses Grundeinkommen ableiten. Aber das Gleichnis stellt eine Frage, die bis heute aktuell ist: Was braucht ein Mensch, um von seiner Arbeit leben zu können? Und was bedeutet Gerechtigkeit, wenn nicht alle dieselben Chancen hatten?

In einem anderen Gleichnis geht es um Pächter eines Weinbergs, die dem Eigentümer seinen Anteil verweigern. Auch dort begegnen uns Besitz, Ertrag und Verantwortung. Die Bibel spricht also durchaus über Dinge, die unser wirtschaftliches Leben prägen.

Sie liefert uns keinen Haushaltsplan für Europa und keine einfache Lösung für jede Krise. Doch sie fordert uns auf, über gerechten Lohn, Verantwortung und den Umgang miteinander nachzudenken. Und sie erinnert uns daran, dass Angst nicht das letzte Wort haben muss.

Genau deshalb machen wir Musik. Wir können mit einem Song keine Wirtschaftskrise beenden. Aber vielleicht können wir einem Menschen den Mut geben, wieder aufzustehen, weiterzudenken und seinen nächsten Schritt zu gehen.
Wenn Glaube Berge versetzen kann, sollten wir zumindest nicht aufhören, nach einem Weg durch die Krise zu suchen.

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Und er ging ihm voraus

Wer ist Jesus eigentlich? Diese Frage beschäftigte die Menschen schon zu seinen Lebzeiten. Manche hielten ihn für Elia, andere für einen Propheten. Herodes glaubte sogar, in ihm sei Johannes der Täufer von den Toten zurückgekehrt (Markus 6,14–16).

Besonders nachdenklich macht mich aber eine Frage, die Johannes selbst stellte. Er saß inzwischen im Gefängnis und schickte seine Jünger zu Jesus: „Bist du, der da kommen soll, oder sollen wir auf einen andern warten?“ (Matthäus 11,3)

Ausgerechnet Johannes! Jener Mann, über dessen Geburt der Engel zu Zacharias gesagt hatte, er werde dem Herrn vorausgehen und ihm ein Volk bereiten (Lukas 1,13–17). In der bulgarischen Orthodoxie wird Johannes deshalb „der Vorläufer“ genannt.

Wie kann der Vorläufer plötzlich fragen, ob Jesus wirklich der Erwartete ist?

Vielleicht liegt darin etwas sehr Menschliches. Johannes hatte seinen Auftrag erfüllt. Er hatte gepredigt, Menschen zur Umkehr gerufen und Jesus den Weg bereitet. Doch nun saß er im Gefängnis. Was er von Jesus hörte, musste er mit dem in Einklang bringen, was er selbst erwartet hatte. Also fragte er.

Jesus wies ihn dafür nicht zurecht. Er ließ Johannes berichten, was geschah: Blinde sehen, Lahme gehen, Arme hören die frohe Botschaft. Johannes sollte seine Antwort an den Taten Jesu prüfen (Matthäus 11,4–6).

Das berührt mich. Selbst jemand, der anderen den Weg weist, kann an einen Punkt kommen, an dem er Gewissheit sucht. Seine Frage macht seinen bisherigen Weg nicht wertlos. Vielleicht zeigt sie gerade, wie ernst er ihn nahm.

Johannes ging Jesus voraus. Und als er nicht mehr sicher war, wohin dieser Weg führte, fragte er nach. Auch das darf zum Glauben gehören.

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Und Saulus tobte

Was mag diesen Saulus eigentlich so sehr verärgert haben? Das frage ich mich seit vielen Jahren. Was brachte ihn dazu, die Anhänger Jesu mit solcher Entschlossenheit zu verfolgen?

Es genügte ihm nicht, gegen die Gemeinde in Jerusalem vorzugehen. Als die Gläubigen von dort vertrieben waren, wollte er auch anderswo nach ihnen suchen.

Dabei war Saulus ein gläubiger Mann. Ein Pharisäer, der es mit seinem Glauben ernst nahm. Später bezeichnete er sich auch als römischen Bürger.

Was also trieb ihn an? Warum nahm er sich die Zeit, von Haus zu Haus zu gehen, Menschen gefangen nehmen zu lassen und schließlich sogar nach Damaskus zu reisen?

Vielleicht war Saulus so überzeugt davon, im Recht zu sein, dass er nicht mehr fragte, was er den Menschen antat. Er sah eine Gefahr für seinen Glauben, wo Gott längst etwas Neues begonnen hatte.

Und genau das beschäftigt mich: Wie leicht kann ein Mensch für Gott kämpfen wollen und dabei übersehen, dass er gegen Gottes Wirken kämpft?

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KI im Sinne Gottes

Auch heute habe ich wieder gelesen, dass Bill Gates vor den Gefahren der KI warnt. Ganz ehrlich: Ich tue mir mit solchen Warnungen schwer, wenn dabei die Verantwortung des Menschen aus dem Blick gerät.

Im Kolosserbrief heißt es:

„Denn in ihm wurde alles geschaffen, was im Himmel und auf Erden ist, das Sichtbare und das Unsichtbare, es seien Throne oder Herrschaften oder Mächte oder Gewalten; es ist alles durch ihn und zu ihm geschaffen.“
Kolosser 1,16

Als Christ glaube ich, dass auch die Fähigkeiten, mit denen Menschen Neues entwickeln, ihren Ursprung in Gottes Schöpfung haben. Deshalb möchte ich bei einer neuen Technik zuerst fragen: Wozu können wir sie zum Guten einsetzen?

Das bedeutet nicht, dass alles gut ist, was Menschen damit tun. Ein Werkzeug kann helfen oder Schaden anrichten. Die Verantwortung dafür tragen diejenigen, die es entwickeln und gebrauchen.

So sehe ich auch die KI. Sie kann Menschen beim Lernen, beim Verstehen und bei der Arbeit unterstützen. Sie kann aber ebenso für Täuschung oder Gewalt missbraucht werden. Wer vor diesem Missbrauch warnt, hat einen wichtigen Punkt. Wer dabei die KI selbst zum Schuldigen macht, übersieht den Menschen, der über ihren Einsatz entscheidet.

Für mich lautet die christliche Frage deshalb nicht: „Ist KI gut oder böse?“ Sie lautet: Wie setzen wir unsere Fähigkeiten ein – im Sinne Gottes und zum Wohl unserer Mitmenschen oder gegen sie?

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