Warum Menschen aneinander vorbeireden können!

Warum Menschen aneinander vorbeireden können!

von Hans-Georg Peitl

Manchmal verstehen Menschen nicht, dass sie sich gar nicht in der Position befinden, ständig neue Forderungen zu stellen.

Sie glauben, die besseren Karten auf der Hand zu haben. Und übersehen dabei etwas Entscheidendes:

Manchmal haben beide Seiten schlechte Karten.

Das ist besonders bei Geschäften und gemeinsamen Projekten interessant.

Nehmen wir an, zwei Menschen schließen einen Vertrag. Ein Preis wird vereinbart, Leistungen werden festgelegt und beide Seiten wissen, worauf sie sich eingelassen haben.

Nun beginnt eine Seite plötzlich, immer neue Forderungen zu stellen. Hier noch zusätzliche Kosten, dort noch eine weitere Zahlung, morgen vielleicht wieder etwas Neues.

Irgendwann wird die andere Seite zwangsläufig fragen:

Wieso eigentlich? Wir haben doch einen Preis vereinbart.

Noch problematischer wird es, wenn das eigentliche Projekt für die andere Seite gar nicht unbedingt notwendig ist. Vielleicht wurde es hauptsächlich begonnen, um Kontakte aufzubauen, Geschäftsverbindungen herzustellen oder eine längerfristige Zusammenarbeit zu ermöglichen.

Dann ist es ausgesprochen unklug, die Bedingungen immer weiter zu verschärfen.

Denn irgendwann kommt der Moment, an dem der andere schlicht sagt:

Dann lassen wir es eben.

Ein Vertrag ist keine unverbindliche Gesprächsgrundlage

Natürlich können sich Umstände ändern. Natürlich können Vertragspartner miteinander reden und gemeinsam neue Vereinbarungen treffen.

Aber genau darauf kommt es an:

gemeinsam.

Ein Vertrag bedeutet gerade, dass nicht jeden Morgen einer der Beteiligten aufwacht und einseitig neue Spielregeln festlegt.

Geschäftliches Vertrauen entsteht durch Berechenbarkeit.

Ich muss wissen, woran ich bin. Mein Gegenüber muss wissen, woran es bei mir ist.

Und wenn wir heute etwas vereinbaren, sollte diese Vereinbarung morgen nicht plötzlich etwas völlig anderes bedeuten.

Geschäfte mit geschlossenem Visier?

Ebenso schwierig ist eine andere Situation.

Jemand möchte mit mir Geschäfte machen, weigert sich aber gleichzeitig, klar offenzulegen, mit wem ich eigentlich zu tun habe.

Dann entsteht irgendwann eine vollkommen berechtigte Frage:

Mit wem agiere ich hier eigentlich?

Vertrauen verlangt nicht, dass man blind vertraut.

Ganz im Gegenteil.

Gerade eine ernsthafte Geschäftsbeziehung braucht Transparenz. Beide Seiten sollten wissen, wer ihr Gegenüber ist, wer Entscheidungen treffen darf und worauf man sich verlassen kann.

Wer Geschäfte pflegen möchte, kann nicht dauerhaft mit geschlossenem Visier auftreten und gleichzeitig uneingeschränktes Vertrauen verlangen.

Augenhöhe hängt nicht von gesellschaftlicher Stellung ab

Für mich gibt es dabei einen sehr einfachen Grundsatz.

Es ist gleichgültig, ob mir ein international bekannter Mensch, ein bedeutender Geschäftsmann oder der Bäcker vom nächsten Eck gegenübersitzt:

Ich begegne ihm zunächst auf Augenhöhe.

Nicht unterwürfig.

Nicht überheblich.

Sondern fair.

Ein berühmter Name macht einen Menschen nicht wertvoller. Ein unbekannter Name macht ihn nicht weniger wertvoll.

Und auch eine vermeintlich starke Verhandlungsposition gibt niemandem das Recht, den anderen unfair zu behandeln.

Denn Macht und Gerechtigkeit sind zwei vollkommen unterschiedliche Dinge.

Fairness funktioniert nicht nur in eine Richtung

Ich versuche, Menschen fair zu behandeln.

Ich versuche, Vereinbarungen einzuhalten.

Ich versuche, niemanden deshalb geringzuschätzen, weil er gesellschaftlich, wirtschaftlich oder organisatorisch vermeintlich weniger Einfluss besitzt.

Aber daraus folgt für mich auch etwas anderes:

Denselben Umgang erwarte ich von meinem Umfeld.

Fairness bedeutet nicht, dass einer ständig nachgibt und der andere ständig fordert.

Gerechtigkeit bedeutet nicht, dass derjenige recht bekommt, der gerade glaubt, die besseren Karten zu besitzen.

Und Augenhöhe bedeutet schon gar nicht, dass einer kniet, damit sich der andere größer fühlen kann.

Zuerst die Gerechtigkeit

Jesus formuliert in Matthäus 6,33 einen Grundsatz, der weit über wirtschaftliche Fragen hinausgeht:

Matthäus 6,33
„Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit.“

Genau diese Verbindung ist für mich entscheidend.

Nicht zuerst der eigene Vorteil.

Nicht zuerst die Frage: Was kann ich aus dem anderen noch herausholen?

Nicht: Wie weit kann ich gehen, weil ich glaube, dass der andere mich braucht?

Sondern zuerst die Frage:

Was ist gerecht?

Wer diesen Maßstab an andere anlegt, muss selbstverständlich bereit sein, ihn auch an sich selbst anzulegen.

Und vielleicht wäre manches Geschäft, manche Zusammenarbeit und sogar manche persönliche Beziehung wesentlich einfacher, wenn beide Seiten gelegentlich ihre Karten auf den Tisch legen und feststellen würden:

Vielleicht hat hier überhaupt niemand die besseren Karten.

Vielleicht brauchen wir auch keine.

Vielleicht genügt es vollkommen, einander fair, verlässlich und auf Augenhöhe zu begegnen.

Denn am Ende ist nicht entscheidend, wer ein Spiel gewinnt.

Entscheidend ist, ob man sich nachher noch gegenseitig in die Augen sehen kann.

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Der Prophet gilt nichts im eigenen Haus?

Manchmal gibt es Entwicklungen, mit denen man selbst nicht gerechnet hätte.

Gestern teilte mir unser Team mit, dass unser neues Musikprojekt Hans-Georg Peitl & ACE Ruseva inzwischen nicht nur in Haskovo mediale Aufmerksamkeit bekommen hat. Die Meldung über unser Lied „Auf dem Weg nach Haskovo“ wurde auch über BGVesti und weitere regionale Ausgaben verbreitet.

Dabei gibt es Hans-Georg Peitl & ACE Ruseva noch gar nicht lange.

Erst vor kurzer Zeit haben wir begonnen, unser bisheriges Projekt Hans-Georg Peitl & Suno Lingens auf eine neue musikalische Zusammenarbeit umzustellen. Wir wussten nicht, wie schnell ein neuer Künstlername angenommen werden würde und ob wir damit praktisch wieder bei null beginnen müssten.

Das Gegenteil scheint der Fall zu sein.

ACE Ruseva findet man inzwischen als eigenständige Künstlerin auf verschiedenen Musikplattformen. Die ersten gemeinsamen Singles sind veröffentlicht, weitere Produktionen sind entstanden – und nun gibt es bereits die ersten Zeitungsartikel über unser österreichisch-bulgarisches Musikprojekt.

Seit gestern kommt sogar die ganz alte Musikwelt hinzu: Unsere Musik soll nicht mehr ausschließlich digital existieren. Mit Langspielplatte, Vinyl-Single und zwei CD-Singles stehen inzwischen auch physische Tonträger zur Verfügung.

Für ein Projekt, das gerade erst aufgebaut wird, ist das ein erstaunlicher Start.

Und trotzdem beschäftigt mich daran etwas ganz anderes.

Warum Bulgarien?

In diesem Zusammenhang musste ich an einen bekannten Ausspruch Jesu denken:

„Ein Prophet gilt nirgends weniger als in seinem Vaterland und in seinem Hause.“
(vgl. Matthäus 13,57)

Natürlich vergleiche ich unser Musikprojekt nicht mit Jesus und schon gar nicht mich selbst mit einem biblischen Propheten.

Mich beschäftigt vielmehr das Prinzip hinter diesem Satz.

Mit Hans-Georg Peitl & Suno Lingens sind im Laufe der Zeit 185 Alben entstanden. Eine enorme Menge an Musik. Trotzdem gelang es uns damit in Wien nicht, eine entsprechende mediale Aufmerksamkeit zu erreichen.

Nun starten wir Hans-Georg Peitl & ACE Ruseva in Bulgarien.

Wir veröffentlichen einen Song über Haskovo – auf Deutsch, Bulgarisch und Englisch. Wir nennen unseren Stil „Ostblock Country“, weil darin Country ebenso seinen Platz findet wie Einflüsse aus Bulgarien und Mitteleuropa.

Und plötzlich berichten Medien darüber. Tatsächlich beschreibt BGVesti unser Projekt ausdrücklich als österreichisch-bulgarisches Duo und stellt sowohl den Haskovo-Song als auch die drei Sprachfassungen und unseren „Ostblock Country“ vor.

Warum?

Vielleicht liegt die Antwort gar nicht darin, dass Bulgarien Musik grundsätzlich mehr schätzt als Österreich.

Vielleicht haben wir hier schlicht etwas geschaffen, das Menschen unmittelbar mit ihrer eigenen Umgebung verbinden können.

Für einen Wiener Journalisten ist ein Wiener, der Musik macht, zunächst einmal einer von vielen.

Für ein Medium in Haskovo ist ein Österreicher, der gemeinsam mit einer Bulgarin ein Lied über Haskovo veröffentlicht, schon eine ungewöhnlichere Geschichte.

Und vielleicht ist genau das der Punkt.

Manchmal erkennt die Fremde zuerst, was man zu Hause übersieht

Menschen, die uns lange kennen, haben häufig bereits ein festes Bild von uns.

Der Mensch von nebenan bleibt der Mensch von nebenan. Der alte Bekannte bleibt der alte Bekannte. Und jemand, der seit Jahren Musik macht, ist eben „der, der Musik macht“.

Für einen Menschen, der uns gerade erst entdeckt, existiert diese Vorgeschichte nicht.

Er sieht nur das, was jetzt vor ihm liegt.

Vielleicht erklärt das ein kleines Stück weit, warum Künstler manchmal zuerst weit weg von ihrer Heimat wahrgenommen werden. Nicht unbedingt, weil die Heimat sie ablehnt – sondern weil das Vertraute weniger Aufmerksamkeit erzeugt als etwas Neues.

Und damit bekommt der alte Satz vom Propheten im eigenen Land für mich plötzlich eine ganz alltägliche Bedeutung.

Wir haben jahrelang nach Wien hineingerufen.

Jetzt haben wir ein Lied über Haskovo geschrieben.

Und Haskovo hat geantwortet.

Vielleicht sollte man manchmal gar nicht so sehr danach fragen, warum eine Tür verschlossen geblieben ist.

Vielleicht sollte man sich einfach darüber freuen, dass sich an einer anderen Stelle plötzlich eine geöffnet hat.

Was meint ihr?

Habt ihr selbst schon erlebt, dass eure Arbeit, eure Ideen oder eure Leistungen außerhalb eures gewohnten Umfeldes stärker wahrgenommen wurden als dort, wo man euch schon lange kennt?

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Das Licht nicht unter den Scheffel stellen

Zwischen Überheblichkeit und Gottesvernachlässigung

von Hans-Georg Peitl

Gestern entdeckte ich, dass wir mit dem 30. August etwas erreicht haben, was sich wohl schon viele Musiker gewünscht haben: Ein ausländisches Medium hat über uns und unsere Musik berichtet.

https://www.haskovo.net/news/635971/avst…esen-na-xaskovo

In unserem Fall war es Haskovo.net in Bulgarien, bei dem wir uns an dieser Stelle herzlich bedanken möchten.

Kurz nach dem Erscheinen unserer Single „Auf dem Weg nach Haskovo“ berichtete Haskovo.net über Hans-Georg Peitl & ACE Ruseva und unser österreichisch-bulgarisches Musikprojekt.

Und ich höre schon wieder manche sagen: Über solche Erfolge könne man doch nicht einfach öffentlich reden. Man müsse bescheiden sein und dürfe sich nicht selbst in den Mittelpunkt stellen.

Ich sehe das anders.

Denn es steht geschrieben:

Mt 5,15:
„Man zündet auch nicht ein Licht an und setzt es unter einen Scheffel, sondern auf einen Leuchter; so leuchtet es allen, die im Hause sind.“


Das Licht soll also gerade nicht versteckt werden.

Für mich besteht ein großer Unterschied zwischen dem Prahlen mit einer Leistung und der Freude darüber, dass etwas gelungen ist. Man darf dankbar sein. Man darf sich freuen. Und man darf auch anderen davon erzählen.

Genau an diesem Punkt habe ich beispielsweise seit langer Zeit meine Schwierigkeiten mit dem Prinzip der Verschwiegenheit, wie ich es bei der Freimaurerei wahrnehme. Nicht weil Menschen dort Gutes tun – Gutes zu tun finde ich selbstverständlich begrüßenswert. Meine Kritik richtet sich vielmehr gegen die Vorstellung, dass gute Werke möglichst im Verborgenen bleiben sollten.

Natürlich kennt die Bibel auch die andere Seite.

Jesus warnt ausdrücklich davor, religiöse Handlungen nur deshalb öffentlich zur Schau zu stellen, damit andere Menschen einen dafür bewundern. Beim Fasten sagt er:

Mt 6,16:
„Wenn ihr fastet, sollt ihr nicht sauer dreinsehen wie die Heuchler; denn sie verstellen ihr Gesicht, um sich vor den Leuten zu zeigen mit ihrem Fasten. Wahrlich, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn schon gehabt.“


Das Entscheidende ist für mich das Motiv.

Tue ich etwas, damit die Menschen mich dafür bewundern?

Oder geschieht etwas Gutes, und ich erzähle anschließend voller Freude und Dankbarkeit davon?

Das sind zwei völlig verschiedene Dinge.

Würde die Bibel verlangen, über alles Gute grundsätzlich zu schweigen, wüssten wir heute schließlich auch nichts von den Wundern Jesu. Menschen haben davon erzählt. Sie haben weitererzählt, was sie erlebt und gesehen hatten.

Darum möchte ich das Licht nicht unter den Scheffel stellen.

Ja, ich freue mich darüber und bin auch stolz darauf, dass Hans-Georg Peitl & ACE Ruseva mit unserem Lied „Auf dem Weg nach Haskovo“ kurz nach der Veröffentlichung Aufmerksamkeit in einem bulgarischen Medium gefunden haben.

Vor allem aber bin ich dankbar.

Dankbar gegenüber Haskovo.net, dass unsere Musik und die Geschichte dahinter einen Platz in der Berichterstattung bekommen haben. Dankbar gegenüber den Menschen, die unsere Musik hören und weitertragen.

Und dankbar gegenüber Jachwe, dass er uns die Fähigkeiten und Möglichkeiten gegeben hat, überhaupt etwas schaffen zu können, über das andere Menschen berichten möchten.

Denn auch darin liegt für mich ein Unterschied:

Das Licht auf den Leuchter zu stellen bedeutet nicht, sich selbst zum Licht zu erklären.

Es bedeutet, das, was uns gegeben wurde, nicht zu verstecken.

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Du, da brauche ich Nerven – Christlich betrachtet

Einmal ganz ehrlich, Freunde: Es hat sich zwar meistens in der Folge wieder aufklären lassen, aber manchmal bin ich inzwischen schon im Vorfeld verunsichert.

So habe ich heute versucht, elasticStage dazu zu nutzen, nicht nur meine Musik über Streamingdienste herauszugeben, sondern auch CDs und Vinyl anzubieten.

Und ich scheiterte am Upload.

Mein erster Gedanke war tatsächlich:

Upload funktioniert nicht. Also wollen die mich nicht.

Normalerweise würde man wahrscheinlich zuerst an eine Technikpanne denken. Nur habe ich in der Vergangenheit eben andere Erfahrungen gemacht.

Man versuchte unser Radio mit Hackerangriffen herunterzuschießen. Es gab Falschmeldungen an TikTok und ebenso Meldungen an DistroKid, sodass ich schließlich zu Amuse wechselte. Auch Apple wurde bereits falsch informiert. Dazu kamen zwei Canary-Überprüfungen, die für uns beantragt wurden und letztlich beide negativ ausgingen.

Wenn dann irgendwo plötzlich etwas nicht mehr funktioniert, erscheint mir deshalb inzwischen auch die Möglichkeit denkbar, dass bereits im Vorfeld irgendeine Sperre ausgesprochen wurde.

Bis ich mir selbst bewusst machen muss:

Moment einmal. Es wusste doch überhaupt niemand, dass ich zu elasticStage gehen werde.

Und tatsächlich stellte sich heraus: Es handelt sich schlicht um eine technische Panne. Der Upload funktioniert derzeit nicht.

Eigentlich eine vollkommen alltägliche Sache.

Nur: Wenn man lange genug mit Falschmeldungen und Anschuldigungen konfrontiert wird, beginnt man irgendwann, mit allem zu rechnen.

Meinst du nicht?

Du sollst nicht falsch Zeugnis reden

Die andere Seite der Medaille ist, dass die Sache natürlich auch einen biblischen Aspekt hat.

„Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten.“

Das neunte Gebot.

Und ich glaube, dass wir manchmal unterschätzen, wie aktuell dieses Gebot gerade im digitalen Zeitalter ist.

Denn was geschieht eigentlich, wenn ich einer Plattform melde:

„Dieser Mensch hat etwas gestohlen.“

Oder:

„Dieser Mensch verletzt Rechte.“

Oder auch nur:

„Schaut euch den einmal an. Meint ihr nicht, dass da etwas faul ist?“

Ich gebe gegenüber einem Dritten eine Aussage über einen anderen Menschen ab. Und diese Aussage kann Folgen haben.

Ein Lied verschwindet.

Ein Account wird eingeschränkt.

Eine Veröffentlichung wird gestoppt.

Im schlimmsten Fall verliert jemand den Zugang zu einer Plattform.

Natürlich ist nicht jede falsche Meldung automatisch eine Lüge. Menschen können sich irren. Sie können etwas missverstehen. Sie können einen begründeten Verdacht haben und diesen in gutem Glauben melden.

Aber etwas anderes ist es, wenn jemand bewusst Unwahres behauptet, Tatsachen verdreht oder einen bloßen Verdacht als Tatsache darstellt, um einem anderen Menschen zu schaden.

Dann sind wir meiner Ansicht nach sehr nahe bei dem, was die Bibel „falsch Zeugnis reden“ nennt.

Dabei ist für mich zunächst gar nicht entscheidend, ob eine solche Meldung strafrechtlich relevant ist.

Etwas kann gesetzlich erlaubt oder zumindest nicht strafbar sein und trotzdem moralisch vollkommen danebenliegen.

Und für einen Christen müsste der Maßstab eigentlich noch höher liegen.

Nicht nur:

„Darf ich das sagen?“

Sondern:

„Ist es wahr?“

Und sogar:

„Weiß ich überhaupt, ob es wahr ist?“

Denn eine Behauptung wird nicht dadurch wahr, dass man vor sie ein „Vielleicht“ oder „Könnte es sein?“ setzt.

Auch Gerüchte können Menschen beschädigen.

Auch Verdächtigungen können Existenzen treffen.

Und auch eine Meldung an irgendeinen anonymen Plattformmitarbeiter kann ein falsches Zeugnis über den Nächsten sein.

Vielleicht ist genau das ein Teil dessen, was uns das neunte Gebot heute sagen will.

Es geht nicht nur darum, vor Gericht keine falsche Aussage zu machen.

Es geht auch darum, wie wir über andere Menschen reden, was wir über sie behaupten und was wir über sie weitertragen.

Und vielleicht sollten gerade wir Christen uns dabei besonders häufig eine ganz einfache Frage stellen:

Weiß ich, dass das wahr ist, was ich gerade über meinen Nächsten sage?

Wenn die Antwort Nein lautet, wäre Schweigen manchmal die wesentlich christlichere Alternative.

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Wenn Glaube zerstört

Was mag wohl damals in Judas vorgegangen sein, als er Jesus verriet. Einfach ein paar mögliche Gedanken.

von Hans-Georg Peitl

Es gibt so Momente im Leben, Freunde, ich sage es Euch, in denen man sich fragt, was eigentlich wäre, wenn man nicht gläubig wäre.

Dann, wenn einem jemand das Gelbe vom Ei verspricht, wenn man nur mit ihm agieren würde.

Die alte Situation erklärt sich eigentlich selbst für beendet. Vor einem liegt etwas Neues.

Und dennoch sagt man sich:

Ja, da könnte ich erfolgreich werden. Vielleicht sogar mächtig.

Aber in Wahrheit befiehlt Gott:

Halte die Position.

Und da muss man sich prüfen.

Wie wichtig ist einem Gott wirklich?

Steht man zu seinem Wort, auch wenn man dafür etwas aufgeben muss? Oder entscheidet man sich doch für Erfolg, Macht und Reichtum?

So etwa stelle ich mir Judas vor.

30 Silberlinge – das war damals viel Geld.

Und was musste er dafür tun?

Doch eigentlich nur verraten, wer Jesus ist.

Und Jesus?

Der konnte sich doch sowieso helfen.

Wenn es gefährlich wird, ruft er eben die Engel. Und stellt Euch vor, was dann passiert:

Jesus wird verhaftet.

Im entscheidenden Moment erscheinen die Engel.

Und plötzlich weiß ganz Israel:

Das ist er wirklich. Der Messias. Der König von Israel.

Vielleicht würde eine solche Aktion Jesus sogar noch bekannter machen. Vielleicht würde sie den Glauben an ihn endgültig zementieren.

Verlockend.

So verlockend, dass Judas sich entscheidet.

Er verrät Jesus.

Und dann geschieht etwas, womit er nicht gerechnet hat.

Jesus ruft keine Engel.

Er lässt sich in Gethsemane verhaften.

Der Leidensweg beginnt.

Und Judas muss erkennen, dass seine wunderbare Rechnung nicht aufgegangen ist.

Vielleicht wollte er Geld.

Vielleicht wollte er Erfolg.

Vielleicht wollte er sogar die Ereignisse beschleunigen und glaubte, am Ende werde ohnehin alles gut.

Wir wissen nicht, was in seinem Kopf vorging.

Aber wir wissen, was geschah:

Er hatte die Situation falsch eingeschätzt.

Er wollte zu viel auf einmal.

Und genau deshalb kann Glaube manchmal zerstören.

Denn irgendwann stehen wir vor einer Möglichkeit und denken:

Das könnte mein Leben sein.

Das könnte mein Erfolg sein.

Das könnte meine Zukunft sein.

Vielleicht liegt auf der anderen Seite sogar genau das Leben, das ich mir immer gewünscht habe.

Und trotzdem sagt der Glaube:

Bleib stehen.

Dann zerstört der Glaube tatsächlich etwas.

Eine Möglichkeit.

Einen Traum.

Vielleicht sogar eine Zukunft, die wunderschön geworden wäre.

Und dann bleibt nur noch eine Frage:

Glaube ich Gott auch dann, wenn ich niemals erfahren werde, was auf der anderen Seite auf mich gewartet hätte?

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Wer bin ich eigentlich – wenn jemand nachschaut?

Manchmal erfährt man erstaunliche Dinge über sich selbst.

Man muss dazu nicht in alten Tagebüchern blättern oder Freunde aus der Jugend befragen. Manchmal genügt es, auf der eigenen Internetseite auf das eigene Benutzerprofil zu klicken.

Genau das habe ich heute getan.

Und dort erfuhr ich, dass ich Bundesobmann der „Internationalen christlichen Forschungspartei“ sei.

Das Problem daran:

Diese Partei hat es nie gegeben.

Offenbar hatte sich irgendwann irgendeine alte, falsche oder längst vergessene Beschreibung in meinem Profil festgesetzt. Dort blieb sie liegen. Ich bemerkte sie nicht, weil ich naturgemäß selten auf meine eigene Benutzerseite gehe.

Andere Menschen möglicherweise schon.

Und plötzlich wurde mir bewusst: Während ich mir Gedanken darüber mache, was ich schreibe, welche Musik ich veröffentliche, was Radio Roshen sendet und welche Gedanken ich öffentlich vertrete, konnte jemand auf meinen Namen klicken und anschließend denken:

„Aha. Das ist also dieser Mann.“

Nein.

War er nicht.

Wer ist dieser Mann überhaupt?

Diese Frage ist allerdings schwieriger zu beantworten, als ich zunächst dachte.

Autor?

Ja.

Journalist?

Auch.

Komponist und Musikproduzent?

Inzwischen ziemlich eindeutig.

Radiomacher?

Radio Roshen sendet rund um die Uhr.

Pastor?

Seit vielen Jahren.

Und irgendwo unter all diesen Schichten sitzt noch immer der ehemalige IT-Mann und fragt sich bei jedem Problem zunächst, ob man das System nicht einfach anders verwenden könnte, als es ursprünglich vorgesehen war.

Vielleicht erklärt gerade das auch dietempler.org.

Ein Forum, in dem niemand diskutieren darf

Technisch läuft dietempler.org auf XOBOR.

XOBOR stellt Forensoftware her.

Damit wäre eigentlich klar, was man dort macht: Benutzer registrieren sich, eröffnen Themen, antworten einander und diskutieren.

Nur haben wir ein kleines Problem.

Bei uns kann niemand etwas schreiben.

Keine öffentlichen Beiträge. Keine Antworten. Keine Kommentare unter Artikeln.

Nichts.

Das „Forum“ ist in Wirklichkeit eine Zeitung.

Dahinter steht eine Templerloge, die ihre Texte öffentlich zugänglich macht. Jeder darf sie lesen. Jeder darf darüber nachdenken. Jeder darf sie anderswo kritisieren, loben, zitieren oder sich darüber fürchterlich aufregen.

Nur auf unserer eigenen Seite kann er seine Meinung nicht daruntersetzen.

Man könnte das für mangelnde Diskussionsbereitschaft halten.

Ich sehe es etwas anders.

Jeder darf mitdiskutieren

Denn selbstverständlich darf jeder über unsere Texte diskutieren.

Das Internet ist groß genug.

Wer einen meiner Artikel für Unsinn hält, darf anderswo einen Artikel darüber schreiben. Er darf ihn in sozialen Medien zerlegen. Er darf seinen Freunden erzählen, dass dieser Peitl offenbar völlig den Verstand verloren hat.

Er darf sogar einen Leserbrief schreiben.

Ganz traditionell.

Mit Papier.

Und Briefmarke.

Nur daraus folgt nicht, dass eine Zeitung verpflichtet wäre, unter jeden ihrer Texte eine öffentliche Wand zu hängen, auf die jeder Besucher unmittelbar seine Meinung schreiben darf.

Meinungsfreiheit bedeutet, dass Menschen ihre Meinung äußern dürfen.

Sie bedeutet nicht, dass ich ihnen dafür meine Druckerpresse zur Verfügung stellen muss.

Und damit wären wir bei unserem heutigen redaktionellen Grundsatz:

Beschwerden bitte an das Salzamt.

Dreißig Jahre Lampenfieber, das keines war

Ausgerechnet heute habe ich außerdem über eine Geschichte geschrieben, die ungefähr dreißig Jahre zurückliegt.

Ich sollte damals in einer Fernsehsendung mit Ingrid Stöckl auftreten.

Ich kam nicht.

Ich sagte nicht ab.

Ich erschien einfach nicht.

Daraus entstand offenbar die Erklärung, ich hätte Lampenfieber gehabt.

Nur hatte ich keines.

Am Tag zuvor hatte sich meine damalige Freundin überraschend von mir getrennt. Ich hatte geglaubt, wir würden heiraten. Einen Tag später war ich schlicht nicht in der Verfassung, vor einer Fernsehkamera zu sitzen.

Das entschuldigt mein Verhalten nicht.

Ich hätte absagen müssen.

Aber aus einem tatsächlichen Fehler wurde durch eine plausible Interpretation eine andere Geschichte.

Und genau deshalb habe ich diese Erinnerung heute aufgeschrieben.

Wir sehen, was Menschen tun.

Aber wir kennen häufig nicht den Tag davor.

Und dann schauen plötzlich Menschen zu

Während all dieser Überlegungen fiel mir heute noch etwas auf.

Unser Besucherzähler bewegt sich schneller als gewöhnlich.

Mehr Menschen kommen auf die Seite.

Warum?

Keine Ahnung.

Vielleicht wird irgendwo über etwas diskutiert, das wir veröffentlicht haben. Vielleicht wird ein Link weitergegeben. Vielleicht sucht jemand nach meinem Namen. Vielleicht hat es mit etwas völlig anderem zu tun.

Das Entscheidende ist:

Wir wissen es nicht.

Und ausgerechnet das passt erstaunlich gut zum heutigen Tag.

Denn heute ging es immer wieder darum, wie schnell wir aus einer Beobachtung eine Erklärung machen.

Der Zähler steigt.

Also muss es dieses sein.

Oder jenes.

Oder jemand macht irgendwo Wind.

Alles möglich.

Aber noch nicht gewusst.

Fakten und Geschichten

Vielleicht verbindet genau das meine sehr unterschiedlichen Tätigkeiten stärker, als ich bisher dachte.

In der IT lernte ich, dass ein System nicht unbedingt das tut, was man glaubt, dass es tut.

Im Journalismus lernte ich, dass eine plausible Geschichte noch lange keine wahre Geschichte sein muss.

In der Theologie begegnet einem seit Jahrtausenden die Frage, was Menschen wissen, was sie glauben und was sie lediglich interpretieren.

Und im Leben stellt man irgendwann fest, dass sogar die eigene Biografie im Internet Dinge über einen behaupten kann, die niemals existiert haben.

Deshalb habe ich mein Profil heute geändert.

Dort steht jetzt nicht mehr der Bundesobmann einer imaginären Partei.

Dort steht unter anderem:

Sendeleiter von Radio Roshen. Autor. Journalist. Komponist. Radiomacher. Seniorpastor.

Das ist vielleicht weniger spektakulär.

Dafür hat es einen entscheidenden Vorteil:

Es stimmt.

Und sollte jemand damit nicht einverstanden sein, haben wir dafür selbstverständlich eine zuständige Stelle.

Das Salzamt.

Die Anschrift dürfen Sie allerdings selbst herausfinden.

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Wie lange sollte man an einer Ehe festhalten?

Wenn ein anderer Mensch besser zu mir passen würde

von Hans-Georg Peitl

Diese Frage, liebe Freunde, stelle ich mir immer wieder. Besonders an jenen Tagen, an denen meine Frau ankündigt, mich nun zu verlassen, oder mich auffordert, selbst zu gehen.

Und ich stehe da und frage mich:

Was soll ich nun eigentlich tun?

Grundsätzlich habe ich einen Glauben. Nämlich den Glauben, dass eine Ehe nicht einfach deshalb aufgelöst werden sollte, weil sie schwierig geworden ist oder weil man irgendwann feststellt, dass ein anderer Mensch vielleicht besser zu einem passen würde.

Jesus sagt:

Matthäus 19,6
„Was nun Gott zusammengefügt hat, soll der Mensch nicht scheiden.“

Und wenige Verse später spricht Jesus über Ehebruch als Ausnahme.

Für mich bedeutet das: Solange meine Frau keinen Ehebruch begeht und sich damit einem anderen Mann zuwendet, besteht unsere Ehe.

Das ist meine Glaubensgrundlage.

Treue ist leicht, solange alles funktioniert

Natürlich klingt Treue wunderschön, solange eine Ehe harmonisch verläuft.

Doch was bedeutet Treue, wenn es anders kommt?

Was bedeutet sie nach zahlreichen Zugeständnissen, nach harten Beleidigungen, nach Streit und sogar nach manchen Handgreiflichkeiten?

Ich würde trotzdem zu meiner Frau halten.

Nicht, weil mir das immer leichtfällt.

Nicht, weil ich behaupten könnte, dass unsere Ehe immer glücklich wäre.

Sondern weil mein Glaube mir sagt, dass ein Eheversprechen nicht nur für die guten Zeiten gegeben wurde.

Doch genau hier beginnt für mich die schwierige Frage.

Was geschieht, wenn jemand anderes besser passen würde?

Im Laufe eines Lebens begegnet man vielen Menschen.

Und darunter können durchaus Menschen sein, mit denen man vielleicht friedlicher zusammenleben könnte. Menschen, mit denen man mehr gemeinsame Interessen hat. Menschen, die möglicherweise sogar gerne jene Rolle im eigenen Leben hätten, die der Ehepartner inzwischen ablehnt.

Dann wäre es leicht zu sagen:

Warum halte ich eigentlich noch an dieser Ehe fest?

Warum packe ich nicht einfach meinen Koffer, wenn meine Frau mich dazu auffordert?

Warum beginne ich nicht noch einmal neu?

Vielleicht wäre ich mit einem anderen Menschen sogar glücklicher.

Aber ist das tatsächlich ein christlicher Grund, eine Ehe zu verlassen?

Ehe ist keine permanente Partnerwahl

Vor einer Ehe kann ich überlegen, welcher Mensch am besten zu mir passt.

Aber nach der Eheschließung verändert sich etwas.

Denn wenn ich auch danach ständig prüfen würde, ob inzwischen irgendwo ein besser passender Partner aufgetaucht ist, wäre die Ehe keine verbindliche Entscheidung mehr.

Sie wäre eine permanente Ausschreibung.

Heute ist meine Frau die beste Partnerin. Morgen begegne ich einer Frau, die besser zu mir passt. Und übermorgen vielleicht einer, die noch besser passt.

So kann Treue eigentlich nicht funktionieren.

Vielleicht besteht Treue gerade darin, sagen zu können:

Ja, möglicherweise gibt es einen Menschen, der besser zu mir passen würde. Aber ich bin verheiratet.

Ich muss einen anderen Menschen nicht schlechtmachen, um meiner Frau treu zu bleiben.

Ich darf sogar anerkennen, dass ein anderer Mensch vielleicht liebevoller, friedlicher oder in manchen Bereichen passender wäre.

Die eigentliche Frage ist doch:

Hebt das mein Eheversprechen auf?

Nach meinem bisherigen Glaubensverständnis lautet die Antwort: Nein.

Aber wo liegt die Grenze?

Und trotzdem bleibt bei mir eine Frage offen.

Denn muss ein Christ tatsächlich unter allen Umständen an einer Ehe festhalten, solange kein Ehebruch stattgefunden hat?

Was ist mit dauerhaften Beleidigungen?

Was ist mit der ständigen Aufforderung, zu gehen?

Was ist mit körperlichen Übergriffen?

Darf man sich in einer solchen Situation räumlich trennen, ohne damit das Eheversprechen aufzugeben?

Und noch schwieriger:

Wenn der eigene Ehepartner selbst immer wieder die Trennung verlangt – ist es dann christliche Treue, trotzdem zu bleiben?

Oder kann aus dem Festhalten irgendwann etwas werden, das mit Liebe gar nichts mehr zu tun hat?

Ich habe darauf für mich noch keine einfache Antwort gefunden.

Eines allerdings glaube ich:

Dass irgendwo ein Mensch existiert, der möglicherweise besser zu mir passen würde, kann allein kein Grund sein, mein Eheversprechen zu brechen.

Denn sonst wäre Treue nur so lange gültig, bis etwas Besseres auftaucht.

Und das kann eigentlich nicht das sein, was Jesus mit Ehe gemeint hat.

Aber wie seht ihr das?

Wie lange sollte ein Christ an einer Ehe festhalten?

Und wo liegt für euch die Grenze zwischen Treue zu einem Versprechen und einer Trennung, die vielleicht irgendwann notwendig wird?

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